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Ich kam von einer Freizeit nach Hause. Ich hielt dort Bibelarbeiten und es ergaben sich immer wieder Gespräche. Schon morgens beim Frühstück meinte eine Teilnehmerin: „Wir reden von Gott viel zu menschlich, wenn wir einfach sagen, dass er uns sieht. Dabei schließen wir doch nur von uns auf Gott. Aber Gott ist doch viel größer als wir Menschen es sind. So können wir doch nicht von Gott reden!“
Meine Antwort war zunächst einmal eine Frage: „Können wir das wirklich nicht?“ Spontan fiel mir Hagar ein. Sie war schwanger und auf der Flucht vor ihrer Herrin Sara. In ihrer völlig aussichtlosen Lage erlebte sie, wie Gott mit ihr sprach. Er konnte ihr helfen. Aufgrund dieser Erfahrung konnte sie bezeugen: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Von dort gingen meine Gedanken weiter zu Psalm 34. Von Anfang bis zum Ende ist in diesem Psalm von den Elenden die Rede. Zu ihnen gehörte auch David, der Beter dieses Psalms. Er war auf der Flucht vor dem König Saul. Der verfolgte ihn über Jahre hinweg mit all seiner Macht. Es gab Momente, in denen David Todesängste ausstand. Einmal tat er so, als sei er wahnsinnig, um auf diese Weise sein Leben zu retten. Doch im Nachhinein wusste er ganz genau, wem er seine Rettung zu verdanken hatte. Es war der Gott, zu dem er schon lange eine persönliche Beziehung hatte und den er in all den Jahren immer besser kennen lernte. Auch David konnte bezeugen: „Gott hört mich und sieht mich“ (Vers 16).
Als ich Psalm 34 mehrmals langsam gelesen habe und den Psalm auf mich wirken ließ, fiel mir auf, dass der Beter ganz betont über Gott redet. Beinahe in jedem der 23 Verse wird etwas über Gott gesagt. Doch das, was ich hier lese, ist kein theoretisches Reden über Gott. Menschliche Worte und Gedanken sind tatsächlich zu armselig, um Gottes Wesen beschreiben zu können. Nur der Lobpreis, der nach erfahrener Hilfe tief betroffen und gleichzeitig fasziniert andere Elende zu Gott einlädt, ist dem Wesen Gottes wirklich angemessen. David will nicht alleine, sondern zusammen mit vielen anderen Menschen Gott preisen und seinen Namen hervorheben. Gleichzeitig will er auch die Elenden ermutigen, Gottes Helfen auszuprobieren. Denn er kann es bezeugen: „Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten“ (Vers 7). Natürlich kann ich mit Philipp Friedrich Hiller fragen: „Kann man Gott in Trübsal loben? Ja, oh ja! Er ist nah, wenn auch Stürme toben. Gottes Wort dringt tief zu Herzen…“ Wer sich mitten im Elend befindet, der fragt ja zu Recht: „Hat Gott mich nicht fallen lassen? Hat er mich noch lieb? Gehöre ich zu den Gerechten, von denen hier die Rede ist?“ Darum besteht die Antwort und der eigentliche Trost für alle Elenden, die so fragen, darin, dass sie gewiss werden: „Der HERR hat mich erlöst und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld“ (Vers 23).
Allerdings will ich auch die Spannung nicht verschweigen, die in den Versen 10 und 11 deutlich wird. Dort heißt es: „Die den HERRN fürchten, die ihn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.“ Wirklich elend aber ist ja ein Mensch dran, wenn er einen Mangel hat, den er nicht mehr auffüllen kann. Von solchen Elenden gibt es unter uns mehr als wir oft ahnen. Hinter vielen Haus- und Glastüren regiert das Elend. Wie viele Menschen haben heute nicht genug Geld, um wenigstens das Nötigste bezahlen zu können, was sie zum Leben brauchen. Andere haben einen Mangel an Gesundheit und müssen mit der Diagnose leben, dass es keine Hilfe für sie gibt. Wieder andere erleben, wie Beziehungen in die Brüche gehen und wie sie jetzt ganz allein auf sich gestellt sind. Doch die Botschaft für die Elenden lautet gerade nicht: „Wer sich an Gott hält, dem geht’s gut“. David weiß es nur zu genau aus eigener Erfahrung, dass das nicht stimmt. Er kennt die Spannung, in der sich der Elende befindet. Deshalb redet er vom Schreien der Gerechten (Vers 16+18) und von denen mit zerbrochenem Herzen und zerschlagenem Gemüt (Vers 19). David macht sich nichts vor: Der Gerechte muss viel leiden (Vers 20). Glaube bedeutet, diese Spannung auszuhalten und sie nicht in die eine oder andere Richtung aufzulösen. Glaube bedeutet aber auch, daran festzuhalten, dass der Schrei des Gerechten nicht ungehört verhallt. Gott wird handeln zu seiner Zeit. Denn „die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien“ (Vers 16). Ja, so menschlich dürfen wir, ja müssen wir von Gott reden, weil der hohe und erhabene Gott selbst es tut. Er lässt es seinem Volk Israel durch den Propheten Jesaja sagen (Jesaja 57,15): „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ Gott sei Dank bestätigt er immer wieder, dass unser Vertrauen auf ihn belohnt wird.
