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  • Der wirkliche Feind | Von Roland Rottenfußer
    Ein Standpunkt von Roland Rottenfußer.


    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

    Hannes Waders Lied „Es ist an der Zeit“ ist eine schonungslose Abrechnung mit den Schrecken des Krieges und den Lügen der Kriegsherren.
    Wodurch zeichnet sich ein exzellentes Antikriegslied aus, das noch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung die Kraft besitzt, Menschen zur Wachsamkeit und zur Friedensliebe anzuhalten? Vielleicht könnte man es so beschreiben: Es sollte nicht beschönigen, wohl aber die Schönheit betrauern, die durch Orgien der Zerstörung verloren ging. Es sollte mitfühlend sein und zugleich schonungslos, detailgenau und dabei universell in seiner Botschaft. Statt gegen „Feinde“ aufzuhetzen, sollte es die Hetzer bloßstellen, die „Masters of War“, wie sie Bob Dylan in einem seiner Lieder beschrieb. Hannes Wader hat mit „Es ist an der Zeit“ 1980 eines der bedeutendsten deutschsprachigen Friedenslieder verfasst. Das eindrucksvolle Folk-Chanson, eine Frucht des ersten Kalten Kriegs, beweist auch in Zeiten neuer globaler Spannungen seine zeitlose Gültigkeit. Ein Text zu der Aktion #Friedensnoten.
    Die Ursprünge des Liedes liegen in einem Besuch des australischen Folksängers Eric Bogle und seiner Frau in Flandern und Nordfrankreich, wo das Ehepaar drei Militärfriedhofe besuchte. Sie „sahen all die jungen Soldaten, die dort begraben waren“. Das geschah im Jahr 1976. Bogle schrieb nach dieser Erfahrung einen Song, der als Antikriegslied Berühmtheit erlangte. „No man’s land“ wurde er genannt. Oder auch „The green fields of France“. Am Grab des Soldaten Willy McBride stehend, sinniert der Sänger über das Leben und den Tod des Gefallenen und stellt eine gewichtige Frage. Sie zierte schon ein berühmt gewordenes Plakat mit einem Soldaten, der — von einer Kugel getroffen — tot zusammenbricht: „Why?“ Bogle sang:
    „And I can't help but wonder, oh Willy McBride:
    Do all those, who lie here, know why they died?
    Did you really believe them, when they told you the cause?
    Did you really believe, that this war would end wars?
    Well the suffering, the sorrow, the glory, the shame,
    The killing and dying — it was all done in vain.
    Oh Willy McBride, it all happened again,
    And again, and again, and again, and again“ (1).
    Willy McBride — sein Name steht hier für Tausende — starb im Ersten Weltkrieg. Es macht noch heute wütend und traurig, wenn man sich bewusst wird, dass die Menschheit seither offenbar nichts dazugelernt hat. Nicht die Politiker, die an der Fiktion eines „gerechten Krieges“ festhalten; nicht die Soldaten, die sich — wie in Donovans Klassiker „Universal Soldier“ gesagt wurde — für jeden beliebigen Zweck missbrauchen lassen und so die Maschinerie des Todes bis in alle Ewigkeit am Leben halten; nicht die Bürgerinnen und Bürger, die sich von Kriegs-Narrativen wieder und wieder aufwiegeln lassen, die selbst ihre Söhne und heutzutage zunehmend auch Töchter willig dem blutigen Handwerk überantworten.
    Die Kulthymne der Friedensbewegung
    Hannes Wader war bereits ein etablierter deutscher Liedermacher, als er 1980 sein Album „Es ist an der Zeit“ herausbrachte. In seiner 2019 erschienenen großen Autobiografie „Trotz alledem“ beschreibt er die Entstehungsgeschichte des Liedes nur knapp:
    „Das Titellied ist meine Adaption eines Songs des Australo-Schotten Eric Bogle: ‚No Man’s Land‘. In meiner (sehr freien) Übersetzung ins Deutsche wird ‚Es ist an der Zeit‘ bald eine der Hymnen der Friedensbewegung der frühen Achtziger...
    15 min
  • Hitler hat Ukrainer zu Ariern gemacht | Von Peter Haisenko
    Ein Kommentar von Peter Haisenko, Betreiber des Portals anderweltonline.com.
    Die Deutschen sind ein seltsames Volk. Auf der einen Seite baden sie sich im Schuldkult, weil es Hitler und den Nationalsozialismus gab und auf der anderen Seite pflegen sie Vorlieben und Erbstücke des Führers. Damit meine ich nicht nur die Kirchensteuer oder den Maifeiertag, sondern auch die Liebe zu den Engländern und arischen Brudervölkern.
    Wer „Mein Kampf“ gelesen hat, weiß es. Hitler bewunderte die Engländer und suchte ihre Freundschaft. Er hat nie verstanden, dass es seit 1875 das erklärte Ziel der Londoner Regierung ist, das Deutsche Reich zu vernichten; dass es die Engländer waren, die 1914 die zwei bevölkerungsreichsten Staaten Europas gegeneinander hetzten. Russland im Jahr 1900: - 132 Millionen, DR - 56 Mio., Großbritannien – 37 Mio., Frankreich – 39 Mio. Zum Vergleich USA – 86 Mio. 1917 taucht erstmals ein Staatsgebilde auf, das Ukraine genannt wird. Es war ein Konstrukt des Deutschen Reichs, das gegen das Zarenreich aufgestellt werden sollte, dann aber in die Sowjetunion eingegliedert worden ist. So könnte man sagen, der ukrainisch-russische Konflikt ist eine deutsche Erfindung, die sich bis heute fortsetzt.
