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Kraftorte faszinieren Menschen seit jeher. Es sind Orte, an denen man zur Ruhe kommt, neue Energie schöpft und sich mit etwas Größerem verbunden fühlt – in der Natur, in Kirchen oder ganz persönlichen Rückzugsräumen. Gerade in einer oft hektischen Zeit gewinnen sie für viele an Bedeutung.
In Folge #51 sprechen wir mit Thekla Weissengruber, Leiterin der Sammlung Volkskunde und Alltagskultur der OÖ Landes-Kultur GmbH, und Ulrike Lengauer, Seelsorgerin in der Pfarrgemeinde Neumarkt im Mühlkreis und im Seniorenheim Freistadt und Verantwortliche für das Projekt Via Anima in St. Michael ob Rauchenödt, darüber, was einen Kraftort ausmacht und welche Rolle er im Leben der Menschen spielt.
Thekla Weissengruber erzählt von der Geschichte solcher Orte. Sie beschreibt, welche Kriterien dazu führen, dass ein Ort als kraftvoll wahrgenommen wird, zeigt die enge Verbindung zwischen Naturreligionen und Hochreligionen wie dem Christentum auf und ihre Bedeutung im Alltag der Menschen: „Da gibt es dann eben die Zusatzversicherungen, die sich jeder geholt hat, indem er Wallfahrten macht, zu Orten geht, wo man über Mirakel gehört hat, wo ein Heiliger, den man angebetet, dann geholfen hat. Und so ist es auch heute, dass man zu den Kraftorten geht und versucht, sich eine Quelle der Resilienz zu holen.“
Ulrike Lengauer beleuchtet das Thema aus christlicher Sicht und geht der Frage nach, woher die Kraft solcher Orte kommt – aus der Natur, dem Menschen oder Gott. Sie betont, wie wichtig neben persönlichen Kraftplätzen auch gemeinschaftliche Orte und der Weg dorthin sind. Sie erzählt von berührenden Begegnungen in der Kirche St. Michael ob Rauchenödt, die für viele Menschen zu einem wichtigen Kraftort geworden ist. Gleichzeitig ermutigt sie, Kraftorte auch im eigenen Alltag zu entdecken: „Bei mir zuhause ganz in der Nähe im Wald gibt es einen Kraftplatz, wo es mich einfach hinzieht. Das ist kein besonderer Platz, aber wo ich einfach spüre: Das ist mein Platz, wo ich zur Ruhe kommen kann, wo sich eine innere Gelassenheit in mir ausbreitet und wo ich mich dann Gott ganz nahe fühle.“
Glaube kann Berge versetzen. Er kann Halt geben, Hoffnung schenken und Menschen durch schwierige Zeiten tragen. Gleichzeit ist er oft auch mit Fragen oder Zweifeln verbunden. Für die einen ist er ein fester Anker im Leben, für die anderen hat er kaum Bedeutung.
In Folge #50 gehen wir im Gespräch mit Robert Janschek, Seelsorger in der Pfarrgemeinde Gallneukirchen in der Pfarre Mühlviertel Mitte, den Fragen nach, was Glaube ist, wie man ihn finden kann und welche Rolle er im Alltag der Menschen heute spielt. Er erzählt von seinem eigenen Glaubensweg - zu dem auch Glaubenskrisen gehören - und erklärt, wann Glaube eine wichtige Ressource sein kann, die Übung braucht und warum Glaube als Sinngeschichte verstanden werden muss: „Die Bibel ist kein naturwissenschaftliches Erklärungsbuch. Gott setzt einen Sinn in die Welt, in dem er sagt, er sah, dass es gut war. Und der Sinn, der dahinter steht, ist: Die Welt ist an sich ein guter Ort, und der Mensch ist an sich ein guter Mensch. Der Glaube an die Dreieinigkeit und wenn der Priester die Hostie und den Wein in Leib und Blut Christi wandelt – das sind keine naturwissenschaftlichen Vorgänge, und man darf sie auch nicht so verstehen, sondern sie haben einen Sinngehalt, der unser Leben bereichern kann. Es gibt in anderen Teilen der Welt andere Sinngeschichten, die vorherrschend sind, und wir haben alle eine Perspektive auf das Transzendente, wir hängen einer Geschichte an, aber am Ende des Tages ist es ein Glaube und kein Wissen."
