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Der heutige Textabschnitt fordert uns in einer besonderen Weise heraus. Es dreht sich um uralte Grundgedanken des Menschen, die aber gerade in unserer Zeit heute aktueller sind denn je.
Der Abschnitt aus dem Lukasevangelium behandelt zwei Themen, die beide das Verhalten eines Christen darstellen. Wie mache ich es richtig? Was ist wirklich christlich? Gibt es ethische Grenzen oder Richtlinien? Und wenn ja, wie finde ich bei aller Bandbreite der Entscheidungsmöglichkeiten ein von Gottes Liebe geprägtes Verhalten?
Die erste Frage ist – zunächst ganz einfach: Wer ist der Größte unter uns?
Wer ist der Größte in unserer Familie?
Der berühmte Boxer Mohammed Ali sagte bereits im August 1963 „I am the greatest“ (Ich bin der Größte!) und das sechs Monate, bevor er Weltmeister im Box-Schwergewicht wurde. Und heute hören wir immer wieder: „Amerika first“ (Amerika zuerst!)
Das Grundübel bei solchen Gedanken: Nicht nur wenige, auch ganz Große haben solche Fragen im Kopf. Insgeheim wünsche ich mir, der „Erste“, der „Oberste“ zu sein: Lieblingskind von Mama, bester Schüler der Klasse, schnellster Läufer im Sport, beliebtester Mitarbeiter in der Firma, berühmtester Musiker im Lande, bedeutendster Politiker in der Partei. Und dabei komme ich bei solch einer Frage ganz schnell ins Vergleichen mit den Anderen. Vergleichen ist das Grundübel.
Hier gilt nicht mehr die Liebe und das Verständnis für den Nächsten, sondern die Abgrenzung und das Runterspielen und Abwerten des Anderen. Daraus wiederum erwachen Neid, Hass und Habgier. Und schon auf der dritten Seite der Bibel kennen wir das Ergebnis solchen Verhaltens, als Kain und Abel miteinander wetteiferten, wer bei Gott angesehener sei, also „größer“ sei. Das Ende des Wettstreites war Mord und Totschlag.
Die Gefahr besteht bei jedem, auch bei Christen, auch in geistlichen Bereichen; Ein Wettstreit aber ist immer noch ein Streit! Und damit Unfrieden.Jesus Christus aber lädt ein, es anders zu machen: „Öffne deinen Blick und suche das Unscheinbare, das Kleine, Unbedeutende.“ Er nimmt ein Kind, stellt es neben sich und sagt: Wer solch ein Kind aufnimmt, der nimmt mich auf und meinen Vater.
Das Kleine entdecken! Das ist die eigentliche Kunst des christlichen Handelns! Ob es ein Kind, bzw. ein Pflegekind ist: Ich nehme eigentlich Christus auf. Ob es ein zufällig um Hilfe Suchender ist, dem ich geholfen habe: Ich habe Christus geholfen.
Egal wie klein, wie unbedeutend, wie unnütze auch immer es erscheinen mag, Christus lädt ein, gerade die kleinen Hilfeleistungen in der Liebe Gottes zu suchen und zu tun. Ein Gespräch mit einem am Wegrand Sitzenden – und er fühlt sich wahrgenommen und als Mitmensch gewürdigt. Ein kurzes freundliches Wort zur Kassiererin im Supermarkt und sie spürt, dass sie nicht nur Prellbock für alle misslichen Launen der Kundschaft ist. Eine freundliche Geste des Vorfahrtgewährens an der Straßenecke - und ein Moment der Begegnung zeigt dem anderen, dass Menschen sich auch friedlich und wohlgesonnen begegnen können.
Groß sein durch Kleines tun. Darauf liegt der Segen Gottes.
Und das zweite Thema ist gar nicht so weit weg davon: Da tut einer eigentlich etwas Gutes, aber er folgt nicht Jesus! Sofort untersagen die Jünger diesem Menschen, das Gute weiter zu tun.
Gutes tun ist doch nur was für gute Menschen. Dann müssen sie doch Christen sein, gottesfürchtige, fromme Leute? Alle anderen können doch letztlich gar nichts Gutes tun.
Bestimmt hat das, was diese Menschen tun, einen Haken, ein Hintertürchen, wenn nicht sogar einen Hinterhalt. Deshalb: Untersag Ihnen dieses, Jesus! So meinten es die Jünger.
Und Jesus korrigiert auch hier: Liebe Jünger, liebe Christen, meint nicht, dass nur ihr etwas Gutes tun könnt. Auch andere sind sehr gut in der Lage, Gutes zu tun. Auch andere Menschen empfinden Barmherzigkeit und Mitleid. Auch Reiche können spenden, ohne an Gott zu glauben. Und viele Menschen gehen ohne Gott auf die Straße und setzen sich für eine bessere Welt ein.
