Die Sommerpause geht weiter, und der Hons liest zum zweiten Mal aus „Das Leben ist kein Bauernhof" vor. Diesmal wird es länger: das Kapitel „La familia es todo" ab Seite 160, ein Stück, das er bei Lesungen nie untergebracht hat, weil es schlicht zu ausladend ist. Für einen Podcast dagegen die ideale Länge.
Es gibt Tage, von denen man schon beim Aufstehen weiß, dass sie nichts werden. Ein Urologentermin zum Beispiel. Oder der Besuch von Bruder Josef, Diplom-Ingenieur aus Graz, Liebling der Eltern, Besitzer eines Hauses mit Blick über die Stadt und dennoch fest entschlossen, seinen Geburtstag am Hof zu feiern. Die Snacks soll Elke machen, die Torte bringt er selbst mit. Was das für eine Torte ist, erfährt man später und es passt zum Rest.
Rund um die Festtafel versammelt sich, was Schlatzing an Verwandtschaft aufbieten kann. Die Eltern, die bis heute finden, der falsche Sohn habe den Hof bekommen. Der 98-jährige Opa, der bei leerem Hörgerät lästert, als führe er eine Kompanie an, und der sich im Alter noch eine Freundin zugelegt hat, ausgerechnet den Jugendschwarm des eigenen Sohnes. Schwägerin Anastasia, Achtsamkeitstrainerin mit adeligem Auftreten und einer Familiengeschichte, deren Rekonstruktion allein ein halbes Kapitel füllt. Und Nachbar Jochen, der als Veganer beim Sushi eine kleine Ausnahme macht und damit zum unerwarteten Lichtblick des Nachmittags wird.
Zwischen Gulasch, Babykatzen, einer Debatte über Milchvieh und Mutterkuhhaltung sowie Opas Erinnerungen an den Krieg schiebt sich Josef zur eigentlichen Ankündigung vor. Er will bauen. In Schlatzing. Auf einem bestimmten Hügel. Und er hat dazu ein Argument, das seit der Hofübergabe unausgesprochen im Raum liegt.
Am Ende bleiben drei Männer am Tisch sitzen, ein Stromverteiler wartet auf seinen Einsatz, und für die nächste Familienfeier steht der Anlass bereits fest.
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