Leben ist mehr

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Leben ist mehr episodes

  • Das Sühnekreuz

    Wenige Hundert Meter von unserem Haus entfernt steht ein sogenanntes »Sühnekreuz« aus Tuffstein. Vermutlich stammt es aus der Zeit vor der Einführung der Constitutio Criminalis Carolina, des ersten deutschen Strafgesetzbuches, durch Kaiser Karl V. im Jahr 1532. Damals war es üblich, die Strafen für Mord und Totschlag in privatrechtlichen Sühneverträgen festzulegen. In einem Dokument aus dem fränkischen Weikersheim zum Beispiel einigten sich die Eltern eines Ermordeten mit dem Täter auf folgende Wiedergutmachung: die Errichtung eines Sühnekreuzes, eine Heilige Messe mit zwei Priestern, zehn Pfund Wachs für Kerzen, 45 Gulden für Spesen und Schadenersatz, je ein Paar Hosen für die Schiedsleute, den Amtmann und den Vogt sowie zwei Eimer Wein für die Gefolgschaft beider Parteien. Nach der Aushändigung dieser Sühnegaben musste der Mörder eine Blutrache der Gegenpartei nicht mehr fürchten. Sein Gewissen vor Gott konnten sie freilich nicht reinigen.

    Das ist auch heute noch so. Keine »Sühne« unsererseits kann unser Gewissen vor Gott reinigen. Das kann nur Jesus Christus. Der Apostel Johannes sagt: »Er ist die Sühnung für unsere Sünden« (1. Johannes 2,2). Ähnlich wie auf manchen Sühnekreuzen ein Abbild der Tatwaffe angebracht ist, wurde der »Schuldschein ..., der gegen uns war«, mit Jesus ans Kreuz genagelt (vgl. Kolosser 2,14). Für diejenigen, die sein stellvertretendes Opfer für sich persönlich in Anspruch nehmen, gilt die Einladung: »Deshalb wollen wir mit ungeteilter Hingabe und voller Vertrauen und Zuversicht vor Gott treten. Wir sind ja in unserem Innersten mit dem Blut Jesu besprengt und dadurch von unserem schuldbeladenen Gewissen befreit; wir sind – bildlich gesprochen – am ganzen Körper mit reinem Wasser gewaschen« (Hebräer 10,22).

    Peter Güthler

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    4 min
  • Genialer Wohnungsbau

    Blicken wir uns einmal in der Tierwelt um, dann finden wir dort äußerst geniale Wohnstätten vor. Die Wasserspinne z. B. setzt einen raffinierten Taucherglocken-Trick ein, um in der Unterwasserwelt leben zu können. Die Luft zum Atmen hält sie unter einem Baldachin aus Spinnfäden gefangen. Diesen befüllt sie durch gelegentliches Luftschöpfen an der Wasseroberfläche.

    Die Behausungen von Hornissen erinnern an ein Papierschloss. Auch die Wasserburgen der Biber oder die Baumhöhlen der Spechte sind Meisterwerke tierischer Baukunst. Aber auch Insekten sind wahre Baumeister. Termiten können bis zu sieben Meter hohe Türme bauen. Die aus Erde, Sand oder Lehm gefertigten Hochhäuser haben zudem noch ein großes unterirdisches Gewölbe. Das eingebaute Belüftungssystem sorgt für eine perfekte Klimatisierung, die kein Klimatechniker besser projektieren könnte. Die Tiere vermögen zu graben, zu weben, zu mauern, um ihre Unterkünfte zu gestalten. Ihre Nester, Höhlen und unterirdischen Gänge schützen vor Feinden, vor Kälte oder vor Hitze und sind zugleich sichere Orte, um den Nachwuchs aufzuziehen.

    Dies sind Paradebeispiele aus der Ideensammlung des Schöpfers. In Johannes 14,2-3 spricht Jesus von jenen himmlischen Wohnungen, die er für solche zubereitet, die ihn als ihren Retter annehmen und ihm nachfolgen. Diese Unterkünfte sind aus einem Baumaterial gefertigt, das nie vergeht. Alles ist ewig haltbar. Reparaturen sind nie erforderlich. Jede Wohnung wird den allerhöchsten Ansprüchen an Komfort und Wohlgefühl genügen. Es gibt nichts daran zu verbessern, denn ihr Architekt ist Jesus, der allmächtige und allwissende Urheber. Das Schönste: Seine Leute werden ewig in seiner Gegenwart leben dürfen.

