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Andrea Gebhard und Dr. Arn Sauer sprechen über Rück- und Fortschritte in Sachen Chancengleichheit. Der Blick auf die Geschichte der Gleichstellung, auf politische Versäumnisse, und Negativfaktoren wie Gender Pay Gaps und die Einstellung zur Care-Arbeit zeigt: Es ist noch ein weiter Weg, bis eine echte Gleichberechtigung zur Normalität gehört. Wie können die strukturellen Hürden überwunden werden, damit Planerinnen nicht länger benachteiligt werden und endlich gleichberechtigt mit ihren männlichen Kollegen arbeiten können? Sichtbarkeit ist wichtig, aber nicht genug. Das WIA-Festival 2025 setzt genau hier an und zeigt nicht nur auf, wie eine vielfältige und gerechte Baukultur entstehen und aussehen kann, sondern bringt die benachteiligten Gruppen zusammen, damit sie sich verbünden und gemeinsam den Systemwandel vorantreiben können.
Das Thema Stadt- und Quartiersentwicklung wird derzeit intensiv verhandelt. Dabei geht es nicht nur um Klimaresilienz. In der Kritik steht vor allem die gängige Praxis der Tabula rasa, wenn der Bestand abgerissen und eine schnelle "Lösung" für ein Quartier umgesetzt wird, anstatt ein Stadtgefüge behutsam zu entwickeln. Begründet wird dieses scheinbar alternativlose Vorgehen mit Argumenten wie "Wohnungsnot". Ein Projekt, das diese Praxis durchkreuzt hat, ist das Werksviertel in München. Die Umgestaltung und Weiterentwicklung des preisgekrönten Quartiers gelang durch den respektvollen Umgang und Erhalt der vorhandenen Bausubstanz und Kultur. Ziel war es, "zur Stadtkultur beizutragen, statt sie zu melken". Das ehemalige Industriegebiet wurde 2023 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Die Jury lobte es als eines der „außergewöhnlichsten Projekte der jüngeren Vergangenheit“. Johannes Ernst von Steidle Architekten berichtet über die Entwicklung des Areals und wie es gelungen ist, alle Akteur*innen zu überzeugen, an einem Strang zu ziehen. Welche Rolle Aspekte wie hybride Gebäudenutzung oder "atmosphärische Nachhaltigkeit" in der Stadtplanung spielen und was sich von diesem Projekt auf andere Quartiersentwicklungen übertragen lässt (und was nicht), erzählt Ernst in dieser Episode.
Seit 10 Jahren wird die Sichtbarkeit von Frauen in der Architektur thematisiert: Es gibt Ausstellungen, Festivals und Publikationen. All das ist wichtig, hat aber an den strukturellen Ungerechtigkeiten wenig geändert. Karin Hartmann, Architektin und Autorin des Buches „Schwarzer Rolli, Hornbrille“, ordnet ein, wo wir in der Debatte stehen und welche Schritte jetzt folgen müssen, um Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Sie erklärt auch, warum der Begriff „feministische Stadtplanung“ umstritten, aber wichtig ist, um zu verstehen, dass das, was wir „normale“ Stadtplanung nennen, nichts anderes ist als die Interessenvertretung einer kleinen Gruppe. Wie eine gerechte Gestaltung der Berufspraxis und unserer Stadträume aussehen kann, erzählt Hartmann in dieser Episode.
Barbara Buser ist Architektin, Dozentin an der ETH Zürich und preisgekrönte Pionierin der Wiederverwendung gebrauchter Bauteile. Sie legte den Grundstein für das zirkuläre Bauen und gründete bereits 1995 die erste Schweizer Bauteilbörse. Später gründete sie zusammen mit Eric Honegger das baubüro in situ, das spätestens mit dem mehrfach preisgekrönten Leuchtturmprojekt „Kopfbau Halle 118“ in Winterthur nationale und internationale Aufmerksamkeit erlangte. Darüber hinaus gründete sie zahlreiche weitere Firmen und Initiativen zur Umsetzung von Projektideen. Ein herausragendes Projekt ist beispielsweise das Stadtquartier Gundeldinger Feld in Basel, das als Vorzeigeprojekt in der Quartierentwicklung gilt. Auf welchen Pfeilern die erfolgreiche Lancierung ihrer Projekte beruht, erzählt sie in dieser Episode.
