Griechenland scheint gerade mehrere seiner alten Mythen erneut durchleiden zu müssen: Kaum hat sich das Land aus der finanziellen Abhängigkeit europäischer Hilfen befreit und ist wie Sisyphos mit seiner schweren Last halbwegs über den Schuldenberg, da purzelt die Regierungspartei Syriza den Abhang hinunter - abgestraft durch miserable Ergebnisse bei den Europa- und Kommunalwahlen. Bei einer Neuwahl des griechischen Parlaments in gut einem Monat hofft Regierungschef Alexis Tsipras, wie Phönix aus der Asche erneut ins Amt zu kommen. Aber den Orakeln zufolge könnte sein Werben um Wähler zu einer Irrfahrt werden. Obwohl er doch schon viel in die Waagschale geworfen hat, um seine Landsleute hinter sich zu bringen. Wie die Griechen dereinst nach Troja so hat Tsipras nach Berlin die Forderung geschickt, für begangenes Unrecht zu bezahlen. Eine Reparationsforderung wegen deutscher Weltkriegs-Verbrechen in Griechenland. Zur Last dieser griechischen Vergangenheit gehören aber auch die damaligen Kollaborateure im eigenen Land. Und zu ihrem Erbe gehören heute rechte Parteien wie die "Goldene Morgenröte" und ein verbreiteter Antisemitismus. Zwischen einer schwierigen Vergangenheit und einer unsicheren Zukunft sucht Griechenland mehr denn je seinen Weg.