Das ist für Christen oft unverständlich. Aber ich will nicht vergessen: Auch wenn diese Menschen nicht persönlich an Christus oder Gott glauben, so sind sie von Gottes Liebe geschaffene Lebewesen. Sie werden genauso begabt von Gott, wie alle anderen Menschen. Und sie dürfen genauso verantwortlich gegenüber Gott leben, auch wenn sie vielleicht nur ein „höheres Wesen“ erahnen. Es liegt mit an mir, daraus etwas zu machen. Ich bin eingeladen, Gutes zu unterstützen. Und im Gespräch, im gemeinsamen Planen kann ich davon berichten, was mich antreibt, was mir an Christus wichtig ist.
Jesus sagt deshalb den Jüngern: „Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“
Das bedeutet doch: Ich darf mit anderen am Guten arbeiten, mich mit ihnen einsetzen für andere Menschen. Statt Abgrenzen von anderen, lädt Jesus ein, so viel wie möglich miteinander Gutes zu tun. So oft wie möglich Mitstreiter suchen. Engagement für die gute Sache, das ist angesagt. Und wenn dies dann auch mit einer klaren Botschaft von Jesus Christus untermauert werden kann, dann tue ich es – umso lieber.
Wenn aber nicht, dann freue ich mich daran, dass ich nicht alles alleine tun musst Gott hat mir Helfer zur Seite gestellt. Was für ein Privileg: Gemeinsam dürfen Sie und ich für Gutes sorgen. Die Frage, ob ich der Größte bin, ist nicht wichtig. Sonst stände ich bald alleine da. Und die Frage, ob der andere richtig glaubt, ist nicht das entscheidende für eine Zusammenarbeit. Sonst hätte ich mich schnell von ihm getrennt. Beide Gedanken sind nicht geprägt von der Liebe Gottes. Beide Gedanken führen in die Isolation. Beide Gedanken sind deshalb hinderlich für die Arbeit Gottes hier in seinem Reich, in seiner Schöpfung, mit seinen Menschen.
Herr, Danke das ich dabei sein darf in deinem Jüngerkreis. Danke, dass Du mir zutraust, für dich zu arbeiten. Danke, dass ich nicht der Beste, nicht der Größte nicht der Erfolgreichste sein muss, um in deiner Gemeinde mitzuarbeiten. Danke, dass ich mit anderen, die anders denken, anders glauben, anders arbeiten, trotzdem Gutes mit unterstützen darf. So schenke mir einen Blick dafür, was du gesehen haben möchtest, und schenke mir das Glück, dies zu entdecken.
Herr, ich bin gespannt, was du heute mit mir vorhast. Amen.
Autor: Pfarrer Eberhard Hoppe
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By ERF - Der Sinnsender5
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Der heutige Textabschnitt fordert uns in einer besonderen Weise heraus. Es dreht sich um uralte Grundgedanken des Menschen, die aber gerade in unserer Zeit heute aktueller sind denn je.
Der Abschnitt aus dem Lukasevangelium behandelt zwei Themen, die beide das Verhalten eines Christen darstellen. Wie mache ich es richtig? Was ist wirklich christlich? Gibt es ethische Grenzen oder Richtlinien? Und wenn ja, wie finde ich bei aller Bandbreite der Entscheidungsmöglichkeiten ein von Gottes Liebe geprägtes Verhalten?
Die erste Frage ist – zunächst ganz einfach: Wer ist der Größte unter uns?
Wer ist der Größte in unserer Familie?
Der berühmte Boxer Mohammed Ali sagte bereits im August 1963 „I am the greatest“ (Ich bin der Größte!) und das sechs Monate, bevor er Weltmeister im Box-Schwergewicht wurde. Und heute hören wir immer wieder: „Amerika first“ (Amerika zuerst!)
Das Grundübel bei solchen Gedanken: Nicht nur wenige, auch ganz Große haben solche Fragen im Kopf. Insgeheim wünsche ich mir, der „Erste“, der „Oberste“ zu sein: Lieblingskind von Mama, bester Schüler der Klasse, schnellster Läufer im Sport, beliebtester Mitarbeiter in der Firma, berühmtester Musiker im Lande, bedeutendster Politiker in der Partei. Und dabei komme ich bei solch einer Frage ganz schnell ins Vergleichen mit den Anderen. Vergleichen ist das Grundübel.
Hier gilt nicht mehr die Liebe und das Verständnis für den Nächsten, sondern die Abgrenzung und das Runterspielen und Abwerten des Anderen. Daraus wiederum erwachen Neid, Hass und Habgier. Und schon auf der dritten Seite der Bibel kennen wir das Ergebnis solchen Verhaltens, als Kain und Abel miteinander wetteiferten, wer bei Gott angesehener sei, also „größer“ sei. Das Ende des Wettstreites war Mord und Totschlag.
Die Gefahr besteht bei jedem, auch bei Christen, auch in geistlichen Bereichen; Ein Wettstreit aber ist immer noch ein Streit! Und damit Unfrieden.Jesus Christus aber lädt ein, es anders zu machen: „Öffne deinen Blick und suche das Unscheinbare, das Kleine, Unbedeutende.“ Er nimmt ein Kind, stellt es neben sich und sagt: Wer solch ein Kind aufnimmt, der nimmt mich auf und meinen Vater.
