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  • Multitalent Vitamin D stoppt den Zytokinsturm im Kampf des Immunsystems gegen Covid 19 | Von Hans-Jörg Müllenmeister
    Ein Standpunkt von Hans-Jörg Müllenmeister.
    Nein, der Zytokinsturm ist nicht der Sturm im Wasserglas – aber dazu später mehr. Zunächst einmal: Verzweifelte Covid19-Patienten, selbst Herzgeschädigte und besorgte Prophylaktiker aufgepasst. Hier geht es nicht um eine verquere Ideologie, nicht um das Nachbeten fragwürdiger, hochbezahlter Studien, nicht um das Festhalten an Pfründen. Es geht um ignorierte Fakten, die uns Mutter Natur bietet, nämlich schlicht um ein heilsames, perfektes Natur-Geschenk für unseren Körper. Wir sollten das lebensnotwendige Vitamin D (Calcediol) faktenunterlegt besser kennen lernen und es zum eigenen Wohle unserer Gesundheit nutzen. Diese Naturgabe und Erkenntnis einfach zu ignorieren, wäre eher frevelhaft, hilfeverweigernd, wenn nicht sogar dumm. Indes verbreitet der Heilige Stuhl der Pharma-Götter seine eigene Wahrheit zum „Spritz-Wohl“ seiner Glaubensgemeinschaft. Da kann schnell ein vielseitiges Vitaminnaturtalent zum Abtrünnigen avancieren.
    Vitamin D-Multitalent: das kostenlose Sonnengeschenk der Gesundheit 
    Vitamin D heißt so, weil es eben kein Vitamin ist. Vielmehr gehört es zu den Steroidhormonen – so wie die Sexualhormone und das Kortison. Überhaupt ranken sich einige gravierende Irrtümer um das Vitamin D. Während unser Körper selbst keine Vitamine bilden kann, verleiht sonnenbeschienene Haut unserem Körper eine Art Vorstufe zu Vitamin D: das Cholecalciferol, und das ist eben ein Hormon. Aus diesem „Rohstoff“ gewinnt unsere körpereigene Fabrik, die Leber, über einige Synthesestufen das Vitamin D3. Bei geschädigter Leber und Niere kann es zu einem deutlichen Vitaminmangel kommen, selbst wenn reichhaltig Vitamin D direkt über die Nahrung aufgenommen wird. Übrigens ist Vitamin D2 vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln, wie Avocado aber auch in Pilzen zu finden. Vitamin D3 liegt besonders in tierischen Produkten (Fettfisch) vor. Als D3-Präparat wird es aus Lanolin der Schafwolle extrahiert; neuerdings gibt es auch vegane D3-Präparate, gewonnen aus einer bestimmten Flechtenart. D3 bindet sich besser an die Transportmoleküle im Blut als das Vitamin D2.
    Viele Hautärzte fühlen sich zwischen Scylla und Charybdis, wenn sie ihren Patienten therapeutische Sonnenbäder empfehlen. Einerseits begünstigt ein Zuviel an UVB-Strahlung das Basalzellkarzinom, andererseits aber auch die Bildung von Vitamin D. Kürzlich erschien dazu eine große dänische Studie. Das Auswerten von 72.295 Fällen von weißem Hautkrebs ergab, dass diese Patienten nicht kürzer, sondern deutlich länger lebten als die Durchschnittsbevölkerung. Natürlich bewirkte nicht der Krebs diesen Überlebensvorteil, sondern der Zusammenhang zwischen der Sonnenstrahlung und dem höheren Vitamin D-Spiegel. Bis zu 90% des Vitamins produziert unsere Körper über die UVB-Bestrahlung der Haut. Eine helle Haut ist wirksamer in der Vitamin D-Produktion, dunkle Haut vermag das nicht. Burka-vermummte Musliminnen, die zudem Kopftuch-verschleiert herumlaufen, halten nicht nur ihre Kultur hoch, sondern gleichermaßen besonders ihre Krankheitsrate, hervorgerufen durch einen Vitamin D-Mangel.
    Wie geht die Medizin und die Pharmaindustrie mit Vitamin D um?
    Bereits seit 1824 setzte die Medizin natürliches Vitamin D ein, allerdings nur gegen eine Störung des Knochenwachstums, der Rachitis. Einige erinnern sich noch: Nach dem Zweiten Weltkrieg sah man mitunter Bucklige und Menschen mit ausgeprägten O-Beinen, man hielt sie womöglich für Jockeys aus dem „dritten Rennen“. Um diesem Knochenschicksal zu entrinnen, wurden die Kinder mit leckerem Lebertran und Höhensonne traktiert. Undenkbar, sollte dieser simple und wirksame Schutzschirm gegen die Rachitis oder Osteroporose neuerdings auch noch gegen Diabetes, Autoimmunkrankheiten, Herzinfarkt, Prostata- und Brustkrebs, ja sogar gegen SARS-CoV-2-Viren helfen? Lauter (auf den Bach sei verzichtet) gewinnverheißende Krankheiten! Diese bloß durch Vitamin D-Gaben abwehren zu können,
    17 min
  • Mit Vorsatz | Von Susan Bonath
    Ein Kommentar von Susan Bonath.


    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

    Der Impfstoffhersteller Pfizer wusste bereits im Vorfeld um die erheblichen Risiken seiner mRNA-Vakzine für die Menschen und brachte sie wider besseren Wissens auf den Markt.




