Helle Panke

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Helle Panke episodes

  • Jan Gerber: Holocaust, Kolonialismus, Postkolonialismus. Über Opferkonkurrenz und Schuldverschiebung
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    Homepage: www.helle-panke.de
    Aufzeichnung vom 17. August 2022
    Referent: Dr. Jan Gerber ist seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dubnow-Institut in Leipzig und leitet dort das Forschungsressort Politik. 2021 gab er das Buch "Geschichtsoptimismus und Katastrophenbewusstsein. Europa nach dem Holocaust" (zus. mit Anna Pollmann und Philipp Graf) heraus; 2018 erschien seine Monographie "Karl Marx in Paris. Die Entdeckung des Kommunismus".
    Es ist noch nicht lange her, da konnte aus guten Gründen vermutet werden, dass die Erinnerung an den Holocaust eher zu- als abnehme. Diese Zeit scheint inzwischen vorbei zu sein. Dafür spricht nicht nur die deutliche Verbreiterung des rechten Randes, sondern auch die Leichtigkeit, mit der mindestens ein Teil der politischen Linken inzwischen von der Vorstellung der Präzedenzlosigkeit des Holocaust abrückt. Fast scheint es so, als würden die größten Herausforderungen für die Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden in Zukunft eher von links als von rechts kommen. Denn während die rechtskonservativen Versuche, den Holocaust zu relativieren, völlig zu Recht für große Empörung sorgen, sind die linken Anwürfe oft akzeptierter Bestandteil der Debattenkultur. Das gilt insbesondere, wenn sie, wie im Kontext der Mbembe-Debatte oder der Black-Lives-Matter-Proteste, im Namen des Postkolonialismus und eines zur Ideologie erstarrten Antirassismus formuliert werden.
    Im Rahmen des Vortrags wird dieser Entwicklung sowie den Hintergründen, Ursachen und Dynamiken der postkolonialen Auseinandersetzung mit dem Holocaust nachgegangen.
    59 min
  • Zwischen Krieg und Mangelverwaltung - Diskussion zur aktuellen Lage in Rojava (7.11.22)
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    Revolution in Rojava, Sieg gegen den IS, Aufbau einer autonomen Selbstverwaltung in Nord-Ost Syrien - aber wie sieht es dort eigentlich 10 Jahre nach Einführung der Selbstverwaltung aus? Wie haben sich die Strukturen vor Ort entwickelt, wie ist der aktuelle Status der Region, was ist aus all den IS Angehörigen geworden und welche Perspektiven bieten sich vor Ort?
    Über diese Themen und Erfahrungen in der Region aus den letzten Jahren diskutieren Khaled Davrisch als Vertreter der Selbstverwaltung in Berlin und Nina Röttgers.
    Moderation: Charlotte Tinawi (Referentin Syrien, Iran, Rosa-Luxemburg-Stiftung)
    54 min
  • Michael Hudson: A New Bipolar World. US finance capitalism vs. China's mixed public/ private economy
    Online-talk with Professor Michael Hudson and Mathew D. Rose, November 1, 2022
    A Cooperation of Helle Panke e.V. with Brave New Europe, OXI and Rosa-Luxemburg-Foundation.
    Read on Brave New Europe: "Michael Hudson – The Euro Without German Industry" https://braveneweurope.com/michael-hudson-the-euro-without-german-industry
    To support our work please donate via PayPal to: [email protected]
    The world is now dividing into two parts: A high-cost US and NATO-centered world of finance capitalism that has become post-industrial and debt burdened, and a China- and Russia-centered Eurasian mixed economy in which basic infrastructure is provided as a public service at subsidized prices or freely, in which the monetary and financial system is a public utility aimed at providing credit for the “real” economy instead of loading down real estate and existing assets with debt. He will be switched on via ZOOM.