Ein Mahl ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist eine Form des Zusammenkommens und des Teilens. Beim gemeinsamen Essen entstehen Begegnungen und Austausch. Im Mai, wenn viele Kinder ihre Erstkommunion feiern, erhält das Mahl eine spezifische religiöse Bedeutung. In der Kommunion wird das Teilen zu einem Zeichen von Zugehörigkeit, Empfang und Weitergabe. Das Mahl steht dabei für Gemeinschaft, die über den einzelnen Anlass hinausreicht. Diese Folge geht der Frage nach, was es heute bedeuten kann, Mahl zu halten – in einer Zeit, in der Essen häufig funktional organisiert und gemeinsames Essen seltener geworden ist.
Valentin Stelzer, Religionslehrer am Bischöflichen Gymnasium Petrinum in Linz, spricht über das Projekt „Essen für die Seele“, das gemeinsames Essen mit Obdachlosen bewusst als Ort der Gastfreundschaft, nicht als Hilfe versteht, und zeigt, wie aus der Begegnung auf Augenhöhe eine Gemeinschaft entsteht. Er reflektiert, wie sich die von Jesus gelebte Mahlgemeinschaft und Eucharistie zueinander verhalten und was wir verlieren, wenn das gemeinsame Mahl immer seltener wird: „Gemeinsam Mahl halten heißt, ich nehme mir Zeit. Zeit für mich selbst, aber vor allem – ich nehme mein Gegenüber bewusst wahr, ich lasse mich auf mein Gegenüber ein. Das ist dann nicht nur einfach ein Akt des Überlebens, dass man Nahrungsmittel zu sich nimmt, sondern ein wirklich urmenschliches Bedürfnis: in Beziehung treten durch Mahl halten.“
Mit dem Philosophen und Gastrosophen Thomas Mohrs werfen wir einen Blick auf den Ursprung und die Bedeutung der Gastrosophie, die Essen auch als ethische Praxis versteht. Wir sprechen über die Rolle jedes und jeder Einzelne:n als Konsument:in, darüber, warum der Satz „Du bist, was du isst“ mehr über Identität als über Ernährung aussagt, weshalb Bildungseinrichtungen in einer Zeit, in der immer seltener gemeinsam gegessen wird, zentrale Orte sind, um die Praxis des gemeinsamen Essens einzuüben und ob bewusstes Mahlhalten selbst schon ein Schritt zu einer gesünderen und verantwortungsvolleren Ernährung sein kann: „Wenn es uns gelingt, wieder das gemeinsame Mahl in einem positiven Sinn zu etablieren - Immanuel Kant hatte jeden Mittag seine Mittagsgesellschaft, also eine Mahlgemeinschaft, durchaus auch fröhlich und witzig – ja, ich glaube, dass es eine Veränderung der Wertigkeiten bewirken könnte.“
„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ – der unscheinbare Satz aus dem Glaubensbekenntnis verweist auf das Geheimnis des Karsamstags: den stillen, verborgenen Weg Christi in die Tiefe des Todes. In dieser Folge schauen wir mit Dr. Christoph Freilinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Österreichischen Liturgischen Instituts und Dr.in Ilaria Hoppe, Professorin an der KU Linz, wie sich dieser Schwellenraum – zwischen Ende und Neubeginn – sowohl theologisch und liturgisch als auch in der Kunst zeigt.
Christoph Freilinger erklärt die grundlegende Bedeutung dieses Satzes und warum der Karsamstag damit nicht bloß ein stilles „Dazwischen“ zwischen Kreuz und Auferstehung ist. Er bringt Beispiele, wie sich das auch in der Liturgie wiederfindet und welche Hoffnung wir aus diesem Abstieg schöpfen können: „Selbst, wenn ich in die äußerste Finsternis gehe, ist Gott trotzdem auch noch dort, und diese Finsternis ist dann nicht mehr finster, sondern Licht, weil Gott das Licht ist in meiner Dunkelheit. Das andere ist der Aspekt, dass während auf der Erde getrauert wird um den Toten, unter der sichtbaren Oberfläche etwas Entscheidendes passiert, nämlich dass Jesus die Menschheit aus der Dunkelheit herauszieht. Für mich ist das ein schönes Bild, dass Gottes Heilswirken schon angefangen hat, auch wenn wir es noch nicht sehen. “
Wie die Kunst den Abstieg und das Heilswirken Christi darstellt, schildert Ilaria Hoppe. Sie zeigt, wie sich diese Bildtradition im Lauf der Jahrhunderte verändert hat und wie unterschiedlich Ost- und Westkirche den Abstieg Christi interpretieren. Darüber hinaus erklärt sie, wie zeitgenössische Künstler:innen zwar weiterhin Motive des Limbus – jenes in der Tradition beschriebenen „Ortes der Toten“, der als Bereich zwischen Himmel und Hölle gedacht wurde – aufgreifen, diese jedoch von ihrer religiösen Bedeutung lösen: „Was betont wird, ist die Vorstellung eines Ortes, wo Zeit und Raum aufgehoben sind: ein Ort, der auf Dauer gestellt ist, der nicht von unserer Welt ist, der ein Dazwischen markiert, mit dem Motiv das Wartens in Verbindung gebracht wird und eher dystopisch ist. Was dann oft verloren geht, ist das christliche Motiv der Hoffnung.“
Vor 150 Jahren machte Graham Bell seinen ersten Telefonanruf. Vor 60 Jahren nahm die Telefonseelsorge in Österreich ihren ersten Anruf entgegen. In dieser Folge sprechen wir mit Herbert Rössler, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Telefonseelsorge, darüber, warum das Telefon in einer Welt voller vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten auch heute noch zum Lebensfaden werden kann.