    Werner Gitt

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    4 min
  • Freude im Leid – aus dem Leben von Johannes Falk (2)

    Der »Weimarer Waisenvater« Johannes Daniel Falk, der zum Vorbild zahlreicher Pädagogen avancierte, wurde neben seiner sozialen Arbeit auch als Liederdichter populär. Von ihm stammt nämlich das bekannte deutsche Weihnachtslied »O du fröhliche«. Dieses Lied komponierte Falk um das Jahr 1815 herum für seine Waisenkinder, von denen er inzwischen ungefähr 500 bei sich aufgenommen hatte. Das Lied sollte den Kindern die Grundlagen des christlichen Glaubens näherbringen und Weihnachten, Ostern und Pfingsten miteinander verbinden. Das Thema des Liedes ist, dass Gottes Liebe uns trotz aller Traurigkeit und Not Grund zur Freude schenkt: »Welt ging verloren, / Christ ist geboren, / freue dich, o Christenheit.« Grundlage für diese Freude ist, dass Jesus mit seiner Auferstehung den Tod überwunden hat: »Welt liegt in Banden, / Christ ist erstanden.«

    Heute singen wir nur noch die erste Strophe nach dem ursprünglichen Text. Die zwei weiteren Strophen wurden von Heinrich Holzschuher 1829 umgeschrieben und »O du fröhliche« somit gänzlich in ein Weihnachtslied umgewandelt.

    Johannes Falk lebte in einer schweren Zeit, er erlebte Krankheit, Hunger und Krieg. Bemerkenswert ist, dass er trotz vieler Schicksalsschläge über die Freude in Jesus Christus singen und schreiben konnte. Er erlebte, wie Gott ihm ein fester Halt war und ihm die nötige Kraft gab, seine schwere Aufgabe als Vater für so viele Waisenkinder zu erfüllen. Er kannte eine Freude, die unabhängig von äußeren Umständen ist, weil Jesus Christus der unveränderliche Mittelpunkt seines Lebens war. Das schwergeprüfte, aber dennoch reich erfüllte Leben Falks endete verhältnismäßig früh mit 58 Jahren durch eine Blutvergiftung. Sein Vorbild wirkte jedoch nach.

    Daniela Bernhard

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    5 min
  • Welthungerhilfe

    Nach Angaben der Welthungerhilfe leiden derzeit rund 735 Millionen Menschen an Hunger. Hunger betrifft damit jeden elften Menschen weltweit. In unserer Lebenswirklichkeit erscheint Hunger eher weit weg. Tatsächlich sind vor allem Länder in Afrika betroffen, wie z. B. der Kongo, Lesotho oder Madagaskar. Doch das Hungerproblem bleibt – losgelöst von der Verantwortung jedes Menschen und jedes Landes, dem es gut geht – nicht nur bestimmten Krisenregionen vorbehalten. Wenn der Leidensdruck der Hungernden groß genug wird, dann verlassen sie ihre Heimat, um woanders die Lösung ihres Hungerproblems zu finden.

    Bereits zu biblischen Zeiten gab es solche Hungersnöte, die weitreichende Folgen hatten. So war es zur Zeit Josephs. Er war ein Israelit, einer der Söhne Isaaks. Seine älteren Brüder hatten ihn aus Neid als Sklaven verkauft. Auf diese Weise war er nach Ägypten gekommen. Dort war er stets dadurch aufgefallen, dass er sein Leben nach Gott ausrichtete. Das bewahrte ihn zwar nicht vor Krisen, aber Gott hatte ihn dazu bestimmt, für eine drohende große Hungersnot vorzusorgen. Das machte er so gut, dass nun, in der Krise, alle Welt zu ihm nach Ägypten kam, um dort Getreide zu kaufen – sogar seine eigenen Brüder.

    Hunger ist eben ein immenser Antrieb. Er bewirkt, dass Menschen sich auf den Weg machen, um diesen zu stillen. Doch neben dem Hunger nach Brot gibt es auch einen Hunger nach Gerechtigkeit. Dieser entfaltet sich zum Beispiel, wenn man seine eigene Ungerechtigkeit erkennt und sich danach sehnt, gerecht zu werden. Auch insoweit ist der Hunger groß in allen Landen. Um diesen Hunger nach Gerechtigkeit zu stillen, muss man aber nicht zu Joseph nach Ägypten ziehen: Man darf – von überall her – zu Jesus Christus kommen.

