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In den Ötztaler Alpen, an der Grenze zwischen Tirol und Südtirol, liegt ein Gletscher, der für die Forschung besonders wertvoll ist. Auf der Weißseespitze, einem Berg auf knapp 3500 Metern Höhe, haben Wissenschafterinnen und Wissenschafter einen Eisbohrkern untersucht, der rund 6000 Jahre Umweltgeschichte enthält. Die Spuren im Eis öffnen aber nicht nur ein Fenster in die Vergangenheit, sie erlauben auch einen Blick in die Zukunft. Noch. Denn wie bei allen Gletschern der Alpen schwindet auch das Eis der Weißseespitze rapide dahin.
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Wie wahr ist das, was wir gemeinhin als Wirklichkeit ansehen? In seinem neuen Buch macht sich der Physiker, Autor und Wissenschaftskommunikator Florian Aigner erkenntnistheoretisch ans Eingemachte. Wie sein provokanter Titel Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr zu verstehen ist, erzählt er in der neuen Folge des STANDARD-Podcasts Rätsel der Wissenschaft.
Um der Wirklichkeit auf den Zahn zu fühlen, müssen wir uns zunächst unserer Wahrnehmung zuwenden. Der Streifzug durch die Physik der Sinne eröffnet nicht nur erstaunliche Perspektiven auf unsere eigene Wahrnehmung, sondern auch auf faszinierende Fähigkeiten in der Tierwelt.
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Der Mensch hielt sich lange für das Maß aller Dinge – auch in der Kommunikation. Verständigung, die nicht so funktioniert wie bei uns, galt nicht als komplex, sondern als bloßer Ausdruck von Instinkt oder Reflex. Dabei hatte schon Charles Darwin an dieser Selbstgewissheit gekratzt: In seinem 1872 erschienenen Buch Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren argumentierte er, dass der Ausdruck von Gefühlen keine menschliche Sonderleistung sei, sondern evolutionäre Wurzeln habe. Unterschiede zwischen menschlichem und tierischem Geist seien nicht grundsätzlich, sondern graduell.
In der Verhaltensforschung setzte sich diese Perspektive nur langsam durch. Lange dominierte eine methodische Zurückhaltung gegenüber mentalen Zuschreibungen: Tierische Kommunikation wurde vor allem als instinktgetriebenes Verhalten beschrieben, Begriffe wie Bedeutung oder Emotion galten als wissenschaftlich problematisch. Erst mit neuen technischen Möglichkeiten und einer kognitiven Wende in der Biologie rückte die Komplexität tierischer Verständigung stärker in den Fokus.
Kaum eine Art führt diese Verschiebung deutlicher vor Augen als der Elefant. "Was ganz großartig ist, ist ihre Andersartigkeit – während sie uns in vielem gleichzeitig so ähnlich sind", sagt Angela Stöger-Horwath. Die Zoologin ist Professorin an der Universität Wien und forscht seit vielen Jahren zur Kommunikation von Elefanten. Besonders faszinierend findet sie, wie Elefanten die Welt wahrnehmen. Dabei gibt es nämlich einige Aspekte, die Menschen nicht oder nur aufwendig mit technischen Hilfsmitteln bemerken.
Der menschliche Hörbereich liegt zwischen etwa 20 bis 20.000 Hertz. Elefanten nutzen auch Frequenzen weit darunter. Ihre tiefen, vibrierenden Rufe – sogenannte Rumbles – liegen im Infraschallbereich und haben so lange Wellen, dass sie sich über mehrere Kilometer ausbreiten können. Sie wandern nicht nur durch die Luft, sondern auch als Vibrationen durch den Boden. Artgenossen registrieren diese Signale nicht allein mit dem Gehör, sondern auch über spezielle empfindliche Rezeptoren in ihren Füßen.
