ERF Plus - Bibel heute

Jerusalem klagt und fleht um Hilfe


Listen Later

„Das darf doch alles nicht wahr sein!“ Dieser Satz fällt des Öfteren, wenn Menschen sich plötzlich in einer schrecklichen Lebenswirklichkeit wiederfinden. Das war so bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und ganz sicher auch bei den Terrorangriffen in Israel. Aber auch im privaten Bereich kann es unliebsame Überraschungen geben. Da kommt vielleicht die unerwartet harte Diagnose vom Arzt: „Unheilbar krank!“

Von manchen Dingen wünschen wir uns einfach, dass sie nicht wahr sind. Sie erscheinen so schrecklich, dass wir am liebsten die Augen vor der Wirklichkeit verschließen würden.

„Das darf alles nicht wahr sein“ heißt es eines Tages auch im Land Juda und der Hauptstadt Jerusalem. Bevor jedoch dieser Tag kommt, predigt der Prophet Jeremia jahrelang immer wieder das Gleiche. Er redet von Missständen im Land und vom Fehlverhalten der Bewohner. Er fordert in Gottes Namen auf, endlich wach zu werden. Es kann nicht angehen, dass das Volk Gottes so tut, als ob es Gott nicht gäbe. Die Menschen ignorieren tagein, tagaus Gottes Willen für ihr Leben. Dabei haben sie die Thora, das Gesetz Gottes, und wissen genau, wie Gott sich das Zusammenleben der Bewohner des Landes vorstellt. Sie haben Schriftgelehrte, die ihnen helfen, die Anordnungen Gottes zu verstehen. Sie feiern Gottesdienste im Tempel und singen Lieder zur Ehre Gottes. Aber im Grunde ihres Herzens sind sie weit weg von Gott. Anstatt auf Gott zu hören, tun sie, was ihnen beliebt.

Jeremia ist es schon leid, aber trotzdem hört er nicht auf zu predigen im Namen Gottes: „Ihr müsst euer Leben und Tun gründlich ändern! Geht gerecht miteinander um; nutzt nicht Fremde, Waisen und Witwen aus; vergießt nicht das Blut unschuldiger Menschen! Lauft nicht den fremden Göttern nach, die euch ins Unglück bringen! Nur dann könnt ihr hier wohnen bleiben, in dem Land, das ich euren Vorfahren als Erbbesitz gegeben habe.“

Jeremia ruft zur Umkehr auf. Er lädt ein, sich Gott neu zuzuwenden. Doch seine Botschaft ist unerwünscht. Man versucht, ihn mundtot zu machen. Jeremia kann und darf in den Augen der Bewohner des Landes nicht Recht haben. Schließlich ist Juda nicht irgendein Land, sondern hier lebt das Volk Gottes. Und Jerusalem ist die Stadt Gottes. Hier steht sein Tempel. Da wird schon alles gutgehen; auch wenn man selbst und andere ab und an mal ein paar kleinere Fehler machen. So schlimm kann das alles nicht sein.

Jeremia hält dagegen: „Seht doch ein, dass ihr euch selbst betrügt!“

Doch kaum jemand glaubt, dass Jeremia Recht behält und am Ende die Katastrophe kommt. Schon gar nicht wird die Stadt Jerusalem erobert werden und der Tempel dem Erdboden gleichgemacht. Genau das aber kündigt Jeremia an für den Fall, dass das Volk nicht zu Gott umkehrt.

Die Menschen in Juda bleiben blind für die Wirklichkeit. So erkennen sie auch nicht die Gefahr, in der sie stecken. Umso größer ist dann der Schock, als all das eintrifft, was Jeremia vorausgesagt hat. Im Jahr 587 v. Chr. erobern die Babylonier das Land samt der Hauptstadt Jerusalem. Viele Menschen werden getötet und andere als Kriegsgefangene weggeführt. Der Tempel Gottes wird geplündert und anschließend dem Erdboden gleichgemacht. Und so mancher sagt sich beim Anblick der geschundenen Stadt: „Das darf doch alles nicht wahr sein!“ – Aber es ist wahr. Schlimmer hätte es kaum kommen können.

Das Volk Gottes ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Die Klagelieder geben uns heute einen Einblick in die Gefühlslage der Menschen vor Ort. Ein Dichter, vermutlich war es tatsächlich Jeremia, hat die Beobachtungen der Menschen, ihre Empfindungen und ihre Klagen in Worte gefasst. Die zurückgelassenen Bewohner schauen Jerusalem an und brechen in Tränen aus. Die Stadt, die einst so stolz war, soviel Glanz und Macht hatte, liegt in Trümmern. Sie gleicht einer Frau, ja einer Prinzessin, die vormals viele Verehrer hatte. Doch jetzt ist sie wie eine alte, verlassene Witwe, für die sich niemand mehr interessiert. Alle haben sie im Stich gelassen. Ehemalige Freunde werden sogar zu Feinden.

