Es steht Aussage gegen Aussage und Haltung gegen Haltung - im Fall Woody Allen. Aussage gegen Aussage, weil bis heute nicht geklärt ist, ob der Regisseur Anfang der 90er Jahre seine damals 7-jährige Tochter Dylan tatsächlich sexuell missbraucht hat oder nicht. Und Haltung gegen Haltung, weil dieser Vorwurf nach wie vor einen Schatten auf Woody Allen wirft und weil Filmschaffende, Verlage und Publikum darüber streiten, wie sie angesichts dieses Vorwurfs mit Allen als Künstler umgehen sollen. Nun soll seine Autobiografie "Ganz nebenbei" erscheinen - oder auch nicht erscheinen. Denn der amerikanische Verlag Hachette, der sie veröffentlichen wollte, hat einen Rückzieher gemacht. Und weil der Hamburger Rowohlt-Verlag bis auf weiteres an der Publikation der deutschen Ausgabe festhält, haben andere Autoren, die dort publizieren, ihrer Enttäuschung Luft gemacht - in einem offenen Brief. Was wiegt schwerer: Die Freiheit eines Beschuldigten, sich autobiografisch zu äußern, oder das Bedürfnis anderer, sich so weit wie möglich zu distanzieren - von einem Menschen, den sie nicht für glaubwürdig halten? Und das in Solidarität mit den Opfern sexueller Gewalt. Sollte Woody Allens Buch in der Schublade bleiben oder hieße das, ihn selbst in eine Schublade zu stecken? Eine Frage, deren Bedeutung weit über seinen Fall hinausreicht.