    Prof. Michael Hudson is President of The Institute for the Study of Long-Term Economic Trends (ISLET), a Wall Street Financial Analyst, Distinguished Research Professor of Economics at the University of Missouri, Kansas City. He is the author of Super-Imperialism: The Economic Strategy of American Empire (Editions 1968, 2003, 2021), ‘and forgive them their debts’ (2018), J is for Junk Economics (2017), Killing the Host (2015), The Bubble and Beyond (2012), Trade, Development and Foreign Debt (1992 & 2009) and of The Myth of Aid (1971), amongst many others. He acts as an economic advisor to governments worldwide including China, Iceland and Latvia on finance and tax law.
    38 min
  • Marx' und Engels' naturwissenschaftliche Studien - kein Nebengeschäft, Dr. sc. Carl-Erich Vollgraf
    Mitschnitt vom 2. Juni 2022
    Referent: Dr. sc. Carl-Erich Vollgraf, Wissenschaftshistoriker; Bearbeiter und Kommentator mehrerer Manuskript-Bände zu Buch 2 und 3 des „Kapitals“ im Rahmen der MEGA²
    Moderation: Dr. Frank Engster
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    Marx und Engels kamen nicht dazu, ihre umfangreichen naturwissenschaftlichen Studien insbesondere in den 1870ern in finale Texte einzuarbeiten. Die Spekulationen über deren Sinn reichen von "unverantwortlicher Zeitverschwendung" (chemische und geologische Exzerpte) bis zur Entdeckermentalität beider sogar auf naturwissenschaftlichen und mathematischen Gebieten. Doch Marx und Engels waren diesbezüglich Lernende. Sie wollten sich auf dem Niveau des universitär vermittelten naturwissenschaftlichen Grundlagenwissens bewegen können. Dafür gab es methodische, sozialökonomische und politische Gründe. Die Aneignungsweise war bei beiden unterschiedlich. Zeugnisse ihrer Studien sind nicht nur die reichlichen Exzerpte, sondern auch die Lesespuren in ihrer naturwissenschaftlichen Bibliothek und – kaum beachtet, doch am nachhaltigsten – die persönliche Konversation mit naturwissenschaftlichen Größen. Fragen der Nachhaltigkeit als natur-sozialökonomisches Problem kamen dabei nicht zu kurz.
    1 hr 17 min
  • Christine Blättler - Geschichte als kultureller Kampfplatz und die Rolle der Philosophie
    Mitschnitt vom 30.5.22
    Der Vortrag beginnt bei 4:32
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    Spätestens seit dem «Ende der großen Erzählungen» (Lyotard) gilt Geschichtsphilosophie in weiten Teilen der Geistes- und Kulturwissenschaften als totalitarismusverdächtig. Dieser Verdacht scheint sich auch aktuell zu bestätigen, bedienen sich doch Autokraten und Diktatoren historischer Großerzählungen, mit denen sie Politik machen und rechtfertigen. Sie berufen sich ausdrücklich auf Geschichtsphixlosophien und umgeben sich mit Hofphilosophen als Stichwortgeber. Wird Geschichtsphilosophie notwendigerweise zur Komplizin von Politik, ja treibt sie diese sogar an? Und wie lässt sich die Frage nach der Geschichte seitens der Philosophie in kritischer Absicht behandeln? Der Vortrag stellt sich dem Problem mit der Geschichte, setzt sich mit Herangehensweisen von Theodor W. Adorno, Walter Benjamin und Siegfried Kracauer auseinander und erläutert, warum es wichtig ist, dass sich Philosophie gerade heute erneut mit der Frage nach der Geschichte befasst.