    Markus Majonica

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    4 min
  • Kraft im Leid – aus dem Leben von Johannes Falk (1)

    Der Tod eines Kindes ist für die Eltern ein sehr belastender Einschnitt, der das komplette Leben verändert. Oft trauern sie ein Leben lang. Stirbt ein Kind, bleibt in einer Familie nichts mehr, wie es war. Der unfassbare Verlust ist kaum zu verkraften, die Verzweiflung übermächtig, das Weiterleben scheint keinen Sinn mehr zu machen.

    Es gibt jedoch Menschen, die trotz oder vielleicht wegen der großen Not, eine scheinbar übermenschliche Kraft aufbringen, Großes zu vollbringen. Einer davon ist der evangelische Schriftsteller und Theologe Johannes Daniel Falk (1768–1826). Seine Frau und er verloren durch Typhus im Jahr 1813 kurz nacheinander vier ihrer zehn Kinder. In der Folge nahm das Ehepaar über 30 Kriegswaisen in ihrer Wohnung auf, die sie kaum ernähren konnten. Dort richteten sie für die notleidenden Kinder auch eine Schule ein. 1819 dann ein erneuter Schicksalsschlag: Ein weiterer Sohn starb mit 19 Jahren. Drei Jahre später raubte der Tod die sechzehnjährige Tochter. Die Familie nahm weiter verwaiste Kinder auf und bezog den verfallenen Lutherhof in Weimar, da ihr bisheriger Vermieter die vielen Kinder nicht mehr dulden wollte. Dort gründete Falk das »Rettungshaus für verwahrloste Kinder«.

    Der Erziehungsstil Falks war seiner Zeit weit voraus. Er verzichtete auf drakonische Strafen, die bei Fehlverhalten von Kindern zu dieser Zeit üblich waren, und setzte stattdessen auf Freiheit, Liebe und Annahme. Sein Zeitgenosse Goethe nannte ihn den »Pädagogen verwilderter Kinder«. Falks Engagement für Kinder wurde zum Vorbild für einige noch heute betriebene Kinderheime, wie z. B. das »Rauhe Haus« in Hamburg. Falk gilt als Begründer der modernen Sozialpädagogik auf christlicher Grundlage.

    Daniela Bernhard

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    5 min
  • Loslassen (2)

    Meine liebe Frau nahm sich vor, in unserer Wohnung einiges zu verändern, um mehr Platz in unserer kleinen Wohnung zu schaffen. Vor sechs Jahren legten wir nämlich durch Heirat unseren Hausrat aus zwei Wohnungen zusammen. Dadurch wurde in der Wohnung alles sehr dicht und eng. Einiges mussten wir damals bereits weggeben, obwohl mir das bei manchen Gegenständen schwerfiel. Da meine Frau überaus kreativ ist, gelang es ihr bei meinem Einzug trotzdem, einige der mir lieb gewordenen Gegenstände unterzubringen. Mit der Zeit entstand dennoch der Eindruck, dass in der kleinen Wohnung zu viel des Guten ist.

    So begann sie mit ihrem Kreativgeist, zu planen und einiges aufzulockern. Wohl oder übel mussten wir nochmals einige Sachen loslassen und uns von ihnen trennen. Manches wechselte den Platz, ein Freund klebte eine Fototapete, ein großer Küchenkasten wurde gegen einen kleineren ersetzt. Letztlich erhielten wir eine feine, bei Weitem geräumigere Wohnung.

    Loslassen – das gilt auch für angesammeltes Denken über Gott. Von klein auf wurde uns dieses und jenes über Gott eingepflanzt. Eltern, Lehrer, Arbeitskollegen, Religion, Medien usw. haben unser Bild über Gott geprägt. Aber wer und wie ist Gott wirklich? So wie uns andere darüber berichtet oder uns belehrt haben? Gott ist so, wie er ist. Er hat sich uns in seinem Sohn Jesus Christus in seinem ganzen Wesen zu erkennen gegeben. Das Schwierige für jeden Einzelnen ist, altes und falsches Denken, das wir über Jahre oder Jahrzehnte angesammelt haben, loszulassen und die Wahrheit über Gott anzuerkennen. Jesus lehrte: »Ändert eure Einstellung (tut Buße), denn die Himmelsherrschaft bricht bald an!« (Matthäus 4,17). Dieser »Loslass-Ruf« gilt allen Menschen bis heute.

