Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

By Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard PilzSociety & CultureDocumentaryHistory
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Welterbe Hallstatt episodes

  • 500 Jahre Salzkammergut
    Die erste schriftliche Erwähnung

    Im 1. Reformationslibell, erlassen vom späteren Kaiser Ferdinand I, wird - nach dem derzeitigen Stand der Forschung - mit der Formulierung "Kammerguts des Salz"* erstmals der Begriff "Salzkammergut" geprägt. Dieses Reformationslibell stellt ein umfangreiches Verordnungswerk dar, mit dem das gesamte Salzwesen bis hin zu den Details der Forstwirtschaft, des Transportwesens und darüber hinaus auch das gesellschaftliche Leben reguliert wurde. "Libell" bedeutet Büchlein, die originale Handschrift auf Pergament wurde ursprünglich in Gmunden beim Obersalzamt aufbewahrt und liegt heute im oberösterreichischen Landesarchiv in Linz. Sie stellt eine wertvolle Informationsquelle für den gesamten Vollzug der Salzwirtschaft in der frühen Neuzeit dar. In weiterer Folge erschienen zwei weitere Fassungen. Im II. Reformationslibell von 1563 wurde der Aufstellung einer zweiten Pfanne in Hallstatt Rechnung getragen. Das letzte, das sogenannte III. Reformationslibell, wurde 1656 fertiggestellt und trat 1659 in Kraft, und behandelte nun auch die neu hinzugekommenen Produktionsstätten in Ischl und Ebensee.

    *Libell der Newen Reformation und ordnung des Siedens Halstat unnd ambts zu Gmunden 1524, Handschrift auf Pergament, 289 Folien, OÖ. Landesarchiv, Salzoberamtsarchiv Gmunden)

    **Quelle zitiert sekundär nach Dicklberger, Anton, Systematische Geschichte der Salinen Oberösterreichs, 1817, Band 2, S. 215

    15 min
  • Hallstatt – Löckerbrunnen Ergänzung
    Die Rekonstruktion einer Inschrift

    In die rechte, hochrechteckige Schrifttafel aus graurotem Adneter Schnöll ist eine Inschrift aus Groß und Kleinbuchstaben aus der Fraktur in deutscher Sprache eingekerbt. Im Zuge einer Restaurierung konnten 2023 Reste einer Fassung der Buchstaben in Schwarz und Braun ausfindig gemacht werden. Dem Ischler Salinenarchivar Thomas Nussbaumer verdanke ich den wertvollen Hinweis, dass auf Grundlage von 5 Quellen aus dem 19. Jahrhundert und einer Quelle von 1905 der Text jedoch sicher rekonstruiert werden kann.

    Als man tzalt von cristi geburt

    mo cccco und in dem neun und fünfzi
    gisten Jar am freitag vor simonis et
    Jude ist der durchlauchtig hochge
    borne fürst Herr Herr Albrecht
    Ertzherzog in Oesterreich hie
    an der Hallstat auf dem
    Berg und zu hindrist neben in aln
    Gangen in der Salzgrub gewesn.

    Mit "Herr Herr Albrecht Ertzherzog in Oesterreich" ist Albrecht VI (1418-1463) gemeint und der "freitag vor simonis et Jude" im "mo cccco und in dem neun und fünfzigisten Jar" kann auf den 22. Oktober 1459 rückgerechnet werden.

    Albrecht VI war der jüngere Bruder und große Gegenspieler des späteren römisch-deutschen Kaisers Friedrich III. Sein politisches und dynastisches Wirken steht exemplarisch in der Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit.

