"Grottenschlecht", donnert der gefühlte Chef, und schon geht ein Ruck durch die CDU. Friedrich Merz wird auf dem Parteitag der schwächelnden Annegret Kramp-Karrenbauer den Parteivorsitz entreißen, und dann geht´s wieder vorwärts Richtung 40%, denn auf die Führung kommt es an, oder? Das gilt auch für die SPD: gestählt von einem monatelangen Werben um die Mitglieder wird im Dezember eine neue Doppelspitze mit basisdemokratischem Rückenwind die Partei zu alter Größe zurückführen, denn, genau, auf die Führung kommt es an. Das sieht man doch an den Grünen: der früher zerstrittenste aller politischen Haufen hat Annalena Baerbock mit 97,1% als Vorsitzende bestätigt, daneben wirken die 90,4% von Kollege Robert Habeck schon wie eine Klatsche. Der Lohn für so gute Führung ist dann womöglich das Kanzleramt. Offenbar gelingt es den richtigen Führungspersonen auf magische Weise, innerparteilichen Streit und überhaupt alle inhaltliche Auseinandersetzungen hinter einem gemeinsamen Ziel verschwinden zu lassen. Aber wie machen die das? Oder überschätzen wir den Einfluss der Führenden, um uns nicht mit der tristen Wirklichkeit befassen zu müssen: dass es nur einer Oppositionspartei wie den Grünen gelingt, sich zwischendurch mal richtig geschlossen zu zeigen, während SPD und CDU halt personell und politisch immer weiter auseinanderdriften - was ein Merz oder Scholz an der Spitze nur beschleunigen würden. Aber nein, das kann nicht sein, denn es kommt doch auf die Führung an.