"Schande über dich!" sagt der türkische Präsident Erdogan zu unserer Bundeskanzlerin, nachdem er sich bereits zuvor für keinen Nazi-Vergleich zu schade war. Und was tut Angela Merkel? Sie reagiert wortreich, mit unerschütterlicher Nüchternheit und indirekt: "Die Bundeskanzlerin hat nicht die Absicht, sich am Wettlauf der Provokationen zu beteiligen“, lässt sie ihren Sprecher sagen. "Hat sie denn keine Ehre im Leib?" Das fragen sich wahrscheinlich in seltener Einigkeit sowohl der türkische Präsident als auch dessen Gegner. Dabei hat Kanzleramtsminister Altmaier doch längst klargestellt: "Auch Deutschland hat eine Ehre." Sind also Ehre und Stolz, Schande und Verrat endgültig zurückgekehrt in die politische Rhetorik? Weil wir uns ohne sie nicht auseinander setzen können?