Hypnose hat in der Popkultur ein Imageproblem: Man denkt an Bühnen, an Kontrollverlust, an Menschen, die angeblich „nichts mehr wissen“. Bernhard Tewes beschreibt Hypnose dagegen als einen natürlichen Zustand zwischen Wachsein und Schlaf – „kurz vorm Einschlafen, kurz vorm Aufwachen“ – in dem das bewusste Denken leiser wird und das Unterbewusstsein empfänglicher. Entscheidend sei: Niemand verliere dabei sein Wertesystem oder die Kontrolle. „Man bekommt dabei alles mit, man kann sich an alles erinnern, das Wertesystem ist noch angeschaltet.“ Hypnose sei weniger Magie als ein Werkzeug, um den Fokus so zu bündeln, dass innere Lernprozesse möglich werden – ähnlich wie bei autogenem Training, progressiver Muskelentspannung oder dem Zustand, in dem man beim Film „voll reingesogen“ ist.
Therapeutisch wird Hypnose dort interessant, wo Menschen längst verstanden haben, was gut für sie wäre – und trotzdem anders reagieren. Denn viele Muster laufen nicht bewusst, sondern automatisch: Angst, Stress, Blackout. Tewes verweist darauf, dass „nur zwei bis fünf Prozent der täglichen Entscheidungen“ bewusst getroffen würden, der Rest unterbewusst. Wer etwa bei Redeangst in den roten Bereich gerät, erlebt nicht fehlendes Wissen, sondern ein altes Schutzprogramm: fight, flight – oder freeze. Seine Arbeit zielt darauf, dieses Programm umzuschreiben, nicht durch Überreden, sondern durch Umlernen: „Wir gucken, welche Ressourcen braucht jemand, wo finden wir die, wie aktivieren wir die und wie fügen wir die ein an die Stelle, wo sie nötig ist.“ Hypnose könne so helfen, emotionale Themen zu bearbeiten, weil sie das, was rational längst klar ist, auf die Ebene bringt, „da wo die Entscheidungen getroffen werden“.
In seinem Buch „Glimmer“ setzt Tewes dem Dauerfeuer negativer Trigger einen Gegenbegriff entgegen: Glimmer als positive Sicherheitssignale, die das parasympathische Nervensystem aktivieren. Die Aufgabe sei, diese Momente bewusster wahrzunehmen und zu kultivieren – ohne naiven Optimismus: Akzeptanz dessen, was man nicht ändern kann, und Gestaltung dessen, was man beeinflussen kann. Aus dem Wunsch, Hypnose alltagstauglich zu machen, entwickelte er zudem die App Hypnobox, eine Art Baukasten für Selbsthypnose; „Hypnose für die Westentasche“. Zugleich betont er die Grenze: „Eine App ist kein Therapieersatz“ – aber sie könne Regelmäßigkeit ermöglichen, als mentale Hygiene, nicht als einmalige Wunderkur.
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