ERF Plus - Bibel heute

Klage über die Hirten des Volkes


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Der heutige Bibeltext spricht von Wächtern und Hirten, die ihrem wichtigen Dienst für ihr Land nicht mehr nachkamen. Wächter hatten bei den Israeliten eine wichtige Aufgabe. In Kriegszeiten umgaben sie das Heer als Wache und sorgten für eine gewisse Sicherheit. Die Mauern einer Stadt wurden mit Wächtern besetzt, die nach anrückenden Feinden Ausschau hielten. Sie hatten auch von besonderen Vorgängen außerhalb der Stadt, Meldung zu machen. Vor allem waren es die Propheten, die ein Wächteramt ausübten, und über das geistliche Leben eines Volkes zu wachen hatten. Diese sollten die Menschen davor warnen, anderen Göttern nachzulaufen, und Gottes Ordnungen zu missachten. Die Hirten eines Landes waren damals in gewisser Weise die politischen Führer, die für die Versorgung und Sicherheit der Menschen zu sorgen hatten. Vor allem die geistlichen Führer waren Hirten, sie hatten u.a. die Aufgabe, das Volk mit geistlicher Nahrung, nämlich dem Wort Gottes, zu versorgen. Sie sollten auf Gott, den guten Hirten hinweisen. Der sich liebevoll um seine Herde kümmert, ihr Sicherheit bietet, das Verlorene sucht und das Kranke verbindet.

Der Prophet Jesaja zeigte den Menschen, die im Südreich Juda lebten, Gottes Sicht und sein Urteil über die Wächter und Hirten des Landes. Das fiel alles andere als gut aus. Jesaja prophezeite hier eindrücklich, dass fremde Völker das Land einnehmen, und die Erträge erbeuten werden. Da werden nämlich alle Tiere auf den Feldern und alle Tiere in den Wäldern aufgefordert zu kommen und sich satt zu fressen. Diese Tiere waren ein Bild für heidnische Völker. Sie hatten einige Jahre später keine große Mühe, das Land Juda einzunehmen, da deren Wächter nicht ihren eigentlichen Aufgaben nachgingen. Jesaja sagte es sehr deutlich: „Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts.“ Das heißt, sie waren wie blind und sahen nicht die drohende Gefahr, vielmehr schauten sie nur auf ihre dicken Mauern, die sicher nicht einstürzen werden. Obwohl sie die warnenden Botschaften Gottes gehört hatten, tun sie, als wüssten sie nichts davon. Jesaja bescheinigte den Wächtern des Volkes, dass sie wie stummgewordene Wachhunde geworden sind. Sie bellen auch nicht mehr, sondern liegen lieber im Schatten und schlafen. Auch den politischen und geistlichen Führern, den Hirten seiner Zeit, stellte Jesaja kein gutes Zeugnis aus. Anstatt sich um das Wohl der Herde zu kümmern, sah jeder auf seinen eigenen Weg. Erst einmal selbst satt zu werden und den eigenen Gewinn vergrößern, war zur obersten Priorität der Führungselite geworden. Üppige Feiern mit viel Alkohol durften da nicht fehlen. Den Menschen, die auf ihre Ratschläge vertrauten, sagte man, was diese gerne hören wollten. Man verschwieg das Reden Gottes und redete den Menschen nach dem Mund. Ähnliches stellte Martin Luther bei einigen seiner Zuhörer fest. Er erkannte treffend: „Spielt der Prediger mit Bildern und geistlichen Deutungen, das gefällt dem Volk wohl. Aber wenn man von der Rechtfertigung predigt, dass man allein vor Gott durch den Glauben an Christum gerecht und selig wird, da hält der gemeine Mann keinen für beredt, ja sie hören ihn nicht gerne. Es schläft das Volk und hustet; wenn man aber anfängt, Historien und Exempel zu sagen, da reckt es beide Ohren auf und ist still und hört fleißig zu.“ Soweit das Zitat von Martin Luther. Einige Jahre nach Jesaja hatte sich, trotz dessen deutlicher Warnung, die Situation nicht geändert. Auch der Prophet Jeremia musste sich mit Wächtern, die dem Volk nicht die Wahrheit sagten, auseinandersetzen. Im 14. Kapitel des Jeremia- Buches schrieb der Prophet: „Ach Herr, Herr! Die Propheten sagen ihnen: Ihr werdet das Schwert nicht sehen und keine Hungersnot bei euch haben, sondern ich will euch beständigen Frieden geben an diesem Ort. Aber der Herr sprach zu mir: Diese Propheten weissagen Lüge in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt und ihnen nichts befohlen und nicht zu ihnen geredet. Sie predigen euch falsche Offenbarungen, nichtige Wahrsagung und ihres Herzens Trug.“ (Jer 14,13-14) Diese sogenannten Propheten waren letztlich blinde Führer, die Gott nicht kannten, und die Menschen in die Irre führten. Zudem schauten sie zuallererst nach ihrem eigenen Befinden. Auch die Hirten, die geistlichen Führer des Landes, stimmten mit ein, denn die Leute hörten diese Botschaft gerne. Was für eine Dramatik, dass sehr viele ihnen blind vertrauten.