    Mangelnde Wirksamkeit, großes Schadenspotenzial, nicht erhobene Daten: Der Pharmariese Pfizer und die Zulassungsbehörden waren von Anfang an über massive Sicherheitsrisiken der mRNA-Vakzine informiert. Das geht laut einer Arbeitsgruppe des Vereins „Ärzte für Aufklärung“ aus den Zulassungsdokumenten des Konzerns eindeutig hervor. Warum dieser sein „Impf“-Mittel trotzdem auf den Markt gebracht hat? Die Fakten lassen nur einen Schluss zu: Hier wurde und wird um des Profits willen mit dem Leben und der Gesundheit von vielen Millionen Menschen gespielt.






    Corona hat einen Teil der Pharmaindustrie so reich wie nie gemacht. In Windeseile brachten auch der US-amerikanische Konzern Pfizer und sein deutscher „kleiner Bruder“ BioNTech erstmals mRNA-Präparate „zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten“ auf den Markt — und mithilfe der Regierungen und staatlichen Institutionen die langersehnte Super-Profitmaschine ins Rollen. Heute steht fest: Die Massenimpfungen bargen und bergen weit mehr Unsicherheiten und Risiken, als öffentlich kommuniziert. Pfizer und die Behörden wussten das sehr genau. Trotzdem werden nun sogar Kleinkinder geimpft.
    Zu diesem Ergebnis kam eine Arbeitsgruppe des Vereins „Ärzte für Aufklärung“ unter Biologin Sabine Stebel und Physiker Klaus Retzlaff. Sie wertete Daten aus den Zulassungsstudien aus, die der Konzern Pfizer aufgrund eines Urteils des texanischen Richters Mark Pittman herausgeben musste. Das Unternehmen wollte sie für 75 Jahre geheim halten.
    In ihrem nun veröffentlichten Papier unter dem Titel „Was Pfizer wusste“ zog die Arbeitsgruppe eine erste Bilanz: Laut Pfizer-Dokumenten seien die Konzerne frühzeitig und weitreichend über die mangelnde Wirksamkeit ihres Präparats informiert gewesen. Demnach wussten sie auch über das im Vergleich zu klassischen Impfstoffen exorbitant hohe Risiko für schwere Nebenwirkungen Bescheid.
    Doch viele bekannte Unsicherheiten wurden im Zulassungsverfahren einfach ausgeblendet und nicht untersucht, wie die Autoren bemängeln. Ein nachträglicher Ausschluss ungewöhnlich vieler Probanden erwecke zudem den Verdacht von Manipulation. Oder anders ausgedrückt: Milliarden Menschen wurden und werden bewusst in unausgereifte medizinische Experimente getrieben, um den mRNA-Markt für schnelle Superprofite der involvierten Pharmamonopole und -kartelle ins Rollen zu bringen.
    Lüge vom schnellen Vakzin-Abbau
    Zunächst erläutern die Autoren, dass es sich bei den Wirkstoffen nicht um eine natürliche Ribonukleinsäure (RNA) handele, welche körpereigene Zellen zu Produzenten von viralem Spikeprotein machen soll. Vielmehr beinhalteten die Präparate in winzige Fettkügelchen (Nanolipide) verpackte, künstlich veränderte und dadurch deutlich stabilere Boten-RNA, als sie in der Natur vorkommt.
    14 min
  • Die STIKO empfiehlt, aber sie befiehlt nicht! | Von Uwe Kranz
    Ein Standpunkt von Uwe G. Kranz.
    Jetzt hat sie es doch getan. Irgendwie. Trotz aller eindringlichen Warnungen, auch von Juristen, die immer lauter auch auf die möglichen strafrechtlichen Konsequenzen für Eltern und „Stichlinge“ hinwiesen. Einziger Trost: Die Empfehlung erreichte nicht das zunächst befürchteten Ausmaß. Die Ständige Impfkommission (STIKO) sprach am 17. November die Impfempfehlung aus, Babys ab sechs Monate und Kleinkinder bis zu vier (4) Jahren dann zu impfen, wenn diese wegen ihrer Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-109-Verlauf hätten. Danach sollen also diese Kinder die „für diese Altersgruppe zugelassenen mRNA-Impfstoffe“ zur „vollständige Grundimmunisierung“ bekommen. Weiter darüber hinausgehen wollte die STIKO nicht, zu dünn war ihr doch das Eis wissenschaftlich gesicherter Daten und juristischer Stabilität. Und selbst diese Beschränkung war noch eine zu viel!
    Die STIKO versagt – genau wie die Impfung
    Nach Eigendarstellung soll die STIKO „Impfempfehlungen für Deutschland entwickeln und dabei nicht nur deren Nutzen für das geimpfte Individuum, sondern auch für die gesamte Bevölkerung berücksichtigen“. Angeblich orientiere sich die STIKO bei ihren Empfehlungen an den „Kriterien der evidenzbasierten Medizin“, woran schon lange gezweifelt werden darf. Auch eine andere Selbstbeschreibung der STIKO ist weniger glaubhaft: Sie sei ein „unabhängiges Expertengremium“. Wie kann man unabhängig sein, wenn die Geschäftsstelle im Robert-Koch-Institut (RKI, Fachbereich Impfprävention) sitzt, von dort die Arbeit der STIKO koordiniert und ihre Arbeit sogar „aktiv unterstützt“ (z.B. durch systematische Analyse der Fachliteratur)? Zur Erinnerung: Das RKI ist eine dem Bundesgesundheitsministerium (BGM) direkt unterstellte oberste Bundesbehörde. Deshalb wohl spricht die STIKO wohl auch brav und folgsam, d.h. den politischen Vorgaben des Gesundheitsministers entsprechend, immer noch von einer „sicheren Impfung“ und von einer „vollständigen Grundimmunisierung“, obwohl schon längst wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass diese durch die genmodifizierenden Injektionen gar nicht erreichbar ist. Diese „Impfung“ schützt weder den Impfling selbst noch andere vor einer Infektion. Selbst das Versprechen, dass diese genmodulierenden Injektionen wenigstens vor schweren Schäden schützten, haben sich angesichts der Entwicklung der internationalen Fallzahlen als falsch herausgestellt. Staatliche Fake News!
