Libanon - ein Land im Aufruhr, nicht erst seit den gewaltigen Explosionen, die den Hafen der Hauptstadt Beirut in Schutt und Asche gelegt haben. Über einhundert Menschen starben, tausende sind verletzt, ein ganzer Stadtteil ist zerstört, hundertausende sind ohne Dach über dem Kopf. Eine Katastrophe mit Ansage, klagen Demonstrierende an. Für sie ist sie ein weiterer Beweis dafür, wie unfähig und korrupt der Libanon seit Jahren regiert wird. Schon vor der Explosion befand sich das Land in einer tiefen Krise. Seit Herbst ist praktisch die ganze Mittelschicht verarmt. Einst wohlhabende Menschen müssen plötzlich Hunger fürchten, es gibt kaum mehr Medikamente und kleine Kinder sterben, weil kein Krankenhaus sie behandelt - und das schon vor Corona. Durch die Explosion spitzt sich die Lage dramatisch zu - in jeder Hinsicht. Gegen Zerstörung, Hunger und menschliches Leid kann internationale Hilfe wirken, 253 Millionen Euro stellt die Weltgemeinschaft bereit und schickt Rettungskräfte. Und was hilft gegen die politische Krise und die Unruhen auf den Straßen? Die Regierung unter Präsident Diab ist zurückgetreten, bleibt aber übergangsweise im Amt - könnten Neuwahlen das Land retten, das früher Hoffnungsträger der Region war?