Das Universum

DU127 - Der Glücksstern und die Mutter von Hubble


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Und: Wo liegt eigentlich Schasklappersdorf?

DU127 - Der Glücksstern und die Mutter von Hubble

Und: Wo liegt eigentlich Schasklappersdorf?

In Folge 127 haben wir Glück! Den wir schauen uns den Stern an, der die Karriere von Nancy Grace Roman gefördert und über Umwege auch für die Existenz des Hubble-Weltraumteleskops verantwortlich ist. Außerdem geht es um Astronautinnen, die verflixte Expansion des Weltalls und den Terminator!

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Crew 9 zurück

Crew 9 ist mit sehr viel Verspätung wieder auf der Erde gelandet - und allen geht es nach der langen Zeit im All den Umständen entsprechend gut.

Carmen Possnig trainiert

Die österreichische Astronautin Carmen Possnig hat ihr erstes Training abgeschlossen, inklusive Bad im winterlichen Wasserfall.

Die erste Deutsche im All

Endlich ist die erste Deutsche ins All geflogen. Der Start der Mission Fram 2 hat geklappt und Rabea Rogge ist in einer polaren Umlaufbahn.

Hubble Tension zurück

Die Expansion des Weltalls macht immer noch Probleme. Auch genauere Messungen zeigen [https://www.derstandard.at/story/3000000262018/bisher-genauestes-babyfoto-des-universums-vertieft-ein-kosmisches-raetsel](Diskrepanzen in unserem Verständnis des Kosmos].

Gaia wird abgeschaltet

Das Weltraumteleskop Gaia ist zwar nicht so prominent, hat aber trotzdem die Wissenschaft revolutioniert und wird das auch weiter tun, auch wenn es jetzt abgeschaltet wurde.

AG Draconis: Der Glücksstern von Nancy Grace Roman

Im Sternbild Drache, rund 16.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, befindet sich das Doppelsternsystem: AG Draconis. Es besteht aus einem orangenen Riesenstern (Spektraltyp K3) mit etwa 1,5 Sonnenmassen und dem 35-fachen Sonnenradius sowie einem sehr heißen, kleinen Weißen Zwerg mit rund 0,4 Sonnenmassen und Temperaturen um die 10.000 Kelvin. Die beiden Sterne umkreisen einander alle 550 Tage – ein Hinweis darauf, wie nahe sie beieinanderliegen. Diese enge Beziehung führt dazu, dass sie sich gegenseitig stark beeinflussen. Man nennt das ein symbiotisches Sternsystem.

In solchen Systemen strömt Material – meist Wasserstoff – vom Riesenstern zum Weißen Zwerg. Dieser akkretiert den Wasserstoff, wodurch es zur Wasserstofffusion an seiner Oberfläche kommt. Diese Aktivität beeinflusst die Leuchtkraft des Systems erheblich. AG Draconis ist daher auch ein veränderlicher Stern, dessen Helligkeit sich durch verschiedene Mechanismen verändert: zum einen durch den 550-tägigen Orbit, zum anderen durch Pulsationen des Riesensterns mit einer Periode von etwa 355 Tagen (AG Draconis ist allerdings kein kataklysmischer Stern, wie T Coronae Borealis, den wir in Folge 107 besprochen haben).
Die Emissionen, die wir beobachten, stammen nicht nur direkt von den Sternen, sondern auch von einer Art Nebel, der die beiden umgibt. Dieser wird durch die hochenergetischen Photonen des Weißen Zwergs ionisiert und erzeugt charakteristische Emissionslinien, neben den normalen Emissionslinien.
Seit Beginn der Beobachtungen im Jahr 1890 wurden bei AG Draconis sieben größere Aktivitätsphasen dokumentiert – zuletzt seit 2015. Insgesamt hat das System über 36 Ausbrüche gezeigt, die in zwei Kategorien unterteilt werden: “cool” und “hot”.
In einem cool outburst bildet sich rund um den Weißen Zwerg eine dichte, vergleichsweise kühle Pseudoatmosphäre. Diese absorbiert die UV-Strahlung des Zwergs, lässt ihn im optischen Bereich jedoch heller erscheinen – einfach weil die „vergrößerte“ Atmosphäre mehr Licht abstrahlt.
Bei einem hot outburst steigt dagegen die UV-Strahlung stark an, während die optische Helligkeit nur leicht zunimmt. Die genaue Ursache ist noch nicht ganz klar, möglicherweise spielt kurzfristig verstärkte Fusion eine Rolle – aber ohne, dass sich die Atmosphäre wie bei den kühlen Ausbrüchen ausdehnt.
Besonders spannend: Seit 2015 zeigt AG Draconis ausschließlich heiße Ausbrüche, ein ungewöhnliches Verhalten, dessen Ursache noch ungeklärt ist. Eine aktuelle Studie mit dem Titel “The peculiar outburst activity of the symbiotic binary AG Draconis” geht dieser Frage nach.
AG Draconis ist spannend für die Wissenschaft. Aber für Nancy Grace Roman war es ein Glücksstern. In den 1950er Jahren arbeitete Nancy Grace Roman, an der Universität Chicago. Als junge Wissenschaftlerin beobachtete sie ein ungewöhnliches Emissionsspektrum – das von AG Draconis. Ohne zu wissen, dass es sich um einen veränderlichen Stern handelte, schrieb sie ein kurzes, aber prägnantes Paper über ihre Beobachtung.
Diese Arbeit führte dazu, dass sie drei Jahre später – als eine von nur drei US-Wissenschaftler*innen – zur Einweihung einer Sternwarte in Armenien eingeladen wurde. Der Direktor hatte ihr Paper gelesen und war fasziniert von dem System. Ihre Reise sorgte für Aufmerksamkeit, sie wurde bekannt und bald darauf wurde sie eingeladen, an der NASA ein Programm für Weltraumastronomie aufzubauen. Der Rest ist Geschichte: Roman plante über 20 Satellitenmissionen mit, darunter auch das Hubble-Weltraumteleskop.
Ironischerweise befand sich AG Draconis zur Zeit ihrer Beobachtung in einem seltenen Zustand – einem, der nur alle zehn bis fünfzehn Jahre für etwa 100 Tage auftritt. Ein absoluter Glücksfall also - aber ohne Eigeninitiative hilft auch das Glück nicht. Mehr dazu kann man in dem Artikel von Roman selbst lesen: Following my lucky star.