Auch heute besteht die Gefahr, sich von geistlichen Persönlichkeiten, die selber den himmlischen Hirten nicht wirklich kennen, blenden zu lassen. Zum Beispiel dann, wenn Verkündiger ein Wohlstandsevangelium predigen. Darin wird kaum von Sündenerkenntnis gesprochen, von Buße, und von der Notwendigkeit des Todes Jesu am Kreuz als einzige Möglichkeit, gerettet zu werden. Dabei waren und sind die Aussagen Jesu klar und deutlich. Am Anfang seines Wirkens predigte er diese Botschaft: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Mt 4,17) Buße ist eine Umkehr vom bisherigen Weg, und hat eine klare Neuausrichtung zur Folge.  Später betonte Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ (Joh 14,6) Es gibt keinen anderen Weg zur Versöhnung mit dem himmlischen Vater. Nur durch das stellvertretende Sterben Jesu am Kreuz kann die von Gott trennende Schuld beglichen werden. Jesus selbst bezeichnete sich als der Hirte seines Volkes, indem er sagte: „Ich bin der gute Hirte, und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. …  Und ich lasse mein Leben für die Schafe.“ (Joh 10,14-15). Die Hirten im Nahen Osten zur Zeit Jesu waren Vorbilder der Selbstaufopferung. Sie galten als sehr wachsam, furchtlos und liebten ihre Herde. Sie ließen ihre Tiere niemals allein, und gingen ihnen voraus, um dafür zu sorgen, dass der eingeschlagene Weg sicher war. Die Hirten kannten ihre Schafe mit Namen, und die Schafe kannten die Stimme des Hirten und folgten ihm. Wenn es sein musste, setzten sie ihr Leben aufs Spiel, um ihre Herde zu schützen. Jesus ist der gute Hirte, der sein Leben aus Liebe zu den Schafen hingibt. Jedes einzelne Schaf ist für ihn so wertvoll, dass er bereit war, dafür zu sterben. Auf seine Stimme zu hören und ihm zu folgen, bewahrt davor, falschen Hirten nachzulaufen. Der Apostel Paulus war ein vorbildlicher geistlicher Hirte. In der Abschiedsrede zu den Ältesten in Ephesus sagte er: „Ihr wisst … wie ich dem Herrn gedient habe in aller Demut und mit Tränen und unter Anfechtungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfahren sind. Ich habe euch nichts vorenthalten, was nützlich ist, dass ich es euch nicht verkündigt und gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, und habe Juden und Griechen bezeugt die Umkehr zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus.“ (Apg 20, 18ff) Heute wie damals brauchen wir solche Hirten, die den Menschen das Wort Gottes nicht vorenthalten. Hirten, die auf Jesus hinweisen und dadurch den Weg weisen und Orientierung geben.

Autor: Andreas Reinhardt

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