Die Geschichtsgreißlerei

Der Neusiedler See


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Wiens Adria oder tiefste Badewanne?

Der Ort:

Der Neusiedler See gehört zu den größten Steppenseen Europas, welcher überwiegend von Regenund Grundwasser gespeist wird. Das 320km² große Gewässer besitzt keinen natürlichen Abfluss und nur zwei kaum nennenswerte Zuflüsse. Geologisch entstand es erst vor ungefähr 13.000 Jahren. Die Theorie, dass der See das Überbleibsel eines urzeitlichen Meeres sei, wurde spät widerlegt. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften zeigt sich der See in seiner Form als instabil. So neigt er immer wieder zu Überflutungen und Überschwemmungen, aber auch zum zwischenzeitlichen Austrocknen. Der berühmte Schilfgürtel entstand erst durch Eintrag von Dünger durch die umliegende Landwirtschaft.

Das Thema:

Der Neusiedler See wurde spät als großer „Badeteich“ der Wienerinnen erschlossen. Nachdem das Burgenland erst 1921 an Österreich fiel, wurde das Gebiet zögerlich touristisch erschlossen. Ab Mitte der 1920er Jahre wurden erste Badeanstalten am See eingerichtet - der Werbeslogan, der den Neusiedler See als „Adria der Wiener“ titulierte, war geboren. Hauptproblem stellte die verkehrstechnische Erschließung dar. Das Burgenland war infrastrukturell unterentwickelt, Bahn- und

Straßenverbindungen waren spärlich. Die Überlegung der Einrichtung einer Schnellschwebebahn zwischen Wien-Mitte und Rust musste aufgrund der Wirtschaftskrise Ende der 1920er abgebrochen werden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Burgenland als Tourismusland. Dabei bediente man die Klischees des gesetzten, genießerischen Südens mit ungarischem Puszta-Flair im Gegensatz zum alpinen reschen Bergimage. Erst mit der Motorisierung breiterer Bevölkerungsschichten mit Hilfe der boomenden Automobilindustrie wurde der Neusiedler See für viele Ostösterreicherinnen attraktiv. In den 1960er gab es sogar weitgediehene Pläne für die Errichtung einer mehrspurigen Autobahn quer über das Gewässer. Dieses Bauvorhaben wurde von der ersten breiten ökologischen Protestbewegung in Österreich Anfang der 1970er Jahre verhindert. Aber nicht nur aufgrund seiner ökologischen Eigenschaften ist der See einzigartig, auch wegen seiner Eigentumsverhältnisse. Der See gehört zu 44% einer einzigen Familie, nämlich dem Adelsgeschlecht
der Esterházys. Nach wie vor erfreut sich die Adria der Wiener großer Beliebtheit, da sie nicht nur hohe Wassertemperaturen, sondern auch ideale Segel- und Sportmöglichkeiten aufweist und auf kurzem Weg für den Tagestourismus erreichbar ist.

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Die GeschichtsgreißlereiBy Andreas Filipovic, Walter Szevera


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