Das ist aber nur ein Baustein in einem deutlich komplexeren Gefüge. Elefanten kommunizieren multimodal – sie verbinden Laute mit Gerüchen, Berührungen und fein abgestimmter Körpersprache. Für Stöger-Horwath ist das kein exotisches Detail, sondern ein grundlegendes Prinzip: "Kommunikation ist sicherlich immer multimodal. Auch wir Menschen sprechen nicht nur – wir gestikulieren, unsere Mimik spielt mit." Bei Elefanten sei dieses Zusammenspiel jedoch besonders eng verzahnt – und damit wissenschaftlich anspruchsvoll. "Wir Forschenden sind meist auf eine Modalität spezialisiert", sagt die Forscherin. "Ich arbeite viel mit Akustik, andere mit chemischen Signalen." Um das Gesamtsystem zu verstehen, brauche es daher interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Akustisch lassen sich bei den Dickhäutern verschiedene Lauttypen klar unterscheiden. Höherfrequente Trompetenlaute werden vor allem in Momenten starker Erregung eingesetzt – bei Bedrohung, Konkurrenz oder intensiver Freude. Die tieferen Rumbles hingegen strukturieren den sozialen Alltag der Herde. Sie dienen als Kontaktrufe, koordinieren Bewegungen und transportieren emotionale Zustände. Analysen zeigen, dass sich Parameter wie Grundfrequenz oder Modulationsmuster je nach Situation verändern. Emotion spiegelt sich also messbar im Laut wider. Zugleich entsteht die Bedeutung aber nie allein durch das Geräusch: Erst im Zusammenspiel mit Körperhaltung, Abstand zu anderen Tieren, Geruchssignalen und der jeweiligen sozialen Situation wird aus einem Laut eine verständliche Botschaft.
Ein zentrales Element dieser Verständigung ist das Gedächtnis. Elefantenweibchen können die Rufe von bis zu 100 individuellen Artgenossen unterscheiden. In weitläufigen Lebensräumen ist das von großer Bedeutung, erklärt die Biologin. "Gerade weil die Kommunikation über große Distanzen geht, muss man sich merken: Wer ist wer? Gehört der zu mir?" So entsteht ein soziales Netzwerk, das nicht auf Sichtkontakt angewiesen ist. Ohne dieses Gedächtnis wäre die Organisation der Herden kaum denkbar.
Elefanten verfügen auch über ein ausgeprägtes emotionales Gedächtnis. In ihrem Buch Elefanten. Ihre Weisheit, ihre Sprache und ihr soziales Miteinander, das zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2024 gewählt wurde, beschreibt Stöger-Horwath, wie Elefanten auf bestimmte Geräusche, Gerüche oder Orte noch Jahre nach belastenden Ereignissen mit deutlichen Stressreaktionen reagieren können. Die Erinnerungen sind dabei eng an sensorische Reize gekoppelt – ein Phänomen, das an posttraumatische Belastungsreaktionen beim Menschen erinnert. Erinnerung ist damit auch bei Elefanten ein integraler Bestandteil ihres sozialen und kommunikativen Systems.
Die Relevanz dieser Forschung reicht über die Grundlagenbiologie hinaus. Elefanten gelten als Schlüsselart, weil sie ihre Lebensräume aktiv formen: Sie öffnen Landschaften, verbreiten Samen und schaffen Wasserstellen, von denen zahlreiche andere Spezies profitieren. Ihre Kommunikation steuert Wanderbewegungen und Gruppendynamik – und damit indirekt ökologische Prozesse. Ein besseres Verständnis kann auch dazu beitragen, Konflikte zwischen Elefanten und Menschen besser zu managen, sagt Stöger-Horwath.
Hinter all diesen Erkenntnissen steckt viel Arbeit. Elefantenkommunikation zu erforschen bedeutet, Daten über Jahre hinweg zu sammeln, Tiere unter teils strapaziösen Bedingungen zu beobachten und Rückschläge zu akzeptieren. Auch institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen Forschungskarrieren, so Stöger-Horwath: Befristete Stellen, Drittmittelabhängigkeit und Flexibilität im Arbeitsort prägen, wer weiterkommt – und wer nicht. Gerade diese Karrierebedingungen wirken sich nach wie vor nicht für alle gleich aus. Zwar beginnen deutlich mehr Frauen als Männer ein Biologiestudium, doch je höher die akademische Position, desto stärker kehrt sich dieses Verhältnis um. Bemühungen der Universitäten, gegenzusteuern, zeigen inzwischen Wirkung. "Es wird besser, das sieht man an den Zahlen der Professorinnen", sagt die Forscherin.
