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Eine Migrantengeschichte ohne Happy End, Fragezeichen – so könnte man die Zeilen aus diesem Kapitel des Propheten Jeremia überschreiben. Aber der Reihe nach:
Von Babylonien fühlten sie sich bedrängt – die Israeliten aus dem Stamm Juda. So entschlossen sie sich, in Ägypten Zuflucht zu suchen. Wie spätere Forschungen bestätigten, hatten sie sich im Nachbarland an mehreren Orten niedergelassen. Doch nicht nur für die andere Region hatten sie sich entschieden, sondern auch für die andere Religion und den Kultus für die Himmelskönigin. Das würde ihr augenblickliches Leid abwenden können – so glaubten sie. Schon früher hatten sie den Kult ausgeübt – zu einer Zeit, als es ihnen gut ging. Also konnte es doch nicht verkehrt gewesen sein. Nun bestanden sie darauf, erneut ihre Glaubenshilfe in der ägyptischen Religion zu suchen. Doch Jeremia ist bemüht, ihren Trugschluss aufzuklären und sagt: falscher Glaube und Leid treten nicht unbedingt gleichzeitig auf. Und wem es schlecht geht, der sollte nicht nach einer nächstbesten Lösung Ausschau halten. Manchmal muss man Spannungen und damit auftretende Ängste vorübergehend hinnehmen, denn sie müssen keineswegs Gottes letztes Wort sein. Und heute, so der zeitgenössische Prophet Jeremia, würde es Israel besser gehen, wenn sie sich an Gott statt an die Ägypter um Hilfe wenden würden. Gottes Plan mit seinem Volk war trotz Bedrohungen noch lange nicht am Ende.
Trotzdem: die Hörer Jeremias sahen den Aufruf zur Abkehr von Ägypten und zur Umkehr als falsch an. Auch wenn Jeremia eigentlich schon als Prophet eine anerkannte Größe sein musste, scheuten sie sich nicht, sich seinen Worten zu verweigern und sprachen: „Wir hören nicht auf das Wort, das du uns im Namen des HERRN verkündet hast. Wir wollen lieber….. der Himmelskönigin Räucheropfer darbringen.“ (V. 16-17)
Der Prophet Jeremia hat es mehr als schwer. Schon widerwillig war er mit dem Volk nach Ägypten gezogen, vermutlich um es nicht zu verlassen und weiterhin als Mund Gottes unter dem Volk zur Verfügung zu stehen. Doch Jeremia musste sich fühlen, als rede er gegen eine Wand. Zudem hatte das Volk ein gutes Argument für ihren Götzendienst in der Tasche. Trotz falschem Kultus ging es dem Volk einige Zeit nämlich gut. An Fakten hatte Jeremia dem leider nichts entgegenzusetzen, nur seine ganz andere Deutung der zurückliegenden Ereignisse.
Ja, es ging den Israeliten eine Zeit lang gut, als sie dem heidnischen Kult verfallen waren. Das gibt Jeremia sogar zu. Aber letztlich hat doch die Untreue im Glauben die spätere Not verursacht. Gottes Reaktion folgte nicht unmittelbar auf den Fuß. Dazu verweist Jeremia auf die jetzige, spätere Notlage und wendet sich insbesondere an die Frauen, die Kuchen als Opfergaben für die ägyptische Himmelskönigin backen – und das mit Zustimmung ihrer Ehemänner. Den Zusammenhang von jetzigem Leid und früherem falschen Glauben, quasi das zeitversetzte Gerichtshandeln Gottes, können sie nicht nachvollziehen. Dass sie dabei Gottes Langmut und Güte ausnutzen, ist für sie noch weniger ersichtlich.
1.600 Jahre später wird der Apostel Paulus im Römerbrief schreiben: „Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr leitet?“ Wer diese Worte nicht im Licht der dazugehörigen erklärenden Worte wie Langmut und Geduld sieht, mag sich bis heute fragen, ob die Aussage wirklich stimmt, denn in guten Zeiten ist die Hinwendung zu Gott eher dürftig – im Gegensatz zu schlechten Zeiten. Nein, Gott reagiert eher nicht sofort auf einen Irrglauben. Das Schweigen oder zögerliche Gerichtshandeln Gottes ist der von Gott gewährte Raum für eine spätere, tiefgehende Herzensentscheidung für ihn.
Aber zurück zur Situation von Jeremia. Nur ein winziger Teil würde wieder nach Juda zurückkehren. Das hat sich bewahrheitet. Und auch die Prophetie über die Eroberung Ägyptens durch die eigentlich weit entfernt lebenden Babylonier traf ein. Das vorübergehende Gefühl der Sicherheit der Israeliten hatte keine Zukunft. Aber wem fällt es schon leicht, einem verbalen Silberstreif am Horizont zu glauben, wenn es aktuell völlig aussichtslos scheint und man von Existenzangst getrieben ist.
