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Der Dienst Jeremias neigt sich seinem Ende zu, oder besser; er bricht einfach ab. Wir haben keine Notiz über das, was wir Erfolg nennen. Erst recht keine Notiz über Jeremias persönliches Schicksal, nicht einmal über seinen Tod. Ich wage es kaum, aber ich muss bei dem Dienst dieses Gottesmannes an das Wort aus Psalm 1 denken: „…aber der Gottlosen Weg vergeht.“ Von keinem anderen alttestamentlichen Propheten erfahren wir so viel Persönliches wie von Jeremia. Darum bin ich gespannt, auch über seinen Lebensausgang etwas Genaueres zu erfahren, aber dies wird mir verwehrt.
Er wird gewaltsam, von Johanan und seinen aufständischen Leuten, nach Ägypten verschleppt. Gottes Reden aber kennt keine Grenzen. Auch dort kämpft Jeremia, wie zu Beginn seines Dienstes, gegen die neue Abgötterei des Astarte-Kult seiner Landsleute. Es ist sein letzter Versuch, den verblendeten Judäern die Augen zu öffnen. Leider vergeblich. Im Ungehorsam Gott gegenüber ist das Volk nach Ägypten geflohen. Sie meinen dort sicher zu sein. Die menschliche Angst vor ihren Feinden, den Babyloniern und den Chaldäern, ist stärker als das Vertrauen in das Schutz- und Segensversprechen Gottes. Ihr Verharren in der Abgötterei bringt das endgültige Aus. Ihre Flucht vor ihren Feinden ist dann auch eine Flucht vor Gott, indem sie nicht mehr auf sein Wort hören wollen.
„Warum tut ihr euch das an?“, fragt Gott. Warum geht ihr sehenden Auges in euren Untergang? Haben die Fehler der Vorgängergeneration, hat die Geschichte euch gar nichts gelehrt? Ich habe euch doch immer wieder die Chance zur Umkehr gegeben. Das Volk, also Menschen, haben die Freiheit der Entscheidung.
Wem vertrauen Sie mehr, dem Versprechen Gottes oder der eigenen Einschätzung Ihrer Lage? Es ist letzten Endes eine Entscheidung zwischen Gehorsam und Ungehorsam Gott gegenüber.
Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden. Verbohrtheit in eine lebenzerstörende Grundhaltung ändert sich nicht „mit der Zeit“, sondern mit einem grundlegenden Sinneswandel. Bis dahin droht das Gericht, von dem sogar die Ägypter mitbetroffen sein werden. In der gefallenen Welt, in der auch Sie und ich heute leben, können die Konsequenzen eigener Irrwege auch Dritte treffen. Die dunklen Bilder lassen keine Hoffnung auf Zukunft und Heimkehr. Gott kehrt sich von seinem Volk ab. Er ist nicht mehr für, sondern gegen sein Volk. Die Beziehung zwischen Beiden ist zerbrochen.
Und doch ist Gott unsichtbar allen nahe. Unser Text heute endet mit einem geheimnisvollen Satz, dass es noch nicht das Allerletzte ist.
Während der Ausarbeitung dieser Andacht wurde ich erinnert an den Satz aus dem Buch Jesaja, Kapitel 7, Vers 9: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“. Wie oft ist das (nicht?) der Fall gewesen im alten Israel. Später kam dann die Erkenntnis, dass das Leid wohl auch damit zu tun hatte, dass man Gott untreu geworden war.
Auch unsere heutige Welt bricht aktuell anscheinend zusammen. Ukraine-Krieg, Krieg im mittleren Osten und anderswo, Umwelt-, Energie-, Finanz- und Ernährungskrise. Flüchtlings- und Migrationskrise. Auch die Kirche ist krisengeschüttelt. Immer mehr Menschen drehen ihr den Rücken zu. In der Bevölkerung herrscht große Verunsicherung. In der Politik Ratlosigkeit.