    Wie kann man da der STIKO glauben, dass sie ihrer Aufgabe nachkäme, eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse durchzuführen? Insbesondere bei einem völlig neuartigen mRNA-Verfahren, das jahrzehntelang nicht zum Einsatz bei Menschen taugte und wo selbst Tierversuche eingestellt werden mussten? Wie kann man den Nutzen/Schaden „für die gesamte Bevölkerung berücksichtigen“, wenn man im Blindflug die künftigen Generationen mit schweren körperlichen Schäden und dem Tod bedroht? Wenn man eine generelle und wachsende Übersterblichkeit von inzwischen 19 % schlicht negiert? Die STIKO muss schließlich nicht nur ihrer ethisch-moralischen, sondern auch ihrer medizinisch-rechtlichen Verantwortung nachkommen!
    Wes Brot ich ess‘ …
    Hier knüpfen sich viele Fragen an. Wie unabhängig kann eine Kommission sein, deren Geschäftsstelle in einer weisungsgebundenen Bundesoberbehörde integriert ist und diese Behörde auch noch einen gewichtigen Anteil an der Kommissionsarbeit übernimmt. Schließlich ist es doch sehr bedeutend, welche Fachliteratur und welche Studien systematisch herangezogen, welche selektiert und welche wie ausgewertet werden. Ich lese jedenfalls immer wieder, eigentlich fast ständig Fachliteratur, die das Gegenteil von dem postuliert, was das RKI verkündet. Man hat zudem den einen oder anderen Fall in Erinnerung, in der die Veröffentlichung einer (impfkritischen) Studie z.B. zum Maulkorb-Erlass führte (Charité), zur Entlassung eines Geschäftsführers einer Krankenkasse (BKK) oder zur...
    20 min
  • “Deutschland hat alles im Griff” | Von Rainer Rupp
    Ein Kommentar von Rainer Rupp.
    In der Generaldebatte im Bundestag diese Woche hat Bundeskanzler Scholz seine Poker-Qualität bewiesen. Ohne rot zu werden hat er selbstsicher behauptet, „Deutschland hat die Krise im Griff“. Allerdings war er vorsichtig genug, nicht die Worte „Wir haben alles im Griff“ oder die „Bundesregierung hat alles im Griff“ zu benutzen. Denn wenn er sicher gewesen wäre, dass die Ampelkoalition die Krise tatsächlich meistern könnte, hätte er stolz „Wir“ oder die „Bundesregierung“ gesagt und damit die lobenswerten „Verdienste“ der Ampel-Koalition in den Vordergrund gesetzt. Tatsächlich wälzt Scholz mit seiner ungewöhnlichen Formulierung das Risiko des Versagens auf die Allgemeinheit, auf uns alle ab.
    Scholz weiß nämlich, dass niemand, – weder die Ampelkoalition noch irgendjemand anders – , die EU, vor allem aber Deutschland, jetzt noch vor der multiplen Super-Krise retten kann, an deren Anfang wir uns erst befinden. Sie besteht aus einem Konglomerat aus akuter Energieknappheit, aus hohen Inflationsraten und sinkenden Reallöhnen, aus der Unterbrechung von Lieferketten und deren langwierigen Umstrukturierung, aus sinkender Wettbewerbsfähigkeit und De-Industrialisierung Deutschlands, aus Handels- und Sanktionskriegen, aus Währungs- und Eurokrise und aus staatlicher und privatwirtschaftlicher Überschuldung. Zudem haben wir steigende Zinsen, die mit zunehmenden Liquiditätsproblemen selbst bei großen Geldhäusern - wie aktuell die Schweizer Crédit Suisse – erneut zu einer Banken- und Immobilienkrise zu führen drohen.
    So viele ökonomische Krisen und Unsicherheiten auf einem Haufen hat es seit Generationen nicht mehr gegeben. Sie werden verstärkt durch politische Risiken wie der Krieg in der Ukraine oder durch den drohenden Wiederausbruch von seit langen schwelenden Konflikten, z.B. im Kosovo zwischen Serben und Albanern, im Westjordanland zwischen Israelis und Palästinensern, in Nordost-Syrien zwischen Türken und Kurden, und in Iran durch erneute Kriegsdrohungen aus Israel und den USA. Und all diese Krisen soll die Chaos-Truppe der Ampelregierung meistern, um Schaden vom deutschen Volk abzuwenden?
