"USA und Russland werfen sich gegenseitig Wettrüsten vor“. Das ist die Sorte Schlagzeile, die eher Achselzucken auslöst. Natürlich tun sie das, das haben sie doch schon immer getan. Die USA testen Mittelstreckenraketen, die Russen beschweren sich. Die Russen testen möglicherweise sogar Nuklearraketen, darauf deutet ein schwerer Unfall auf einem Militärgelände hin. Donald Trump protzt daraufhin mit der technischen Überlegenheit der eigenen Raketen. Aber dem verbalen Wettrüsten entspricht weltweit ein tatsächlicher Anstieg der Rüstungsausgaben. China rüstet auf, Japan rüstet gegen die chinesische Bedrohung auf. Die osteuropäischen Staaten rüsten gegen die russische Bedrohung auf und ermahnen Deutschland, doch gefälligst auch mehr für das Militär auszugeben, was die USA schon lange fordern. Auf allen Seiten rechnet man offenbar mit militärischen Konflikten. Auch mit nuklearen? Der INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckenraketen ist seit dem 2. August außer Kraft. Alle warnen vor einem neuen atomaren Wettrüsten - an dem natürlich die anderen schuld wären. Die Raketen kommen zurück, und bei der Gelegenheit fällt auf, dass sie eigentlich nie weg waren.