Krisenmeisterei: Kompetentes und souveränes Krisenmanagement

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Krisenmeisterei: Kompetentes und souveränes Krisenmanagement episodes

  • "Es ist alles sehr kompliziert!" - Schön wär's...
    Warum Krisen immer komplex sind und was das bedeutet.

    In akuten Krisen kann man nie zu 100 Prozent vorhersagen, wie sich alle Personen und Elemente verhalten werden. Durch wiederholte Wechselwirkungen beeinflussen sie sich gegenseitig und können so auch laufend ihr Verhalten ändern – wir haben es mit Komplexität zu tun. Umso wichtiger ist es, die Bereitschaft der betroffenen Personen zur Mitwirkung und Umsetzung der geplanten Maßnahmen zu erhöhen: Letztendlich wirkt das dann auch im Sinne einer Komplexitätsreduktion. Nur: Das geht nicht auf Knopfdruck und schon gar nicht mit der oft praktizierten „Salamitaktik“. Nur mit frühzeitiger, umfassender und transparenter Risiko- und Krisenkommunikation kann man Vertrauen und Compliance von MitarbeiterInnen und Betroffenen gewinnen.

    Allerdings lauern auf dem Weg dorthin einige Fallstricke im Alltag. So werden Sachverhalte oft bewusst vereinfacht dargestellt, um beispielsweise Entscheidungen rascher zu erhalten bzw. zu ermöglichen. Im Gegensatz zu einer echten Komplexitätsreduktion wird so aber nur der Anschein von geringerer oder nicht vorhandener Komplexität erweckt. Bei mangelndem Wissen und mangelnder Erfahrung von Führungskräften kann das von ihnen aber als real (fehl-)eingeschätzt werden. Das kann dann schon unter normalen Bedingungen zu krisenhaften Entwicklungen führen. Im Rahmen einer akuten Krise führt so eine Situation aber unter Umständen rasch zu einer völligen Fehleinschätzung des Führungsteams: Es werden die Ergebnisse der geplanten Maßnahmen als gegeben angenommen – und stellen sich dann so gar nicht ein. Im Gegenteil: Die tatsächliche Komplexität kann dann dazu führen, dass die vom Krisenmanagement beschlossenen Maßnahmen nicht nur nicht helfen, sondern womöglich die Situation sogar verschlimmern.

    Es ist daher sehr wichtig, dass bereits im vorbereitenden Krisenmanagement Abhängigkeiten und Komplexitäten wahrgenommen und erfasst werden. Echte Komplexitätsreduktionen sollten wo immer möglich vorgenommen werden. Tatsächlich verstärken sich aktuell aber die Komplexitätsfaktoren (Stichwort Digitalisierung der Arbeitswelt). Es ist daher von sehr hoher Bedeutung, die Menschen, die vom Krisenmanagement geführt oder betroffen sind (bzw. sein werden) rechtzeitig so zu informieren, dass sie im Falle einer akuten Krise überhaupt in der Lage sind, geplante Maßnahmen mitzutragen und umzusetzen.

    Weiterführende Links:

    • Herbert Saurugg: "Vernetzung und Komplexität" (externer Link)
    • Erklärvideo von Harald Lesch (ZDF): „Komplex oder kompliziert – was macht den Unterschied?“ (externer Link)
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      17 min
    • Es ist erst dann vorbei, wenn's vorbei ist!
      Oder: Wie man auf der Zielgeraden verliert.

      Gerade dann, wenn eine Krise schon bewältigt scheint, schleichen sich oft Nachlässigkeiten im Krisenmanagement ein. Da werden Wirkungen von Maßnahmen als gegeben angenommen, auch wenn sie noch gar nicht eingetreten sind. Lageinformationen werden unbewusst so interpretiert, dass sie möglichst gut in die eigene Erwartungshaltung passen. Das kann gefährlich werden, denn so wird die Krisenreaktionsfähigkeit geschwächt. Gleichzeitig soll aber die Regenerationsplanung schon anlaufen. Hier ein souveränes Gleichgewicht zu finden ist wichtig. Eine Möglichkeit dazu ist es, unterschiedliche Personen bzw. Teams mit dem aktiven Krisenmanagement und mit der Regenerationsplanung zu betrauen – wobei es durchaus eine gemeinsame vorgesetzte Stelle geben kann. Oft ist dies aber aufgrund der eigenen Personalstärke nicht möglich: Dasselbe Team bzw. dieselbe Person muss beide Aspekte – akutes Krisenmanagement und Regenerationsplanung – bedienen. In diesem Fall ist es wichtig gewissenhaft und reflektiert beide Perspektiven bewusst einzunehmen und so den möglichen Wahrnehmungsverzerrungen entgegenzuwirken. Jede neue Lageinformation sollte nach zumindest drei Leitfragen evaluiert werden:

      • Was sagt das über die Auswirkung meiner bisherigen Maßnahmen aus?
      • Was sagt das über die Auswirkung des ursprünglichen Ereignisses aus?
      • Welche Auswirkungen hat das auf mein in der Regenerationsplanung entwickeltes Zukunftsbild?
      • Die gleichrangige Bearbeitung dieser drei Fragen hilft, einerseits die Reaktionsfähigkeit bis zuletzt aufrecht zu erhalten und andererseits ein möglichst adäquates Zukunftsbild für die Regenerationsplanung zu erstellen. Der Ausstieg aus dem aktiven Krisenmanagement erfolgt dann, wenn eingehende Lageinformationen klar belegen, dass die Wirkung des initialen disruptiven Ereignisses bewältigt wurde – vergleichbar mit dem „Brand aus“ der Feuerwehr. Je nach Situation kann bereits davor mit der Umsetzung der Regenerationsplanung begonnen werden. Aber natürlich nur, wenn dies das aktive Krisenmanagement nicht gefährdet und sichergestellt ist, dass so nicht die Wahrnehmung der aktuellen Lage verzerrt wird. Denn: „Es ist erst vorbei, wenn’s vorbei ist!“ (Aber: „Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben…“).

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        14 min
      • Führungskräftetraining im Krisenmanagement
        Voraussetzung: Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit

        Damit das Krisenmanagement in einem Unternehmen, einer Organisation oder Behörde gesichert ist braucht es eine entsprechende Anzahl an gut ausgebildeten FunktionsträgerInnen. Diese Ausbildung muss zumindest teilweise intern erfolgen, damit eine Umsetzung entsprechend der eigenen Richtlinien und Gegebenheiten gewährleistet ist. Voraussetzung dafür, dass dies gelingen kann, sind Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit von allen Seiten:

        • Das Unternehmen muss das Krisenmanagement ernst nehmen und eine entsprechende Personalentwicklung als notwendiges Instrument zur Sicherung der eigenen Existenz sehen. Darüber hinaus muss diese Entwicklung durch entsprechende Fort- und Weiterbildung sowie regelmäßige Übungen und Evaluierungen gewährleistet werden.

        • Das bestehende Krisenmanagement-Team muss neu auszubildende Personen in das Team aufnehmen und auf dem Weg zur Krisenmanagement-Führungskraft begleiten und unterstützen. Im Sinne des Apprenticeship-Modells muss es möglich sein, dass sich neue Team-Mitglieder unter Begleitung und Beobachtung von einfacheren Aufgaben zu komplexeren Verantwortlichkeiten „hin“ entwickeln.

        • Angehende KrisenmanagerInnen müssen sich ernsthaft mit der Materie und der damit verbunden Verantwortung auseinandersetzen. Es muss ihnen darüber hinaus klar sein, dass es nicht nur um das Anlernen von irgendwelchen Verfahrensanweisungen geht, sondern um eine sehr persönliche Aufgabe. Immerhin geht es auch um den Umgang mit dem eigenen Stress, den eigenen Emotionen. Die eigene Resilienz kann man nicht ausschließlich im beruflichen Umfeld entwickeln, hier ist man als Mensch mit all seinen Facetten gefordert.

        • Letztendlich hat eine ernsthafte und nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Thema Krisenmanagement eine äußerst positive Auswirkung auch auf den Alltag (nicht nur der angehenden Führungskräfte), speziell was den Umgang mit Informationen im Allgemeinen und die Problemlösungskompetenzen im Speziellen betrifft.