Ansetzen müsse man aber schon viel früher – beim Selbstvertrauen von Mädchen in technischen Dingen. Datenanalyse und maschinelles Lernen sind heute selbstverständlicher Bestandteil der Biologie. Gerade in diesen Bereichen nimmt Stöger-Horwath Unterschiede wahr: "Studentinnen trauen sich oft weniger zu als Studenten, vor allem wenn es um Technik geht."
Was rät sie jungen Frauen, die eine Karriere in der Biologie anstreben? "Durchhalten. Nicht aufgeben. Aufgeben tut man einen Brief." Wissenschaftliche Karrieren seien von Ablehnungen geprägt, auch wenn das von außen oft unsichtbar bleibe. "Wenn ich einen Antrag bewilligt bekomme, wurden vielleicht vorher drei andere abgelehnt. Scheitern ist normal, man muss daraus lernen und durchhalten."
Diese Ausdauer braucht es auch, um tierische Kommunikation zu verstehen. Die Forschung an Elefanten zeigt, wie vielschichtig Verständigung organisiert sein kann – wenn man bereit ist, sie systematisch zu untersuchen. Was einst als bloßer Instinkt galt, erweist sich als komplexes Zusammenspiel aus Lauten, Gerüchen, Berührungen und Erinnerung.
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Wien, am 25. Februar 2026, ab 18:00
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Grippe, Covid, Norovirus: Nicht nur im Winter versuchen wir, Virusinfektionen zu vermeiden – zu Recht, denn die Folgen können unangenehm bis tödlich sein. Doch nicht immer, wenn von Viren die Rede ist, geht es um Krankheitserreger: Manche können uns sogar nützlich sein. Diese Perspektive rückt die Virologin Marilyn Roossinck von der US-amerikanischen Pennsylvania State University in ihrem Buch Viren. Die faszinierende Welt unserer heimlichen Bewohner in den Vordergrund.
In der aktuellen Folge des STANDARD-Podcasts Rätsel der Wissenschaft erklärt die Expertin im Gespräch mit Tanja Traxler, David Rennert und Julia Sica: Welches menschliche Organ würde uns ohne Viren womöglich fehlen? Was haben die Winzlinge mit der niederländischen Tulpenmanie zu tun? Außerdem erörtert Roossinck, warum sie ungern darüber spricht, ob Viren eigentlich leben oder nicht.
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Der Axolotl hat es weit gebracht. Lange war dieser mexikanische Schwanzlurch ein weitgehend unbekanntes Tier, das ausschließlich in den Kanälen und Seen rund um Mexiko-Stadt lebte und kaum jemandem ein Begriff war. Heute ist er ein Superstar der Regenerationsforschung und eine Ikone der Popkultur: Der niedliche Salamander, der stets zu lächeln scheint, taucht in Videospielen, Memes und Kinderzimmern auf. Noch mehr steht der Axolotl im Rampenlicht der Forschung. Er kann verlorene Körperteile vollständig nachbilden – eine Fähigkeit, die ihn zu einem der wichtigsten Modellorganismen der modernen Biologie gemacht hat.
In seiner angestammten Umgebung allerdings geht es dem Axolotl schlecht. Das natürliche Habitat des Salamanders schrumpft, Trockenlegungen, verschmutztes Wasser und invasive Fischarten haben ihn an den Rand des Aussterbens gebracht. Heute leben sehr viel mehr Axolotl in menschlicher Obhut als in ihrem ursprünglichen Lebensraum. Die größte bekannte Axolotl-Kolonie außerhalb Mexikos ist in Wien zu Hause, genauer gesagt im Vienna Biocenter im dritten Wiener Gemeindebezirk. Hier befindet sich ein Hotspot der Axolotl-Forschung.