Es kommt mir eine wichtige Frage: Trauen wir uns, die gegenwärtige Lage mit Gott in Verbindung zu bringen, oder? Gott wird immer mehr in Gesellschaft, Politik und im persönlichen Leben ausgeblendet. Es scheint fast so, als gäbe es gar keinen Gott mehr. Wie sieht es heute, im Herbst 2024 aus? Haben wir alles unter Kontrolle? Oder wächst uns alles über den Kopf? In unsere Krisengeschüttelte Zeit, helfen „unsere Götzen“ welche auch immer das sein mögen, genauso wenig wie damals.
Gott sagt: „Ich bin da und habe auch Macht über die geschichtlichen Ereignisse.“ Können Sie sich vielleicht vorstellen, dass Gott auch durch die Krisen unserer Tage mit uns reden will? Können Sie sich vorstellen, dass unser Herr, wenn er in unser Lebensboot steigt, Stürme und Wellen der Zeit bändigen kann? -
Ja, er kann und will. Traue ich ihm das zu?
Noch eine andere zusätzliche biblische Beziehung zwischen Jeremia und Jesus möchte ich ansprechen.
Wie kann ich den ergebnislosen Dienst des Propheten Jeremias begreifen und ertragen? Es ist ein Abbild für das Sterben Jesu auf Golgatha. Sein Leben verlor er, menschlich gesehen, auch in der Gottesferne und der Gottesfinsternis. Von daher kann ich über Jeremia sagen: das Ende Jeremias ist aufgehoben in dem Ende Jesu Christi am Kreuz! Und die Rechtfertigung Jeremias vor seinem Volk ist verborgen und verbürgt in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Denn Jesus ist, wie Paulus sagt, um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden. Wenn Christus sich in seiner Wiederkunft offenbaren wird, wird auch Jeremia vor seinem Volk offenbar werden (vgl. Kol 3,4). Diese Gewissheit hat Jeremia natürlich in seinem Bewusstsein noch nicht gehabt. Was von Abraham im NT gesagt wird, der den Tag Jesu Christi herbeisehnte (Joh 8,56) und das neue Jerusalem erwartete (Hebr 11,10), darf ich auch von Jeremia sagen. Sein Leben musste unvollendet bleiben, damit es in Christus vollendet werden konnte.
Autor: Pastor Geurt van Viegen
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By ERF - Der Sinnsender5
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Der Dienst Jeremias neigt sich seinem Ende zu, oder besser; er bricht einfach ab. Wir haben keine Notiz über das, was wir Erfolg nennen. Erst recht keine Notiz über Jeremias persönliches Schicksal, nicht einmal über seinen Tod. Ich wage es kaum, aber ich muss bei dem Dienst dieses Gottesmannes an das Wort aus Psalm 1 denken: „…aber der Gottlosen Weg vergeht.“ Von keinem anderen alttestamentlichen Propheten erfahren wir so viel Persönliches wie von Jeremia. Darum bin ich gespannt, auch über seinen Lebensausgang etwas Genaueres zu erfahren, aber dies wird mir verwehrt.
Er wird gewaltsam, von Johanan und seinen aufständischen Leuten, nach Ägypten verschleppt. Gottes Reden aber kennt keine Grenzen. Auch dort kämpft Jeremia, wie zu Beginn seines Dienstes, gegen die neue Abgötterei des Astarte-Kult seiner Landsleute. Es ist sein letzter Versuch, den verblendeten Judäern die Augen zu öffnen. Leider vergeblich. Im Ungehorsam Gott gegenüber ist das Volk nach Ägypten geflohen. Sie meinen dort sicher zu sein. Die menschliche Angst vor ihren Feinden, den Babyloniern und den Chaldäern, ist stärker als das Vertrauen in das Schutz- und Segensversprechen Gottes. Ihr Verharren in der Abgötterei bringt das endgültige Aus. Ihre Flucht vor ihren Feinden ist dann auch eine Flucht vor Gott, indem sie nicht mehr auf sein Wort hören wollen.
„Warum tut ihr euch das an?“, fragt Gott. Warum geht ihr sehenden Auges in euren Untergang? Haben die Fehler der Vorgängergeneration, hat die Geschichte euch gar nichts gelehrt? Ich habe euch doch immer wieder die Chance zur Umkehr gegeben. Das Volk, also Menschen, haben die Freiheit der Entscheidung.