    „Hiwis“ werden Arier
    Zu Beginn des Kriegs 1941 gegen die UdSSR wurden slawische Russen zu Untermenschen erklärt, inklusive der Ukrainer. Nach Stalingrad wurde dieser Fehler erkannt und es folgte eine Kehrtwendung. Die Führung in Berlin hatte erkannt, dass sie auf die Hilfe der Einwohner der UdSSR angewiesen ist, die Stalin hassten. Es gab dann den Status der „Hiwis“, der Hilfswilligen und eine große Anzahl wurde in die Dienste der Wehrmacht aufgenommen. Sie sollten auch Wachdienste in Gefangenenlagern verrichten. Hierbei ist ein genauerer Blick auf Ukrainer angebracht. Stepan Bandera hatte die ukrainischen Nationalisten der OUN zusammengeführt und arbeitete eng mit der Wehrmacht zusammen.
    Diese Nationalisten kämpften gegen alles, außer gegen die Wehrmacht. Insbesondere Polen und russischsprachige „Moskali“ wurden ermordet. Bandera und seine Banden waren aber auch sehr hilfreich beim Aufspüren und der Ermordung von Juden. Interessant daran ist, dass bis heute ein monumentales Grab für Bandera im Münchner Waldfriedhof gepflegt wird. Er hatte nach dem Krieg in Deutschland Aufnahme gefunden, bis er 1959 in München von einem KGB-Agenten ermordet worden ist.
    Warum wurde Bandera nicht in Nürnberg abgeurteilt?
    Bis heute ist ungeklärt, warum dieser Faschist und Judenmörder nach dem Krieg in Deutschland nicht für seine Verbrechen abgeurteilt und eingesperrt worden ist, obwohl ein Ehrenplatz bei den „Nürnberger Prozessen“ für ihn angemessen gewesen wäre. Auch unter dem Aspekt, dass bis heute 100-jährige Deutsche vor Gericht gestellt werden, die nicht mehr verbrochen haben, als als Sekretärin oder Wachpersonal in einem KZ gearbeitet zu haben. Man sollte meinen, dass in diesem Sinn Banderas Grab nicht mehr so pompös sein sollte und es verpönt sein müsste, wenn heute Ukrainer an dem Grab Bandera huldigen. In der Westukraine wird Bandera heute als Volksheld verehrt. Wäre man in Deutschland konsequent im Umgang mit den Judenmorden, hätte schon vor Jahrzehnten neben dem Grab von Bandera eine große Gedenktafel aufgestellt werden müssen, die auf die unzähligen Juden hinweist, die von den Bandera-Jüngern ermordet worden sind.
    Wie aber konnte es sein, dass diese „Untermenschen“ plötzlich für Hitler salonfähig wurden? Ukrainer und sogar Russen wurden zu Ariern erklärt. So findet sich in einem Merkblatt für Wehrmachtsangehörige für den Umgang mit der sowjetischen Bevölkerung 1944 folgender Satz: „Russen, insbesondere die Weißrussen, die Ukrainer und die nördlichen Großrussen, gehören zur arischen Volksfamilie. In ihren Adern fließt viel Wikinger-Blut, worauf sie sehr stolz sind“. Bis Kriegsende wurden für Ukrainer „Ariernachweise“ ausgestellt. Auch mein Vater hat einen solchen erhalten,
    11 min
  • Pharmakonzerne, Gewinnmaximierung und Gesundheit | Von Christian Kreiß
    Ein Standpunkt von Christian Kreiß.
    Fragestellung
    Börsennotierte Konzerne können nur dann überleben, wenn sie ständig hohe und langfristig steigende Gewinne erwirtschaften. Wenn die Gewinne sinken, sinkt der Aktienkurs. Dann droht eine Unternehmensübernahme oder eine Sanierung über Personalabbau, Kostenreduzierung, Betriebsschließungen usw. Sinkende oder gar ausbleibende Gewinne bedrohen die Existenz börsennotierter Unternehmen. Die Existenzberechtigung börsennotierter Konzerne besteht im Erwirtschaften ständiger hoher und langfristig steigender Gewinne.
    Das gilt auch für börsennotierte Pharmakonzerne. Sie müssen alles tun, um ständig ihre Gewinne zu maximieren. Was wäre also das Schlimmste, was gewinnmaximierenden Pharmakonzernen passieren könnte? Von Natur aus gesunde Menschen mit natürlicher Immunität ohne Angst vor Krankheit. Daher soll im Folgenden untersucht werden, inwiefern Interessenkonflikte zwischen Gewinnmaximierung und Gesundheit bei Pharmakonzernen existieren.
    Die Halbjahreszahlen von Pfizer
    Am 28.7.2022 veröffentlichte Pfizer die Zahlen für das zweite Quartal 2022.1 Die Zahlen von Pfizer sind besonders interessant, weil der US-Pharmakonzern den Covid-Impfstoff Comirnaty zusammen mit BioNTech entwickelte und vertreibt.2 Comirnaty ist der am häufigsten verwendetet Corona-Impfstoff in Deutschland: Bis Ende Mai 2022 wurden in Deutschland offiziell insgesamt etwa 180 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus (COVID-19) durchgeführt. Davon waren 132,6 Millionen von BioNTech/ Pfizer, also etwa 74 Prozent.3 Die Bruttogewinnmarge wird zwischen den beiden Unternehmen 50/50 geteilt.4
