Eine Lehrerin, also eine Frau, die einen Beruf gewählt hat, bei dem sie mit Kindern umgeht, schreibt ein Buch über ihre selbstgewählte Kinderlosigkeit. Und hat damit Erfolg, weil sie das nicht als einsame Entscheidung darstellt, sondern als feministisches Umweltprojekt. Kinderkriegen sei ein reaktionäres Vorhaben und schädige die Umwelt. Und weil alle Supermuttis und nicht nur konservative Medien über sie herfallen, hat sie damit Erfolg. So ein Shitstorm im Netz und im analog Gedruckten hebt die Auflage. Dabei ist Misanthropie nichts Neues. Schon im fünften Jahrhundert vor Christus lässt der griechische Dichter Sophokles in einem seiner dunklen Dramen den Chor sagen: "Nie geboren zu sein, ist der Wünsche größter; und, wenn du lebst, ist das Andere, schnell wieder dahin zu gehen, woher du kamest." Brauchen wir den Ekel vor uns selber als Seelenmedizin, um uns besser zu ertragen? Die Lehrerin sagt: Jeder weitere von uns ist einer zu viel. Also ganz prinzipiell: Der Erde ginge es wesentlich besser ohne uns Menschen. Das mag sein, nur hätten wir davon leider rein gar nichts.