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Der Einschulungsgottesdienst in unserer Dorfkirche ist vorüber. Wir laufen zu Fuß die paar hundert Meter weiter zur Turnhalle der Grundschule. Dort findet gleich die offizielle Einschulungsfeier statt. Unsere Tochter läuft voraus, Hand in Hand mit ihrer besten Freundin. „Schaut mal kurz her, ich mache ein Bild von euch!“, rufe ich ihnen zu. Zwei lachende Kindergesichter drehen sich synchron zu mir um.
Am nächsten Tag strahlt meine Tochter mich an: „Papa, ich sitze neben Mia in der Klasse. Schau mal, was sie mir geschenkt hat! Eine Kette mit Anhänger, da steht drauf: ‚Best friends‘. Sie hat auch solch eine Kette. Bei ihr steht drauf: ‚Forever‘.“ Best friends forever – für immer beste Freunde.
Gott hat uns als soziale Wesen geschaffen. Gute Beziehungen gehören mit zum Schönsten, was es auf dieser Welt gibt. Gott freut sich, wenn wir gute Beziehungen in unserem Leben erleben. Er freut sich, wenn es in der Ehe, in der Verwandtschaft, in der Nachbarschaft und in der Kirchengemeinde friedlich und harmonisch zugeht.
Aber Freude und Schmerz liegen oft nah beieinander. Schnell kommt es zu einer Verstimmung, zu einem Missverständnis, einem Streit. Schade, dass es in Beziehungen so oft kracht. Zurück bleiben häufig emotionale Wunden, die nur schwer verheilen. Das menschliche emotionale Gedächtnis ist ausgesprochen gut. „Was du mir vor Jahren angetan hast, das spüre ich noch heute!“
Im Hintergrund zum heutigen Bibeltext aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 2,1-11 steht auch ein Krach in der Beziehung. Die Beziehung zwischen dem Apostel Paulus und der Gemeinde in Korinth ist angeschlagen. Dabei hatte es so gut angefangen. 18 Monate lang war Paulus in Korinth gewesen. Mit viel Mühe und Gebet hatte er diese Gemeinde gegründet. Doch nach seiner Abreise war es zu Spannungen zwischen Gemeindegründer und Gemeinde gekommen. Im 1. und 2. Korintherbrief im Neuen Testament erhalten wir einen Einblick in diese Spannungen.
Paulus ist mit dem gegenwärtigen Zustand der Dinge nicht zufrieden. Ihm ist es wichtig, dass eine Klärung zwischen ihm und den Christen in Korinth stattfindet. Zunächst versucht er, das bei einem persönlichen Besuch zu tun. Doch der Versuch geht schief. Die Spannungen zwischen ihm und der Gemeinde haben sich verstärkt.
Wie soll es nun weitergehen? Zunächst plant Paulus einen weiteren Besuch. Doch dann entscheidet er sich anders. Er merkt, dass sein persönliches Erscheinen in dieser emotional aufgeladenen Situation nicht hilfreich wäre. So erklärt er hier: „Ich hatte aber dies bei mir beschlossen, dass ich nicht abermals in Traurigkeit zu euch käme.“
Statt einem Besuch schreibt Paulus nun zunächst einen Brief an die Gemeinde. Es ist der Versuch einer schriftlichen Klärung: „Und eben dies habe ich geschrieben, damit ich nicht, wenn ich komme, über die traurig sein müsste, über die ich mich freuen sollte.“ Der genaue Inhalt dieses Briefes ist uns nicht überliefert. Aber Paulus spricht in diesem Brief Klartext.
Was waren denn die Dinge, die in Schieflage geraten waren? Es gab z. B. Menschen in der Gemeinde, welche die apostolische Autorität von Paulus in Frage stellten. Es gab auch einzelne Gemeindemitglieder, die munter in Sünde lebten. Sie taten Dinge, die mit ihrer Identität als Christen unvereinbar waren. Auf ihr Fehlverhalten angesprochen, waren sie zunächst nicht zur Änderung, auch Buße genannt, bereit.
Paulus, als geistlich für diese Gemeinde verantwortliche Person, wollte das nicht tolerieren. Wenn Gemeindemitglieder in Sünde leben, ist es gut, sie zurechtzuweisen. Die Gemeinde als heiliger Ort, wo Jesus Christus unter seinen Kindern gegenwärtig ist, ist schutzbedürftig. Durch das Verhalten Einzelner kann eine ganze Gemeinschaft Schaden leiden.