Wem vertrauen Sie mehr, dem Versprechen Gottes oder der eigenen Einschätzung Ihrer Lage? Es ist letzten Endes eine Entscheidung zwischen Gehorsam und Ungehorsam Gott gegenüber.
Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden. Verbohrtheit in eine lebenzerstörende Grundhaltung ändert sich nicht „mit der Zeit“, sondern mit einem grundlegenden Sinneswandel. Bis dahin droht das Gericht, von dem sogar die Ägypter mitbetroffen sein werden. In der gefallenen Welt, in der auch Sie und ich heute leben, können die Konsequenzen eigener Irrwege auch Dritte treffen. Die dunklen Bilder lassen keine Hoffnung auf Zukunft und Heimkehr. Gott kehrt sich von seinem Volk ab. Er ist nicht mehr für, sondern gegen sein Volk. Die Beziehung zwischen Beiden ist zerbrochen.
Und doch ist Gott unsichtbar allen nahe. Unser Text heute endet mit einem geheimnisvollen Satz, dass es noch nicht das Allerletzte ist.
Während der Ausarbeitung dieser Andacht wurde ich erinnert an den Satz aus dem Buch Jesaja, Kapitel 7, Vers 9: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“. Wie oft ist das (nicht?) der Fall gewesen im alten Israel. Später kam dann die Erkenntnis, dass das Leid wohl auch damit zu tun hatte, dass man Gott untreu geworden war.
Auch unsere heutige Welt bricht aktuell anscheinend zusammen. Ukraine-Krieg, Krieg im mittleren Osten und anderswo, Umwelt-, Energie-, Finanz- und Ernährungskrise. Flüchtlings- und Migrationskrise. Auch die Kirche ist krisengeschüttelt. Immer mehr Menschen drehen ihr den Rücken zu. In der Bevölkerung herrscht große Verunsicherung. In der Politik Ratlosigkeit.
Es kommt mir eine wichtige Frage: Trauen wir uns, die gegenwärtige Lage mit Gott in Verbindung zu bringen, oder? Gott wird immer mehr in Gesellschaft, Politik und im persönlichen Leben ausgeblendet. Es scheint fast so, als gäbe es gar keinen Gott mehr. Wie sieht es heute, im Herbst 2024 aus? Haben wir alles unter Kontrolle? Oder wächst uns alles über den Kopf? In unsere Krisengeschüttelte Zeit, helfen „unsere Götzen“ welche auch immer das sein mögen, genauso wenig wie damals.
Gott sagt: „Ich bin da und habe auch Macht über die geschichtlichen Ereignisse.“ Können Sie sich vielleicht vorstellen, dass Gott auch durch die Krisen unserer Tage mit uns reden will? Können Sie sich vorstellen, dass unser Herr, wenn er in unser Lebensboot steigt, Stürme und Wellen der Zeit bändigen kann? -
Ja, er kann und will. Traue ich ihm das zu?
Noch eine andere zusätzliche biblische Beziehung zwischen Jeremia und Jesus möchte ich ansprechen.
Wie kann ich den ergebnislosen Dienst des Propheten Jeremias begreifen und ertragen? Es ist ein Abbild für das Sterben Jesu auf Golgatha. Sein Leben verlor er, menschlich gesehen, auch in der Gottesferne und der Gottesfinsternis. Von daher kann ich über Jeremia sagen: das Ende Jeremias ist aufgehoben in dem Ende Jesu Christi am Kreuz! Und die Rechtfertigung Jeremias vor seinem Volk ist verborgen und verbürgt in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Denn Jesus ist, wie Paulus sagt, um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden. Wenn Christus sich in seiner Wiederkunft offenbaren wird, wird auch Jeremia vor seinem Volk offenbar werden (vgl. Kol 3,4). Diese Gewissheit hat Jeremia natürlich in seinem Bewusstsein noch nicht gehabt. Was von Abraham im NT gesagt wird, der den Tag Jesu Christi herbeisehnte (Joh 8,56) und das neue Jerusalem erwartete (Hebr 11,10), darf ich auch von Jeremia sagen. Sein Leben musste unvollendet bleiben, damit es in Christus vollendet werden konnte.
Autor: Pastor Geurt van Viegen
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