Anna Heringer baut international ausgezeichnete Lehmarchitektur. Lehm, sagt sie, ist ein sozialer Baustoff: Er ist kostenlos im Boden, verursacht keine Umweltschäden und sorgt für gesellschaftlichen Zusammenhalt. In den ärmsten Ländern der Welt wird deshalb standardmäßig mit Lehm gebaut. Bei uns dagegen ist Bauen mit Lehm purer Luxus. Woran liegt das? Zum einen an unseren Normen und den fehlenden Zulassungen für den erdigen Baustoff, zum anderen an unserem Wirtschaftssystem und einer wenig sozialen Baupraxis. Vom Bauen als Gemeinschaftsleistung haben wir uns weit entfernt. Lieber überlassen wir das Bauen den Expert*innen und Maschinen. Anna Heringer liefert handfeste Argumente, warum es sich für die Gesellschaft lohnt, aus der Passivität auszubrechen und mehr Selbstwirksamkeit zu erfahren. Welche Rolle der Lehm dabei spielt und wie sie es schafft, auch hierzulande gemeinschaftlich zu bauen, erzählt sie in dieser Episode.
anna-heringer.com/
A.Heringer: "Form follows Love", Birkhäuser Verlag
bak.de/podcast
Zwischen dem, was wir an alten Baustoffen wiederverwenden können, und dem, was neu gebaut werden muss, klafft eine „Ressourcenlücke“.
Professur KIT Nachhaltiges Bauen
Beim zirkulären Bauen befinden wir uns im Prototypenmodus. Engagierte Planer*innen betreten gemeinsam mit allen Projektbeteiligten weitgehend unerforschtes Neuland, wenn sie kreislaufgerecht bauen wollen und tragen dabei allein das Risiko. Margit Sichrovsky spricht über ihre Erfahrungen, wie der Transfer von theoretischem Wissen in eine neue Baupraxis gelingen kann. Klar ist: Kompetenz im zirkulären Bauen entsteht nur in der Praxis. Und der Erfahrungsschatz muss wachsen, damit die große Transformation gelingt. Jetzt, so Sichrovksy, brauche es den Mut aller zur Umsetzung. Wie sie sich dafür einsetzt, dass sich die heutigen Standards entsprechend den neuen Anforderungen verändern, erzählt sie in dieser Episode.
lxsy.de
Womit sind Architekt*innen hierzulande eigentlich die meiste Zeit beschäftigt? Allzuoft nicht damit, Architektur zu machen. Und das ist ein großer Nachteil für die gebaute Umwelt, kritisiert der national und international sehr erfolgreiche Architekt Christoph Ingenhoven. Er kennt die Dominanz von Themen wie Organisation, Verträgen, Regeln oder Haftung in Großprojekten sehr gut. All das lenke „die Besten“ davon ab, sich auf architektonische Fragen zu konzentrieren, was wiederum die Relevanz des Berufstandes schwäche. Welche Tätigkeiten sollte man delegieren und welche dürfe man auf keinen Fall aus der Hand geben? Das erläutert Ingenhoven in diesem Gespräch, in dem er auch persönliche Einblicke in die Jahrzehnte seiner Praxis gibt, von der „Überdosis Postmoderne“ im Studium über den turbulenten Anfang seiner Selbständigkeit bis zum Bauen von Großprojekten, wie das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Diese Episode ist ein Ritt durch fast 5 Jahrzehnte Architekturgeschehen.
dat.bak.de
In Deutschland herrscht Wohnungsnot: 700.000 Wohnungen fehlen, 400.000 sollen pro Jahr neu geschaffen werden. Florian Fischer hat errechnet, dass wir theoretisch keinen Wohnungsneubau brauchen, wenn die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf von heute 48 auf 35 Quadratmeter gesenkt würde. Das Problem ist, dass viele der Räume und Flächen in bestehenden Wohnhäusern regelrecht gefangen seien. Man müsste sie also „befreien“. Wie das aussehen könnte, warum und wie er selbst Bauherr geworden ist und wer Widerstand im Wohnungsbau leisten sollte, erzählt er in dieser Episode.
dat.bak.de
In schwedischen Architekturbüros wird weder Zeit noch Energie darauf verwendet, für Gleichstellung zu kämpfen. Warum? Weil einfach gleichgestellt gearbeitet wird. So kann die gesamte Energie in die drängenden und schwierig zu lösenden Probleme der Baubranche fließen. Barbara Vogt hielt das so lange für normal, bis sie einen Standort von White Arkitekter in Deutschland etablierte, wo die Debatte über Gleichstellung lebt, die Umsetzung aber stockt. Wie sich Gerechtigkeit für alle Gruppen im Beruf herstellen lässt (wenn alle nur wollen) und wie der Berufsstand ein Spiegel der Gesellschaft werden kann (und warum das wichtig ist), erzählt sie in dieser Episode und beim DAT23 am 29.9. in Berlin.
DAT23 Anmeldung
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