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          17 min
        • Und plötzlich ist alles anders?!
          Umgang mit unerwarteten Lageänderungen

          Gutes Krisenmanagement sollte jederzeit in der Lage sein auf aktuelle Lageänderungen rasch, effizient und effektiv zu reagieren. Leider ist das nicht immer der Fall. Und der Grund dafür liegt nicht immer in der mangelnden Informationsverarbeitung. Vielmehr liegt der oft darin, dass wir – bewusst oder unbewusst – solche plötzlichen Veränderungen gar nicht richtig wahrnehmen oder dass eine Abkehr von bereits getroffenen Entscheidungen als Eingeständnis von Fehlern, Schwäche oder gar Gesichtsverlust gesehen wird. Daraus ergeben sich im Wesentlichen zwei Herausforderungen:

          1. Achten wir darauf, dass wir keiner kognitiven Verzerrung zum Opfer fallen.

          2. Legen wir unser Krisenmanagement so an, dass notwendige starke „Kurskorrekturen“ auch nachvollziehbar und verständlich für alle Beteiligten und Betroffenen sind.

          3. Zunächst zu den kognitiven Verzerrungen. Hier möchte ich insbesondere drei nennen:

            • Beharrungseffekt: Man beharrt hartnäckig auf seiner ersten Hypothese obwohl neue Informationen dieser Hypothese widersprechen.

            • Bestätigungsfehler: Eingehende Informationen werden tendenziell so selektiert und interpretiert, dass sie die eigenen Erwartungen bestätigen.

            • Default-Effekt: Bei mehreren Entscheidungsmöglichkeiten wird die Option gewählt, für die keine aktive Entscheidung benötigt wird.

            • Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll vielmehr zeigen, wie „menschlich“ es ist, wenn plötzliche Lageänderungen sozusagen „verweigert“ werden und womöglich erst sehr viel später wahrgenommen bzw. akzeptiert werden. Um dagegen anzugehen braucht es ein aktives Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung und eine hohe Reflexionsfähigkeit – eine Eigenschaft, die für KrisenmanagerInnen ohnehin sehr wichtig ist.

              Und auch wenn eine Lageänderung einmal registriert, wahrgenommen und akzeptiert wird heißt das nicht immer, dass auch Entscheidungen und Maßnahmen entsprechend angepasst werden. Hier steht mitunter die Furcht vor Gesichtsverlust oder ähnliches im Wege. Darüber hinaus müssen solche Anpassungen von den betroffenen bzw. mitwirkenden Personen auch erst einmal akzeptiert und mitgetragen werden.
              Es ist daher wichtig, dass Informationen über die aktuelle Lage von Anfang an so transparent, umfassend und verständlich wie möglich kommuniziert werden. Darüber hinaus werden von Krisenmanagern – vor allem im Falle von länger dauernden Krisen – Perspektiven verlangt. Diese sollten – wenn möglich – auch geboten werden. Allerdings empfehle ich auch hier dringend, immer den entsprechenden (Lage-)Kontext mitzuliefern. Und zwar wieder: Möglichst transparent, umfassend und verständlich. Dann können notwendige Änderung nachvollzogen und mitgetragen werden. Und Änderungen der Entscheidungen können verstanden werden und führen nicht zu Gesichts- und Vertrauensverlust.

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              17 min
            • Krisenmanager und ihre Resilienz
              ... und wie Unternehmen mitunter dagegen arbeiten.

              Unternehmen sollen resilient sein, Krisenmanager auch. Nur: Nicht immer fördern Führungsstil und Betriebsklima die wichtige persönliche Resilienz. Und das wirkt sich dann natürlich sofort auf die organisationale Resilienz aus. Denn auch wenn es natürlich auch technische und organisatorische Maßnahmen braucht: Krisenmanagement findet letztendlich (auch) immer in den Köpfen der Krisenmanagerinnen und Krisenmanager statt. Und wenn dort Resilienz nicht gedacht und gelebt wird, dann wird auch das Unternehmen, die Organisation oder die Behörde keine sehr hohe Resilienz entwickeln können. Was ist aber Resilienz eigentlich? Es ist die Fähigkeit, auf massive Probleme bzw. Herausforderungen durch entsprechende Verhaltensanpassungen zu reagieren und möglichst rasch wieder zu einem stabilen Zustand (dem inneren Gleichgewicht) zurückzufinden – nicht anderes wünschen wir uns ja auch vom Krisenmanagement.