Die Straßen der Stadt sind wie leergefegt, kein Fest wird mehr gefeiert, und die Menschen auf den Straßen sind vollkommen niedergeschlagen. Die Führer der Stadt laufen hilflos hin und her. Keiner weiß Rat. Und überall herrscht Hunger. Die Bewohner bieten wertvollen Schmuck zum Tausch gegen nur ein Stückchen Brot.

Die Feinde Jerusalems verspotten die Stadt. Voll Schadenfreude genießen sie jede Demütigung, die Jerusalem widerfährt. Die Stadt leidet Qualen.

Daher verleihen die Klagelieder der Stadt schließlich selbst eine Stimme; gerade so als ob die Straßen und Wände der Stadt sprechen könnten. Jerusalem erzählt von seinem Schicksal, von Krieg, sterbenden Menschen und Hoffnungslosigkeit.

Aber noch etwas findet sich in den Worten der Stadt: ein neuer Ton. Jerusalem bekennt seine Schuld. Die Stadt sieht jetzt die Dinge, die sie schuldig gemacht haben. „Der HERR ist gerecht, denn ich bin seinem Worte ungehorsam gewesen“, heißt es da und: „Mir dreht sich das Herz im Leibe um, weil ich so ungehorsam gewesen bin“.

Hier sieht die Stadt zum ersten Mal den Tatsachen ins Auge. Ihre Bewohner erkennen die Wirklichkeit über ihrem Leben. Sie selbst haben zu verantworten, dass es so weit gekommen ist. Nun ist die Stadt bereit, sich dieser Verantwortung zu stellen.

Die Stadt tut hier das einzig richtige; sie wendet sich an Gott. Ihm klagt sie ihr Leid und schüttet ihm das Herz aus. Ihm bekennt sie aber auch ihre Schuld und steht zu ihren Fehlern. Und das ist gut. Nur so, indem man das Übel bei der Wurzel packt, kann Heilung passieren.

Das gilt bis heute. So kommt eines Tages ein Mann zu mir und gesteht ein: „Ich habe ein Problem! Ich trinke, und ich komme nicht davon los. Meine Familie leidet darunter und ich möchte das ändern. Könnt ihr für mich beten?“

Jahrelang hat er sein Problem geleugnet, wollte er es nicht wahrhaben. Aber es wird immer schlimmer. Schließlich sitzt seine Frau auf gepackten Koffern, der Job ist gefährdet und ihm entgleitet immer mehr die Kontrolle über sein Leben. Da handelt er. Er gesteht seine Sucht ein und sucht Hilfe bei Gott.

Wir haben für ihn gebetet und ihm empfohlen, eine Therapie zu machen. Heute ist der Mann frei vom Alkohol. Gott erhörte das Gebet. Zudem bekam er Hilfe von Menschen. Wichtig für den Heilungsprozess war der Anfang. Den Tatsachen ins Auge zu blicken, auch wenn sie noch so schlimm sind, und sich damit an Gott zu wenden.

Wie sieht Ihre Lebenssituation aus, liebe Hörerin, lieber Hörer? Gibt es da vielleicht Dinge, von denen Sie denken: Das darf alles nicht wahr sein? – Wie wäre es, wenn Sie sich damit an Gott wenden und sich Hilfe suchen?

Autor: Pastor Harald Köchling

Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

ERF Plus - Bibel heuteBy ERF - Der Sinnsender

  • 5
  • 5
  • 5
  • 5
  • 5

5

1 ratings


More shows like ERF Plus - Bibel heute

View all
ICF München | Podcast by ICF München e.V.

ICF München | Podcast

7 Listeners

Johannes Hartl über die Philosophie des wahren Lebens by Dr. Johannes Hartl

Johannes Hartl über die Philosophie des wahren Lebens

11 Listeners

Das Wissen | SWR by SWR

Das Wissen | SWR

108 Listeners

Worthaus Podcast by Worthaus

Worthaus Podcast

5 Listeners

ERF Plus - Wort zum Tag by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Wort zum Tag

0 Listeners

ERF Plus - Anstoß by ERF - Der Sinnsender

ERF Plus - Anstoß

1 Listeners

Psychologie to go! by Dipl. Psych. Franca Cerutti

Psychologie to go!

53 Listeners

Spektrum-Podcast by detektor.fm – Das Podcast-Radio

Spektrum-Podcast

16 Listeners

Unter Pfarrerstöchtern by DIE ZEIT

Unter Pfarrerstöchtern

63 Listeners

11KM Stories by Tagesschau

11KM Stories

299 Listeners

Quarks Daily by Quarks

Quarks Daily

37 Listeners

Das Wort und das Fleisch by Worthaus

Das Wort und das Fleisch

3 Listeners

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin by NDR

Die Ernährungs-Docs - Essen als Medizin

18 Listeners

Kalenderblatt by Deutschlandfunk

Kalenderblatt

2 Listeners

Gedanken zur Tageslosung by Christus Zentrum Arche Elmshorn

Gedanken zur Tageslosung

1 Listeners