ERF Plus - Bibel heute

Unverschämte Opfer


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1. Umfeld und geschichtliche Einordnung

Der Prophet Maleachi wirkte um 460 v. Chr. zur Zeit des Priesters Esra, etwa 50 Jahre nachdem der zweite Tempel wieder aufgebaut worden war und bevor Nehemia die Stadtmauer Jerusalems erneuerte.

Etwa 80 Jahre nach der ersten Rückkehr aus Babel war mit Esra eine zweite Gruppe nach Juda und Jerusalem zurückgekehrt. Doch im nüchternen Wiederaufbau-Alltag machte sich Ernüchterung breit: Wo bleibt der versprochene Segen unseres Gottes?
Esras geistliche Reformen in der Gemeinde der Rückkehrer sind wahrscheinlich auch durch Maleachis deutliche Botschaften beeinflusst worden.

 
2. Worum geht´s im Text?

Es ist Gott selbst, der durch Maleachi redet und anklagt. Adressaten seiner Diagnose sind die geistlichen Würdenträger, die Priester. Eigentlich sollen sie dafür sorgen – und mit gutem Beispiel vorangehen –, dass der heilige Herr angemessen geehrt wird, wie es zwischen Vater und Sohn oder Herr und Knecht selbstverständlich wäre.

Doch Gott deckt auf: Ihr verachtet mich, indem ihr mir minderwertige Opfer bringt. Ihr entsorgt dabei nur, was ihr ohnehin loswerden wolltet. Und dann tut ihr auch noch so, als wüsstet ihr nicht, was ihr da tut.
Versucht das einmal bei eurem weltlichen Vorgesetzten – damals dem persischen Statthalter. Der hätte euch wegen Majestätsbeleidigung in den Kerker werfen lassen. Aber von mir erwartet ihr, dass ich euer Verhalten gnädig ansehe.

Dann wäre es besser, ihr würdet die Tempeltore ganz schließen, damit ihr nicht in Versuchung kommt, sinnlose Opfer zu bringen. Lasst es lieber, wenn es nur ein leerer Ritus ist und ihr mich gar nicht wirklich ehren wollt.

Und noch etwas sagt Gott: Sogar die Heiden, die mich nicht kennen, nehmen ihren Götzendienst ernster als ihr, die ihr mich als Herrn der Welt bekennt.
 

3. Das Herz des Menschen – Gottes Diagnose

Gottes Diagnose ist klar und war schon bei Noah ernüchternd – sowohl vor dem Flutgericht als auch danach: Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an (1. Mose 6,5; 1. Mose 8,21).

Dieses böse Herz sucht ständig den eigenen Vorteil und versucht etwa, Konsequenzen auf andere abzuwälzen. Unser Problem ist: Wir können dieses Herz nicht selbst heilen. Das kann nur Gott, wenn wir ihn wieder in unser Herz hineinlassen. Im Heiligen Geist und durch JesusChristus will er das gern tun – ja, er wartet darauf.

Religiöse Übungen und Rituale reichen dazu nicht aus. Das ist zumeist nur Pflichterfüllung. Und wer meint, Gott damit gnädiger zu stimmen, betrügt sich selbst. Wie viel Opfer sind nötig? Reicht der Zehnte?

Nicht die Quantität, sondern die Qualität zählt. In Lukas 21,2–4 lobt Jesus die zwei Münzen der Witwe. Sie gab in Liebe und Vertrauen alles, was sie hatte. Liebe kalkuliert nicht.

Das wird auch im berühmten Gleichnis vom Vater und seinen zwei Söhnen deutlich. Der jüngere Sohn kommt aus Not nach Hause – er kalkuliert. Der Vater aber, der für Gott steht, wird von reiner Liebe getrieben. Er läuft dem Sohn entgegen und schützt ihn vor Schande und Gewalt.

Statt Strafe gibt es einen grandiosen Empfang, Wiederaufnahme in die Sohnschaft und ein großes Fest voller Freude.

 
4. Unser Opfern und Gottes vollkommenes Opfer

Woher kommt der menschliche Drang, einem Gott Opfer zu bringen? Ausdruck des Dankes? Wiedergutmachung? Beschwichtigung?

In Jeremia 7,22 sagt Gott: Ihr sollt meinen Weisungen folgen – von Opfern habe ich euch nichts geboten.

Und tatsächlich: Als Kain und Abel Opfer brachten (1. Mose 4,3–5), als Noah nach der Flut einen Altar errichtete (1. Mose 8,20) und auch als Mose nach dem Bund Opfer darbrachte (2. Mose 24,5), folgten sie keinem Gebot. Es war eine menschliche Form des Dankes und der Ehrung Gottes.

Gott ließ sich auf diesen Opferdrang ein und ordnete später, wie Opfer zu bringen seien. Doch im Mittelpunkt standen immer seine Weisungen für ein gelingendes Leben.

Gleichzeitig bereitete Gott durch die Opferriten Israels sein großes Opfer vor. Als er in Jesus Christus auf die Welt kam, war er entschlossen, sich einer verdorbenen Menschheit ganz hinzugeben. Der Tod Jesu am Kreuz war kein Unfall, sondern der Wille des Vaters. Jesu Tod war der Weg zur Auferstehung.

Gottes Selbstopfer aus Liebe kehrt alles um. Es ist endgültig und braucht keine Ergänzung durch menschliche Opfer. Entscheidend bleibt die Herzenshaltung, die in existenzielles Gottvertrauen mündet. Opfer aus Dankbarkeit nimmt Gott gern an – aber gnädiger wird er dadurch nicht.


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Autor: Matthias Bank

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