              Was braucht es nun, damit eine Person resilient ist? Die persönliche Resilienz ruht auf 7 Säulen:

              1. Optimismus
              2. Akzeptanz
              3. Lösungsorientierung
              4. Selbstwirksamkeit
              5. Übernehmen von Verantwortung
              6. Netzwerkorientierung
              7. Zukunftsorientierung
              8. Je mehr meine Persönlichkeit in diesen Aspekten ausgeprägt ist, umso resilienter kann ich sein. Und umso mehr kann ich für die Resilienz meiner Organisation beitragen. Allerdings ist die Realität in vielen Unternehmen so, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau in diesen Aspekten limitiert werden oder negativen Einflüssen ausgesetzt sind. Das hat (nicht nur) direkte Auswirkungen auf das Krisenmanagement. Je mehr aber Führungskräfte, Betriebsklima und Betriebskultur die individuelle Resilienz der handelnden Personen fördert, umso besser kann sich die organisationale Resilienz entwickeln.

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                16 min
              9. Checks für zwischendurch
                Betreibe ich Krise oder Management?

                Mitunter hat man das Gefühl, dass Krisenmanagement nach dem Motto „Augen zu und durch“ betrieben wird. Das ist natürlich alles andere als optimal. Krisenmanager*innen sind dazu aufgerufen, ihr eigenes Handeln, ihre Entscheidungen und die veranlassten Maßnahmen zu reflektieren. Und zwar nicht erst, wenn alles vorüber ist, sondern schon während der laufenden Krisenbewältigung. Dafür eignen sich vor allem Checklisten, in denen Best-Practice-Methoden verankert sind. Sehr hilfreich sind Behelfe, die man selbst entwickelt und laufend aktualisiert und regelmäßig (am besten monatlich) einem Review unterzieht – so hält man auch das eigene Wissen aktuell. Ein erster Ansatz können auch die Führungsgrundsätze (beispielsweise jene des Staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements) sein. Sie helfen das eigene Krisenmanagement kritisch zu hinterfragen und zu erkennen, wenn dringend gegengesteuert werden muss.

                Weiterführende Links:

                • Die in dieser Episode zitierten und verwendeten Führungsgrundsätze finden Sie in der "Richtlinie für das Führen im Katastropheneinsatz" auf der Website des österreichischen Innenministeriums (externer Link: SKKM).
                • Wenn sie Wünsche oder Anregungen haben, freue ich mich wie immer über eine Email: [email protected]

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                  21 min
                • Ablösung oder Auflösung?
                  Dienstübergaben im Krisenmanagement

                  Wenn das akute Krisenmanagement über viele Stunden, vielleicht sogar über Tage und Wochen rund um die Uhr betrieben werden muss, dann sind regelmäßige Dienstübergaben unausweichlich. Oft erfolgen diese eher informell als strukturiert und geplant. Besonders dann, wenn die Personalplanung „scharf“ erfolgt, also die ablösende Person genau dann mit dem Dienst beginnt, wenn der Dienst der abgelösten Person endet. Für verantwortliche Funktionsleiter im Krisenmanagement (Leiter des Krisenmanagements, Mitglieder des Krisenstabs, etc.) ist so eine „Nicht-Planung“ bedenklich bis gefährlich. Hier braucht es Planung, Zeit und Struktur für eine geregelte Übergabe. Auch wenn im (hoffentlich geführten) Krisentagebuch ohnehin alles vermerkt ist: Eine geregelte, strukturierte Übergabe mit ausreichender Einweisung in die Lage, Informationen über den aktuellen Stand der Ziele, Entschlüsse und Planungen sowie entsprechender Ressourcenübersicht ersetzt das nicht.

                  In dieser Folge gehe ich näher auf diese Erfordernisse ein. Als Beispiel für eine strukturierte Übergabe nenne ich das Formular ICS 201 „Incident Briefing“ des Incident Command System der FEMA (U.S.). Dieses können Sie unter diesem Link (externer Link) abrufen.

                  Wie immer ist auch bei diesem Thema etwas besonders wichtig: Das gemeinsame, regelmäßige Üben. Gerade wenn Übungen oft nur wenige Stunden dauern, besteht die reale Gefahr, dass Dienstübergaben nie geübt werden und das erste Mal dann passieren, wenn es „ernst“ ist. Das kann gefährlich werden. Daher mein dringender Rat: Auch Dienstübergaben müssen geübt werden!

                  Danke an Andreas Platzer für den Themenvorschlag.