3000 Wiener Axolotl
Der Axolotl gehört zu den wenigen Wirbeltieren, die komplexe Körperstrukturen immer wieder regenerieren können. Beine, Schwanz, Teile des Rückenmarks, Herzgewebe und sogar bestimmte Hirnregionen wachsen bei Verlust voll funktionsfähig nach. Anders als beim Menschen entsteht dabei kein Narbengewebe. Statt auf Reparatur setzt der Körper des Tieres auf Erneuerung – ein Prozess, der Biologinnen und Mediziner seit mehr als 150 Jahren fasziniert.
Zu den international führenden Forscherinnen auf diesem Gebiet zählt Elly Tanaka. Die Biochemikerin leitet seit 2024 das Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und arbeitet seit Jahrzehnten mit Axolotln. Ihr Labor beherbergt rund 3000 Tiere – adulte und juvenile –, die in spezialisierten Anlagen gehalten, gezüchtet und beobachtet werden.
Zelluläres GPS
"Der entscheidende Unterschied zwischen Axolotl und Mensch aus regenerationsmedizinischer Sicht ist, dass erwachsene Zellen im Axolotl wieder genetische Programme aktivieren können, die eigentlich nur im Embryo ablaufen", sagt Tanaka. Nach einer Verletzung kehren spezialisierte Zellen in einen stammzellähnlichen Zustand zurück und starten jene Entwicklungsprogramme, die einst ein Organ entstehen ließen. "Beim Menschen scheint dieser Weg blockiert zu sein."
Diese Blockade sei wahrscheinlich ein Preis unserer Komplexität, sagt Tanaka. Säugetiere hätten komplexere Organe und strengere Kontrollmechanismen entwickelt, ein Schutz vor unkontrollierter Zellteilung, aber auch eine Einschränkung der Regenerationsfähigkeit. Der Axolotl ist viel einfacher gebaut. Und genau das macht seine Flexibilität möglich.
Seine Regeneration ist ein streng organisierter Vorgang. Nach einer Amputation bildet sich beim Axolotl ein sogenanntes Blastem – ein Zellverband, in dem der Regenerationsprozess koordiniert wird. Zellen kommunizieren miteinander, orientieren sich an Signalen im Gewebe und folgen einer Art inneren Lageplan.
"Diese Positionssignale sind entscheidend", sagt Tanaka. "In der regenerativen Medizin hat man lange geglaubt, es reiche aus, Stammzellen zu transplantieren. Aber ohne diese Orientierung wissen die Zellen nicht, was sie tun sollen."
Erst neuere Technologien haben diese Prozesse sichtbar gemacht. Einzelzell-Sequenzierung, genetische Marker und hochauflösende Mikroskope erlauben es, die Regeneration Zelle für Zelle zu verfolgen. Dadurch wurde klar, welche Zelltypen an den erstaunlichen Axolotl-Fähigkeiten beteiligt sind und welche nicht.
Anwendungen im Blick
Was lässt sich aus den Axolotl-Fähigkeiten für die Medizin lernen? Niemand rechnet damit, dass Menschen in absehbarer Zeit verlorene Gliedmaßen nachwachsen lassen können. Die Axolotl-Forschung eröffnet aber Perspektiven für eine bessere Heilung – von stabiler zusammenwachsenden Knochen über besser vernetzte Nerven bis zu Gewebe, das sich nach Verletzungen zumindest teilweise erholen kann. Für Tanaka steht dabei nicht eine einzelne Anwendung im Vordergrund, sondern das grundlegende Verständnis dafür, wie Gewebe aufgebaut ist und wie Zellen ihre Entwicklung koordinieren.
Tanaka arbeitete lange am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie der ÖAW in Wien, ehe sie 2024 als erste Frau die Leitung des Schwesterninstituts Imba übernahm. "In den vergangenen zehn Jahren ist es deutlich leichter geworden, Frauen in der Wissenschaft sichtbar zu machen und in Führungspositionen zu bringen. Ich denke, es ist eine sehr gute Zeit für Frauen in der Wissenschaft", sagt die Biochemikerin.
Sympathische Salamander
Strukturelle Veränderungen passieren selten schnell. Das gilt für Institutionen ebenso wie für die Gesellschaft als Ganzes. Einen langen Atem braucht man aber auch in der Grundlagenforschung, so auch bei der Entschlüsselung der Axolotl-Geheimnisse.