    Was es bedeutet, dies alles in den Griff zu bekommen, lässt sich nur andeutungsweise mit dem Jongleur im Zirkus vergleichen, der jeweils einen Teller auf einem dünnen im Boden implantierten Stab balanciert, die Teller in Drehbewegungen versetzt und sich dann zwischen einem Duzend oder mehr schwankenden Stäben hin und her bewegt, um mit genau kalibrierten Anstößen die Teller weiter in Bewegung zu halten und deren Absturz bei zu langsamen Umdrehungen zu verhindern. Man stelle sich nun vor, wie die Amateure der Ampelkoalition dieser Aufgabe gewachsen wären?
    Dabei ist die politische Herausforderung, auch nur eine paar der vorhin aufgezählten Krisen zum Drehen zu bringen und vor dem Absturz zu bewahren, um mehrere Dimensionen größer als das bei den Jongleuren mit ihren Tellern der Fall ist. Deshalb hat erklärt, dass Deutschland – also wir alle – das im Griff haben. Und wenn Deutschland versagt, dann haben wir alle versagt und nicht etwa Scholz oder die Ampelregierung.
    Das entspricht auch genau den Vorstellungen der Ampelregierung, wie z.B. die Energiekrise gemeistert werden soll. Da alle Versuche der Ampel fehlgeschlagen sind, ausreichend neue Lieferquellen zu erschließen oder deren Transport zu erschwinglichen Preisen zu sichern, kann eine Energiekrise in diesem Winter nur verhindert werden, wenn die Bevölkerung und der Liebe Gott mitspielen, also wenn:


    a) Industrie, Verwaltung und Haushalte insgesamt 20 Prozent weniger Energie verbrauchen als im letzten Jahr.
    b) wenn der Liebe Gott keine Dunkelflauten schickt, also wenig Wind weht und dunkle Wolken die Lichteinstrahlung reduzieren und die Netzeinspeisung von Solar- und Windstrom abfällt.
    c) wenn der Liebe Gott uns einen warmen Winter schenkt. b

    15 min
  • Das Ende von “Teile und Herrsche“? | Von Jochen Mitschka
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Zu Beginn des Podcasts dieser Woche möchte ich eine junge deutsche Frau mit afrikanischen Wurzeln vorstellen, die aber durchaus stellvertretend für die Ansichten viele Menschen hier in Afrika sind. Sie wird uns noch einmal einen Friedensabschluss beleuchten, von dem viele, außer in dieser PodCast-Serie, vermutlich noch nicht gehört hatten. Dann kommt ein Bericht über einen ebenfalls übersehenen Krieg im Kongo und eine Analyse der Klimaschutzkrise aus Sicht des globalen Südens.
    Der Stellvertreterkrieg der USA in Afrika
    Martha Tesfamichael wurde 1979 in Köln geboren und absolvierte eine Ausbildung zur Diplom Medienwirtin. Sie arbeitet als ehrenamtliche Autorin für eine Fernsehstation am Horn von Afrika, hauptberuflich im sozialen Bereich. Sie legt Wert darauf, jede Information belegen zu können und setzt sich für eine unabhängige Region ein, ohne externe Einmischungen, Sabotagen und Regime Change. Sie ärgert sich über die in die Irre führende Berichterstattung über Afrika und versucht dagegen anzugehen.
    Als Beispiel berichtete sie mir über einen im Frühling 2021 veröffentlichten 72-seitigen Report vom New Africa Institute mit dem Titel „Desinformationen über Tigray: Wie Medien einen Konsenz herstellen, um einen Sezessionskrieg [in Äthiopien] zu rechtfertigen.“ (5) Er zeige anhand von Quellen aus dem Mainstream auf, dass dort über die Zusammenhänge und die regionale Dynamik am Horn von Afrika beste Kenntnisse vorliegen, diese in der täglichen Berichterstattung um den Konflikt aber nicht berücksichtigt werden. Viel wichtiger noch, Detailinformationen, die das Narrativ um den „Tigray Konflikt“ im Kern in Frage stellen, fänden keine Berücksichtigung.
    So zum Beispiel fehle in den westlichen Medien die Information, dass die TPLF, als regierende Kraft in Äthiopien von 1991-2018, in der Verfassung von 1994 manifestierte, dass das Land entlang von ethnischen Linien verwaltet wird, und ab 1994 Grenzverschiebungen (inkl. Vertreibung / ethnische Vertreibung bis hin zu Tötungen) vorangetrieben wurden. Trotz vieler Warnungen, eine solche Verfassung könne Tür und Tor für ein Blutbad im völkerreichen Äthiopien öffnen, wurde sie umgesetzt und stehe heute im Fokus vieler Äthiopier: Die Mehrheit spreche sich für eine Reform dieser Regelungen aus.
    An dieser Stelle sei erwähnt, dass in westlichen Medien das Narrativ verbreitet wird, dass Tigray mit der „Rebellenorganisation“ um Selbständigkeit kämpfe, und dies von der Regierung, welche die TPLF ablöste, mit Waffengewalt unterdrückt werde.
    Für den aktuellen Konflikt, so Martha, sei aber wichtig zu wissen: West Tigray - ist historisch das Land der Amhara. Seit 1994 habe Tigray mit der Verschiebung der historischen Linie eine Westgrenze zum Sudan geschaffen, was wichtig für die weitere Entwicklung sei. Ab 1997 habe dann die TPLF innerhalb der „Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front“ (EPRDF), die sie dominiere, angefangen, neue Karten zu erstellen. Dieser Vorgang wurde von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) finanziell unterstützt. Aber durch diese neue Grenzziehung gehörte nun eritreisches Territorium plötzlich zu Tigray. Eine wichtige Stadt, Badme, das 15 km innerhalb von Eritrea liegt, und weiteres international als eritreisches Territorium anerkanntes fruchtbares und besiedeltes Ackerland (Gash-Barka) sollte plötzlich nicht mehr zu Erithrea gehören, berichtet Martha.