Mir fällt es häufig schwer, einer Person trotz ihres Fehlverhaltens Liebe zu zeigen. Aber Paulus bleibt motiviert von seiner Liebe zu den Christen in Korinth, auch wenn er manche zurechtweist. Er sagt: „… ich schrieb euch aus großer Trübsal und Angst des Herzens unter vielen Tränen; nicht damit ihr betrübt werden sollt, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich habe besonders zu euch.“
Das Ziel der Zurechtweisung ist, dass falsches Verhalten geändert wird. Die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen soll wieder in Ordnung kommen. Paulus freut sich, denn offensichtlich hat sein Schreiben Wirkung gezeigt. Diejenigen, die bisher stur an ihrer Sünde festgehalten hatten, haben Einsicht gezeigt. Es ist ihnen bewusst geworden, dass sie gegen Gott gesündigt und der Gemeinschaft in der Gemeinde geschadet haben.
Daher weist Paulus die Christen in Korinth an: Es ist wichtig, dass ihr einem solchen Menschen jetzt von Herzen vergebt. Tröstet ihn, denn er ist traurig über den Schaden, den er angerichtet hat.
Paulus sagt sogar: „Ich ermahne euch, dass ihr ihm Liebe erweist.“
Es fällt mir oft nicht leicht, den Menschen, die mich verletzt haben, von Herzen zu vergeben. Noch schwerer fällt es mir, ihnen die Hand entgegenzustrecken und ihnen bewusst Liebe zu zeigen. Doch ich weiß auch: es ist ein Wagnis, das sich lohnt. Denn Jesus starb ja auch für mich, den Sünder, am Kreuz. Er nahm meine Sünden auf sich. Genauso wie die des anderen. Es gibt einen, der Vergebung und die Wiederherstellung von Beziehungen gerne verhindern möchte: Satan, der Gegenspieler Gottes. Er wünscht sich Streit, Distanz, Feindschaft.
Paulus sagt: „Uns ist wohl bewusst, was er im Sinn hat.“
Doch wo Vergebung ausgesprochen und gelebt wird, da findet Satan keinen Raum mehr. Ja, als Kinder Gottes leben wir aus der Vergebung, die Gott uns schenkt. Diese Vergebung reichen wir auch anderen immer wieder weiter. So wird Versöhnung und neue Gemeinschaft immer wieder möglich.
Wie bei Paulus und den Christen in Korinth.
Autor: Jan-Pierre van Rooyen
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By ERF - Der Sinnsender5
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Der Einschulungsgottesdienst in unserer Dorfkirche ist vorüber. Wir laufen zu Fuß die paar hundert Meter weiter zur Turnhalle der Grundschule. Dort findet gleich die offizielle Einschulungsfeier statt. Unsere Tochter läuft voraus, Hand in Hand mit ihrer besten Freundin. „Schaut mal kurz her, ich mache ein Bild von euch!“, rufe ich ihnen zu. Zwei lachende Kindergesichter drehen sich synchron zu mir um.
Am nächsten Tag strahlt meine Tochter mich an: „Papa, ich sitze neben Mia in der Klasse. Schau mal, was sie mir geschenkt hat! Eine Kette mit Anhänger, da steht drauf: ‚Best friends‘. Sie hat auch solch eine Kette. Bei ihr steht drauf: ‚Forever‘.“ Best friends forever – für immer beste Freunde.
Gott hat uns als soziale Wesen geschaffen. Gute Beziehungen gehören mit zum Schönsten, was es auf dieser Welt gibt. Gott freut sich, wenn wir gute Beziehungen in unserem Leben erleben. Er freut sich, wenn es in der Ehe, in der Verwandtschaft, in der Nachbarschaft und in der Kirchengemeinde friedlich und harmonisch zugeht.
Aber Freude und Schmerz liegen oft nah beieinander. Schnell kommt es zu einer Verstimmung, zu einem Missverständnis, einem Streit. Schade, dass es in Beziehungen so oft kracht. Zurück bleiben häufig emotionale Wunden, die nur schwer verheilen. Das menschliche emotionale Gedächtnis ist ausgesprochen gut. „Was du mir vor Jahren angetan hast, das spüre ich noch heute!“
Im Hintergrund zum heutigen Bibeltext aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 2,1-11 steht auch ein Krach in der Beziehung. Die Beziehung zwischen dem Apostel Paulus und der Gemeinde in Korinth ist angeschlagen. Dabei hatte es so gut angefangen. 18 Monate lang war Paulus in Korinth gewesen. Mit viel Mühe und Gebet hatte er diese Gemeinde gegründet. Doch nach seiner Abreise war es zu Spannungen zwischen Gemeindegründer und Gemeinde gekommen. Im 1. und 2. Korintherbrief im Neuen Testament erhalten wir einen Einblick in diese Spannungen.
