In Ostdeutschland werden bald drei neue Landtage gewählt. Dort, wo vor 30 Jahren die Mächtigen den unvergessenen Slogan "Wir sind das Volk" zu hören bekamen. Damals war die politische Frontlinie allerdings klar und nachvollziehbar. Auf der einen Seite ein diktatorisches Regime, auf der anderen Seite die Bevölkerung, die demokratische Rechte einforderte. Heute nehmen andere Teile der Bevölkerung - und zwar die, die oft am lautesten schreien - für sich in Anspruch, "das Volk" zu sein, und machen Front gegen eine politische Klasse, die vielleicht fehlerhaft, aber keinesfalls diktatorisch ist. Nach den Wahlen werden wir wissen, wem das Volk, das zur Wahl gegangen ist, seine Stimme gegeben hat. Aber daraus mehrheitsfähige Regierungen zu bilden, wird aller Voraussicht nach schwierig sein. Und mindestens ebenso schwierig ist es, daraus einen "Wählerwillen" abzulesen. Noch allerdings ist Wahlkampf und damit für alle Beteiligten Gelegenheit, Botschaften zu formulieren und aufzunehmen, sie kritisch zu beleuchten und Schlüsse daraus zu ziehen.