    Pfizer erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2022 bei einem Umsatz von 53,4 Milliarden US-Dollar (plus 60 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2021) einen Vorsteuergewinn von 20,5 Milliarden Dollar (+62% ggü.Vj.). Nach Steuern betrug der Gewinn 17,8 Milliarden (+70% ggü.Vj.). Impfstoffe, im Wesentlichen Comirnaty, machten 25,3 Milliarden bzw. 47 Prozent des Umsatzes aus. Also knapp die Hälfte des Umsatzes von Pfizer kommt momentan aus den Covid-Impfungen. Im Gesamtjahr sollen mehr als 50 Prozent des Konzernumsatzes aus Covid-Bekämpfungsmitteln stammen (32 Prozent von Comirnaty und 22 Prozent durch das Medikament Paxlovid).5 Für Marketing, Information und Verwaltung (Selling, Information and Administration, kurz: SI&A) gab Pfizer im ersten Halbjahr 5,6 Milliarden aus, für Forschung und Entwicklung (F&E) 5,1 Milliarden.6
    Patienten- versus Aktionärsinteressen
    Die Unternehmensmission von Pfizer ist nach eigener Aussage „to bring value to our patients and shareholders”.7 So sollte man meinen, dass Forschungs- und Entwicklungsausgaben für neue Präparate eine stark dominierende Rolle spielen. Denn nur aus F&E-Ausgaben heute können sinnvolle Präparate für morgen entstehen. Das trifft aber interessanterweise nicht zu. In den ersten sechs Monaten 2022 machten die F&E-Ausgaben weniger als 10 Prozent vom Umsatz aus. Für das Gesamtjahr sind knapp 12 Milliarden F&E vorgesehen bzw. knapp 12 Prozent vom Umsatz. Der Jahresüberschuss (Gewinn nach Steuern) war im ersten Halbjahr dreieinhalb Mal so hoch wie die Ausgaben für F&E. Für das gesamte Jahr schätzt Pfizer den Jahresüberschuss etwa dreimal so hoch ein wie die Investitionen in neue Medikamente: er soll 35 Milliarden Dollar oder 35 Prozent vom Umsatz betragen. Das ist der bei weitem höchste Gewinn, den Pfizer jemals hatte.
    Von solchen Gewinnen und insbesondere von solchen Gewinnspannen (Nachsteuergewinn 35 Prozent vom Umsatz) können andere Unternehmen nur träumen. Die Covid-Impfpräparate, auf die der Umsatz- und Gewinnsprung 2021 und 2022 im Wesentlichen zurückgeht, scheinen äußerst lukrativ zu sein. Das zeigt auch der Aktienkurs von Pfizer, der 2021, als die Impfungen hochliefen, einen ziemlichen Jubelsprung machte.8 In diesem Zusammenhang könnte man die Frage stellen, wer die Preise für die Impfpräparate mit welchen Argumenten festlegt.
    14 min
  • Zinserhöhungen: Frontalangriff auf den Mittelstand | Von Ernst Wolff
    Ein Kommentar von Ernst Wolff.
    Die EZB hat den Leitzins am vergangenen Mittwoch zum ersten Mal seit elf Jahren angehoben, und zwar von null auf 0,5 Prozent. Nur einen Tag später hat die Federal Reserve ihren Leitzins um weitere 0,75 Prozent auf 2,25 Prozent hochgesetzt.
    Begründet werden die Maßnahmen von den Zentralbankern damit, dass man die Inflation bekämpfen wolle. Nur zur Erinnerung: Noch vor einigen Wochen behaupteten sowohl Fed-Chef Jerome Powell als auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde, es handle sich bei der Inflation um ein „vorübergehendes Phänomen“.
    Da die Inflation in den USA inzwischen offiziell bei über 9 Prozent und in der Eurozone bei über 7 Prozent liegt, werden die Zinserhöhungen den Preisanstieg jedoch kaum beeinflussen. Dafür werden sie ein anderes Problem erheblich verstärken.
    Die Welt befindet sich zurzeit nämlich auf dem Weg in eine Rezession, also einen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit. Da unser Wirtschaftssystem kreditgetrieben ist, könnte man diesem Trend nur durch eine Erleichterung der Kreditaufnahme entgegenwirken. Zinserhöhungen bewirken aber genau das Gegenteil: Wer höhere Zinsen zahlen muss, dem wird die Kreditaufnahme erschwert.
    Dazu kommt, dass wir es zurzeit mit dem höchsten Schuldenstand aller Zeiten zu tun haben und diese Schulden ständig bedient werden müssen. Auch das wird durch die Zinserhöhung erschwert.
    Das Handeln der Fed und der EZB erinnert an einen Autofahrer, dessen Motor während der Fahrt zu stottern beginnt, und der darauf reagiert, indem er ihn durch ein jähes Bremsmanöver abwürgt. Die Zinserhöhungen, denen nach Aussagen der Zentralbanker in diesem Jahr noch weitere folgen sollen, haben auf die Wirtschaft die gleiche Wirkung: Sie würgen sie ab.
    Wieso? fragt man sich. Wieso tun die Zentralbanker nicht alles, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bekommen?