Bis hier scheint alles Wichtige über die Israeliten, ihr Verhalten und die göttliche Botschaft gesagt. Aber wie erging es eigentlich dem Propheten Jeremia damit? Versetzen wir uns doch einmal in seine Lage: Ob unter Gewaltanwendung oder nur unter moralischem Zwang, beim Volk zu bleiben – Jeremia war mit seinem Volk unfreiwillig in der Fremde. Er schien nahezu der Einzige zu sein, der dem Wort Gottes noch vertraute. Was muss in ihm für eine Spannung gewesen sein. Er hörte von den trügerischen Hoffnungen seiner Landsleute, aber wusste genau, dass diese sich wie ein Nebel in Nichts auflösen werden, auch wenn sie derzeit das Denken der Israeliten noch umhüllen.
Jeremia hielt es aus, dass er vielfach nicht gehört wurde. Trotzdem lief er nicht weg und gab seinen Hörern immer wieder die Gelegenheit, sich bewusst auf Gott einzulassen.
Ob wir nicht auch gerade dies von Propheten im Alten Testament lernen sollten, eine Wegstrecke mit anderen Menschen zu gehen, die unsere Geduld aber auch unseren Hinweis brauchen auf den, der unser Leben in jedem Fall zu einem guten Ausgang lenken kann. Ob es noch einen Rest des Volkes Israel gegeben hätte, wenn sich Jeremia verweigert hätte? Gewiss, Jeremia hatte selbst nicht wenige entmutigende Phasen und Ablehnung erfahren. Doch er hielt fest an Gottes Botschaft, die tief in sein Herz gepflanzt war, und ging nicht nur eine zweite Meile mit denen, in deren Mitte Gott ihn gestellt hatte. Dass es möglicherweise ihm zu verdanken war, dass ein kleiner Rest des Volkes den Weg zurückfand, mag man leicht übersehen. Aber sein Leben mit Gott zählte. Und ist es nicht das, was auch heute oft so nötig ist, dass man mit Menschen eine zweite Meile oder mehr mitgeht, um ihnen zu Gottes Zeit den Weg in eine Zukunft mit Gott zu zeigen?
Wir mögen über unsere Momente der Enttäuschung und Resignation denken wie wir wollen, aber ein Leben mit Gott zählt und besonders auch dann, wenn wir es über den Tiefpunkt hinaus fortsetzen.
Autor: Pastor Michael Maas
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By ERF - Der Sinnsender5
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Eine Migrantengeschichte ohne Happy End, Fragezeichen – so könnte man die Zeilen aus diesem Kapitel des Propheten Jeremia überschreiben. Aber der Reihe nach:
Von Babylonien fühlten sie sich bedrängt – die Israeliten aus dem Stamm Juda. So entschlossen sie sich, in Ägypten Zuflucht zu suchen. Wie spätere Forschungen bestätigten, hatten sie sich im Nachbarland an mehreren Orten niedergelassen. Doch nicht nur für die andere Region hatten sie sich entschieden, sondern auch für die andere Religion und den Kultus für die Himmelskönigin. Das würde ihr augenblickliches Leid abwenden können – so glaubten sie. Schon früher hatten sie den Kult ausgeübt – zu einer Zeit, als es ihnen gut ging. Also konnte es doch nicht verkehrt gewesen sein. Nun bestanden sie darauf, erneut ihre Glaubenshilfe in der ägyptischen Religion zu suchen. Doch Jeremia ist bemüht, ihren Trugschluss aufzuklären und sagt: falscher Glaube und Leid treten nicht unbedingt gleichzeitig auf. Und wem es schlecht geht, der sollte nicht nach einer nächstbesten Lösung Ausschau halten. Manchmal muss man Spannungen und damit auftretende Ängste vorübergehend hinnehmen, denn sie müssen keineswegs Gottes letztes Wort sein. Und heute, so der zeitgenössische Prophet Jeremia, würde es Israel besser gehen, wenn sie sich an Gott statt an die Ägypter um Hilfe wenden würden. Gottes Plan mit seinem Volk war trotz Bedrohungen noch lange nicht am Ende.
Trotzdem: die Hörer Jeremias sahen den Aufruf zur Abkehr von Ägypten und zur Umkehr als falsch an. Auch wenn Jeremia eigentlich schon als Prophet eine anerkannte Größe sein musste, scheuten sie sich nicht, sich seinen Worten zu verweigern und sprachen: „Wir hören nicht auf das Wort, das du uns im Namen des HERRN verkündet hast. Wir wollen lieber….. der Himmelskönigin Räucheropfer darbringen.“ (V. 16-17)
Der Prophet Jeremia hat es mehr als schwer. Schon widerwillig war er mit dem Volk nach Ägypten gezogen, vermutlich um es nicht zu verlassen und weiterhin als Mund Gottes unter dem Volk zur Verfügung zu stehen. Doch Jeremia musste sich fühlen, als rede er gegen eine Wand. Zudem hatte das Volk ein gutes Argument für ihren Götzendienst in der Tasche. Trotz falschem Kultus ging es dem Volk einige Zeit nämlich gut. An Fakten hatte Jeremia dem leider nichts entgegenzusetzen, nur seine ganz andere Deutung der zurückliegenden Ereignisse.
