ERF Plus - Bibel heute

Streit über den Einzug ins Land (1)


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Zwölf Gesandte kehren von der Erkundung des gelobten Landes zurück. Sie erzählen von einem herrlichen Lebensraum. Aber sie berichten auch von befestigten Städten und starken Verteidigern. Ja, bei zehn Kundschaftern mündet der Bericht in eine pure Angstbotschaft ein: "Das Land frisst seine Bewohner. Wir sahen dort auch Riesen, und wir waren in unsern Augen klein wie Heuschrecken." (4. Mose 13,33) "Leute - was vor uns liegt, strotz nur so Gefahren, wir haben es mit Monstern zu tun, die machen uns nieder, rette sich, wer kann!" Die Horrornachricht spricht sich in Windeseile herum. Im Volk Israel bricht Panik aus. Geschrei, Tränen, Wut - alles schimpft und lästert gegen Gott, gegen den Reiseführer Mose und gegen dieses ganze Projekt Wüstenwanderung.

So leicht geraten wir im Alltag in negative Stimmung, liebe Zuhörer! Könnte es damit zusammenhängen, dass zu viele negative Nachrichten auf uns einströmen? Würde es vielleicht helfen, dass wir nicht zu oft am Tag die Schlagzeilen von Unglück, Krieg und politischen Konflikten auf dem Handy überfliegen? Rechnen wir damit, dass so manche Darstellungsweise einseitig ist und übertreibt, so wie die zehn verängstigten Kundschafter übertrieben?

Das Volk Israel murrt und verzweifelt. Warum? Weil der Blick auf das herrliche Ziel der Reise verlorengegangen ist. Die Wanderer haben nur noch die dicken Befestigungsmauern und die wachsamen Soldaten vor Augen. Und nicht mehr das, was der HERR für sein Volk ausersehen hat und ihm schenken will. Sehen wir, was Gott uns schenkt, liebe Mitchristen, auf der großen Wanderung des Glaubens?

Er schenkt sogar für alle Welt mehr Erfreuliches, als es angesichts der vielen Katastrophenmeldungen den Anschein hat. Kürzlich veröffentlichte die Wochenzeitung "Welt am Sonntag" in einem großen Artikel "elf Lichtblicke": elf Nachrichten zum Aufatmen und Freuen. Z.B. zeigt die Statistik, dass die Armut weltweit schwindet, dass die Ernten steigen und immer weniger Menschen hungern müssen, dass immer weniger Kinder sterben und die Lebenserwartung zunimmt, dass viel mehr Bürger lesen und schreiben können als früher und dass die Luft überall sauberer wird aufgrund umweltschonender Energie. Wieviel Grund zum Danken!

Jedoch liegt uns viel näher, was uns in unserem kleinen Lebenskreis geschenkt wird. "Danke für meine Arbeitsstelle", hat meine Gemeinde kürzlich wieder einmal im Gottesdienst gesungen. Wie gut, wenn ich meine Arbeit bewältigen kann und mit dem Chef zurechtkomme! Ich bin gefragt - als Leistungsträger für die Firma und als hilfreicher Kollege! Eine Familie ist mir geschenkt, in der ich mich so richtig zuhause fühle! Ich bin gefragt - so hat es der Eheberater Marcus Mockler formuliert - als "Ritter, Priester und Frauenversteher"! Behüten, geistlich vorangehen, lieben - nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Ehre!

"Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium." Jesus öffnet uns die Augen dafür, dass ein gelobtes Land vor uns liegt: Wenn die Herren dieser Welt alle abtreten müssen, wenn Gott allein regiert, wenn die Landschaften nur noch blühen und Friede und Gerechtigkeit sich küssen. Jesus zeigt uns den Zugang zur Gottesherrschaft: Wir verbinden unser Leben mit seinem erlösenden Namen. Wir kehren täglich von unseren gefährlichen Abwegen zu ihm zurück. So steuern wir schnurstracks aufs Gottesreich zu. Sehen wir, was Gott schenkt? In dem Moment beginnt unser Dankgebet wieder zu leuchten, unser Loblied zu strahlen, oder nicht? Muss das nicht die mürrische Stimmung vertreiben, die wir in unsere Familie, unsere Firma und unsere Gemeinde hineintragen?

Das Volk Israel verzagt und lästert: "Warum führt uns der HERR in dies Land, damit wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere Kinder ein Raub werden?" Den Wüstenwanderern erscheinen die Verteidigungslinien der Bewohner Kanaans als unüberwindlich. Wie kann das sein? Hat der HERR sie nicht mit zehn ungeheuerlichen Plagen aus Ägypten befreit? Hat er Israel nicht den Sieg geschenkt in der Schlacht gegen die Amalekiter und andere Streitkräfte? Plötzlich ist vergessen, was das Gottesvolk eigentlich wissen müsste: Der Gott Israels kämpft und siegt für seine Leute. Mose dichtet nach dem Schilfmeererlebnis: "Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil." (2. Mose 15,2) Er kämpft immer noch und siegt für sein Volk, wenn auch auf andere Weise als im Alten Testament. Wir erleben es, wenn in einer Gemeinde eine bibelorientierte Predigt willkommen ist und sonntags 120 Zuhörer erscheinen, obwohl die Gesellschaft an immer mehr Bibelaussagen Anstoß nimmt. Wir erleben es, wenn eine belastende Situation am Arbeitsplatz endlich aufhört, weil ein schwieriger Mitarbeiter die Abteilung wechselt. Wir erleben es, wenn ein Kind an seiner neuen Schule anfangs ausgegrenzt wird, im Laufe der Zeit aber Anerkennung und Aufnahme findet. Auch wenn sich vieles wie eine Niederlage anfühlt, so machen wir doch die Erfahrung, dass Gott sein Versprechen erfüllt, das wir wie ein Josua vor großen Kämpfen hören dürfen: "Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen." Glauben Sie, dass Gott siegt?

Und beten Sie, dass Gott Ihnen eine zweite Chance gibt? Der Herr Israels ist so entsetzt über das ängstliche Zurückweichen seines Volks, dass er es auslöschen möchte. Mose wirft sich mit einer gewaltigen Fürbitte in die Bresche. Daraufhin verschont der Barmherzige die Wandergruppe. Sie muss einen langen, harten Umweg gehen, bis sie eine zweite Chance erhält, ins gelobte Land einzuziehen. Beim zweiten Mal marschiert Israel hinter Josua mutig voran und gelangt ans Ziel.

Beten Sie um Vergebung für Ihren Unglauben? Und um eine zweite Chance? Jesus, der denselben Namen trägt wie Josua - "Retter, Helfer" -, schenkt Ihnen und mir das. Wir dürfen unsere Aufgabe in der Familie, im Beruf und in der Gemeinde noch einmal neu anpacken. Mit mehr Liebe, mehr Bescheidenheit und mit einem genaueren Blick fürs Wesentliche. Der ganz große Gewinn liegt für uns bereit: das Glück, dass Gottes Angesicht über uns leuchtet.

Autor: Pfarrer Dr. Tobias Eißler

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