Immerhin machen die Tiere einen sehr sympathischen Eindruck und erfreuen sich in- und außerhalb des Labors großer Beliebtheit. "Ich denke, zum einen liegt das an ihrem Aussehen", sagt Tanaka. "Mit ihren federartigen Kiemen und der Tendenz zu lächeln sorgen sie dafür, dass sich alle gut fühlen." Dazu kommen die regenerativen Superkräfte, die dem Axolotl etwas Positives, fast Magisches verleihen. "Und sie sind einfach süß."
Dieser Podcast ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.
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US-Präsident Donald Trump will Grönland übernehmen – und steht damit in einer historischen Tradition. Schon im 19. und 20. Jahrhundert gab es Überlegungen der USA, die eisige Insel zu kaufen. 1946 bot der US-Präsident Harry Truman sogar die stolze Summe von 100 Millionen Dollar in Gold. Dänemark, das Grönland seit dem 18. Jahrhundert als Kolonie verwaltete, winkte ab. Die Bevölkerung Grönlands, deren Vorfahren größtenteils vor Jahrtausenden aus Nordamerika eingewandert waren, hatte lange keinerlei Mitspracherecht.
Wer sind die Grönländerinnen und Grönländer historisch betrachtet? Wie kam die Insel zu Dänemark? Und was machte die eisige und unwirtliche Insel durch die Jahrhunderte geopolitisch überhaupt interessant? Darüber sprechen David Rennert und Tanja Traxler in der aktuellen Folge des STANDARD-Podcasts Rätsel der Wissenschaft mit dem Historiker Marcus Gräser von der Universität Linz.
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Können Tiere träumen? Wer mit Haustieren lebt, wird diese Frage wahrscheinlich mit Ja beantworten. Hunde, die im Schlaf wild japsen und die Pfoten bewegen oder Katzen, die schlafend auf der Couch scheinbar Mäuse fangen, erwecken jedenfalls den Anschein, intensiv zu träumen. Wissenschaftliche Nachweise für Träume bei Tieren zu erbringen, ist jedoch alles andere als einfach. Lange Zeit galt die Forschung dazu sogar als unwissenschaftlich oder irrelevant.
In den vergangenen Jahren hat die tierische Traumforschung aber große Fortschritte gemacht. So zeigt sich etwa, dass die Schlafphasen zahlreicher Spezies denen von Menschen erstaunlich ähnlich sind. Am meisten und intensivsten träumen Menschen im sogenannten REM-Schlaf, in dem auch die Gehirnaktivität zunimmt. Inzwischen wurden REM-ähnliche Schlafphasen nicht nur bei vielen anderen Säugetieren entdeckt, sondern auch bei Vögeln, Fischen, Kraken und sogar bei Spinnen.
Die Schlafphase allein beweist noch nicht, dass ein Tier auch tatsächlich träumt. Die Hirnforschung liefert aber immer mehr Hinweise darauf, was sich im tierischen Schlaf abspielt: Bei manchen Vögeln etwa gleicht die neuronale Aktivität im REM-Schlaf jener beim Fliegen oder Singen, bei Ratten sind wiederum dieselben Muster wie beim Lösen von Aufgaben im Wachzustand erkennbar. Träumen Vögel also vom Fliegen und Ratten von Labyrinthen? Durchleben Tiere auch Albträume? Und was hat es mit einem revolutionären Katzenexperiment aus den 1960er-Jahren auf sich, dass die Samtpfoten zu Schlafwandlern machte? Diesen Fragen gehen David Rennert und Tanja Traxler in der neuen Folge von "Rätsel der Wissenschaft" nach.
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Als 1937 von einem Hochgebirgsobservatorium nahe Innsbruck eine Serie unscheinbarer Fotoplatten zur Auswertung gebracht wird, ahnt noch niemand, dass damit ein neues Kapitel der Physik beginnt. Die Platten zeigen sternförmige Spuren – mehrere Teilchenbahnen, die von einem gemeinsamen Zentrum ausgehen. Es sind die ersten direkten Nachweise sogenannter "Zertrümmerungssterne": Kernreaktionen, ausgelöst durch hochenergetische Teilchen aus dem Weltraum.
