ERF Plus - Bibel heute

Kein Wunschkonzert


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Vom Fest in den Alltag

Stellen Sie sich vor: Sie kommen heim von einer Party, von einem Konzert, von einem Wochenende. Und es war so schön. Es war so entspannend. So leicht und unkompliziert. Sie haben wunderbare Leute getroffen. Aber jetzt sitzen Sie im Auto und sind auf der Heimfahrt. Der Alltag schaut Sie an: Aufgaben im Haushalt und im Büro, Termine, Besuche. Wie fühlen Sie sich?

 

Der Aufbruch aus der Komfortzone

Mit dem verlesenen Bibeltext tauchen wir ein in eine Szene aus der Geschichte Israels. Das Volk Israel lagert am Berg Sinai. Wochen-, vielleicht monatelang lebt das Volk in der Gegenwart Gottes. Vor Feinden geschützt. Mit allem versorgt. Zu Anfang rumpelt es zwischen ihnen gewaltig: Das Volk hat Angst vor diesem heiligen Gott, von dem sie eigentlich wissen könnten, wie übernatürlich er auftritt; sie machen sich aber lieber einen eigenen Gott. Und doch: Gott bleibt dran. Unverhofft werden sie Partner Gottes in einem Bundesschluss, den er mit seinem Volk schließt. Sie erhalten Gottes Gebote; sie erhalten sein Gesetz, also seinen Willen in schriftlicher Form; sie erhalten Pläne für einen Begegnungsort mit Gott und Ordnungen für lebendige Gottesdienste in Gottes übernatürlicher Gegenwart. Und nun heißt es auf einmal (5. Mose, 1 6b.7a): Ihr seid lange genug an diesem Berge geblieben; wendet euch und zieht hin.

Ich höre Gott sagen: Ich habe Euch ausgewählt, mein Volk zu sein. Wir haben miteinander Großes erlebt. Ihr werdet irgendwann im versprochenen Land sein. Aber Ihr seid noch nicht angekommen. Ihr müsst wieder aufbrechen. Weiterziehen. Dafür habt Ihr einen Ort und Formen der Begegnung mit mir. Ich werde immer mit Euch sein. - Ich denke an Jesus, den Sohn Gottes: Er verließ den himmlischen Vater, um sich zu uns auf den Weg in diese Welt zu machen: das ist seine Berufung. Ich denke an Josef, Sohn des Jakob; er geht in die Welt der Brüder, in die Welt von Hass, Rache und Betrug. Es ist seine Berufung, die ganze Familie vor dem Hungertod zu retten. Und auch wir einzelnen Christen sind zwar nicht von dieser Welt, weil wir Kinder Gottes sind, aber wir sind in diese Welt gestellt. Mitten hinein in unseren Alltag. Hier ist unser Auftrag. In die Lebenssituation, in die Gemeinde, in die uns Gott gestellt hat.

 

Der Kampf der Nachfolge

Damit komme ich zu einem zweiten Punkt. Der Bibeltext geht weiter und lautet: Zieht hin, dass ihr zu dem Gebirge der Amoriter kommt und zu allen ihren Nachbarn im Jordantal, auf dem Gebirge und in dem Hügelland, im Südland und am Ufer des Meeres, ins Land der Kanaaniter und zum Berge Libanon...

Das bedeutet Auseinandersetzungen, Konflikte, Kriege. Schließlich sind die Landstriche und Gebirge, die hier genannt sind, bereits bewohnt. Und der Feind Gottes freut sich nicht auf Israel. Er wird es hassen. Bis heute. Schon für das Israel auf der Wüstenwanderung bedeutet das immer wieder neu die Entscheidung, nicht stehen zu bleiben, nicht zurückzuschauen, sich es nicht an Ort und Stelle gemütlich zu machen. Und dabei nicht zu vergessen, wer sie sind und in wessen Namen sie unterwegs sind. – Ich denke an das Thema Nachfolge Jesu: Auch Jesus nachzufolgen bedeutet Kampf. Ein geistlicher Kampf mit dem Feind Gottes. Ein Kampf mit Lebenslügen, Gefühlen, Erfahrungen und inneren Einstellungen. Ein Kampf mit Abhängigkeiten, Ängsten, Stolz und Minderwert. Ein Kampf mit Verletzungen und Traumata des eigenen Lebens. Ein Kampf also mit Mächten, die seit Jahrzehnten in unserer Seele wohnen und sich gar nicht darauf freuen, mit einer neuen Wahrheit und dem lebendigen Gott konfrontiert zu werden; einer Freiheit, einer Heilung und einem Frieden, an dem ihnen nicht gelegen ist. Ein Kampf, über dem der Sieg durch Jesus zwar ausgesprochen ist und den doch jeder für sich neu führen muss. Jeden Tag. Darum sind auch wir gerufen, unsere Flügel nicht hängen zu lassen, uns nicht der Angst vor dieser verrückten Zeit hinzugeben. Wenn Jesus heute nach Ihnen und mir schaut, will er uns in der Nachfolge sehen. In den Aufgaben und Herausforderungen, in die er uns gestellt hat.