    Sebastian Weißbacher

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    4 min
  • Loslassen (1)

    Endlich Rente. Endlich nicht mehr die Verpflichtung, jeden Morgen zur Stelle sein zu müssen. Den Tag langsam angehen lassen. Zeit zur Verfügung haben, für das, was man als wichtig ansieht. Ja, das ist angenehm, aber voraus geht auch ein Prozess, und zwar ein Prozess des Loslassens. Das ist nicht immer leicht. Verantwortung im Beruf übernehmen jetzt Jüngere. Die können das teilweise sogar besser, mit neuen Möglichkeiten und tollen Ideen. Das kann schon mal am eigenen Wert nagen, denn natürlicherweise wollen wir alles festhalten, was uns Wert und Bedeutung gibt. Aber wer es schafft, loszulassen, wird auch eine gewisse Befreiung erleben. Es ist auch eine Erleichterung, nicht mehr so viel Verantwortung tragen oder nicht alles selbst tun zu müssen.

    Das Leben ist einem stetigen Wandel unterworfen. Dinge ändern und entwickeln sich. Das Loslassen-Müssen begleitet uns dabei. Wollen wir jedoch unbedingt alles festhalten, werden wir gebunden und unglücklich. Wir werden festgehalten von dem, was wir halten wollen. Deshalb sagt Jesus: »Lasst los und ihr werdet losgelassen.« Darin liegt ein Geheimnis zu unserer Befreiung, denn mit dem Loslassen kommt auch neue Freiheit: »Ich muss nicht mehr ...« Und es entsteht Raum für Neues: »Ich kann jetzt endlich …«

    Den Gewinn des Loslassens können wir in verschiedenen Bereichen erleben, z. B. wenn wir anderen vergeben können. Wenn wir Dinge nicht für uns behalten wollen. Wenn wir Verantwortung anderen übertragen können. Wenn wir nicht mehr denken: Ich kann es besser, und ich mache es richtig. Das Loslassen muss eingeübt werden. Erst das Loslassen dessen, was meine Hände festhalten, gibt die Möglichkeit, das Neue zu ergreifen, das Gott mir schenken will.

    Manfred Herbst

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    4 min
  • Nervenkitzel oder Todesstoß?

    Im Oktober 2023 sprang Dorothy Hoffner aus Chicago ins Bodenlose. Im Tandem mit Derek Baxter wagte die Greisin den Fallschirmsprung aus 4100 Metern Höhe ins Guinessbuch der Rekorde – mit 104 Jahren! Die BILD-Zeitung wollte die Seniorin später interviewen, doch da war Dorothy bereits verstorben; und das nur eine Woche nach ihrem historischen Fallschirmsprung. Sie gilt damit offiziell als älteste Fallschirmspringerin der Welt.

    Im Juli 2023 stieg Osvaldo Pereira de Souza aus Brasilien ins Taufbecken. Sein Pastor Rosalvo Macauba führte den steinalten Mann nicht nur zum Glauben an Jesus, sondern dann auch Richtung Wasser – mit 104 Jahren! Osvaldo wollte seinen Glauben an Jesus so gern noch öffentlich bezeugen. Dafür sei es nicht zu spät, sagte der Witwer, Vater von vier Kindern, dazu zahlreiche Enkel und Urenkel. Er wollte seinen Nachfahren zeigen, dass keine Ausrede gelte, um dem Leben eine neue Richtung zu geben und Jesus nachzufolgen.

    Dorothy suchte den »Thrill« und setzte die Bestmarke fürs Guinessbuch. »Das hat so viel Spaß gemacht«, sagte sie den Reportern und Kameraleuten am Boden. Osvaldo begehrte die Taufe und setzte die Wendemarke seiner Umkehr. »Es ist so wichtig, sein Vertrauen ganz auf Jesus zu setzen!«, sagte er seinen Urenkeln am Beckenrand.

    Osvaldo, Chapeau! Du bekamst letztes Jahr nicht so viel Beifall wie Dorothy, auf dich waren keine Live-Kameras gerichtet; aber du hast es genau richtig gemacht. Und du ähnelst deinem Meister: Christus sprang nicht von der Tempelzinne (Matthäus 4,5-7), sondern ließ sich bescheiden im Jordan taufen (Matthäus 3,13). Ganz ohne Effekthascherei. Jesus ließ sich nicht auf Händen tragen (Matthäus 4,6), sondern ans Kreuz schlagen! Für dich und mich.

