COPD – Mehr Lebensqualität trotz AtemnotCOPD ist eine chronische Lungenerkrankung, die den Alltag erheblich verändern kann. Doch wie können Betroffene trotz Atemnot aktiv bleiben, ihre Beschwerden besser einschätzen und möglichst selbstbestimmt leben?In Folge #81 des Thorax Schweiz Podcasts sind
Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj zu Gast bei der
Lungenliga Ost in St. Gallen.
Unsere Gesprächspartnerinnen sind
Claudia Ackermann, stellvertretende Geschäftsführerin und Bereichsleiterin Heimtherapie, sowie
Ursina Raymann, Bereichsleiterin Gesundheitsförderung und Prävention und Mitglied der Geschäftsleitung.
Gemeinsam sprechen wir über die Früherkennung von COPD, den richtigen Umgang mit Inhalationsgeräten, Bewegung trotz Atemnot und darüber, wie Betroffene lernen können, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen.Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Beratungs- und Unterstützungsangeboten der Lungenliga Ost.COPD frühzeitig erkennen – warum jede Veränderung zähltCOPD entwickelt sich häufig schleichend. Erste Beschwerden werden deshalb nicht immer ernst genommen.Typische Warnzeichen sind die sogenannten
AHA-Symptome:
- Atemnot, zunächst häufig bei körperlicher Belastung
- Husten, der über längere Zeit bestehen bleibt
- Auswurf, der regelmässig auftreten kann
Claudia Ackermann erklärt, warum es wichtig ist, solche Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.Denn COPD ist nicht heilbar. Eine frühzeitige Diagnose und geeignete Behandlung können jedoch helfen, Beschwerden zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Wie kann die Lungenliga Ost helfen?Die Lungenliga Ost begleitet Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Glarus sowie im Fürstentum Liechtenstein.Im Gespräch erfahren wir, wie breit das Angebot aufgestellt ist: von der Heimtherapie und individuellen Beratung über Lungenfunktionstests bis hin zu Schulungen, Bewegung und Präventionsangeboten.Ein wichtiger Bestandteil ist die Unterstützung von Menschen, die im Alltag auf Sauerstoff angewiesen sind.Claudia Ackermann beschreibt beispielsweise, wie die Lungenliga Ost Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, auch mit einer Sauerstofftherapie mobil zu bleiben und Reisen zu planen.Lungenfunktionstest und individuelle COPD-BeratungEin Lungenfunktionstest kann wichtige Hinweise auf eine eingeschränkte Atmung liefern.Die Lungenliga Ost bietet eine einfache Spirometrie an. Dabei wird die Lungenfunktion gemessen und das Ergebnis mit der betroffenen Person besprochen.
Wichtig:
Die Lungenliga Ost stellt im Rahmen dieser Tests keine medizinischen Diagnosen. Bei auffälligen Ergebnissen wird eine weiterführende ärztliche Abklärung empfohlen.Menschen mit bereits diagnostizierter COPD können zudem eine individuelle Beratung in Anspruch nehmen.Dabei geht es beispielsweise um die richtige Anwendung von Inhalationsgeräten, Bewegung, Ernährung oder den Umgang mit Belastungen im Alltag.
Inhalationsgeräte: Kleine Fehler mit grosser WirkungViele Menschen mit COPD verwenden regelmässig inhalative Medikamente.Doch die Anwendung ist nicht immer einfach.Claudia Ackermann berichtet, dass selbst langjährige Patientinnen und Patienten ihre Inhalationsgeräte nicht immer korrekt benutzen.In der Beratung werden deshalb die einzelnen Schritte gemeinsam überprüft und geübt.Denn die richtige Inhalationstechnik ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die verordneten Medikamente ihre Wirkung am vorgesehenen Ort entfalten können.Wenn gute und schlechte Tage wechselnCOPD verläuft nicht jeden Tag gleich.Manchmal sind alltägliche Aktivitäten gut möglich. An anderen Tagen können bereits kleine Anstrengungen zu ausgeprägter Atemnot führen.Ursina Raymann erklärt, warum Betroffene lernen sollten, ihre persönlichen Warnzeichen zu erkennen.Dabei helfen unter anderem:
- ein individuell abgestimmter Aktionsplan,
- das frühzeitige Erkennen von Verschlechterungen,
- atemerleichternde Körperhaltungen,
- die bewusste Einteilung der eigenen Energie,
- und Strategien zur Vorbeugung von Infekten.