    Ausgelöst durch diese neue Grenzziehung folgte dann von 1998 bis 2002 ein Krieg um Badme, zwischen Eritrea und Äthiopien. Durch die UNO wurde Badme 2002 offiziell Eritrea zugesprochen, allerdings wurde dieser Beschluss durch die USA zugunsten der TPLF unterminiert.
    Es folgten Jahre des kalten Krieges in der Region, bis 2018 Abiy Ahmed Premierminister von Äthiopien wurde, und einen Friedensvertrag vorschlug. Es sollte das erste bilaterale Abkommen zwischen Äthiopien und Eritrea werden,
    23 min
  • Einfach in die Knechtschaft geschlafwandelt | Von Wolfgang Effenberger
    Ein Kommentar von Wolfgang Effenberger.
    Hauptthema der Woche vom 7. bis 13. November war die kampflose Aufgabe von Cherson, der einzigen ukrainischen Gebietshauptstadt, die die russischen Truppen gleich nach dem 24. Februar 2022 weitgehend intakt erobern konnten – im Gegensatz zu den kleineren Zwillingsstädten Lyssytschansk und Sjewjerodonezk in der Region Luhansk, die bei den Kämpfen fast vollständig zerstört wurden. 1)Da das regionale Zentrum Cherson auch einen wichtigen Platz in der Geschichte Russlands einnimmt, stellt die Aufgabe dieser Gebietshauptstadt eine regionale "Niederlage" für die russischen Streitkräfte dar, die von der ukrainischen Regierung in Kiew innen- sowie außenpolitisch entsprechend ausgeschlachtet und in den Medien nahezu als Trendwende im Krieg gegen Russland dargestellt wurde.   
    Vor diesem Hintergrund verkündete der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyi am 13. November 2022 in seiner täglichen Videobotschaft stolz: "Wir alle spüren, wie unser Sieg naht"2). Wie die Geschichte lehrt, sind Siege nicht unbedingt die Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden. Ein Frieden kann nur durch eine Übereinkunft mit einem tragfähigen "modus vivendi", der Art und Weise eines erträglichen Zusammenlebens von Kontrahenten, für beide Seiten erreicht werden. Davon scheinen die Kriegsparteien jedoch weit entfernt zu sein.
    Für viele überraschend hatte am 9. November 2022 der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu die Verlegung der auf der Westseite des Flusses Dnepr befindlichen Truppen (annähernd 30.000 Soldaten) auf das sichere Südost-Ufer angekündigt. Zwei Tage später war der geordnete militärische Rückzug dieser Streitkräfte und auch die Evakuierung von etwa 100.000 Einwohnern aus der Stadt Cherson abgeschlossen.
    "Ich bin sicher, dass mehr als 70.000 Menschen innerhalb einer Woche gegangen sind, seitdem die Überfahrten organisiert wurden"3), so am 11. November 2022 der Verwaltungschef der Region Cherson, Wladimir Saldo.
    Das bittere russische Debakel von Cherson trifft vor allem die auf dem Westufer eingesetzten russischen Soldaten. Sie haben den seit September andauernden ukrainischen Angriffen, in dessen Verlauf das russische Militär im Nordosten bei Charkiw einen begrenzten Rückzug antrat, standgehalten und die Schlacht um Cherson nicht am Boden verloren. Den Abzug vom Westufer hat die aus den USA und Westeuropa stammende Präzisionsartillerie erzwungen: Panzerhaubitze 2000 aus Deutschland, Typ Caesar aus Frankreich, Typ Krab aus Polen sowie die HIMARS-Mehrfachraketenwerfer aus den USA. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Operationen der ukrainischen Streitkräfte mit den USA und der NATO bis in kleinste Details "abgestimmt" werden. Über die westliche Satellitenkommunikation läuft auch die Aufklärung und Zielauffassung für die Präzisionsartillerie. So führte bisher die massive Bewaffnung durch den Westen in Verbindung mit einer faktischen Kriegsführung durch die USA/NATO zu einer enormen Überlegenheit in den Bereichen Aufklärung, Kommunikation sowie Führung und Kontrolle. 4)
    So konnten auch die Brücken, Fähren und Pontons zerstört oder weitgehend beschädigt werden, was den Nachschub für die russischen Kräfte auf der Westseite des Dnjepr stark erschwerte.5)
    Ein weiterer Grund für die Rückverlegung dürften die ukrainischen Artillerieangriffe auf den Staudamm nördlich von Cherson gewesen ein. Die Folgen eines Dammbruchs nördlich von Cherson und eine Zerstörung des Wasserkraftwerks Nowa Kachowka, wären katastrophal gewesen.
    Damit die Räumung des Westufers und die Aufgabe der Gebietshauptstadt (wenige Wochen nach Durchführung der Volksbefragung zur Eingliederung der Teilrepublik Cherson in Russland) nicht als schmachvolle Niederlage empfunden werden, stellten die Medien vor allem die militärische Notwendigkeit zur "Umgruppierung" der Kräfte in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung. Dabei wurde dann auch die Militärführung in einen ges...
    22 min
  • Indoktrination II | Von Markus Fiedler
    Ein Standpunkt von Markus Fiedler.