Herbert Rössler erklärt, warum Seelsorge am Telefon so gut funktioniert und welche Rolle Anonymität, Vertrauen, Nähe, Sprache und Stimme dabei spielen. Er erzählt außerdem von seiner eigenen ersten Erinnerung an das Telefon, von bewegenden Gesprächen, was es braucht, um mit der Belastung gut umzugehen, warum wir in einer Welt voller Möglichkeiten trotzdem immer weniger wirklich miteinander kommunizieren und warum die Telefonseelsorge mit Chat- und Mail-Angeboten zwar neue Kommunikationsformen aufgreift, diese das Telefon aber nur ergänzen und niemals ersetzen können:
„Faschingszeit ist Narrenzeit“ – eine Zeit, in der sich Menschen verkleiden, bewusst in andere Rollen schlüpfen und als fröhliche, bunte, laute Narren aus der Reihe tanzen und Grenzen spielerisch verschieben.
Sr. Ida von den Franziskanerinnen von Vöcklabruck erzählt, warum ihr Ordensgründer Franz von Assisi als Narr Gottes bezeichnet wird und wie seine Lebensweise – getragen von Armut, Nächstenliebe, Verantwortung für die Schöpfung und einer besonderen Leichtigkeit – in ihrer Gemeinschaft heute gelebt wird. Sie erklärt auch, weshalb sie es positiv sieht, dass ihre Entscheidung, in einen Orden einzutreten, von manchen als verrückt bezeichnet wurde: „Für mich gibt es mehrere Dimensionen von Verrücktsein – das positive Verrücktsein, in das Franziskus fällt, aber natürlich auch jene Form, die verletzt, Menschenrechte missachtet und gefährlich ist, und die Dimension, sich in seinem Weltbild ab und zu ver-rücken zu lassen, die Perspektive anderer kennenzulernen, um empathisch zu bleiben.“
Mit Kabarettist Günther Lainer sprechen wir darüber, ob er sich in seiner Berufung als eine Art moderner Hofnarr sieht, über die Rolle gefährlicher Narren, warum er gemeinsam mit seinem Kollegen Ernst Aigner auch Programme zu Religion und Kirche gestaltet, ob er sich selbst als Narr Gottes bezeichnen würde – und weshalb er Humor sogar als modernes Sakrament einführen würde: „In den wichtigsten Momenten im Leben passiert ein Sakrament: die Taufe zu Beginn, dann die Firmung, Ehe, Krankensalbung. Ein Sakrament ist eine Stärkung, und auch der Humor hat Kraft und stärkt. Er kann dich ablenken, damit du nicht alles so ernst nimmst, damit du dich nicht selbst narrisch machst.“
Viel Glück im neuen Jahr – Glückwünsche zum Jahresbeginn sind Tradition. Doch was meinen wir eigentlich, wenn wir einander Glück wünschen? In Folge #45 sprechen wir mit zwei Expert:innen darüber, was Glück aus medizinischer und philosophischer Sicht bedeutet – und was wir tun können, um unserem eigenen Glück ein Stück näher zu kommen.
Zu Gast sind Prim. Dr. Katharina Glück, Fachärztin für Psychiatrie am Klinikum Wels-Grieskirchen und Univ.-Prof. Mag. theol. Dr. phil. Michael Hofer, Vorstand des Instituts für Theoretische Philosophie der KU Linz.