Psalm 34 hat aber darüber hinaus noch eine andere Dimension. David hat hier aus meiner Sicht prophetisch gesprochen und Jesus Christus bereits vorhergesehen. Der Gerechte, von dem hier immer wieder die Rede ist, ist in vollkommener Weise Jesus Christus. Hier wird vorher gesagt (Vers 21), dass bei seiner Kreuzigung keines seiner Gebeine zerbrochen wird, was sich genau so erfüllt hat (Johannes 19,33). Besonders hervorzuheben ist, dass Jesus aus seiner Erfahrung als Mensch wusste, was Elend ist und dass er einen Blick für die Elenden hatte. Die Evangelien im Neuen Testament haben Jesus so anschaulich geschildert, dass wir ihn vor Augen haben: wie kein noch so armseliger Bettler ihn umsonst angerufen hat; wie er Stürme souverän bedrohte; wie er Kranke geheilt hat und wie er Zweifelnde gewiss machte. Nirgends ist die Freundlichkeit Gottes so deutlich zu erkennen wie bei Jesus Christus. Deshalb will ich es für mich persönlich immer wieder hören und Ihnen, liebe Zuhörer zusprechen, was Psalm 34,9 sagt: „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet.“
Autor: Achim Kellenberger
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By ERF - Der Sinnsender5
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Ich kam von einer Freizeit nach Hause. Ich hielt dort Bibelarbeiten und es ergaben sich immer wieder Gespräche. Schon morgens beim Frühstück meinte eine Teilnehmerin: „Wir reden von Gott viel zu menschlich, wenn wir einfach sagen, dass er uns sieht. Dabei schließen wir doch nur von uns auf Gott. Aber Gott ist doch viel größer als wir Menschen es sind. So können wir doch nicht von Gott reden!“
Meine Antwort war zunächst einmal eine Frage: „Können wir das wirklich nicht?“ Spontan fiel mir Hagar ein. Sie war schwanger und auf der Flucht vor ihrer Herrin Sara. In ihrer völlig aussichtlosen Lage erlebte sie, wie Gott mit ihr sprach. Er konnte ihr helfen. Aufgrund dieser Erfahrung konnte sie bezeugen: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Von dort gingen meine Gedanken weiter zu Psalm 34. Von Anfang bis zum Ende ist in diesem Psalm von den Elenden die Rede. Zu ihnen gehörte auch David, der Beter dieses Psalms. Er war auf der Flucht vor dem König Saul. Der verfolgte ihn über Jahre hinweg mit all seiner Macht. Es gab Momente, in denen David Todesängste ausstand. Einmal tat er so, als sei er wahnsinnig, um auf diese Weise sein Leben zu retten. Doch im Nachhinein wusste er ganz genau, wem er seine Rettung zu verdanken hatte. Es war der Gott, zu dem er schon lange eine persönliche Beziehung hatte und den er in all den Jahren immer besser kennen lernte. Auch David konnte bezeugen: „Gott hört mich und sieht mich“ (Vers 16).