Ja, es ging den Israeliten eine Zeit lang gut, als sie dem heidnischen Kult verfallen waren. Das gibt Jeremia sogar zu. Aber letztlich hat doch die Untreue im Glauben die spätere Not verursacht. Gottes Reaktion folgte nicht unmittelbar auf den Fuß. Dazu verweist Jeremia auf die jetzige, spätere Notlage und wendet sich insbesondere an die Frauen, die Kuchen als Opfergaben für die ägyptische Himmelskönigin backen – und das mit Zustimmung ihrer Ehemänner. Den Zusammenhang von jetzigem Leid und früherem falschen Glauben, quasi das zeitversetzte Gerichtshandeln Gottes, können sie nicht nachvollziehen. Dass sie dabei Gottes Langmut und Güte ausnutzen, ist für sie noch weniger ersichtlich.
1.600 Jahre später wird der Apostel Paulus im Römerbrief schreiben: „Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr leitet?“ Wer diese Worte nicht im Licht der dazugehörigen erklärenden Worte wie Langmut und Geduld sieht, mag sich bis heute fragen, ob die Aussage wirklich stimmt, denn in guten Zeiten ist die Hinwendung zu Gott eher dürftig – im Gegensatz zu schlechten Zeiten. Nein, Gott reagiert eher nicht sofort auf einen Irrglauben. Das Schweigen oder zögerliche Gerichtshandeln Gottes ist der von Gott gewährte Raum für eine spätere, tiefgehende Herzensentscheidung für ihn.
Aber zurück zur Situation von Jeremia. Nur ein winziger Teil würde wieder nach Juda zurückkehren. Das hat sich bewahrheitet. Und auch die Prophetie über die Eroberung Ägyptens durch die eigentlich weit entfernt lebenden Babylonier traf ein. Das vorübergehende Gefühl der Sicherheit der Israeliten hatte keine Zukunft. Aber wem fällt es schon leicht, einem verbalen Silberstreif am Horizont zu glauben, wenn es aktuell völlig aussichtslos scheint und man von Existenzangst getrieben ist.
Bis hier scheint alles Wichtige über die Israeliten, ihr Verhalten und die göttliche Botschaft gesagt. Aber wie erging es eigentlich dem Propheten Jeremia damit? Versetzen wir uns doch einmal in seine Lage: Ob unter Gewaltanwendung oder nur unter moralischem Zwang, beim Volk zu bleiben – Jeremia war mit seinem Volk unfreiwillig in der Fremde. Er schien nahezu der Einzige zu sein, der dem Wort Gottes noch vertraute. Was muss in ihm für eine Spannung gewesen sein. Er hörte von den trügerischen Hoffnungen seiner Landsleute, aber wusste genau, dass diese sich wie ein Nebel in Nichts auflösen werden, auch wenn sie derzeit das Denken der Israeliten noch umhüllen.
Jeremia hielt es aus, dass er vielfach nicht gehört wurde. Trotzdem lief er nicht weg und gab seinen Hörern immer wieder die Gelegenheit, sich bewusst auf Gott einzulassen.
Ob wir nicht auch gerade dies von Propheten im Alten Testament lernen sollten, eine Wegstrecke mit anderen Menschen zu gehen, die unsere Geduld aber auch unseren Hinweis brauchen auf den, der unser Leben in jedem Fall zu einem guten Ausgang lenken kann. Ob es noch einen Rest des Volkes Israel gegeben hätte, wenn sich Jeremia verweigert hätte? Gewiss, Jeremia hatte selbst nicht wenige entmutigende Phasen und Ablehnung erfahren. Doch er hielt fest an Gottes Botschaft, die tief in sein Herz gepflanzt war, und ging nicht nur eine zweite Meile mit denen, in deren Mitte Gott ihn gestellt hatte. Dass es möglicherweise ihm zu verdanken war, dass ein kleiner Rest des Volkes den Weg zurückfand, mag man leicht übersehen. Aber sein Leben mit Gott zählte. Und ist es nicht das, was auch heute oft so nötig ist, dass man mit Menschen eine zweite Meile oder mehr mitgeht, um ihnen zu Gottes Zeit den Weg in eine Zukunft mit Gott zu zeigen?
Wir mögen über unsere Momente der Enttäuschung und Resignation denken wie wir wollen, aber ein Leben mit Gott zählt und besonders auch dann, wenn wir es über den Tiefpunkt hinaus fortsetzen.
Autor: Pastor Michael Maas
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