    Quellen:

    Leopold Engleitner, 1813, Engleitner Chronik Hallstatt, Transkription Seite 16.
    Anton Dicklberger, 1817, Salinengeschichte (Original-Manuskript, OÖLA, SOA-Archiv Gmunden, Hs. Nr. 38), Band 1, Seite 192.
    Johann Steiner, 1820 „Steiners Reise-Gefaehrte durch die oesterreichische Schweiz oder das ob der ensische Salz Kammergut“, Seite 7.
    Josef Koćzićzka, 1868 „Das Salzkammergut und die Salzerzeugung“ (Manuskript), Seite 10.
    G.J. Kanzler, 1881, Geschichte des Marktes und Curortes Ischl, Seite 101
    Isidor Engl, 1905, Geschichte Hallstatt (Manuskript), Band 2, Seite 77.

    13 min
  • Hallstatt – Löckerbrunnen
    Zweitverwendung und Adaption

    Der Brunnentrog aus rotem Buntkalkstein steht vor einer hohen, verputzten Wandscheibe, die auf einem Sockel aus steinsichtigen Quadermauerwerk ruht und von einem getreppten und auskragend profilierten Giebel abgeschlossen wird. In die Prospektwand sind zwei Schrifttafeln und eine Wappentafel eingelassen, die unter der dominanten Helmzier eines Pfauenstoßes das österreichische Fünfadlerwappen und den Bindenschild zeigt. Das Wasser fließt durch einen elegant geformten Auslauf aus Bronze in den Brunnentrog, der eine auffällige, organische Form besitzt, die im Grundriss ein Dreiblatt bildet.

    Die Brunnenanlage ist vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach dem Abbruch des in unmittelbarer Nähe befindlichen Hoftors errichtet worden. Die Wappentafel und die Schrifttafel aus dem 15. Jahrhundert waren im Attikabereich des abgekommenen Hoftors eingelassen und fanden in der Prospektwand des Löckerbrunnens eine Zweitverwendungen. Die Herkunft und der ursprüngliche Standort des Brunnentrogs sind unbekannt. Auch die Datierung des Brunnentrogs ist schwierig, da Vergleichsbeispiele fehlen und rein formal eine Entstehungszeit von der Spätgotik bis ins Barock möglich wäre. Der bronzene Wasserauslauf ist ein Entwurf von Clemens Holzmeister, der in den frühen 1960er Jahren als Ortsplaner von Hallstatt tätig war.
    Der Brunnen ist nach der Familie Löcker benannt, aus der im 18. und 19. Jahrhundert die Hallstätter Bader entstammten. Sie besaßen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Haus Lahn 22, in dem heute der Kindergarten untergebracht ist. Nach dem Marktbrand von 1750 errichteten die Löcker auf der Brandstätte des Zuseherhauses (heute das Haus 57, Ecke Wolfengasse/Badergraben) das Baderhaus. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts diente noch das Haus Kirchenweg 168, das direkt am Mühlbach steht, als "Batt Hauß." Auf einem Ortsplan vom Beginn des 19. Jahrhunderts ist der "Feil-Fluder", ein Mühlbacharm am südlichen Rand des Badegrabens als offenes Gerinne eingetragen. Über diesem Wasserlauf ist schräg gegenüber dem Baderhaus ein Gebäude eingezeichnet, das höchstwahrscheinlich als Badehaus diente.

    Weiterführende Informationen zur Kapelle von Clemens Holzmeister am Hallberg

    Weiterführende Informationen zum Gedenkbrunnen im Salzberghochtal von Clemens Holzmeister

    25 min
  • Bad Goisern -Steeg – Aluminiumproduktion 2
    Tonerde und Kohle

    Mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie nach 1918, fehlten wesentliche inländische Rohstoffe zur Aluminiumproduktion. Die damaligen Eigentümer des Werks machten sich daran, Kohle aus dem Wolfsegg-Traunthaler Revier und Bauxit aus Laussa heranzuziehen. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 verschärft sich die Situation weiter, da nun auch die Absatzmärkte für das Aluminium schrumpften. Der Anschluss an das Deutsche Reich 1938 und die Aluminiumnachfrage der deutschen Rüstungsindustrie erzeugten einen letzten Boom der Aluminiumproduktion in Steeg. Nachdem in Ranshofen 1943 eine moderne und 60-mal leistungsfähigere Anlage in Betrieb ging, wurde die Aluminiumproduktion in Steeg eingestellt.