    Die Antwort lautet: Die Zentralbanken sind seit spätestens 2007/08 zu einem Werkzeug der großen Vermögensverwalter geworden und deren aktuelle Agenda lautet: Zerstören und neu aufbauen.

    Hier der Hintergrund:
    In der Weltfinanzkrise von 2007/2008 mussten die großen Zentralbanken auf BlackRock als Berater zurückgreifen, weil BlackRock mit Aladdin über das größte Finanzdatenanalysesystem der Welt und damit über die meisten Insider-Informationen im globalen Finanzsystem verfügt.
    Die Bedeutung dieses Systems hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und dazu geführt, dass es heute fast das gesamte globale Finanzgeschehen beherrscht. Die Vermögensverwalter mit BlackRock und seinem Hauptaktionär Vanguard an der Spitze sind – vor allem über Aladdin - zu einer in der Geschichte der Finanzwirtschaft einmaligen Großmacht geworden und haben dafür gesorgt, dass das globale Finanzsystem mittlerweile ein von der Realwirtschaft fast vollständig losgelöstes Eigenleben führt.
    BlackRock und Co. stehen zurzeit allerdings vor einem Riesenproblem: Das System, auf dem ihre Macht beruht, ist im März/April 2020 in sein Endstadium eingetreten und kann auf Dauer nicht mehr am Leben erhalten werden. Deshalb verfolgen sie zurzeit eine Doppelstrategie: Einerseits lassen sie die Zentralbanken im Hintergrund ein neues System, nämlich digitales Zentralbankgeld, vorbereiten, andererseits nutzen sie die Endphase des noch bestehenden Systems, um es kontrolliert zu zerstören und dabei nach allen Regeln der Kunst zu plündern.
    Der mit Abstand größte Verlierer dieser Entwicklung ist der Mittelstand. Großkonzerne, insbesondere die weltbeherrschenden Plattform-Unternehmen, können auf riesige Rücklagen zugreifen, ihren Aktienkurs über Aktienrückkäufe künstlich in die Höhe treiben, an den Finanzmärkten spekulieren oder durch Leerverkäufe selbst von Kursrückgängen profitieren. Sie können die aktuellen Zinserhöhungen daher ohne große Probleme verkraften.
    Der Mittelstand kann das nicht. Er kann sich auf Grund seiner beschränkten Mittel ...
    7 min
  • Staatsstreich der Globalfaschisten Teil 2/2 | Von Ullrich Mies
    Ein Standpunkt von Ullrich Mies.

    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!
    Die Regime der westlich-kapitalistischen Werteordnung unter US-Führung ringen verzweifelt nach Legitimation. Exklusivabdruck aus „Schöne neue Welt 2030“
    Sie hören Teil 2 des zweiteiligen Exklusivabdrucks aus dem Buch „Vom Fall der Demokratie und dem Aufstieg einer totalitären Ordnung“ von Ullrich Mies. Teil 1 ist im Schriftartikel verlinkt.
    Die Ziele des „Globalen Tiefen Staates“ unter US-Führung
    Die wesentlichen Steuerungsinstanzen geopolitischer Machtkonsolidierung beziehungsweise -Erweiterung, der fortgesetzten Lockdowns, des großen Transformationsprozesses, aber auch die Großprofiteure des Big Pharma-Digital-Sicherheits-Überwachungs- und Militär-Komplexes liegen in den USA, wobei die EU-Staaten als Vasallen und Komplizen, als Subakteure dieses Prozesses handeln.
    Folgende Ziele des „Globalen Tiefen Staates“ unter US-Führung lassen sich identifizieren:


    Die maximale Sicherung und Erweiterung der geopolitischen Ordnung — „Full-Spectrum-Dominance“ — unter Einsatz aller militärischen, geheimdienstlichen, destruktiven, wirtschaftlichen, sozial-zerstörerischen Kräfte.
    Die Durchsetzung von Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle; der schleichende ökonomische Zerfall ganzer Gesellschaften durch Lockdowns/Arbeitslosigkeit/Verelendung/Hunger/Zerstörungen von Lieferketten; Impfungen zur Verminderung der Reproduktionsrate, Robert F. Kennedy spricht von Massenmord; gezielte Immunsuppression durch Maskenterror, Hausarreste, Vernichtung ökonomischer Existenzen, Polizeiterror, Gehirnwäsche sowie Stressoren aller Art.
    Die gezielte Zersetzung nicht nur der erklärten Feinde, sondern auch aller „befreundeten“ Länder mithilfe offizieller Diplomatie und durch US-Behörden wie USAID, CIA, National Endowment for Democracy (NED) etc., vor allem auch mithilfe transatlantischer Netzwerke wie dem Council on Foreign Relations, Geheimdiensten und medialen Kooperationspartnern sowie zahllosen weiteren „Hilfsorganisationen“. Von großer Bedeutung sind ebenfalls die europäischen und deutschen Einfluss- Agenten in den politischen Parteien. Willy Wimmer schreibt hierzu:

    „Für Deutschland wurde bereits nach der Wiedervereinigung klar gemacht, wie hoch die Zahl der offiziell in Deutschland tätigen amerikanischen Agenten vereinbarungsgemäß sein würde. Den Gedanken an die übliche Reziprozität kann man getrost vergessen. Das gilt auch für die berühmten transatlantischen Netzwerke, deren Aufgabe darin zu bestehen scheint, unter allen Umständen dafür zu sorgen, die politischen und medialen Institutionen Deutschlands so auf amerikanische Linie zu bringen, damit das Knirschen in den Beziehungen nicht allzu lange anhält.“ 