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                  19 min
                • Stellvertreter oder Platzhalter?
                  Herausforderung im Krisenmanagement

                  Hat man für Schlüsselpositionen im Krisenmanagement nur eine einzelne Person vorgesehen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen im Ernstfall nicht verfügbar sind, viel zu hoch. Es empfiehlt sich daher, je nach Position mindestens drei Personen vorzusehen. Das stellt aber natürlich viele Unternehmen, Behörden oder Organisationen vor große Herausforderungen – organisatorisch, inhaltlich und menschlich.

                  Zunächst einmal müssen entsprechend kompetente Personen gefunden werden, die im Alltag die jeweils notwendige Fachexpertise aufweisen sowie darüber hinaus über die für das Krisenmanagement benötigten Erfahrungen verfügen – letztendlich müssen sie im Krisenfall weitreichende Entscheidungen vorbereiten bzw. treffen. Wenn solche Personen gefunden worden sind, wird die organisatorische Einbettung oft über das Konstrukt der Stellvertretung gelöst – es gibt einen Stelleninhaber mit ein oder mehreren Stellvertretern.

                  Allerdings gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen der Stellvertretung im Alltag und der Stellvertretung im Krisenmanagement. Während im Alltag Stellvertreter in der Regel bestimmte Aufgabengebiete zugewiesen bekommen und so den eigentlichen Stelleninhaber entlasten ist es im Krisenmanagement notwendig, dass Stellvertreter – wenn Sie die Vertretung der Stelle wahrnehmen – selbständig agieren und entscheiden können. Ein Stellvertreter, der vor allen Entscheidungen rückfragen muss, ist letztendlich nur ein Platzhalter für den Stelleninhaber, das Krisenmanagement wird letztendlich durch einen zusätzlichen Genehmigungslauf gebremst. Und der Stelleninhaber selbst kann – aufgrund dieser permanenten Rückfragen – nie zur notwendigen Regeneration finden und wird so zunehmend in der eigenen Performance deutlich schwächer werden.

                  Auf der menschlichen Ebene bringt die Stellvertretung im Krisenmanagement eine weitere Herausforderung mit sich: Ein Stellvertreter nimmt während der „Schicht“ die zugewiesene Rolle voll und ganz wahr (zumindest sollte es so sein), danach wird er wieder zum Mitarbeiter seines Chefs – dieses „ON/OFF“ kann durchaus belastend sein und muss jedenfalls in die regelmäßigen Übungen mit eingebaut werden. Denn nur mit regelmäßigen gemeinsamen Übungen und einer Zusammenarbeit basierend auf Vertrauen und Wertschätzung kann diese Form des Teamworks funktionieren.

                  Danke an Peter Erlhofer für seinen Input zu dieser Episode.

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                  14 min
                • Regenerationsplanung
                  "Wie komme ich aus dem Krisenmanagement wieder raus?"

                  Wenn ein disruptives Ereignis nicht nur die eigene Organisation bedroht, sondern auch die Umwelt verändert, dann muss - parallel zur initialen Krisenbewältigung - auch an der Neuausrichtung des Unternehmens bzw. der Organisation gearbeitet werden. Idealerweise geschieht das nicht nur im Rahmen des Krisenmanagements, sondern auch mit den Methoden des Change-Managements. Um diese beiden Welten effektiv miteinander zu verknüpfen ist frühzeitige Regenerationsplanung unerlässlich. Dabei wird möglichst früh damit begonnen – aufbauend auf den Erkenntnissen der Lagebeobachtung und -beurteilung – zu planen, wie man wieder zur Normalität zurückkehren könnte und vor allem: Wie eine Normalität nach der Krise aussehen könnte.

                  Denn die Auswirkungen einer Krise auf die Umwelt des eigenen Unternehmens, der eigenen Organisation oder der eigenen Gemeinschaft kann von vernachlässigbar bis dramatisch sein. Eine Krise kann eine rein vorübergehende Existenzbedrohung darstellen oder unsere Welt nachhaltig verändern – mit allen dazwischen liegenden Facetten. Hier sind mittel- bis langfristige Ziele und Planungen notwendig, um nicht nur die akute Krise zu überstehen, sondern eine (Über-)Lebensstrategie für die „neue“ Normalität nach der Krise zu entwickeln.