    Weiterführende Informationen zum Kraftwerk Steeg

    Weiterführende Informationen zum Elektrodenwerk Steeg

    Weiterführende Informationen zur Elektrifizierung der Salzkammergutbahn

    14 min
  • Bad Goisern -Steeg – Aluminiumproduktion 1
    Industrie in der Welterbe-Region

    Als im frühen 20. Jahrhundert die ersten beiden Stufen der Gosau- Werke fertiggestellt waren, fehlten große Stromverbraucher. Stern & Hafferl gründeten in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks einen Elektrolysebetrieb. Während des Ersten Weltkriegs stieg der Kriegswirtschaftliche Bedarf an Aluminium stark an. In Steeg wurden durch Kriegsgefangene innerhalb kürzlich kürzester Zeit 3 Fabriken aufgebaut: Ein Tonerdewerk zur Aufbereitung des Bauxits, die eigentliche Aluminiumelektrolyse und ein Elektrodenwerk zur Herstellung der Graphitanoden. Nach dem Ersten Weltkrieg war die zivile Aluminiumproduktion unwirtschaftlich und wurde in den 1930-Jahren eingestellt. Das Elektrodenwerk hingegen entwickelte sich zu einem international führenden Unternehmen.

    Weiterführende Informationen zum Kraftwerk Steeg

    Weiterführende Informationen zur Elektrifizierung der Salzkammergutbahn

    21 min
  • Bad Goisern -Steeg – Gittermasten
    Filigrane Konstruktionen in der Kulturlandschaft

    Mit der Fertigstellung der Stufen III und V der Gosauwerke durch Stern & Hafferl im Jahre 1911 mussten für die erzeugten Strommengen entsprechende Absatzmärkte erschlossen werden. Neben einer Aluminiumelektrolyse in unmittelbarer Nähe der Stufe V in Steeg wurde das Ausseerland mit Strom versorgt und die Elektrifizierung der Salzkammergutbahn vorangetrieben.

    Weiterführende Informationen zum Kraftwerk Steeg und zur Elektrifizierung der Salzkammergutbahn

    21 min
  • Hallstatt - Höplingerstein
    Ein Obelisk als Gedenkstein

    Der dreiteilige Obelisk aus Hartgestein steht mittels einer flachen Plinthe auf einem Kalksteinfelsen am Rand des periodisch aktiven Dürrenbachs im Bereich des Niederdürren. Im oberen Drittel des steinmetzmäßig scharfkantig, ebenflächig und exakt gearbeiteten Gedenksteins ist ein weißes Porzellanmedaillon appliziert, das ursprünglich darin eingefügte Bild ist nicht mehr vorhanden. Der mittlere Stein trägt die Inschrift mit dem Namen des Verunglückten, sowie die Ursache und das Datum des Unfalls. Im Basisstein des Obelisken ist ein Sinnspruch eingemeißelt. Das Objekt ist stark bemoost, von Flechten bewachsen und die färbige Ausmalung der Buchstaben ist stark verwittert.

    Hans Höplinger, geb. am 28. Feber 1896 in St. Wolfgang, beerdigt am 13. Feber 1924 ebendort, unternahm mit seinem Bruder Kamillo am 10. 2. 1924 eine Schitour auf den Wiesberg. Bei der Abfahrt stieß er mit dem Kopf derart an einem Baum, dass er auf der Stelle tot liegen blieb. Da der Verunglückte, ebenso wie seine Brüder, ein ausgezeichnete Skiläufer war, kann der tödliche Unfall wohl nur auf einen höchst unglücklichen Zufall zurückzuführen sein.