    Christine Blättler ist Professorin am Philosophischen Seminar der Universität Kiel. Zu ihren Büchern zählen: Theoretische Neugierde. Horizonte Hans Blumenbergs, Beiheft Allgemeine Zeitschrift für Philosophie, im Erscheinen (Hg. mit Angelika Messner und Ralf Köhne); Der Gesandte. Alexandre Kojèves europäische Missionen, Merve 2022 (Hg.); Benjamins Phantasmagorie. Wahrnehmung am Leitfaden der Technik, DEJAVU 2021; Walter Benjamin. Politisches Denken, Nomos 2016 (Hg. mit Christian Voller); In Gegenwart des Fetischs. Dingkonjunktur und Fetischbegriff in der Diskussion, Turia&Kant 2014 (Hg. mit Falko Schmieder).
    1 hr
  • Frank Engster: Zum 10. Todestag von Robert Kurz. Die Stränge der Wertkritik in der deutschen Linken.
    Mitschnitt vom 18. Juli 2022
    Referent: Dr. Frank Engster
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    Es gibt „Bücher der Zeit“, die eine gesellschaftliche Situation und manchmal sogar eine ganze historische Sequenz auf den Punkt bringen. Robert Kurz‘ werttheoretische Abrechnung "Der Kollaps der Modernisierung", erschienen kurz nach dem Epochenbruch 1989, gehört in die Reihe solcher Bücher. Es wurde letztes Jahr, 2021, 30 Jahre alt, genau wie ein zweites Buch, das ebenfalls für die Diskussion um eine werttheoretisch ausgerichtete Gesellschaftskritik einschneidend werden sollte, nämlich Michael Heinrichs Die Wissenschaft vom Wert.
    Die „fundamentale Wertkritik“ von Robert Kurz und den Autoren um die Krisis war nur einer von drei Strängen, die sich im deutschsprachigen Raum im Rückgriff auf die Marx'sche Werttheorie in den 1990er Jahren profilierten. Die beiden anderen sind zum einen die sog. Neue Marx-Lektüre, zu der auch Michael Heinrichs Buch gerechnet werden kann, zum anderen der ideologiekritische, eng an der Kritischen Theorie ausgerichtete Strang. Die Unterschiede sind, vor allem für Außenstehende, oft nur schwer zu durchschauen. Der Vortrag stellt die drei Stränge vor und versucht, Orientierung zu geben.
    Da der Referent erkrankt war, fand die Veranstaltung hybrid statt. Dr. Frank Engster hielt seinen Vortrag vom heimischen Laptop aus, wir übertrugen live auf die Leinwand in unseren Veranstaltungsraum in der Kopenhagener Straße
    1 hr 6 min
  • Red Metal. Die Heavy-Metal-Subkultur in der DDR, Vortrag von Nikolai Okunew
    Heavy-Metal-Fans sind in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre eine der größten jugendlichen Subkulturen in der DDR. Sie gehen arbeiten, denn Schallplatten, ihr Outfit und Shopping-Fahrten nach Budapest sind teuer. Für Politik interessieren sie sich jedoch kaum. Die SED ist deshalb verunsichert, wie sie mit der Jugendkultur umgehen soll und bemüht sich letztlich erfolglos, die Metal-Szene für ihre Ziele einzuspannen.
    Nikolai Okunew hat für seine Dissertation "Red Metal" (2021) auf Basis umfassender Archivrecherchen, dutzender Interviews und der breiten Szene-Überlieferung die Geschichte der Heavy-Metal-Szene in der DDR rekapituliert. Er zeigt, wie sich ihre Bands entwickeln und die Fans an den Wochenenden scharenweise in alle Ecken des Landes fahren, um dort zu feiern, zu trinken und zu headbangen. Konflikte mit der Polizei und der Stasi werden dabei ebenso deutlich wie die Rolle des Radios, das den Heavy Metal ins Land trägt.
    In der Friedrichshainer Metal-Kneipe Brutz&Brakel stellte Nikolai Okunew am 24.6.22 seine Forschungsergebnisse vor und hat mit Zeitzeugen an die "Heavies" in der DDR erinnert. Den Abend moderierte Anne Kramp.