    Andreas Fett

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    6 min
  • Glaube

    Im vergangenen Jahr waren wir im Schwarzwald auf der neuen Hängebrücke an den »Todtnauer Wasserfällen«. Sie ist 450 m lang und 120 m hoch; nach unten geht es in die Tiefe und über einem wartet der Himmel. Es war sehr interessant zu beobachten, wie die Menschen anfangs unsicher die Brücke betraten. Bis zu 350 Menschen gleichzeitig können sie nutzen, sie ist sogar für das Gewicht von ca. Tausend Menschen ausgelegt. Eine enorme Ingenieursleistung, die ich gern bestaunt habe.

    Mitten auf der Brücke stellte ich mir die Frage, ob dem Ingenieur bei der Berechnung evtl. ein Fehler unterlaufen sein könnte. Auch schaute ich mir die einzelnen Schraubverbindungen an und machte mir über die Monteure ähnliche Gedanken. Im Grunde hatte ich mein Vertrauen aber bereits ganz in die Hände dieser Menschen gelegt, ebenso taten es die vielen anderen Besucher (wenn auch nicht bewusst). In diesem Moment glaubten all diese Menschen und auch ich daran, dass die Brücke uns hält, obwohl wir die Konstrukteure und deren Berechnungen nicht kannten. Das bedeutet Glauben: zu vertrauen, ohne einen Beweis zu haben.

    Der Glaube an Gott ist im Grunde nichts anderes, man glaubt an etwas oder vertraut auf etwas, das man nicht sehen kann. Aber was macht den Glauben so gewiss? Er bewährt sich. Wenn ich beim Auto auf die Bremse trete, fährt es langsamer. Wenn ich mich auf einen Stuhl setze, mache ich mir im Normalfall keine Sorgen, ob dieser hält. Wenn ich mit dem Bus oder dem Zug unterwegs bin, vertraue ich fremden Menschen mein Leben an. Und wenn ich mich auf Gott verlasse, erlebe ich, dass es ihn gibt. Wenn ich mich an das halte, was er in der Bibel sagt, erleben ich, dass er hält, was er verspricht. Ähnlich wie die statischen Berechnungen der Hängebrücke halten, was sie versprechen.

    Gabriel Herbert

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    5 min
  • Stigmatisierung

    In letzter Zeit kommt Stigmatisierung in Deutschland verstärkt vor. Menschen, die nicht dem Mainstream entsprechen, eine abweichende Meinung zu gesellschaftlichen Themen vertreten oder Kritik an Entscheidungen üben, werden ausgegrenzt, z. T. auf ganz subtile Weise. Z. B. wird in die Welt gesetzt, Person xy sei umstritten. Dieses Eigenschaftswort haftet diesem Menschen nun an. Ob es stimmt oder nicht, er wird diese Kennzeichnung nicht mehr los. Oder eine andere Person hat mit jemandem ein Gespräch geführt, vielleicht in einem Café. Weil der Gesprächspartner schon vorher als »non grata« eingestuft worden ist, erlebt der Gesprächspartner nun einen Shitstorm sondergleichen.

    Von Stigmatisierung spricht man, wenn eine Person oder eine Gruppe aufgrund eines bestimmten Merkmals, einer Eigenschaft oder eines Zustandes in negativer Weise von anderen abgegrenzt oder unterschieden wird. In sozialer Hinsicht wird sie dadurch diskriminiert, von vielem ausgeschlossen. Bei solchen Ausgrenzungen geht es gar nicht darum, ob die Person oder die Menschengruppe tatsächlich etwas Unehrenhaftes darstellt. Es geht darum, sie auszugrenzen – und das funktioniert!

    So ein Verhalten und so eine Diskriminierung kommen auch in der Bibel vor. Die Zöllner und Sünder waren eine Gruppe, um die die Pharisäer und Schriftgelehrten einen großen Bogen machten, diesen »Abschaum der Gesellschaft«. Von Jesus lesen wir, dass er ganz anders ist! Er schämte sich nicht, mit solchen Menschen gesehen zu werden, ja, mit ihnen sogar zu essen! Er ist sogar in erster Linie für solche Abgeschriebenen der Gesellschaft gekommen. Wie weit abseits sie auch immer sind, Jesus bietet ihnen Reinigung von ihren Sünden, Gemeinschaft mit ihm und ewiges Leben an.

    Martin Reitz

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    4 min

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»LEBEN IST MEHR« ist ein Lesebuch, das Impulse und Gedankenanstöße gibt. Es lädt ein zum Nachdenken – über Gott und die Welt, das Woher, Wohin und Wozu – und nicht zuletzt über uns selbst, und das…

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