Das Experiment stammt von der Wiener Physikerin Marietta Blau. Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Hertha Wambacher hat sie eine Methode perfektioniert, mit der Kernreaktionen erstmals direkt sichtbar werden. Diese fotografische Technik sollte zu einer Grundlage für die moderne Hochenergie- und Teilchenphysik werden. Doch während das Forschungsfeld regelrecht explodiert und schon wenige Jahre später neue Elementarteilchen entdeckt werden, wird Blau aus der Wissenschaft gedrängt – und weitgehend vergessen. In der ersten Folge von "Inside Science", einer Spezialausgabe des STANDARD-Podcasts "Rätsel der Wissenschaft", beleuchten David Rennert und Tanja Traxler das Leben von Marietta Blau und analysieren mit der Physikerin Francesca Ferlaino die Situation von Frauen in der Physik.
Hürden für Frauen
Marietta Blau wird 1894 in Wien in eine jüdische Familie geboren. Für Frauen wird der Zugang zu österreichischen Universitäten erst 1897 geöffnet, Hürden bleiben aber noch lange bestehen. Blau kann auf die Unterstützung ihrer Familie zählen und besucht die erste Schule, die Mädchen auf die Matura vorbereitet. 1919 promoviert sie an der Universität Wien in Physik und findet am renommierten Institut für Radiumforschung wissenschaftliche Mentoren.
Das Institut ist für seine Zeit vergleichsweise offen gegenüber Frauen – allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung: Forscherinnen arbeiten dort weitgehend unbezahlt. Auch Blau hat keine feste Stelle und erhält kein Gehalt, sie finanziert sich über Stipendien und familiäre Unterstützung. Trotz der prekären Bedingungen stürzt sie sich in die Arbeit – und baut bald einen eigenen Forschungsschwerpunkt auf.
Entdeckung der Zertrümmerungssterne
Tatsächlich gelingt es ihr, einzelne Teilchenereignisse sichtbar und messbar zu machen. Sie zeigt, dass Spurlängen und Abstände in Emulsionen Rückschlüsse auf Energie und Art der Teilchen erlauben. Blaus Arbeiten werden international rezipiert, sie gilt bald als führende Expertin dieses neuen Verfahrens. Dennoch bleibt ihr der akademische Aufstieg verwehrt. Eine Habilitation wird Blau in Wien nicht ermöglicht – als Frau und als Jüdin ist sie in den in den 1920er- und 30er-Jahren doppelter Diskriminierung ausgesetzt.
Kurz vor der Veröffentlichung der Zertrümmerungssterne wird Blau dazu gedrängt, Wambacher als Erstautorin der Publikation anzuführen. Zeitgenössische Briefe zeigen, dass Kolleginnen wie Berta Karlik und der Physiker Hans Pettersson dies entschieden ablehnen und antisemitische Motive vermuten. Blau besteht auf der korrekten Autorenschaft – die Zusammenarbeit mit Wambacher ist damit vorbei. Während sich die politische Lage in Österreich zuspitzt, sorgen sich Fachkollegen zunehmend um Blau. Albert Einstein bemüht sich, eine Stelle für sie im Ausland zu finden.
Flucht über Oslo
Monate später nimmt Marietta Blau die Einladung für einen Forschungsaufenthalt in Oslo an und hat enormes Glück: Sie reist am 12. März 1938 in Wien ab – just am Tag, an dem die deutsche Wehrmacht unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung in Österreich einmarschiert. "Man wusste in Wien bis zum letzten Moment nicht, was uns bevorstand, und mir kamen erst auf der Reise die deutschen Truppen entgegen und erst da wusste ich, dass man alle Hoffnung aufgeben musste. Ich weiß jetzt nicht, ob ich jemals zurückkommen kann oder als Flüchtling behandelt werde und bin natürlich ganz verzweifelt", schrieb sie einige Tage später in einem Brief.