    Die gezielte Zersetzung der europäischen Bevölkerungen als US-Teile-und-Herrsche-Programm via gesteuerter Masseneinwanderung und Völkerwanderung führt insbesondere in den Großstädten zu von der Mehrheit weitgehend isolierten, kulturell desintegrierten Clustern. Es geht um Geo-Strategie, nicht um Humanität: maßgeblich triggern die „Globalisten“ hier sogenannte pull- und push-Effekte (betrachtet aus US/EU-Sicht). Pull: Die Zerstörung weiterer Länder im Rahmen von NATO-Kriegsoperationen erhöht den Flüchtlings- und Immigrationsdruck. Ferner bewirken Anwerbemaßnahmen Hochqualifizierter einen enormen Brain Drain, da Fachkräfte in Hochlohnländer migrieren. Push: Angewidert von Herrschafts-„Eliten“ und intellektuell verdummter Mehrheitsbevölkerung emi...
    26 min
  • Es ist Fünf nach Zwölf im Krankenhaus | Von Hermann Ploppa
    Von den Medien weitgehend ignoriert kämpfen die Mitarbeiter in Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren gegen die unerträglichen Arbeitsbedingen. Seitdem das Profitprinzip im Gesundheitswesen regiert, geht es steil bergab. Es ist höchste Zeit für eine Wiederkehr von Menschlichkeit und Gemeinwohl.
    Ein Kommentar von Hermann Ploppa.
    Der nachfolgende Text ist eine stark erweiterte Version eines Artikels aus der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand Ausgabe Nummer 98.
    Seit zweieinhalb Jahren kämpfen Millionen Menschen in Deutschland gegen das Corona-Regime. Und seit vier Monaten kämpfen Millionen Menschen gegen die Gefahr eines Dritten Weltkrieges. Das ist alles sehr ehrenwert und sehr, sehr wichtig. Dennoch vollzieht sich das politische Engagement immer noch aus einer Position der Abwehr. Der dauerhaften Defensive. Noch immer ist in der neuen Demokratiebewegung nicht angekommen, dass die Gesellschaft als Ganzes neu aufgestellt werden muss. Dass wir mit konkreten Vorstellungen und Strategien selber in die Offensive gehen müssen.
    Zur Offensive der neuen Demokratiebewegung gehört auch, dass wir uns den sozialen Kämpfen zuwenden müssen, die schon die ganze Zeit in unserer Mitte stattfinden. Dass die Corona-Offensive der Pharmaindustrie so glatt und widerstandslos über die Bühne geht, liegt ja nicht zuletzt daran, dass das Gesundheitswesen schon seit Jahrzehnten massiv umgekrempelt wird. Früher war der Gesundheitssektor dazu da, kranken Menschen so gut und so dauerhaft wie möglich zur Heilung zu verhelfen. Das gehört zum Öffentlichen Versorgungsauftrag. Das war Teil des Gemeinwohls, das früher das oberste Ziel war. Doch irgendwann fing der Privatisierungswahn an. Irgendwann wurde in immer mehr Bereichen der Gesellschaft gesagt: oberstes Ziel ist ab jetzt der maximale Profit für eine Handvoll Leute. Das konnte man so nackt natürlich nicht verkaufen. Deshalb sagte man: das Gemeinwohl wird am besten erzielt, wenn alle öffentlichen Einrichtungen profitabel arbeiten. Und kaum hatte man dieses Ziel im Visier, wurden Stellen zusammengestrichen und Krankenhäuser geschlossen. Der Arbeitsdruck wurde immer größer und die Gesundheitsarbeiter immer kränker. Dieser Rentabilitätsterror hat solche Ausmaße erreicht, dass die Menschen im Gesundheitssektor einfach nicht mehr können. Die Mitarbeiter der Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen sind drei Monate im Dauerstreik gewesen. Jetzt gab es eine Einigung zwischen den Arbeitgebern und den Vertretern der Gewerkschaft. Aber die Missstände sind so gravierend, dass es über kurz oder lang zwangsläufig wieder zu Arbeitsniederlegungen kommen muss. Die streikenden Gesundheitsarbeiter in Nordrhein-Westfalen haben ein „Schwarzbuch Krankenhaus“ veröffentlicht. In diesem Schwarzbuch haben die Beschäftigten ihre schlimmsten Erlebnisse im Arbeitsalltag niedergeschrieben. Hier schon mal eine Kostprobe aus dem Schwarzbuch Krankenhaus:


    „Meine Kollegin hatte einen sauerstoffpflichtigen Patienten zur Radiologie gebracht. Die Röntgenabteilung war, genau wie wir schlecht besetzt. Nach seiner Untersuchung musste der Patient drei Stunden auf seine Abholung warten. Er verstarb unbemerkt aufgrund von Sauerstoffmangel, weil kein Personal da war, welches bemerkt hatte, dass seine Sauerstoffflasche leergelaufen war.“

    Das ist keine Science Fiction. Das ist Realität im deutschen Krankenhaus des Jahres 2022. Oder ein anderer Text aus dem Schwarzbuch Krankenhaus: „Nach fünf Stunden wird die Patientin in ihrem eigenen Urin und Stuhlgang liegend in den Operations-Bereich gefahren. Wie würdelos kann Krankenhaus bitte sein!"
    Gute Frage. Sie wird gestellt von den daran Beteiligten selber. Nämlich den Krankenschwestern, Pflegern oder Medizinisch-Technischen Assistenten. Sie wollen nicht länger sich und den Patienten diesen Irrsinn antun. Darum streikten die Beschäftigten an den sechs Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen jetzt schon geschlagene dr...
    16 min
  • Das Post-Lockdown-Syndrom | Von Andrea Wiedel
    Nicht nur unser Immunsystem hat während des Lockdowns gelitten, sondern auch unsere Sozialkompetenz — doch Verlerntes kann man sich wieder aneignen.