                  Dies alles hat vollkommen integriert in das Krisenmanagement zu erfolgen. Einerseits braucht diese Regenerationsplanung Erkenntnisse aus der Lagearbeit des Krisenmanagements. Gleichzeitig stellen diese mittel- bis langfristigen Planungen wichtige Leitlinien für Entscheidungen im akuten Krisenmanagement dar. Ein klares Ziel zu haben ist einer der wichtigsten Grundsätze im Krisenmanagement – umso wichtiger, wenn das Ziel nicht nur das kurzfristige nackte Überleben, sondern eine mittel- bis langfristig notwendige Neuausrichtung ist.

                  Ein wesentlicher Teil dieser Regenerationsplanung ist somit auch, wann bzw. wie der methodische Übergang vom akuten Krisenmanagement entweder zur gewohnten Managementstruktur oder in ein Change-Management Projekt erfolgt. Denn: Sobald die akute Krise insofern überstanden ist, als die Existenz gesichert ist und die akuten Gefahren abgewandt sind, erfolgt die weitere Neuausrichtung besser mit den Methoden des Change-Managements. So werden die betroffenen Personen besser eingebunden, es können wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden.

                  Häufig geschieht dies leider nicht. Das Krisenmanagement arbeitet oft mit dem fixen Ziel, den Weg zur alten Normalität zurück zu finden. Wo das nicht geht (weil es diese Normalität einfach nicht mehr gibt) kann das nicht gut gehen. Ein Ergebnis ist dann mitunter, dass irgendwie weiter „gewurschtelt“ wird, aber niemand mehr das Krisenmanagement wirklich ernst nimmt. Die Compliance mit den festgelegten Maßnahmen sinkt immer weiter – die Situation „normalisiert“ sich selbst. Und diese neue Normalität ist dann nicht unbedingt eine, die erfolgversprechend ist. Eine Folgekrise ist dann oft unausweichlich. Mit möglicherweise dramatischerem Ausgang als die ursprüngliche Krise.

                  Daher meine dringende Empfehlung: Krisenmanagement bei Bedarf möglichst rasch starten. Ebenso möglichst rasch, parallel zum akuten Krisenmanagement, mit der Regenerationsplanung beginnen. Und damit nicht den Punkt verpassen, an dem aus einem Fall für das Krisenmanagement ein Change-Management Projekt werden sollte – nur so wird der Erfolg langfristig gesichert.

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                  15 min
                • 5 sichere Wege, schlechte Entscheidungen zu treffen
                  Kognitive Verzerrungen und ihre Auswirkungen.

                  Kognitive Verzerrungen sind Phänomene, die uns dazu bringen können voller Überzeugung falsch zu entscheiden. Anfällig dafür sind prinzipiell alle Menschen. Allerdings kann das Wissen darüber sowie gezielte Reflexion vermeiden, dass man diesen Verzerrungen folgt und so drastische Fehlentscheidungen trifft – was gerade für das Krisenmanagement von großer Wichtigkeit ist.

                  In dieser Episode stelle ich fünf derartige Phänomen und ihre Bedeutung für das Krisenmanagement vor (und wie man sich davor schützt):

                  • Default-Effekt: Gibt es „Standardvarianten“, so werden diese wesentlich häufiger gewählt als andere Optionen.

                  • Verlustaversion: Kleine Verluste werden wesentlich dramatischer beurteilt als Gewinne in exakt derselben Höhe.

                  • Law oft he Instrument („Maslows Hammer“): „Wenn das einzige Werkzeug, das man hat, ein Hammer ist, dann ist es verlocken alles zu behandeln, als ob es ein Nagel wäre.“

                  • Verfügbarkeitsheuristik: Ereignisse, zu denen uns viele Beispiele bzw. Erinnerungen einfallen erscheinen uns wesentlich wahrscheinlicher als Ereignisse ohne Erinnerungen.

                  • Truthahn-Illusion: Trends werden unreflektiert in die Zukunft extrapoliert (der Truthahn hält eine gute Versorgung am nächsten Tag genau am Abend vor seiner Tötung für am wahrscheinlichsten).

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                    15 min

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                  Der Podcast für kompetentes und souveränes Krisenmanagement. Wie bereite ich mein Team und mich vor, um im Ernstfall eine Krise gut zu managen? Was sind typische Fallstricke und wie vermeide ich sie?…

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