Paulus ist mit dem gegenwärtigen Zustand der Dinge nicht zufrieden. Ihm ist es wichtig, dass eine Klärung zwischen ihm und den Christen in Korinth stattfindet. Zunächst versucht er, das bei einem persönlichen Besuch zu tun. Doch der Versuch geht schief. Die Spannungen zwischen ihm und der Gemeinde haben sich verstärkt.
Wie soll es nun weitergehen? Zunächst plant Paulus einen weiteren Besuch. Doch dann entscheidet er sich anders. Er merkt, dass sein persönliches Erscheinen in dieser emotional aufgeladenen Situation nicht hilfreich wäre. So erklärt er hier: „Ich hatte aber dies bei mir beschlossen, dass ich nicht abermals in Traurigkeit zu euch käme.“
Statt einem Besuch schreibt Paulus nun zunächst einen Brief an die Gemeinde. Es ist der Versuch einer schriftlichen Klärung: „Und eben dies habe ich geschrieben, damit ich nicht, wenn ich komme, über die traurig sein müsste, über die ich mich freuen sollte.“ Der genaue Inhalt dieses Briefes ist uns nicht überliefert. Aber Paulus spricht in diesem Brief Klartext.
Was waren denn die Dinge, die in Schieflage geraten waren? Es gab z. B. Menschen in der Gemeinde, welche die apostolische Autorität von Paulus in Frage stellten. Es gab auch einzelne Gemeindemitglieder, die munter in Sünde lebten. Sie taten Dinge, die mit ihrer Identität als Christen unvereinbar waren. Auf ihr Fehlverhalten angesprochen, waren sie zunächst nicht zur Änderung, auch Buße genannt, bereit.
Paulus, als geistlich für diese Gemeinde verantwortliche Person, wollte das nicht tolerieren. Wenn Gemeindemitglieder in Sünde leben, ist es gut, sie zurechtzuweisen. Die Gemeinde als heiliger Ort, wo Jesus Christus unter seinen Kindern gegenwärtig ist, ist schutzbedürftig. Durch das Verhalten Einzelner kann eine ganze Gemeinschaft Schaden leiden.
Mir fällt es häufig schwer, einer Person trotz ihres Fehlverhaltens Liebe zu zeigen. Aber Paulus bleibt motiviert von seiner Liebe zu den Christen in Korinth, auch wenn er manche zurechtweist. Er sagt: „… ich schrieb euch aus großer Trübsal und Angst des Herzens unter vielen Tränen; nicht damit ihr betrübt werden sollt, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich habe besonders zu euch.“
Das Ziel der Zurechtweisung ist, dass falsches Verhalten geändert wird. Die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen soll wieder in Ordnung kommen. Paulus freut sich, denn offensichtlich hat sein Schreiben Wirkung gezeigt. Diejenigen, die bisher stur an ihrer Sünde festgehalten hatten, haben Einsicht gezeigt. Es ist ihnen bewusst geworden, dass sie gegen Gott gesündigt und der Gemeinschaft in der Gemeinde geschadet haben.
Daher weist Paulus die Christen in Korinth an: Es ist wichtig, dass ihr einem solchen Menschen jetzt von Herzen vergebt. Tröstet ihn, denn er ist traurig über den Schaden, den er angerichtet hat.
Paulus sagt sogar: „Ich ermahne euch, dass ihr ihm Liebe erweist.“
Es fällt mir oft nicht leicht, den Menschen, die mich verletzt haben, von Herzen zu vergeben. Noch schwerer fällt es mir, ihnen die Hand entgegenzustrecken und ihnen bewusst Liebe zu zeigen. Doch ich weiß auch: es ist ein Wagnis, das sich lohnt. Denn Jesus starb ja auch für mich, den Sünder, am Kreuz. Er nahm meine Sünden auf sich. Genauso wie die des anderen. Es gibt einen, der Vergebung und die Wiederherstellung von Beziehungen gerne verhindern möchte: Satan, der Gegenspieler Gottes. Er wünscht sich Streit, Distanz, Feindschaft.
Paulus sagt: „Uns ist wohl bewusst, was er im Sinn hat.“
Doch wo Vergebung ausgesprochen und gelebt wird, da findet Satan keinen Raum mehr. Ja, als Kinder Gottes leben wir aus der Vergebung, die Gott uns schenkt. Diese Vergebung reichen wir auch anderen immer wieder weiter. So wird Versöhnung und neue Gemeinschaft immer wieder möglich.
Wie bei Paulus und den Christen in Korinth.
Autor: Jan-Pierre van Rooyen
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