Fragen aus der Hörerschaft

Marcus fragt: _”Wo muss die Venus stehen, damit sie auf der Erde am hellsten scheint?”

Entlang der Tangenten der Erdbahn.

Bee.eff.wee will wissen: _”Woher wissen wir, dass die Gravitation unendliche Reichweite hat?”?

Wissen wir eh nicht, aber alles deutet darauf hin.

Hauke fragt sich ”wie man eigentlich bei einem Stern den Begriff „Oberfläche“ definiert?”

Das Konzept nennt sich “Photosphäre” und das ist die Schicht eines Sterns, aus der das sichtbare Licht entweicht. Dort setzt man im Allgemeinen die Oberfläche an.

#

**Science Frames: **

Evi hat sich diesmal Terminator 2 angesehen. Weil Arnie cool ist, der Terminator relevante Popkultur und es darüber hinaus viel über memory metals zu erzählen gibt.

Veranstaltungen

Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live.

Ruth wird am 27.4 beim Keplerteleskoptreffen sein - Infos sind hier

Florian hält am 27.4. einen Vortrag in Krems - es geht um Simpsons und Kernenergie.

Science Busters Shows gibt es am 19.4. in Wien, am 23.4 in Feldbach, am 30.4 in Linz, und am 2.5. in Passau (Tickets und Infos

Neue Bücher und Hörbücher

Wer das neue Buch von Ruth bestellen will, kann das hier machen

Und das Sternengeschichten Hörbuch von Florian kann man auch bestellen.

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Science Busters Buch

Außerdem haben die Science Busters ein neues Buch herausgebracht. Es heißt “Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt” und sowohl Florian als auch Ruth haben darin jede Menge Geschichte aufgeschrieben.

Telegram, Discord und Mastodon

Das Universum gibt es auch bei Telegram. Dort könnt ihr mit anderen Hörerinnen und Hörern plaudern; auch Ruth, Evi und Florian sind da, um eure Fragen zu beantworten.

(Einen Discord-Kanal gibt es übrigens auch, den betreibe wir aber nicht selbst).

Das gleiche gilt für die Mastodon-Instanz “Das Universum”, die ihr natürlich auch gerne nutzen könnt!

Bücher

Florian hat ein neues Buch geschrieben, gemeinsam mit Helmut Jungwirth. Es heißt “Eine Geschichte der Welt in 100 Mikroorganismen”, ist sehr hervorragend, überall zu kaufen wo man Bücher kaufen kann, weswegen es natürlich auch von allen gekauft werden sollte. Wer mehr über den Inhalt wissen will, kann diese Folge WRINT Wissenschaft anhören.

Ruths aktuelles Buch heißt “Sternenjahr auf Unsichtbar

12 Himmelsphänomene, die wir nicht sehen, obwohl sie da sind”
und wir haben in dieser Folge des Podcasts sehr ausführlich darüber gesprochen. Kauft es, es ist super!

Kontakt

Wenn ihr Fragen zum Universum hat, dann schickt sie einfach per Mail an: [email protected]. Wer uns einfach nur was schreiben will, tut das unter [email protected].

Falls ihr Ruth mit ihrem mobilen Planetarium buchen möchtet, schreibt an [email protected] oder schaut auf ihre Homepage: http://publicspace.at

Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast zu hören.

Florian und Ruth findet ihr beide auch regelmäßig im WRINT Wissenschaft”-Podcast den es ebenfalls bei Spotify gibt

Evi betreibt gemeinsam mit ihren Kolleginnen Elka und Jana den Podcast “Cosmic Latte: Kaffeehausgespräche über Astronomie”.

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Das UniversumBy Florian Freistetter, Ruth Grützbauch, Evi Pech

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