Was ist ein Vater? Ein Mann, der sich das ganze Jahr auf einen Donnerstag im Frühjahr freut. Da kann er nämlich seine Familie im Stich lassen, um sich mit ebenso gearteten Kumpels und einem Bollerwagen voller Bier im Freien die Lampen auszuschießen. Ein niederträchtiges Klischee, das aber leider rund um den sogenannten Vatertag an Christi Himmelfahrt immer wieder erneuert wird. Dabei haben die meisten Väter an diesem Tag schon was Anderes vor: der eine bleibt daheim und baut ein Baumhaus für den Garten. Der andere nimmt den Bollerwagen ohne Bier mit, damit die Kinder alle reinpassen. Der nächste muss ins Büro, weil die geplante Reduktion der Arbeitszeit mit dem erhöhten finanziellen Bedarf der jungen Familie nicht vereinbar ist. Einer liest ein Buch über moderne Väterrollen, während sich die Mama um die Kleinen kümmert. Manche Väter gehen an diesem Tag allein spazieren, weil sie ihre Kinder zwar gerne sehen würden, aber nicht dürfen. Und dann gibt es natürlich noch einige, die sich tatsächlich mit den Kumpels die Lampen ausschießen. Auf einem zeitgemäßen Vaterbild muss vor allem Platz sein: für sehr unterschiedliche Typen von Vätern. Die meisten sind gerne Vater, setzen sich auch mit dem Vatersein auseinander und sind trotzdem manchmal überfordert. Nicht nur von den Kindern, sondern auch von den unzähligen Diskussionen, wie ein „neuer Vater“ zu sein hat und warum er es irgendwie nie zu hundert Prozent schafft.