Die Grünen? Sind das nicht diese mürrischen Gestalten, die vor einem Weltuntergang nach dem anderen warnen, der dann doch nicht kommt? Oder diese verbitterten Gouvernantentypen, die uns das Fleisch, das Auto und das Flirten verbieten wollten? Aber niemals: es sind die sympathischen, gesunden, zukunftszugewandten Lichtgestalten, die uns den Weg in eine ökologische, gerechte, bunte Welt weisen. So sehen das offenbar immer mehr Deutsche. Während die Linke und die FDP kaum vom Überdruss an der Großen Koalition profitieren, räumen die Grünen bei Landtagswahlen kräftig ab - selbst wenn sie vorher mit der CDU regiert haben. Klimawandel und Insektensterben beleben das alte Ökothema neu, die neue grüne Doppelspitze mischt auch bei allen anderen Themen fleißig mit, und außerdem ziehen die Grünen Antiprotestwähler an, die in der Partei den klarsten Gegensatz zur AfD sehen. Sie sind die Helden der neuen Mitte, von der Schröder geträumt hat. Das sehen übrigens auch die Gegner der Grünen so: eine Partei für das halblinke "Juste Milieu“, für selbstgerechte Besserverdiener, die dem Rest der Republik Moral predigen, für weltgewandte Vielflieger, die mit der grünen Stimme das ökologische schlechte Gewissen beruhigen. Eine Partei, die inhaltlich so windelweich ist, dass sie mit fast jedem koalieren kann. Aber ist das ein Vorwurf? Eine Volkspartei muss doch vor allem und zuerst das rechte Mittelmaß halten.