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Es gibt diesen Moment, den fast jeder kennt, der eine Aufgabe an eine künstliche Intelligenz delegiert: ein paar Sätze eingetippt, und Sekunden später liegt da etwas verblüffend Fertiges. Doch was die Maschine so mühelos ausspuckt, ist selten das Ergebnis – es ist der Anfang. Die ersten achtzig Prozent erledigt sie im Handumdrehen, aber die letzten zwanzig, jene Differenz zwischen gut und großartig, bleiben menschliche Handarbeit. „What separates great from good, das müssen wir selber machen", sagt die Marketingprofessorin und KI-Forscherin Claudia Bünte; wer zu früh aufgebe, betreibe nicht Kreativität, sondern Faulheit. Die eigentliche Kompetenz im Umgang mit der Maschine ist deshalb nicht das Erzeugen, sondern das Urteil – und, wie der Kreativagentur-Gründer Oliver Oest beschreibt, die Kunst, „zu lernen, wann du das Ding loslässt".
Ob eine Maschine wirklich kreativ sein kann, ist dabei längst keine sichere Trumpfkarte mehr. Der vielfach ausgezeichnete Stratege Gen Sadakane hält es sogar für gefährlich, das menschliche Genie zu beschwören: Selbst den charmanten Fehler könne man der KI beibringen. Was bleibt, liegt weniger im Produzieren als im Auswählen – und in einer Welt des digitalen Überflusses sehnen sich Menschen offenbar nach dem Gegenteil: nach dem Konzert im Regen, nach echter Erfahrung, nach dem, was Bünte „Erleben" nennt. Genau hier verschiebt sich auch die ökonomische Frage. Übernimmt die Maschine die Standardarbeit, verschiebt sich, wer überhaupt noch Wert schöpft. Die Furcht vor Massenarbeitslosigkeit kontert Bünte mit dem „Wasserstand": Wie nach jeder Umwälzung steige nicht die Zufriedenheit, sondern der Anspruch – Berufe verändern sich radikal, ohne zu verschwinden.
Zwei Dinge aber sind diesmal anders: die unberechenbare Geschwindigkeit und die Undurchschaubarkeit einer Technik, die sich in einer Blackbox weiterentwickelt – „ein Werkzeug, das eine Waffe sein kann, ohne dass wir merken, dass es eine Waffe ist". Hinzu kommt die Geografie des Geldes: Europa, so Büntes nüchterne Diagnose, sei „nur noch Werkbank", während Wertschöpfung und Kapital anderswo entstehen. Wie eine zunehmend maschinelle Ökonomie ihren Wert gerecht verteilt, ohne in glänzende Viertel und abgehängte Ränder zu zerfallen, bleibt die größte offene Frage – und vielleicht zugleich Europas Chance, endlich nicht nur die Werkzeuge anderer zu mieten, sondern selbst ins Machen zu kommen. Diese Gedanken stammen aus einem Live-Podcast der Reihe FWRDTHINKERS, aufgezeichnet beim 48forward-Side-Event zur re:publica in Berlin.
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By The 48forward StudiosEs gibt diesen Moment, den fast jeder kennt, der eine Aufgabe an eine künstliche Intelligenz delegiert: ein paar Sätze eingetippt, und Sekunden später liegt da etwas verblüffend Fertiges. Doch was die Maschine so mühelos ausspuckt, ist selten das Ergebnis – es ist der Anfang. Die ersten achtzig Prozent erledigt sie im Handumdrehen, aber die letzten zwanzig, jene Differenz zwischen gut und großartig, bleiben menschliche Handarbeit. „What separates great from good, das müssen wir selber machen", sagt die Marketingprofessorin und KI-Forscherin Claudia Bünte; wer zu früh aufgebe, betreibe nicht Kreativität, sondern Faulheit. Die eigentliche Kompetenz im Umgang mit der Maschine ist deshalb nicht das Erzeugen, sondern das Urteil – und, wie der Kreativagentur-Gründer Oliver Oest beschreibt, die Kunst, „zu lernen, wann du das Ding loslässt".
Ob eine Maschine wirklich kreativ sein kann, ist dabei längst keine sichere Trumpfkarte mehr. Der vielfach ausgezeichnete Stratege Gen Sadakane hält es sogar für gefährlich, das menschliche Genie zu beschwören: Selbst den charmanten Fehler könne man der KI beibringen. Was bleibt, liegt weniger im Produzieren als im Auswählen – und in einer Welt des digitalen Überflusses sehnen sich Menschen offenbar nach dem Gegenteil: nach dem Konzert im Regen, nach echter Erfahrung, nach dem, was Bünte „Erleben" nennt. Genau hier verschiebt sich auch die ökonomische Frage. Übernimmt die Maschine die Standardarbeit, verschiebt sich, wer überhaupt noch Wert schöpft. Die Furcht vor Massenarbeitslosigkeit kontert Bünte mit dem „Wasserstand": Wie nach jeder Umwälzung steige nicht die Zufriedenheit, sondern der Anspruch – Berufe verändern sich radikal, ohne zu verschwinden.
Zwei Dinge aber sind diesmal anders: die unberechenbare Geschwindigkeit und die Undurchschaubarkeit einer Technik, die sich in einer Blackbox weiterentwickelt – „ein Werkzeug, das eine Waffe sein kann, ohne dass wir merken, dass es eine Waffe ist". Hinzu kommt die Geografie des Geldes: Europa, so Büntes nüchterne Diagnose, sei „nur noch Werkbank", während Wertschöpfung und Kapital anderswo entstehen. Wie eine zunehmend maschinelle Ökonomie ihren Wert gerecht verteilt, ohne in glänzende Viertel und abgehängte Ränder zu zerfallen, bleibt die größte offene Frage – und vielleicht zugleich Europas Chance, endlich nicht nur die Werkzeuge anderer zu mieten, sondern selbst ins Machen zu kommen. Diese Gedanken stammen aus einem Live-Podcast der Reihe FWRDTHINKERS, aufgezeichnet beim 48forward-Side-Event zur re:publica in Berlin.
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