Das Ziel ist, möglichst früh reagieren zu können und nicht erst dann Unterstützung zu suchen, wenn sich die Beschwerden deutlich verschlechtert haben.Bewegung trotz Atemnot – warum weniger manchmal mehr istEin besonders wichtiges Thema unseres Gesprächs ist körperliche Aktivität.Viele Menschen mit COPD vermeiden Bewegung, weil sie Angst vor Atemnot haben. Dabei kann regelmässige, an die persönliche Belastbarkeit angepasste Bewegung helfen, körperliche Leistungsfähigkeit und Selbstvertrauen zu erhalten.Ursina Raymann empfiehlt, klein anzufangen und vor allem auf Regelmässigkeit zu achten.Lieber täglich zehn bis fünfzehn Minuten in einem individuell geeigneten Tempo als gelegentlich eine zu hohe Belastung.Entscheidend ist, Aktivitäten zu finden, die Freude machen und sich gut in den Alltag integrieren lassen.Auch die Tagesform muss berücksichtigt werden. An schlechteren Tagen darf die Belastung entsprechend reduziert werden.Ernährung und psychisches WohlbefindenCOPD betrifft nicht nur die Lunge.Auch Ernährung, Muskelkraft, Erschöpfung, Ängste und das soziale Umfeld beeinflussen den Alltag der Betroffenen.
Im Gespräch erfahren wir, warum sowohl Untergewicht als auch Übergewicht zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen können und weshalb eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung wichtig ist.Ein weiterer Schwerpunkt ist die psychische Gesundheit.Atemnot kann Angst auslösen – und Angst wiederum das Gefühl von Atemnot verstärken.Deshalb sind Gespräche, Erfahrungsaustausch und die Unterstützung durch Angehörige wichtige Bestandteile einer umfassenden Betreuung.«Besser leben mit COPD» – Selbstmanagement lernenMit dem Coaching
«Besser leben mit COPD» bietet die Lungenliga Ost ein strukturiertes Angebot, bei dem Betroffene und Angehörige lernen, die Erkrankung besser zu verstehen und den Alltag aktiv zu gestalten.Dabei geht es nicht nur um medizinisches Wissen.Teilnehmende lernen beispielsweise, Beschwerden besser einzuschätzen, ihre Kräfte einzuteilen und auf Veränderungen angemessen zu reagieren.Ergänzend gibt es Erfahrungsaustauschgruppen, Lungensport und atemtherapeutische Angebote. Die ambulante pulmonale Rehabilitation erfolgt in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen.Ursina Raymann vergleicht das Selbstmanagement mit einem Werkzeugkoffer: Je mehr hilfreiche Strategien darin vorhanden sind, desto besser lassen sich unterschiedliche Alltagssituationen bewältigen.Selbstbestimmt leben – trotz chronischer ErkrankungEine zentrale Botschaft dieser Podcastfolge lautet:
Menschen mit COPD sind ihrer Erkrankung nicht einfach hilflos ausgeliefert.Mit medizinischer Betreuung, Wissen, geeigneten Therapien, Bewegung und individueller Unterstützung können sie aktiv dazu beitragen, ihren Alltag besser zu bewältigen.Dabei müssen Betroffene nicht alles alleine schaffen.Die Lungenliga Ost möchte ihnen und ihren Angehörigen mit Beratung, Schulung und Begleitung zur Seite stehen.
Kapitelübersicht00:00 – Wenn die Luft knapp wird: Einführung in COPD
00:55 – Claudia Ackermann und Ursina Raymann stellen sich vor
03:28 – Die Lungenliga Ost und ihre Angebote
06:50 – Welche Rolle spielt COPD in der täglichen Betreuung?
08:14 – Die ersten Warnzeichen: Atemnot, Husten und Auswurf
09:21 – COPD-Risikotest und Früherkennung
09:58 – Lungenfunktionstest und individuelle Beratung
12:59 – Inhalationsgeräte richtig anwenden
14:42 – Gute und schlechte Tage: Umgang mit Verschlechterungen
18:24 – Bewegung trotz Atemnot
21:39 – Ernährung und psychisches Wohlbefinden
24:39 – Gruppencoachings, Lungensport und Rehabilitation
26:52 – Selbstmanagement: Die Erkrankung aktiv mitgestalten
28:23 – Fazit und wichtigste Botschaften
Unsere Gäste
Claudia AckermannStellvertretende Geschäftsführerin und Bereichsleiterin Heimtherapie, Lungenliga Ost
Ursina RaymannBereichsleiterin Gesundheitsförderung und Prävention, Mitglied der Geschäftsleitung, Lungenliga Ost
Über die Lungenliga OstDie Lungenliga Ost ist eine Beratungs- und Informationsstelle für alle Belange der Atmung.In enger Zusammenarbeit mit öffentlichen Spitälern, Lungenfachärztinnen und Lungenfachärzten sowie weiteren Partnerorganisationen betreut sie Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Glarus sowie im Fürstentum Liechtenstein.Darüber hinaus engagiert sie sich in der Gesundheitsförderung, Prävention und Patientenbildung.Weitere Informationen: https://www.lungenliga.ch/lungenliga-stgallen-appenzell/ueber-uns
Hosts: Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj
Thorax Schweiz – medizinisches Wissen verständlich erklärt.Über thorax-schweiz.chZiel des von "Thorax-Schweiz" ist es, Hoffnung zu vermitteln und Chancen bei schwierigen Diagnosen aufzuzeigen. Dazu betrachten wir das Thema Thoraxerkrankungen aus einer ganzheitlichen Perspektive.
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