    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

    Ein Standpunkt von Andrea Wiedel.
    Was wir nicht trainieren, verkümmert. Das gilt für unsere Muskulatur, wie man an älteren Menschen sehen kann, die nach längerem Krankenhausaufenthalt buchstäblich hinfällig werden. Es gilt für unser Immunsystem. In einer übermäßig sterilen Umgebung verlernt dieses, seine Arbeit zu machen, und uns haut jeder Kontakt mit einer harmlosen Bazille um. Aber auch unsere Fähigkeit zur Mitmenschlichkeit schrumpft, wenn wir uns abkapseln, wenn „Distancing“ das Einzige ist, was an unserem Verhalten noch sozial ist. Wirklich kriminell wird es, wenn antisoziale Verhaltensweisen uns quasi von der Regierung anbefohlen und somit Gemeingut werden. Dazu gehören Achtlosigkeit, Wegschauen, Kontaktvermeidung, Unhöflichkeit, gegenseitiges Anraunzen oder gar Bespitzelung. Wir konnten in den letzten zwei Jahren einen dramatischen Verfall der „Sitten“ feststellen. Nicht wenige Zeitgenossen zeigten einen schockierenden Mangel an simplen sozialen Fähigkeiten wie Achtsamkeit, Höflichkeit und Zugewandtheit. Doch die gute Nachricht ist: All das lässt sich wieder erlernen. Wenn man will.
    Als im Frühjahr 2020 der Lockdown verkündet wurde, habe ich gedacht: Wir leben wie auf der Intensivstation. Niemand kommt auch nur mit einem fremden Virus, Bakterium et cetera in Kontakt. Unser Immunsystem fährt herunter. Wenn der Lockdown dann irgendwann beendet sein wird — dachte ich damals im Herbst 2020 — und wir wieder Kontakt mit anderen Menschen haben werden, dann wird uns das allerkleinste Virus umhauen. Denn unser Immunsystem wird verlernen, mit Krankheitserregern aller Art umzugehen. Dies ist eine anerkannte wissenschaftliche Theorie: use it or lose it. Benutze es oder verliere es.
    Diese Theorie gilt für viele menschliche Bereiche. Muskeln zum Beispiel.
    Wenn wir unsere Muskeln nicht benutzen, bauen sie sich ab. Sie können sich auch wieder aufbauen, wenn wir Sport machen und uns bewegen — aber bei Nichtbewegung bauen sie sich erst mal ab.
    Wir müssen uns also bewegen und trainieren, um den Status quo zu erhalten. Ähnlich ist es mit dem Gehirn und dem Denken. Wenn wir unser Gehirn nicht nutzen, dann bauen sich intellektuelle Leistungen ab. Natürlich fällt nicht jeder, der mal nicht arbeitet und (denk-)faul herumliegt, auf einen unterirdischen IQ. Aber wir alle wissen, wie schwer es uns fällt, nach einer längeren Auszeit wieder in den Arbeitsalltag zurückzufinden. Einfachste Dinge fallen uns schwer und erfordern eine ungewöhnliche Konzentration. Deshalb ist es für alte Menschen wichtig, ihr Gehirn zu trainieren. Nicht selten habe ich erlebt: Sind Senioren erstmal im Altersheim und bekommen eine Rundumversorgung, bauen sie geistig ab und können bald gar nichts mehr.
    Jetzt, im Juli 2022, sind die Corona-Maßnahmen nach längerem Hin und Her seit mehreren Monaten beendet. Und ich merke, wie schwer es mir fällt, in die gesellschaftliche Normalität zurückzufinden. Ich meine damit nicht die große gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Normalität, sondern meine ganz persönliche.
    Überforderung beim Kofferpacken und Verreisen
    Zum einen bin ich mit Tätigkeiten überfordert, die ich früher nebenbei gemacht habe: Koffer packen und reisen zum Beispiel. Ich habe so lange keinen Koffer gepackt, dass ich gar nicht mehr weiß,
    17 min
  • Ukraine-Desinformationen durch US-Fernseh-Generäle | Von Rainer Rupp
    Ein Kommentar von Rainer Rupp.

    Wenn man sich Fernsehkommentare und Interviews mit pensionierten US-Generälen anhört, könnte man glauben, dass Russland schwer angeschlagen in den Seilen hängt und die Ukraine zum K.O.-Schlag ausholt. Die Ukraine wird gewinnen, weil sie gewinnen muss! So lautet die westliche Propaganda-Losung, die wie ein Mantra in einem indischen Aschram von den US/NATO-Propagandagurus 24 Stunden am Tag ständig wiederholt wird. Betrachtet man jedoch die für die Ukraine erschreckende Realität auf dem Schlachtfeld im Donbass und darüber hinaus, dann wird schnell klar, dass die Prahlerei der US-Generäle lediglich einen jahrzehntelangen Trend rosiger Berichte über angebliche militärische Erfolge der US-Streitkräfte oder ihrer Stellvertreter fortsetzt.
    Diese rosigen Berichte der US-Generalität haben sich dann allzu oft als falsch herausgestellt, als Wunschdenken, als verbissenes Beharren auf der Richtigkeit der eigenen Propaganda. Das hatte nicht nur katastrophale Folgen z. B. für die Menschen in Afghanistan, im Irak, in Libyen, in Syrien, im Jemen und aktuell in der Ukraine, sondern auch für die Bevölkerung der USA. Denn nur die elitären Kriegstreiber in Politik, Medien und Rüstungsindustrie sind die Gewinner, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland.


    Zugleich sind inzwischen die westlichen Medien durchweg von ihrem ursprünglichen Auftrag und Selbstverständnis, nämlich offizielle Behauptungen der Regierung und ihrer inoffiziellen Propagandisten auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, weiter entfernt als die Erde vom Mond.

