ERF Plus - Bibel heute

Klage und Zuversicht beim Übermut der Frevler


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Wo ist jetzt mein Gott?

Keiner muss sich für diese Frage schämen. Auch Menschen nicht, die einmal und immer wieder ihr Vertrauen Gott geschenkt haben.

König David, sein Lobsänger Asaf und andere beschreiben diese Herzensnot in ihren Gebeten. In ungezählten Tagebüchern und Lebensbeschreibungen auch von bekannten Christen taucht der Gedanke auf: „Wann greift Gott endlich ein in dieser Krise in meinem Leben?“

Persönlich bin ich sehr dankbar. So manche Lebenssituation ist mir vorgekommen wie ein Weg durch ein dunkles Tal. Oft ist Gottes Nähe zwar nicht spürbar gewesen, aber ich wusste im Herzen um einen nahen Gott und seine Hilfe. Ich konnte darauf hoffen. Ich will ehrlich sein: Es gab auch andere Zeiten. In diesen anderen Zeiten schien mir Gott ziemlich weit weg zu sein.

Demut

Psalm 10 – den wir heute näher unter die Lupe nehmen – hat einen inneren Aufbau. Er ähnelt dem von Psalm 73 und anderen „Notschreipsalmen“.

Am Anfang von Psalm 10 wird das Thema genannt – nämlich die Gottesferne in der Not. Dann beschreibt der Beter ausführlich das Leben der Elenden, die sich von Gott verlassen fühlen (Verse 2 – 11).

Die Elberfelder Übersetzung merkt zu diesem Begriff an: „Elender“ meint auch einen „demütigen“ Menschen. Jemand, der im Herzen demütig bleibt auch in seinem Elend. Es ist die gegenteilige Haltung zu dem stolzen Frevler, der nicht nach Gott fragt (Vers 4) und der dem Elenden zusetzt. Wer im Elend demütig im Herzen bleibt, hält sich den Zugang zu Gott offen. Ein wichtiger Hinweis.

Frevler

Wer aber ist mit dem Frevler gemeint? Das wird ausführlich beschrieben in diesen Versen. Manche Ausleger deuten den Begriff auf den Widersacher Gottes. Der Frevler kann aber auch ein Mensch oder besser der Typos eines Menschen sein, der Gott absagt und sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Das Wort Typos bedeutet im biblischen Griechisch „Abbild, Vorbild“. Das Phänomen des Frevlers lässt sich nicht auf eine historische Person begrenzen. Wenn der Beter im Psalm das Wirken des Frevlers schildert, beeindruckt mich besonders ein Vergleich – nämlich das Bild vom Bösen, der im Dickicht lauert und im Dunkeln böse Dinge tut. Dabei denkt er, dass Gott ihn nicht sieht. Dieser Stolz ist der zentrale Faktor. Der Frevler fragt eben nicht nach Gott. Er ist mutwillig und habgierig und kümmert sich nicht um das, was wahr und aufrichtig ist. Ihm ist egal, wie viele andere unter ihm und seinem Handeln leiden.

Solche Personen sind nicht nur Geschichte. Sie tauchen auch heute regelmäßig in aktuellen Nachrichten auf. Es sind also Menschen, die denken: Nichts kann mich und meine Macht erschüttern. Ihr Mund ist „voll Fluch, Lüge und Trug“ (Vers 7). Ich finde erschütternd, wie Menschen heute ihre Lügen zur Wahrheit machen wollen – und damit Elend und Unheil für viele Menschen bewirken. Das „Psychogramm des Frevlers“ und die damit verbundene narzisstische Persönlichkeitsstörung sind in der heutigen Welt sehr gegenwärtig. Wichtig ist, sich davon nicht blenden zu lassen.

Zurück zum Psalm 10. Nach der Beschreibung des Frevlers und seines Tuns kommt der Wendepunkt im Drama (Vers 12). Der stolze Frevler denkt, Gott – wenn es ihn überhaupt gibt - kümmere sich nicht um das Elend der armen Menschen, die Gott suchen. Der Beter aber schreit in seiner Not wieder zu diesem Gott: „Steh doch auf, Herr! Erhebe deine Hand und vergiss die Elenden nicht!“ Ich bin mir sicher, es darf auch persönlich gerufen werden: „Herr, vergiss mich elenden Menschen nicht!“

Gott erhört Gebet

Der Psalm endet aber nicht mit dem Notschrei. In den Psalmgebeten sind dunkle Situationen und alle Notrufe nur Durchgangsstationen. In Vers 14 wird die neue Wende beschrieben mit den Worten: „Gott, Du hast es gesehen. Du schaust auf Mühsal und Gram, um es in deine Hand zu nehmen.“

Kurz danach wird Gott als „Helfer“ bezeichnet. Wie groß auch die Not ist, der Beter erlebt: Gott ist größer. Seine Hilfe kommt nicht immer „postwendend“. Ich persönlich habe lange – manchmal auch einsame – Wanderungen durch dunkle Zeiten erlebt. Mit Krankheiten, Konflikten und Schmerzen. Manches bleibt für mich bis heute unverständlich. Aber in anderem erkenne ich in der Rückschau schon in dieser Welt Gottes gute Maßarbeit. 

Die kanadische Jugendbuchautorin Margaret Fishback- Powers schrieb 1964 das Gedicht „Footprints“, Spuren im Sand. Ein Mann ging im Traum mit Jesus am Meer entlang und sah Bilder aus seinem Leben jeweils mit zwei Fußspuren im Sand. Ein Paar gehörte ihm, das andere stammte von Jesus. Am Ende sah er aber auch Bilder, wo es nur ein Paar Spuren gab. Die dazugehörigen Situationen zeigten nun die schwierigsten Zeiten seines Lebens. Da richtete dieser Mann im Traum die Frage an Jesus, die uns vom Psalm 10 her auch beschäftigt: „Mein Gott, wo warst du in diesen dunklen Zeiten?“ Die Antwort von Jesus in diesem Traum ist bekannt geworden durch Plakate und Lieder. Sie lautet:

"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,

erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

Am Ende von Psalm 10 spricht der Betende von einem König, der auf das Verlangen der Elenden hört. Er verschafft den Armen und Geplagten ihr Recht. Und dieser baut sein Königreich für immer und ewig.

Das ist der Ausblick.

Ich fasse die innere Linie von unserem Psalm zusammen:

Der Elende schreit auf in seiner Not.

Er sieh das Elend in seinem Leben, das der Frevler verursacht.
Dann erlebt er den inneren Blickwechsel
Und darf die Hilfe eines großen Gottes erleben.
Wo ist jetzt mein Gott?

Der Beter von Psalm 10 erfährt Antwort von Gott auf seinen Notschrei. Ich wünsche Ihnen so sehr, dass Sie diesen Durchbruch in ihren dunklen Zeiten auch erleben.

►   Infos zu den Psalmen

Autor: Ingrid Heinzelmaier

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