Das Kleine entdecken! Das ist die eigentliche Kunst des christlichen Handelns! Ob es ein Kind, bzw. ein Pflegekind ist: Ich nehme eigentlich Christus auf. Ob es ein zufällig um Hilfe Suchender ist, dem ich geholfen habe: Ich habe Christus geholfen.
Egal wie klein, wie unbedeutend, wie unnütze auch immer es erscheinen mag, Christus lädt ein, gerade die kleinen Hilfeleistungen in der Liebe Gottes zu suchen und zu tun. Ein Gespräch mit einem am Wegrand Sitzenden – und er fühlt sich wahrgenommen und als Mitmensch gewürdigt. Ein kurzes freundliches Wort zur Kassiererin im Supermarkt und sie spürt, dass sie nicht nur Prellbock für alle misslichen Launen der Kundschaft ist. Eine freundliche Geste des Vorfahrtgewährens an der Straßenecke - und ein Moment der Begegnung zeigt dem anderen, dass Menschen sich auch friedlich und wohlgesonnen begegnen können.
Groß sein durch Kleines tun. Darauf liegt der Segen Gottes.
Und das zweite Thema ist gar nicht so weit weg davon: Da tut einer eigentlich etwas Gutes, aber er folgt nicht Jesus! Sofort untersagen die Jünger diesem Menschen, das Gute weiter zu tun.
Gutes tun ist doch nur was für gute Menschen. Dann müssen sie doch Christen sein, gottesfürchtige, fromme Leute? Alle anderen können doch letztlich gar nichts Gutes tun.
Bestimmt hat das, was diese Menschen tun, einen Haken, ein Hintertürchen, wenn nicht sogar einen Hinterhalt. Deshalb: Untersag Ihnen dieses, Jesus! So meinten es die Jünger.
Und Jesus korrigiert auch hier: Liebe Jünger, liebe Christen, meint nicht, dass nur ihr etwas Gutes tun könnt. Auch andere sind sehr gut in der Lage, Gutes zu tun. Auch andere Menschen empfinden Barmherzigkeit und Mitleid. Auch Reiche können spenden, ohne an Gott zu glauben. Und viele Menschen gehen ohne Gott auf die Straße und setzen sich für eine bessere Welt ein.
Das ist für Christen oft unverständlich. Aber ich will nicht vergessen: Auch wenn diese Menschen nicht persönlich an Christus oder Gott glauben, so sind sie von Gottes Liebe geschaffene Lebewesen. Sie werden genauso begabt von Gott, wie alle anderen Menschen. Und sie dürfen genauso verantwortlich gegenüber Gott leben, auch wenn sie vielleicht nur ein „höheres Wesen“ erahnen. Es liegt mit an mir, daraus etwas zu machen. Ich bin eingeladen, Gutes zu unterstützen. Und im Gespräch, im gemeinsamen Planen kann ich davon berichten, was mich antreibt, was mir an Christus wichtig ist.
Jesus sagt deshalb den Jüngern: „Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“
Das bedeutet doch: Ich darf mit anderen am Guten arbeiten, mich mit ihnen einsetzen für andere Menschen. Statt Abgrenzen von anderen, lädt Jesus ein, so viel wie möglich miteinander Gutes zu tun. So oft wie möglich Mitstreiter suchen. Engagement für die gute Sache, das ist angesagt. Und wenn dies dann auch mit einer klaren Botschaft von Jesus Christus untermauert werden kann, dann tue ich es – umso lieber.
Wenn aber nicht, dann freue ich mich daran, dass ich nicht alles alleine tun musst Gott hat mir Helfer zur Seite gestellt. Was für ein Privileg: Gemeinsam dürfen Sie und ich für Gutes sorgen. Die Frage, ob ich der Größte bin, ist nicht wichtig. Sonst stände ich bald alleine da. Und die Frage, ob der andere richtig glaubt, ist nicht das entscheidende für eine Zusammenarbeit. Sonst hätte ich mich schnell von ihm getrennt. Beide Gedanken sind nicht geprägt von der Liebe Gottes. Beide Gedanken führen in die Isolation. Beide Gedanken sind deshalb hinderlich für die Arbeit Gottes hier in seinem Reich, in seiner Schöpfung, mit seinen Menschen.
Herr, Danke das ich dabei sein darf in deinem Jüngerkreis. Danke, dass Du mir zutraust, für dich zu arbeiten. Danke, dass ich nicht der Beste, nicht der Größte nicht der Erfolgreichste sein muss, um in deiner Gemeinde mitzuarbeiten. Danke, dass ich mit anderen, die anders denken, anders glauben, anders arbeiten, trotzdem Gutes mit unterstützen darf. So schenke mir einen Blick dafür, was du gesehen haben möchtest, und schenke mir das Glück, dies zu entdecken.
Herr, ich bin gespannt, was du heute mit mir vorhast. Amen.
Autor: Pfarrer Eberhard Hoppe
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