    Daniel Davis, ehemaliger Oberst der US-Armee, hat am 19. Juli auf der kritischen Internetseite 1945 einige Beispiele zitiert, wie die US-Fernseh-Generäle die Bevölkerung und den Kongress der Vereinigten Staaten belügen und damit die Grundlage für politische Fehlentscheidungen legen. Das ist natürlich kein exklusives US-Phänomen, sondern trifft auch auf Deutschland zu.
    Als Beispiel zitiert der Autor Davis, der Kriege aus eigenen Erfahrungen in vier Einsätzen (Desert Storm, Operation Iraqi Freedom, zweimal Afghanistan) kennengelernt hat, den pensionierten US-General Ben Hodges, der letzte Woche gesagt hat, dass nach vier Monaten Kampf die "Russen erschöpft sind" und dass, "wenn der Westen dieses Jahr zusammenhält, der Krieg Anfang 2023 vorbei sein wird". Ins gleiche Horn hatte Anfang dieses Monats der pensionierte General Mark Hertling gestoßen, als er einem CNN-Publikum weismachte, dass die Ukraine "immer mehr Artillerie" aus dem Westen erhält, und deshalb zu dem Schluss kam, "dass sich allmählich das Blatt" zuungunsten Russlands wendet. Und am 10. Juli hatte der ehemalige stellvertretende Stabschef der US-Armee, General Jack Keane – in Anlehnung an die Generäle Hodges und Hertling – gegenüber Fox News behauptet, dass die "Ukrainer trotz der Fortschritte Russlands im Donbass immer noch eine echte Chance haben, Territorium zurückzuerobern. Wir sollten sie nicht unterschätzen."
    Für die Behauptungen gebe es aber keine glaubwürdigen Beweise, widerspricht Ex-Oberst Davis der Schönfärberei der Fernseh-Generäle. Laut Davis, der als Senior Fellow am "Defense Priorities Project", ein Projekt über "Verteidigungsprioritäten", teilnimmt und zugleich als Redakteur bei 1945 arbeitet, verdrehen die Fernseh-Generäle komplett den aktuellen militärischen Stand der Dinge in der Ukraine.
    Zweifellos hätten die Russen erhebliche Verluste an Material erlitten, räumt Davis ein, aber es gebe keine Beweise auf dem Schlachtfeld, dass die Russen auch nur annähernd "erschöpft" seien. Der größte Teil der vom Westen versprochenen Artillerie sei bereits an die Ukraine ausgeliefert worden, und das habe "bis heute nicht dazu geführt, dass Russlands Vormarsch durch den Donbass auch nur verlangsamt, geschweige denn gestoppt wurde". Die HIMARS-Trägerraketen hätten es der Ukraine zwar ermöglicht, tief hinter den russischen Linien zuzuschlagen,
    19 min
  • Namibia: Leben und leben lassen | Von Jochen Mitschka
    Weitere Einblicke über das Leben in Afrika
    Nun ist „Afrika“ so unterschiedlich, wie Europa, sogar mit noch mehr unterschiedlichen Sprachen. In erster Linie die Kolonisation hat dazu geführt, dass die meisten Staaten eine oder zwei europäische Amtssprachen haben. Obwohl historisch gesehen dutzende von Sprachen in vielen Ländern vertreten sind. Deshalb ist nur ein Teil meiner Berichte aus Namibia auf ganz Afrika anwendbar. Nämlich jener Teil, der sich mit der Politik der Kolonialstaaten beschäftigt. Hier nun, auf Grund vieler Nachfragen, noch einmal ein paar aktuelle Informationen aus dem unaufgeregten Leben an der Westküste Afrikas.
    Deutsche Bürokratie
    Wenn man in Deutschland seinen Wohnsitz aufgibt, muss man persönlich beim Einwohnermeldeamt erscheinen, teilte mir dieses auf Anfrage mit. Nein, eine schriftliche Abmeldung sei nicht möglich. Nun hatten wir aber noch keine definitive Adresse in Namibia. Das Haus war noch nicht gekauft, es gab noch kein Bankkonto, und wir hatten keine Postadresse, weil die Post nur an eine PO Box geliefert wird, nicht an physische Adressen. Aber der Rentenversicherung muss man sofort eine neue Anschrift mitteilen, die ich aber noch nicht hatte. Also blieb mir nichts Anderes übrig, als mich zunächst einmal abzumelden und darauf zu hoffen, dass die Rentenversicherung ein paar Wochen warten kann.
    Diese Abmeldung führte aber dazu, dass die Rentenzahlungen eingestellt wurden, obwohl ich in der Zwischenzeit per E-Mail mit gescannten Unterlagen meine neue Anschrift der Versicherung mitgeteilt hatte. Schließlich versuchte ich telefonisch etwas zu erreichen. Ob das tatsächlich mit Erfolg gekrönt sein wird ist noch nicht sicher. Zunächst wurde ich von einer Adresse zu nächsten verwiesen. Nein, das müssen Sie bei der Post machen, die wiederum verwies zurück an die Versicherung.
    Nun habe ich noch einmal meine neue Adresse als Scan an die zuletzt mitgeteilte E-Mail-Adresse geschickt in der Hoffnung, dass jemand sich erbarmt, und die Rentenzahlung wieder einsetzen lässt, denn für die Versicherung hatte sich eigentlich überhaupt nichts geändert, die Zahlung sollte nach wie vor auf das gleiche Bankkonto gehen.
    Der Ton in den Telefonaten, mit dem man meiner Frage nach Hilfe nachkam, schwankte übrigens von „tut mir leid, aber da kann ich nicht helfen“ bis „selbst schuld, warum ziehen Sie ins Ausland“.
    Namibische Bürokratie
    In Namibia waren wir mit einem Touristenvisum eingereist. Das drohte nach 3 Monaten auszulaufen. Also baten wir den Rechtsanwalt, der unsere Daueraufenthaltserlaubnis bearbeitete, die Anfang Mai eingereicht wurde, uns bei der Verlängerung des Visums zu helfen. Kein Problem, könne man in Walvis Bay eine Woche vor dem Ablauf erledigen, war die Antwort.