    Einleitung
    Nach der Veröffentlichung meines ersten Beitrags über Schulmaterialien, die eindeutig den Versuch einer Indoktrination von Schülern darstellen,(1) habe ich eine Menge an Zuschriften bekommen.
    Viele Lehrer schickten mir zahlreiche weitere Befunde aus Unterrichtsmaterialien zu, die ein ähnlich desolates Bild zeigten. Der Tenor dieser Zuschriften war: Es ist alles noch viel schlimmer. Auffällig an diesem Material war, dass die Indoktrination nicht erst bei den Schülern beginnt, sondern durch zahlreiche Handreichungen Lehrer in der Überzeugung gestärkt werden, zu einem Thema eine bestimmte Sichtweise den Schülern näher zu bringen. Diejenigen, die diese Handreichungen nicht hinterfragen und durch eigene Recherche den angeblichen Fakten auf den Grund gehen, laufen Gefahr gegen das Indoktrinationsverbot des Beutelsbacher Konsens zu verstoßen. Und wie auch im Beutelsbacher Konsens bereits angedeutet, sind besonders Fächer wie Gemeinschaftskunde, Politik und Geschichte für Manipulationsversuche seitens der Schulbuchverlage und damit indirekt seitens des Staates anfällig.
    Anders als Sie vielleicht denken ist die Lehre nicht wirklich frei von staatlicher Bevormundung. Der Staat bestimmt mittels Zulassungsverfahren von Unterrichtsmaterialien mit, welche Bücher im Unterricht verwendet werden sollen und welche nicht. Eine Fachschaft in einer Schule kann dann für den Unterricht nur Bücher auswählen, die das besagte Zulassungsverfahren der Kultusministerkonferenz bestanden haben.(2) Andere Bücher stehen nicht zur Auswahl. Man kann zwar als Lehrer eigene Lernmittel, z.B. einzelne Arbeitsblätter verwenden, allerdings eröffnet das nicht die Möglichkeit selbst erstellte Werke in Form von Büchern an die Schüler auszugeben, so etwas unterliegt dann wieder der Zulassung durch die Kultusministerkonferenz bzw. den Kultusministerien der einzelnen Länder.(3)
    Ein Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass der Beutelsbacher Konsens in den 1970er Jahren ursprünglich missbräuchlich gegen Lehrer angewendet wurde, die man in eine linksradikale Ecke verortete. Das will ich gar nicht in Abrede stellen, dennoch ist der Wortlaut des Konsens aktueller denn je. Denn gegen den Wortlaut verstoßen nunmehr nicht nur irgendwelche vorgeblichen Randgruppen sondern es ist anscheinend breiter Konsens in der überwiegenden Mehrheit der Lehrerschaft geworden, dass der Beutelsbacher Konsens nicht mehr gilt. Das zeigen sie durch ihr Verhalten und die Auswahl der Unterrichtsmaterialien. Behauptet wird selbstverständlich das Gegenteil. Denn auch die Curricularen Vorgaben im Land Niedersachsen berufen sich wie dieselben von anderen Bundesländern auf den Beutelsbacher Konsens. Rufen wir uns dessen Wortlaut noch einmal ins Gedächtnis:

    „ 1. Überwältigungsverbot.
    Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der “Gewinnung eines selbständigen Urteils” zu hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.“
    2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.
    Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten.“
    (Beutelsbacher Konsens von 1977, Landeszentrale für politische Bildung, Baden-Württemberg)
    43 min
  • Dr. Weikl, Deutschland und ein Schöffe gegen Corona | Von Walter Weber, Sophia-Maria Antonulas und Dirk Sattelmaier
    Ein Kommentar von Walter Weber, Sophia-Maria Antonulas und Dirk Sattelmaier.


    Drei Blicke in die Wochenzeitung Demokratischer Widerstand von Walter Weber, Sophia-Maria Antonulas und Dirk Sattelmaier

    I.
    Ein wirklicher Arzt
    Laudatio auf Dr. med. Ronald Weikl von Walter Weber
    Unser Staat verfolgt Ärzte, die sich entsprechend dem Nürnberger Kodex und dem Genfer Gelöbnis für die Menschlichkeit einsetzen, kriminalisiert sie und verurteilt sie wie Schwerverbrecher. Zitieren wir den Wochenblick aus Österreich: »Ärzte, die sich notfalls entgegen der Anordnungen der Obrigkeit für Menschlichkeit und Gesundheit einsetzen, wurden von der Corona-Diktatur gnadenlos verfolgt. Weil der Passauer Mut-Arzt Ronald Weikl Masken-Befreiungsatteste ausstellte, wurden sein Privathaus und seine Praxis stundenlang auf den Kopf gestellt und der Mediziner vor Gericht gezerrt. Das System machte keinen Hehl aus seinen Plänen: Es wollte den kritischen Arzt hinter Gittern sehen und ein Berufsverbot gegen ihn erwirken. Diese überschießende Strafe wurde es am Ende zwar nicht – aber auch das Urteil am heutigen Dienstag ist noch starker Tobak: Ein Jahr Haft auf Bewährung.«
    Ärzte, die sich nach der Berufsordnung richten – zum Beispiel Paragraph 2 Absatz 4: »Ärztinnen und Ärzte dürfen hinsichtlich ihrer ärztlichen Entscheidungen keine Weisungen von Nichtärzten entgegennehmen«, werden von den Ärztekammern im Stich gelassen. So auch geschehen bei Dr. Ronald Weikl.
