Wer bestimmt nun darüber, wie es mit Europa weitergeht? Mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten in der EU haben bis gestern Abend mit ihrer Stimme gesagt, was sie zu sagen hatten. Das ist fast die höchste Wahlbeteiligung, seit das EU-Parlament direkt gewählt werden kann. Eine klare Ansage an die Staats- und Regierungschefs, die das Vorschlagsrecht für den Spitzenposten der EU-Kommission haben und womöglich auch diesmal versuchen werden, ihren Vorschlag im Hinterzimmer auszukungeln. Entscheiden wird nichtsdestoweniger das Parlament. Und die Kräfteverhältnisse dort sind nun komplizierter geworden. Christdemokraten und Sozialdemokraten haben zusammen keine Mehrheit mehr und sind bei künftigen Abstimmungen auf andere Fraktionen angewiesen, auf Liberale oder Grüne z.B. Aber nicht nur die gehen aus der Wahl gestärkt hervor, sondern auch die Rechtspopulisten vieler EU-Länder. Wie sehr werden sie im neuen Parlament an einem Strang ziehen? Wie sehr werden sie der EU, die sie ja bekämpfen wollen, die Luft abschnüren? Und - apropos EU-Gegner: Welche Duftmarken werden die Abgeordneten aus Großbritannien dort setzen - und bis wann?