    Als wir dann eine Woche vor dem Ablauf in Walvis Bay auftauchten und Pässe abgaben und Unterschriften leisteten sowie Vollmachten hinterließen, waren wir noch ziemlich beruhigt. Aber zwei Tage später hieß es, wir müssten noch andere Formulare unterschreiben. OK, machten wir auch. Dann einen Tag vor Ablauf noch einmal andere Formulare, da die Einwanderungsbehörde in Walvis Bay anscheinend den Service nicht mehr erledigte, und das Büro die Unterlagen in die Hauptstadt schicken musste. So wurde der Antrag auf Verlängerung am letzten Tag der Gültigkeit des Visums in Windhuk eingereicht.
    Dann folgten einige Tage des Nägelkauens bis endlich die Verlängerung um weitere drei Monate telefonisch mitgeteilt wurde, und wir die Pässe bei unserem Anwalt abholen konnten. Wobei der uns immer beruhigt hatte, muss man fairerweise sagen.
    Es geht auch anders, und da kann man fast neidisch werden. Ein Freund berichtete, wie schnell und problemlos er innerhalb garantierten 7 Tagen einen neuen namibischen Pass erhalten hatte.
    Ein weiterer bürokratischer Vorgang sollte erwähnt werden. In der Region Swakopmund konkurrieren im Bereich der nicht funkbasierten Internet-Anschlüsse hauptsächlic...
    24 min
  • Die Ukraine verliert den Krieg, und Europa auch | Von Oscar Silva-Valladares
    Ein Kommentar von Oscar Silva-Valladares.
    Abgesehen von den Schäden in der Ukraine hat der Krieg auch im übrigen Europa erhebliche Opfer gefordert, da der Kontinent seine wettbewerbsfähigsten Energielieferungen verliert, was den Produktionsvorsprung der Region gefährdet und eine Inflationswelle beschleunigt, die durch höhere Energiekosten das Wohlergehen der Bevölkerung im kommenden Winter stark beeinträchtigen wird.
    Europa versucht seit Jahren, seine Energiequellen zu diversifizieren, hatte aber keinen umfassenden Notfallplan, um den Auswirkungen des plötzlichen Abbruchs des Zugangs zu Russlands Öl und Gas seit Beginn des Ukraine-Kriegs entgegenzuwirken. Die europäischen Politiker haben das Substitutionspotenzial anderer Energiequellen (wie LNG) maßlos übertrieben und sehen sich nun gezwungen, Alternativen zu akzeptieren, die noch vor nicht allzu langer Zeit als politisch nicht vertretbar galten, wie die Wiederaufnahme der Kohleförderung in Deutschland.
    Wie konnte es zu dieser groben Fehlkalkulation kommen? Offensichtlich war die europäische Führung nicht in der Lage, die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgen des gegen Russland geführten Wirtschaftskriegs in Europa und darüber hinaus vorherzusehen. Eine Erklärung für die Kühnheit und das Selbstvertrauen, mit denen die Europäer zu Beginn des Krieges gegen Russland auftraten, war die feste Überzeugung, dass die Kombination aus antirussischen Sanktionen und militärischer Unterstützung für die Ukraine zu einer erheblichen Schwächung des politischen, sozialen und militärischen Ansehens Russlands und damit zu dessen Niederlage führen würde. Dies erklärt beispielsweise die kühnen Erklärungen, dass der Krieg nur vor Ort gelöst werden würde, wie es der EU-Außenbeauftragte im März zuversichtlich sagte.
    Man kann argumentieren, dass die Fehleinschätzung des Kriegsausgangs ihre Wurzeln in fehlerhaften US-amerikanisch-britischen Geheimdienstinformationen hat, die Russlands Niederlage durch wirtschaftliche Kriegsführung und daher eine begrenzte Auswirkung von Sanktionen auf Europa vorhersagten. Dass dies nicht der Fall war, hat die europäische Führung nun dazu veranlasst, um Lösungen zu ringen. In der Zwischenzeit sind die politischen Auswirkungen bereits spürbar, wobei die Premierminister Großbritanniens und Italiens die sichtbarsten Opfer der innenpolitischen Ereignisse sind, die durch ihre eigenen russischen Sanktionen ausgelöst wurden. Noch wichtiger ist, dass die verbleibende europäische Führung (angeführt von von der Leyen, Macron und Scholz) offenbar nicht bereit ist, ihren Kurs zu ändern, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.
    Andererseits werden abweichende und unorthodoxe politische Ansichten in Europa lauter, wie die jüngste Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Orban, in der er kühn erklärte, dass die russischen Sanktionen und die Bewaffnung der Ukraine gescheitert sind, dass die Ukraine den Krieg nicht gewinnen kann, dass sie umso mehr Territorium verlieren wird, je mehr Waffen an die Ukraine geliefert werden, und dass der Westen die Bewaffnung der Ukraine einstellen und sich auf die Diplomatie konzentrieren sollte.
    Der Kern der gegenwärtigen Probleme Europas ist seine Unfähigkeit, seine wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen mit genügend Autonomie in Einklang zu bringen, um seine eigenen Interessen wahrnehmen zu können. Sie hat ihre Wurzeln in der Architektur der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und in den Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion. In Bezug auf die Ukraine manifestierte sie sich in der Unfähigkeit, die Minsker Vereinbarungen durchzusetzen, die eindeutig einen russisch-ukrainischen Friedenspfad boten, aber aufgrund des unerbittlichen Drucks der USA und der Ukraine von Frankreich und Deutschland nicht durchgesetzt werden konnten.
    Es hat den Anschein, dass nur bedeutende politische Veränderungen in den europäischen Ländern, auf die es ankommt - namentlich Frankreich,
    6 min

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das denk' ich auch