    Der Passauer Frauenarzt ist seit 33 Jahren mit Uta verheiratet. Sie haben sechs zum Teil schon erwachsene Kinder. Er hört gerne Musik, liebt das Segeln mit Freunden und fühlt sich zu Griechenland hingezogen, wo er auch den Olymp bestiegen hat. Gemeinsam mit Professor Sucharit Bhakdi und anderen Wissenschaftlern hat er die Organisation »Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie« gegründet (mwgfd.de) und setzt sich unermüdlich für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit in Medizin und in der Gesellschaft ein. Dr. Weikl hat sich nicht träumen lassen, dass ihn das System einst aufs Schärfste verfolgen würde und dem sympathischen Mediziner die Existenz rauben will. Er wird sich wehren und seine innere Einstellung nicht verraten. Danke, Ronnie!
    Der Preis der Republik für Aufklärung, Courage, freie Debatte, Grundgesetz und Demokratie geht an Dr. med. Ronald Weikl. Die Auszeichnung wird seit dem 27. Juni 2020 vom Unterstützerverein der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand in Form einer Medaille am Band vergeben. – Dr. med. Walter Weber ist Arzt in Hamburg, Gründer der Ärzte für Aufklärung, Buchautor und DW-Kolumnist.
    II.
    Immer wieder Deutschland
    Von Sophia-Maria Antonulas
    Wer zahlt freiwillig Höchtsbeträge an die WHO, schürt den PCR-Betrug und nimmt für mRNA-Gewinne Tote und Verletzte in Kauf? – Warum? Warum sind es wieder die Deutschen, die nicht wissen, wann es genug ist? Ja, auch das kleine Österreich soll hier nicht unerwähnt bleiben, es wollte dem großen Bruder nicht hinterherhinken, pudelte sich in alter Gewohnheit auf und führte gleich eine allgemeine Impfpflicht ein – mit einer Substanz, für die es keine Langzeitstudien gibt und bei der von vornherein klar war, dass es massive Langzeitfolgen und Tote geben wird.
    Italien hat immerhin Hunderte Milliarden Euro erhalten und dann rechtzeitig die Kurve gekratzt. Nur Deutschland bleibt schon wieder übrig. Aber warum ist es immer wieder Deutschland, das an der Spitze des Verbrechens steht? Warum gedeiht der Faschismus am Rhein, an der Mosel, der Elbe und in der Spreemetropole so besonders gut? Warum diskriminieren die Deutschen mit derart großer Lust, Hingabe und Verbissenheit? Warum macht sie ihre Besessenheit, endlich einmal auf der richtigen Seite (gegen die Querdenker, gegen die Ungeimpften, gegen den Schmutz) zu stehen, so blindwütig?
    Wie kann ihr Schuldgefühl so groß sein,
    11 min
  • Spaltpilz Twitter | Von Michael Meyen


    Die Aufregung um Elon Musk blendet aus, dass der Kurznachrichtendienst unsere Welt auch ganz ohne Zensur längst umgebaut hat.
    Ein Standpunkt von Michael Meyen.

    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!
    Politiker, Akademiker und Medienleute stehen seit Ende Oktober Kopf. Der Tech-Milliardär Elon Musk hat den Kurznachrichtendienst Twitter gekauft, sofort Teile des Spitzenpersonals entlassen, per Mail Massenkündigungen ausgesprochen und neben einer neuen Preispolitik auch einen inhaltlichen Wandel angekündigt. In Kurzform: mehr Meinungsfreiheit und weniger Sperren. Die Phalanx der Kritiker und Zweifler reicht von Joe Biden bis Lars Klingbeil, und die Leitmedien gruben phasenweise fast im Stundentakt mehr oder weniger Prominente aus, die nicht mehr zwitschern mögen. Die „Twitter-Apokalypse“ (Süddeutsche Zeitung) betrifft allerdings nur einen verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung. Und an der Logik der Digitalplattform ändert der Besitzerwechsel genauso wenig wie an ihrem verheerenden Einfluss auf Journalismus, politische Kultur und Gesellschaft.





    „Der Vogel ist befreit“, schrieb Elon Musk auf dem Portal, das ihm nun selbst gehört. Saskia Esken, Co-Vorsitzende der SPD, wollte das nicht hören und hat ihre mehr als 100.000 Follower schon kurz vor der Übernahme verlassen. Esken klagte in einem Gastbeitrag für die Zeit über „Clickbait-getriebene Empörung, oft misogynen Hass“ sowie „Fake-Accounts und Fake News“. Außerdem sei Twitter „ausgesprochen nachlässig“, wenn es um „gemeldete strafbare Inhalte wie Beleidigung oder Volksverhetzung“ gehe.
    Abgesehen von dem Loblied auf die Internetpolizei und dem Ruf nach Zensur, die hier mitschwingen, enthält der Abschiedsbrief von Saskia Esken einen wahren Kern. Wie jede Digitalplattform verlangt Twitter ein Identitätsangebot. Natürlich kann ich dort auch nüchtern-sachlich über dies und jenes berichten, Reichweite und Aufmerksamkeit bekommen aber nur Tweets, die klar sagen, wo ihr Absender steht. Das liebe ich, das hasse ich. Die zehn schönsten Wanderwege in den Alpen. Meine Lieblingspolitikerin. Den Song müsst ihr unbedingt hören. Weg mit diesem Arsch. Twitter sieht jedes Thema und jede Person durch die Brille der Moral (1).