Prim. Katharina Glück erklärt, was in unserem Körper passiert, wenn wir einen Moment des Glücks erleben, welchen Anteil unsere Genetik hat und welche Rolle unsere Lebenserfahrungen spielen. Außerdem spricht sie darüber, warum das Sammeln einzelner Glücksmomente noch kein glückliches Leben ausmacht – und welche wissenschaftlich belegten Methoden tatsächlich helfen, unsere Glücksfähigkeit zu steigern: „Was ich besonders schön finde: wenn man ein Ehrenamt ausübt, sich für Menschen engagiert, denen es schlechter geht, oder auch Spenden erhöht die eigene Zufriedenheit, also dieses Sprichwort ‚Geben ist seliger denn Nehmen‘ ist tatsächlich wissenschaftlich belegt.“
Wenn die ersten Kerzen brennen, der Duft von frisch gebackenen Keksen in der Luft liegt und wir den Brief ans Christkind schreiben, beginnt die Zeit der Wünsche. Wünsche gehören zu Weihnachten wie der Adventskranz und das Glitzern der Lichter.
Warum Wünsche für uns Menschen so wichtig sind, welche Sehnsüchte dahinterstecken und wie sie mit der Weihnachtsgeschichte verbunden sind – darüber sprechen wir in dieser Folge mit Monika Weilguni, Seelsorgerin und Pastoralvorständin der Pfarre Linz Mitte. Sie erzählt, wie Wünsche Nähe und Gemeinschaft schaffen, berichtet vom Weihnachtswald der Herzenswünsche, der jedes Jahr in Linzer Kirchen und mittlerweile auch in Seniorenwohnhäusern entsteht, und was es bei den Menschen auslöst, wenn sie ihre Hoffnungen und Sehnsüchte dort niederschreiben können.
Besonders berührend wird es auch, wenn sie vom „Umgekehrten Adventskalender“ erzählt – einer Aktion, bei der Wünsche für andere erfüllt werden. Denn auf diesen Wunschzetteln finden sich einfache und banale Dinge: „Da stehen auf der Liste: Nudeln, Mehl, Reis, Hygieneartikel, vielleicht dann noch für die Kinder schöne Stifte und Notizbuch. Aber da geht es wirklich um die essenziellen Bedürfnisse des alltäglichen Lebens, die sich diese Menschen nicht mehr leisten können.“
Trauer braucht Raum. Und sie braucht auch einen Ort – einen Ort, an dem Erinnerungen leben dürfen, an dem Schmerz und Liebe nebeneinander existieren können.
In Folge 43 gehen wir der Frage nach, wie wichtig physische Orte für die Verarbeitung von Trauer sind. Gemeinsam mit Silvia Breitwieser - Theologin, Psychotherapeutin und Leiterin der Telefonseelsorge der Diözese Linz - sprechen wir darüber, was einen Ort zum Trauern „heilend“ macht und wie Menschen mit dem Verlust umgehen können, wenn es keinen konkreten Ort gibt – etwa bei Sternenkindern. Wir beleuchten auch neue Formen des Gedenkens, wie digitale Trauerorte und schauen uns an, welche Orte zum Trauern die Katholische Kirche den Trauernden anbietet: „In unserem christlichen Menschenbild ist das Grab ein besonderer Ort, um dem Verstorbenen über den Tod hinaus nahe zu sein. Diese Verbundenheit mit dem Verstorbenen drückt sich dann auch in Ritualen aus, die wir als tröstliche Handlungen sehen, die Stabilität in die neue Realität bringen, in das neue Leben ohne den Verstorbenen.“
Doch Trauer ist nicht nur ein privates Gefühl – sie ist auch gesellschaftlich und historisch verankert.
Am ersten Sonntag im Oktober feiern wir traditionell den Schutzengel-Sonntag – ein Tag, der uns daran erinnert, dass wir nicht allein durchs Leben gehen. Schutzengel gelten als stille Begleiter, die uns behüten und stärken. Doch welche Bedeutung haben sie heute? Welche Rolle spielen sie in unserem Glauben, in der Kunst und in unserem Alltag?
Darüber sprechen in dieser Podcast-Folge Abt Reinhold Dessl vom Stift Wilhering und Martina Gelsinger vom Fachbereich Kunst und Kultur der Diözese Linz.
Abt Reinhold erzählt von den biblischen Wurzeln und der theologischen Bedeutsamkeit der Schutzengel, von ihrer Rolle als Wegweiser und innere Stimme. Er gibt Einblicke in seine persönlichen Erfahrungen, erklärt, warum das Stift Wilhering den Schutzengeln geweiht ist – und warum Engel nicht unbedingt Flügel haben müssen: „Engel ist der Mensch von nebenan, der mir hilft. Engel ist der, der für eine alte Frau den Mistkübel hinunterträgt. Engel ist der, der einem Kind Nachhilfe gibt, oder Engel ist der, der auch mal dagegenspricht, wenn ausländerfeindliche Parolen zum Besten gegeben werden. Engel ist mitten im Leben.“
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