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    44 min
  • Russland kaputt?! Der Ukraine-Krieg und das Ende der deutschen Gewissheiten, Manfred Sapper
    Mitschnitt vom 20. Juni 2022
    Referent: Manfred Sapper (Politikwissenschaftler, leitet die Zeitschrift Osteuropa)
    Moderation: Christoph Lieber
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    Die "Zeitenwende" seit Putins Krieg gegen die Ukraine hat in der deutschen Öffentlichkeit zu einem Meinungsstreit um Waffenlieferungen an die Ukraine, um eine Bewertung der Friedens- und Entspannungspolitik seit den 1970er Jahren und eine künftige Außen- und Sicherheitspolitik gegenüber der Russischen Föderation und Osteuropa geführt. Gilt es auch Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges und der Systemkonfrontation noch, eine Friedens- und Entspannungspolitik weiterzuentwickeln? In seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises resümierte Willy Brandt: "Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio. Auch wenn das noch nicht allgemeine Einsicht ist: Ich begreife eine Politik für den Frieden als wahre Realpolitik dieser Epoche."
    Diese Realpolitik sei gegenüber Russland gescheitert, argumentieren die Kritiker*innen: "Modernisierungspartnerschaft" und Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion und den GUS-Staaten hätten einer Appeasement-Politik Vorschub geleistet. Statt eine Neuordnung westlicher Prägung zu erzwingen, hätten die Entspannungspolitiker aller Parteien die fixe Idee verfolgt, der Westen könne das außenpolitische Kalkül und die innenpolitische Entwicklung Russlands durch Dialog und ökonomische Verflechtung beeinflussen. Rückblickend sei aber klar: Putins imperiale Absichten habe man unterschätzt, seine Aufrüstungspolitik ignoriert, und der Bau der Gaspipeline Nordstream 2 sei ein Fehler gewesen. Gleiches gelte für die Abhängigkeit von russischer Energie.
    Bislang fehlen neue zukunftsfähige außen- und sicherheitspolitische Konzeptionen der LINKEN und der Sozialdemokratie. Dazu kommt erschwerend: "Wer in der ökonomischen und politischen Verfasstheit Russlands eine Ursache für Putins Herrschaftsform und seine Fehlentscheidung sucht, kommt zu einem blamablen Ergebnis besonderer Art: Wozu gibt es denn (immer noch) so viele Marxistinnen und Marxisten, wenn keine/r (den Verfasser der hier vorliegenden armseligen Zeilen nicht ausgenommen) sich bisher die Mühe gemacht hat, umfassend die politische Soziologie, Ökonomie und Kultur sowie die verschiedenen Alltagswelten Russlands zu verstehen? So wäre gegenwärtig wohl das Ehrlichste, solches Versagen einzugestehen und den Schaden, dessen binnengesellschaftliche russische Ursachen vorerst unerkannt bleiben, zu besichtigen." (Georg Fülberth in der jw)
    Die Veranstaltung mit Manfred Sapper soll einen Anstoß zur Selbstverständigung geben. Er wird den"Putinismus" analysieren und fragen, welche Determinanten die Russland- und Osteuropapolitik künftig bestimmen.
    1 hr 36 min
  • "Despotischer Sozialismus" oder "Staatssklaverei"? Uli Schöler, Wladislaw Hedeler, Jörn Schütrumpf
    Mitschnitt vom 25. April 2022 aus der Kopenhagener Str. 9, Berlin
    "Despotischer Sozialismus" oder "Staatssklaverei"?