    Es geht immer um mich, um die Gruppe, zu der ich gehören will, oder um die, die ich aus vollem Herzen ablehne. Nichts löst stärkere Emotionen aus, nichts bringt andere schneller zum Retweeten, Liken, Kommentieren. Auf einen Begriff gebracht: Auf Twitter geht es um Teamsport. „Das Spiel heißt: WIR gegen DIE“ (2).
    Twitter ist ein relativ junges Phänomen. Den Dienst gibt es seit 2006, die App seit 2010. Ein Jahrzehnt, vielleicht anderthalb. In diesem atemberaubend kurzen Zeitraum hat es die Plattform geschafft, die Welt nach ihrem Bilde zu formen. Möglich war dies, weil Twitter kein Massenphänomen ist. Hier treffen sich die, die tatsächlich etwas mitzuteilen haben, mit denen, die berufsmäßig auf der Jagd nach Neuigkeiten sind. Twitter ist der Kanal von Parteien, Behörden und Unternehmen, von Politikern, Wissenschaftlern und vor allem von Journalisten. Zwei Prozent der Deutschen über 14, sagt die ARD/ZDF-Onlinestudie von 2021, nutzen Twitter täglich und vier Prozent wenigstens...
    12 min
  • Die Lahmlegung der ukrainischen Stromversorgung als russisches Druckmittel | Von Bernd Murawski
    Die erneuten und bislang massivsten Raketenschläge gegen die ukrainische Stromversorgung in den letzten Tagen stützen die Annahme, dass Russland mit dieser Aktion Verhandlungen erzwingen will.
    Ein Kommentar von Bernd Murawski.
    Die ersten Raketenangriffe auf das ukrainische Elektrizitätsnetz am 10. Oktober wurden noch allgemein als Vergeltung für den Bombenanschlag interpretiert, der zwei Tage vorher auf die Krimbrücke verübt wurde. Betroffen waren vor allem Umspannwerke mit einer Spannung bis zu 250 kV, die innerhalb weniger Tage repariert werden konnten. Ein weiteres Angriffsziel war das Hauptquartier des ukrainischen Geheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew. Vermutlich wegen der harschen Reaktionen auf die hierdurch verursachten Todesfälle richtete die russische Armee fortan ihre Lenkflugkörper- und Drohnenangriffe nahezu ausschließlich auf militärische Einrichtungen und Objekte der Stromversorgung. Kollateralschäden wurden in der Folge weitgehend vermieden, und wenn überhaupt meist durch die ukrainische Luftabwehr verursacht.   
    Fortgesetzter Beschuss ukrainischer Stromanlagen
    Der Beschuss ukrainischer Elektrizitäts- und Umspannwerke wurde bis zum heutigen Zeitpunkt mit wechselnder Intensität fortgesetzt. Bereits vor [etwa] einer Woche gaben Kiewer Behörden bekannt, dass 40 Prozent der Anlagen zerstört waren, wobei sich Reparaturarbeiten immer schwieriger gestalten. Planmäßige Stromabschaltungen wurden in allen Landesteilen zur täglichen Praxis, um zumindest eine partielle Versorgung von Privathaushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zu gewährleisten.
    Trotz westlicher Unkenrufe, der russischen Armee würden bald die Raketen ausgehen, weshalb vermehrt Drohnen zum Einsatz kämen, erfolgten am 15. November die bislang schwersten Angriffe auf die Stromversorgung, bei denen 30 Objekte beschädigt wurden. Die russische Seite betont zwar, dass das primäre Ziel die Zerstörung der militärischen Infrastruktur sei, worunter der Schienentransport von Rüstungsgütern fällt, der zu 90 Prozent mit elektrischen Zügen bestritten wird. Der Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen wie etwa der Wasserversorgung lässt indes keinen Zweifel, dass ebenso die Zivilbevölkerung betroffen ist.
    Rückblickend lässt sich feststellen, dass der Anschlag auf die Krimbrücke und der Beschuss ziviler Objekte auf dem „alten“ wie dem „neuen“ Staatsgebiet Russlands eher ein Vorwand als ein Auslöser für die aktuellen russischen Raketenangriffe waren. Der Kreml konnte mit einer moderaten Reaktion des Westens rechnen, da Vergeltungsaktionen bereits in der Vergangenheit zum Zweck der Gesichtswahrung akzeptiert wurden. Erinnert sei etwa an den Militärschlag Teherans nach der Ermordung des iranischen Diplomaten Quassem Soleimani im Januar 2020, den die USA mit Fassung hinnahmen. Als Russland die Angriffe fortsetzte und das Ziel einer schrittweisen Zerstörung der ukrainischen Strominfrastruktur evident wurde, hatte sich bereits ein Gewöhnungsprozess eingestellt, sodass die Kritik auf einem niedrigen Level verblieb.
    Während bis vor kurzem vornehmlich Umspannwerke für die lokale Versorgung attackiert wurden, richteten sich die jüngsten Schläge ebenso gegen das 750-kV-Hochspannungsnetz. Dies ist insofern bedeutsam, als einerseits dessen Transformatoren schwer zu ersetzen sind und andererseits Verbindungen zwischen den Teilnetzen sowie zum westlichen Ausland unterbrochen werden, die sich nur mühsam und zeitaufwändig reparieren lassen. Ziel der russischen Angriffe ist offensichtlich nicht al...
    15 min

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das denk' ich auch