Wettlauf, das klingt irgendwie motivierend. Wir laufen zusammen, und am Ende läuft zwar jemand zuerst ins Ziel, aber den Preis kriegen wir alle: einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus, also Gesundheit und Freiheit im Doppelpack. Aber laufen wir wirklich zusammen? Über 120 verschiedene Impfstoffprojekte nehmen weltweit teil, allein in Deutschland sind es sieben Firmen. Politischer Druck und Staatsbeteiligungen heizen die Konkurrenz an. Einige sind erst losgelaufen, andere haben schon ein gutes Stück zurückgelegt und die ersten Testphasen für den Impfstoff erreicht. Aber wie lange müssen wir eigentlich laufen? Normalerweise dauert es Jahre bis zum zugelassenen, allgemein verfügbaren Impfstoff. Viele Forscher und Politiker versprechen uns, dass es diesmal statt Marathon eine Mittelstrecke wird. Weil so viele mit so großer Unterstützung mitlaufen und zum Teil ganz neue, fortschrittliche Methoden zum Einsatz kommen. Aber wissen wir tatsächlich, wo das Ziel steht und ob es überhaupt eines gibt? Gegen das AIDS-Virus existiert bis heute ebenso wenig einen Impfstoff wie gegen die bekannten Coronaviren. Die Grippeimpfung wirkt nur bei 30 bis 70% der Geimpften. Besteht die Gefahr, dass wir laufen und laufen, ohne anzukommen? Dann geht nicht nur uns die Puste aus, sondern auch unseren Grundrechten.