    Hans Höplinger

    Fischereibesitzerssohn
    aus St. Wolfgang
    tödlich verunglückt bei der Schitur
    am 10. Feber 1924

    Oft hab' ich andre froh gemacht

    und stetz an mich zuletzt
    gedacht
    mein Lohn ist Friede.
    F. W. Weber

    Der Spruch stammt von Friedrich Wilhelm Weber (*1813 - † 1894) einem deutschen Arzt und Dichter, der im Vormärz politisch aktiv war. Der Spruch ist in der Inschrift gekürzt und lautet vollständig:

    „Ob mir's gelang bei Tag und Nacht Mein Glück, mein eig'nes Glück zu schmieden? Oft hab' ich and're froh gemacht Und stets an mich zuletzt gedacht. Ich diente, und mein Lohn ist Frieden.“

    13 min
  • Obertraun – Projekt einer Pferdeeisenbahn
    Eine Trasse durch die Koppenschlucht

    Im Zuge der Generalsanierung des Winterpalais des Prinzen Eugen in der Wiener Himmelpfortgasse wurden zur Jahrtausendwende umfangreiche Aktenbestände in das österreichische Staatsarchiv umgelagert. Dabei kam auch Pläne einer Pferdeeisenbahnlinie von Kainisch nach Obertraun wieder ans Tageslicht. In den akribisch ausgeführten Plänen ist nicht nur die Trassenführung als Prototyp der späteren Kronprinz-Rudolf-Bahn sondern auch eine Vielzahl alter Flurnamen zu finden.

    Auf ResearchGate finden Sie Bilder und einen weiterführenden Text

    17 min
  • Bad Goisern – Hammerschmied Atzmanstorfer
    Ein Tondokument aus den 1960er Jahren

    Dem Botaniker und Heimatforscher Friedrich Morton (1890 - 1969) ist dieses bemerkenswerte Tondokument zu verdanken, auf dem Franz Atzmanstorfer (1895-1977), der letzte Hammerschmied in Bad Goisern zu hören ist und das einen authentischen Einblick in gewerbliche Arbeitswelt der Mitte des 20. Jahrhunderts gewährt. In den 1960er Jahren, zu einer Zeit als "oral history" und "Geschichte von unten" in Österreich weder methodische Anerkennung noch gesellschaftspolitische Gültigkeit für die Geschichtswissenschaft erlangt hatten, zeichnete Morton mündliche Geschichtsquellen auf das Magnettonband auf.

    14 min
  • Hallstatt Amtshausstiege
    Eine ärarische Prunktreppe

    Mit der Amtshausstiege wird die Höhenstufe überwunden auf die wirkmächtig das barocke Amtshaus gesetzt ist. Die monolithischen, etwa 250 Zentimeter langen Blockstufen sowie die quadratischen Pflastersteine der Zwischenproteste sind aus Granit, welcher erst nach Eröffnung der Salzkammergutbahn Mitte der 1870er Jahre kostengünstig nach Hallstatt transportiert werden konnte. Sowohl im Antritts- als auch im Austrittsbereich der Stiege sind markante, monolithische Geländerpfeiler aus Kalkstein mit quadratischem Querschnitt gesetzt, deren flach-pyramidale Abdeckung über ein gekehltes Profil auskragt. Diese Pfeiler dürften noch von der Vorgänger-Stiege aus Kalkstein stammen, welche um 1840 errichtet worden ist. Die dazwischen angeordneten Geländer Steher aus Gusseisen sind in Ihrer historistischen Formensprache typisch für das ausgehende 19. Jahrhundert. Unter den Resten des abkreidenden, dunkelgrünen Deckanstrichs wird die Grundierung mit roten Bleiminium Pigmenten sichtbar. Geländebewegungen führten zu deutlich sichtbaren Formänderungen der Stiege und zum Bruch einiger Blockstufen.

    Link zur Episode über das Amtshaus

    11 min

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Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.