Als ich Psalm 34 mehrmals langsam gelesen habe und den Psalm auf mich wirken ließ, fiel mir auf, dass der Beter ganz betont über Gott redet. Beinahe in jedem der 23 Verse wird etwas über Gott gesagt. Doch das, was ich hier lese, ist kein theoretisches Reden über Gott. Menschliche Worte und Gedanken sind tatsächlich zu armselig, um Gottes Wesen beschreiben zu können. Nur der Lobpreis, der nach erfahrener Hilfe tief betroffen und gleichzeitig fasziniert andere Elende zu Gott einlädt, ist dem Wesen Gottes wirklich angemessen. David will nicht alleine, sondern zusammen mit vielen anderen Menschen Gott preisen und seinen Namen hervorheben. Gleichzeitig will er auch die Elenden ermutigen, Gottes Helfen auszuprobieren. Denn er kann es bezeugen: „Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten“ (Vers 7). Natürlich kann ich mit Philipp Friedrich Hiller fragen: „Kann man Gott in Trübsal loben? Ja, oh ja! Er ist nah, wenn auch Stürme toben. Gottes Wort dringt tief zu Herzen…“ Wer sich mitten im Elend befindet, der fragt ja zu Recht: „Hat Gott mich nicht fallen lassen? Hat er mich noch lieb? Gehöre ich zu den Gerechten, von denen hier die Rede ist?“ Darum besteht die Antwort und der eigentliche Trost für alle Elenden, die so fragen, darin, dass sie gewiss werden: „Der HERR hat mich erlöst und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld“ (Vers 23).
Allerdings will ich auch die Spannung nicht verschweigen, die in den Versen 10 und 11 deutlich wird. Dort heißt es: „Die den HERRN fürchten, die ihn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.“ Wirklich elend aber ist ja ein Mensch dran, wenn er einen Mangel hat, den er nicht mehr auffüllen kann. Von solchen Elenden gibt es unter uns mehr als wir oft ahnen. Hinter vielen Haus- und Glastüren regiert das Elend. Wie viele Menschen haben heute nicht genug Geld, um wenigstens das Nötigste bezahlen zu können, was sie zum Leben brauchen. Andere haben einen Mangel an Gesundheit und müssen mit der Diagnose leben, dass es keine Hilfe für sie gibt. Wieder andere erleben, wie Beziehungen in die Brüche gehen und wie sie jetzt ganz allein auf sich gestellt sind. Doch die Botschaft für die Elenden lautet gerade nicht: „Wer sich an Gott hält, dem geht’s gut“. David weiß es nur zu genau aus eigener Erfahrung, dass das nicht stimmt. Er kennt die Spannung, in der sich der Elende befindet. Deshalb redet er vom Schreien der Gerechten (Vers 16+18) und von denen mit zerbrochenem Herzen und zerschlagenem Gemüt (Vers 19). David macht sich nichts vor: Der Gerechte muss viel leiden (Vers 20). Glaube bedeutet, diese Spannung auszuhalten und sie nicht in die eine oder andere Richtung aufzulösen. Glaube bedeutet aber auch, daran festzuhalten, dass der Schrei des Gerechten nicht ungehört verhallt. Gott wird handeln zu seiner Zeit. Denn „die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien“ (Vers 16). Ja, so menschlich dürfen wir, ja müssen wir von Gott reden, weil der hohe und erhabene Gott selbst es tut. Er lässt es seinem Volk Israel durch den Propheten Jesaja sagen (Jesaja 57,15): „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ Gott sei Dank bestätigt er immer wieder, dass unser Vertrauen auf ihn belohnt wird.
Psalm 34 hat aber darüber hinaus noch eine andere Dimension. David hat hier aus meiner Sicht prophetisch gesprochen und Jesus Christus bereits vorhergesehen. Der Gerechte, von dem hier immer wieder die Rede ist, ist in vollkommener Weise Jesus Christus. Hier wird vorher gesagt (Vers 21), dass bei seiner Kreuzigung keines seiner Gebeine zerbrochen wird, was sich genau so erfüllt hat (Johannes 19,33). Besonders hervorzuheben ist, dass Jesus aus seiner Erfahrung als Mensch wusste, was Elend ist und dass er einen Blick für die Elenden hatte. Die Evangelien im Neuen Testament haben Jesus so anschaulich geschildert, dass wir ihn vor Augen haben: wie kein noch so armseliger Bettler ihn umsonst angerufen hat; wie er Stürme souverän bedrohte; wie er Kranke geheilt hat und wie er Zweifelnde gewiss machte. Nirgends ist die Freundlichkeit Gottes so deutlich zu erkennen wie bei Jesus Christus. Deshalb will ich es für mich persönlich immer wieder hören und Ihnen, liebe Zuhörer zusprechen, was Psalm 34,9 sagt: „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet.“
Autor: Achim Kellenberger
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