 

Die Entscheidung des Glaubens und die neue Identität

Zum Dritten: Gott ist in seiner Liebe zu uns unendlich gut; sanft, zärtlich und geduldig. Und darum folgt im letzten Punkt der Trost. Niemand von uns weiß, was auf ihn zukommt und wem er in dem neuen Land noch begegnet. Aber Gott sagt: Siehe, ich habe euch das Land, das vor euch liegt, gegeben. Zieht hinein und nehmt das Land ein, von dem der Herr euren Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, dass er es ihnen und ihren Nachkommen geben wolle.

Ist das nicht großartig? Das Land – also der Alltag, die Lebenssituation, in die wir zurückkehren – gehört schon ihm. Zugleich ist es Ihre Entscheidung: Ob Sie bereit sind zu glauben, dass dieses neue Land schon Ihrem himmlischen Vater gehört – oder ob Sie sagen: Ich glaube nur, was ich sehe. Und ich sehe da Völker, Machthaber, denen dieses Land schon gehört; die dieses Land niemals hergeben werden, und das verstehe ich gut. - Welche Position nehmen Sie ein? Geben Sie dem Feind Gottes Recht auf das Land – und [Kommentar: Stilistisch ungewöhnliche Formulierung, könnte "Im Ernst" oder "Und tatsächlich" gemeint sein.] mit Ernst: er hat es: In der Versuchung Jesu kann der Feind sagen: Das alles will ich Dir geben, wenn Du mich anbetest (Mt 4,9). Das ganze Land. Dann dürfen Ängste und Sorgen, Hass und Neid, Unversöhnlichkeit und Verbitterung und so weiter weiterhin unwidersprochen in Ihrer Seele wohnen. Denn Sie verstehen es ja, denn der Feind hat seit Jahrzehnten die Deutungshoheit in Ihrem Leben. Oder Sie geben Gott recht, der schon seinem Volk Israel sagt: Ich habe Euch das Land, das vor Euch liegt, gegeben. - Es kommt nicht darauf an, ob da schon Gefühle und Erfahrungen wohnen, sondern wer die Macht hat: Der Feind mit seinen Lügen oder Gott mit seiner Wahrheit. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie dem Feind Gottes sein Recht und seine Herrschaft lassen, oder ob Sie Gott glauben und seine Herrschaft über das neue Land aussprechen. Und das ist eine Frage Ihrer Identität – ob Sie Sklave des Feindes sind oder Kind Ihres himmlischen Vaters.

Jesus sagt an einer Stelle (Mattäus 11,29f.): Nehmt auf Euch mein Joch, meinen Rat, mein Wort – lernt von mir; denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht! Sprich: Wenn Sie wissen, wer Sie sind – Kind Gottes; wenn Sie wissen, dass das neue Land Ihrem himmlischen Vater gehört, dann gehen Sie da ganz anders hinein. Und Sie werden erleben, wie Jesus Sie trägt, Ihnen übernatürliche Liebe, Frieden und Freiheit zuwachsen lässt, Ihnen Weisung und Weisheit schenkt; wie Jesus Sie von Grund auf verändert, sodass Sie anders denken und handeln können, als früher. Das wünsche ich Ihnen.


Mehr zum 5. Buch Mose:​​​​​

Video: Deuteronomium (5. Mose)

 

Autor: Pastor Wolf-Dieter Keßler

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