    Die theoretische Verarbeitung der sowjetrussischen Entwicklung in der Sozialdemokratie Deutschlands und Österreichs (1917 - 1929)
    Es sprechen:
    0:00 Dr. Wladislaw Hedeler
    10:11 Dr. Jörn Schütrumpf
    22:42: Dr. Uli Schöler
    Mit: Dr. Uli Schöler (Rechts- und Politikwissenschaftler; er lehrte bis 2019 als außerplanmäßiger Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Seit 2015 ist er Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung) und Dr. Jörn Schütrumpf (ehem. Leiter der Fokusstelle Rosa Luxemburg, Rosa-Luxemburg-Stiftung)
    Moderation: Dr. Wladislaw Hedeler
    »Wie hältst Du es mit Sowjetrussland?« Diese Frage bewegte nach der Oktoberrevolution die europäische Linke. Für die innersozialdemokratische Diskussion in Deutschland und Österreich markieren die Begriffe »Despotischer Sozialismus« (Otto Bauer) oder »Staatssklaverei« (Karl Kautsky) den Spannungsbogen, in dem in den verschiedenen Strömungen die Haltungen zur Oktoberrevolution und die weitere Entwicklung Sowjetrusslands kritisch untersucht wurden. Bereits 1991 legte Uli Schöler seine materialreiche Darstellung dieser Auseinandersetzungen vor. Die Schilderung und Analyse der Reaktionen auf die politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen, Ereignisse und Entscheidungen in Sowjetrussland – Friede von Brest-Litowsk, Auflösung der Konstituante, Parteidiktatur, Struktur des Rätesystems, Komintern-Strategie, Kronstädter Aufstand, Georgien-Intervention, Neue Ökonomische Politik (NEP), Agrarfrage, Bürokratie, Terror – bilden gleichsam eine ausführlich kommentierte Chronik der ersten zwölf Jahre bolschewistischer Herrschaft.
    Der Karl Dietz Verlag hat Schölers Buch, das lange Zeit vergriffen war, 2021 neu aufgelegt.
    "Helle Panke" e.V. freut sich über Spenden, via PayPal an: [email protected]
    1 hr 5 min
  • Prof. Christine Bauhardt: Der ökofeministische Blick der Wissenschaftshistorikerin Carolyn Merchant
    Audiomitschnitt vom 29. März 2022
    Referentin: Prof. Christine Bauhardt (Humboldt-Universität zu Berlin, Albrecht Daniel Thaer - Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften, Gender und Globalisierung, hat die Einführung für die Neuausgabe von "Der Tod der Natur" aus dem Jahr 2020 verfasst)
    Begrüßung: Dr. Alexander Amberger
    "Helle Panke" e.V. dankt für Spenden, z.B. via PayPal an: [email protected]
    Für Carolyn Merchant liegt die historische Grundlage der kapitalistischen Entwicklung im dramatischen Wandel, der in der Frühen Neuzeit in Europa stattfand. In ihrem ersten Buch "Der Tod der Natur" von 1980 untersucht sie die Ablösung der organischen Vorstellung über die Natur und den Kosmos durch das mechanische Weltbild zwischen 1500 und 1700. In dieser Zeit tritt an die Stelle der Vorstellung der Natur als nährende Mutter Erde das Bild der aus austauschbaren Teilen zusammengesetzten Maschine. Die mechanistische Weltanschauung erlaubte es, die Natur zu kontrollieren und zu beherrschen und ihre Ressourcen beispielsweise im Bergbau und in den Kolonien hemmungslos auszubeuten.
    Während dieser frühkapitalistischen Phase fand in Europa die systematische Verfolgung, Folterung und Ermordung von Frauen statt, die als Hexenverfolgung bekannt ist. Diese machtvollen Frauen, die über Kenntnisse der natürlichen Prozesse von Schwangerschaft und Geburten verfügten, mit Heilkräutern umzugehen wussten und als Hebammen gut ausgebildet und bezahlt wurden, galten als Bedrohung der neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Carolyn Merchant sieht in der gewaltvollen Aneignung von weiblichem Wissen und der mechanistischen Sicht auf die Natur, der ihre Geheimnisse wie unter Folter zu entreißen seien, eine Analogie, mit der die kapitalistische und patriarchale Herrschaft zum Durchbruch gelangte.
    55 min

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