1950 erhält der britische Physiker Cecil Powell den Nobelpreis für die Entwicklung fotografischer Methoden in der Teilchenphysik – also jenes Gebiet, das Blau begründet hat. Sie wird weder vom Nobelkomitee noch von Powell erwähnt, der ihre Arbeiten nicht nur kennt, sondern darauf aufgebaut hat. Blau selbst wird insgesamt fünfmal für einen Nobelpreis nominiert – ohne Erfolg. Ihre erzwungene Emigration, ihre jahrelange wissenschaftliche Isolation und die systematische Marginalisierung ihrer Beiträge wirken nach.
Damit ist Marietta Blau kein Einzelfall. Bis heute haben nur fünf Frauen einen Nobelpreis in Physik erhalten, während bahnbrechende Forscherinnen wie Blau oder Lise Meitner leer ausgingen. Die Physikerin Francesca Ferlaino von der Unuversität Innsbruck sieht darin kein historisches Einzelversagen, sondern ein Muster: "Ich glaube nicht, dass es eine bewusste Absicht gibt, Wissenschaftlerinnen zu schaden. Aber es gibt einen kulturellen Hintergrund und unbewusste Vorurteile – und die sind sehr schwer zu quantifizieren." Gerade diese Unsichtbarkeit mache Diskriminierung so wirksam.
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Der 14. September 2015 ist in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen – auch wenn die Weltöffentlichkeit erst Monate später davon erfuhr. An diesem Tag registrierten die Detektoren des LIGO-Observatoriums in den USA ein Signal, das auf winzige Verzerrungen der Raumzeit hindeutete. Verursacht wurden diese Verzerrungen, wie sich später herausstellte, von einem atemberaubenden Phänomen: Es entstand durch die Verschmelzung zweier sehr massereicher schwarzer Löcher in rund 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung.
Die Beobachtung war ein Meilenstein für die Wissenschaft: Es war die erste direkte Messung von Gravitationswellen, der erste direkte Nachweis verschmelzender Schwarzer Löcher und die Bestätigung einer zentralen Vorhersage in Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Dafür gab es nicht nur bald Nobelpreise, es war auch die Geburtsstunde der Gravitationswellenastronomie.
Wie misst man Verformungen der Struktur von Raum und Zeit überhaupt? Und was können wir aus diesen Signalen über das Universum lernen? Darüber sprechen David Rennert und Tanja Traxler in der aktuellen Folge des STANDARD-Wissenschaftspodcasts "Rätsel der Wissenschaft".
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Was passiert, wenn wir sterben? So grundlegend diese Frage ist, so schwierig ist es, eindeutige Antworten darauf zu finden. Viele Faktoren beeinflussen, wie Menschen sterben und wie der Tod subjektiv erlebt wird. Diese Vorgänge wissenschaftlich zu erforschen ist aber alles andere als einfach. Physiologische Untersuchungen zum Vorgang des Todes bringen schwerwiegende ethische Fragen mit sich. Und Erfahrungsberichte von reanimierten Patienten liegen zwar zahlreich vor, stammen aber eben von Überlebenden. Wie aussagekräftig sind sie?
In den vergangen Jahren konnte die Hirnforschung erstaunliche Einblicke in die neurologischen Prozesse des Todes gewinnen. So konnte die elektrochemische Entladungswelle, die das Gehirn Sterbender durchflutet, detailliert beobachtet werden. Dabei zeigte sich, dass dieser Vorgang, anders als lange angenommen, nicht unumkehrbar ist. Außerdem wiesen Forschende nach, dass die Hirnaktivität bei Sterbenden rapide ansteigen kann. Das könnte wiederum für Nahtoderfahrungen verantwortlich sein.
Welche Funktionen haben diese Vorgänge? Sind Nahtoderfahrungen Teil eines neuronalen Notfallprogramms? Und was bedeutet das für die Reanimationsmedizin? Darüber sprechen David Rennert und Tanja Traxler mit dem Neurologen Jens Dreier (Charité Berlin) in der neuen Folge des STANDARD-Podcasts "Rätsel der Wissenschaft".
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