Die Sadduzäer konstruieren einen seltsamen Fall, und wollen damit die Botschaft von der Auferstehung lächerlich machen.
In der Tora habe ich die Stelle aufgeschlagen, wo Mose die Schwagerehe festgelegt hat (5. Mose 25,5.6). Es geht darum, dass ein Mann seine Schwägerin heiraten soll, wenn deren Mann verstorben ist und sie keine Kinder hat. Er soll also seinen Bruder ersetzen und damit der Frau ein Überleben sichern und dafür sorgen, dass der Name des Verstorbenen durch Kinder fortbesteht. Hierauf konnten sich die Sadduzäer beziehen. Sie bildeten eine religiöse Partei in Israel und gehörten zu den bekannten Priesterfamilien, Vornehmen und Reichen. Sie wollten es sich nicht mit den Römern verscherzen. Eine Auferstehung von den Toten lehnten sie ab. Ihre Richtschnur waren die fünf Bücher Mose. Dort finden wir nicht sehr viel zum Thema Auferstehung.
Die Sadduzäer versuchen Jesus in ein Streitgespräch zu verwickeln und erwarten, dass er dabei schlecht wegkommen wird. Doch Jesus lässt sich nicht irritieren und erklärt ihnen die Tatsache der Auferstehung so: Als der lebendige Gott dem Mose am brennenden Busch begegnet, offenbart er sich dort als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das waren die Erzväter des Volkes Israel. Da Gott nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden ist, gehören die Genannten doch zu den Lebenden. Und dies beweist doch, so argumentiert Jesus, dass die Verstorbenen auferstanden und in Gottes Hand sind. Jesus will seinen Feinden durch diese Erläuterung einen Dienst tun, ihr verirrtes Denken zurechtbringen. Jesus wird im Evangelium nach Markus nach meiner Überzeugung ja vor allem als Diener geschildert. Er ist gekommen, um uns Menschen von unseren Irrwegen wegzubringen. In diesem Streitgespräch mit den Sadduzäern geht es Jesus auch nicht darum, als Sieger hervorzugehen, sondern er möchte ihnen helfen, die Wahrheit zu verstehen.
Es scheint aber so, dass ihnen gar nicht daran gelegen war, die Wahrheit zu erfahren. Sie täuschten Wahrheitssuche nur vor. Sie argumentierten, dass eine Auferstehung von den Toten doch widersinnig sei, sonst würde es in der Ewigkeit bei Gott ja unlösbare Probleme geben. Denn zu welchem Mann gehört dann eine Frau, wenn sie mehrfach verheiratet war? Mit dieser erfundenen, etwas schrägen Geschichte stellen sie die Auferstehung von den Toten als absurd dar. Hinter ihrer Frage steckte eine gewisse Verschlagenheit. Sie wollen Jesus lächerlich machen vor den anderen Zuhörern, vielleicht auch gerade vor seinen Jüngern. Jesus erkennt die inneren Beweggründe dieser Leute als zutiefst unehrlich. Trotzdem hat er sich nicht davon abhalten lassen, auf ihre Frage einzugehen.
Wir wissen, dass Jesus ein aufrichtiges Zweifeln nicht von sich weist. Jesu Vorläufer und Freund, Johannes der Täufer, war sehr irritiert und zweifelte an ihm. Dies hat Jesus ganz ernst genommen, und er ist mit dieser inneren Not des Johannes behutsam und fürsorglich umgegangen. Wenn wir an Gottes guter Führung zweifeln, dürfen wir ihm das ehrlich sagen. Er erträgt das.
Wie gern wollte Jesus auch seinen Gegnern dienen, doch sie haben diesen Dienst nicht gewollt und waren gefangen in ihrem verirrten Denken, in ihrem Recht-haben-wollen. Und so haben sie sein Zeugnis von der Auferstehung verworfen. Sie schenkten seinem Wort kein Vertrauen, und was er ihnen sagen und bezeugen wollte, ging an ihnen vorbei. So blieb ihnen die Hoffnung auf die Auferstehung verborgen und verwehrt. Die Zuversicht auf ein Leben in Gottes ewiger Herrlichkeit kannten sie nicht. Sie meinten, genug an ihrem irdischen Besitz zu haben und genügten sich an der eigenen Selbstherrlichkeit. Im Grunde waren sie so nah dran an der Quelle der Wahrheit, an dem, der von sich sagen konnte: “Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt (Joh. 11, 25).“ Hier zeigt sich, wie leicht ich die Gnade verspielen kann, wenn ich unaufrichtig bin und dem Wort Jesu keinen Glauben schenke.
Doch ist ein solcher Mangel an Glauben und aufrichtigem Hören auf die Stimme Jesu lediglich eine Erscheinung von damals, eine Verfehlung der ungläubigen Gegner des Herrn damals?
Es war für mich hilfreich, mal zu überdenken, wie es mir selbst mit dieser Aufrichtigkeit geht. Und da habe ich festgestellt, dass ich keinen Grund habe, mich über die Sadduzäer zu erheben. Ich habe mich gefragt, was eine aufrichtige Hinwendung zu Jesus bedeutet und ausmacht.
Was bedeutet eine aufrichtige Hinwendung zu Jesus?
Ich denke, dass dazu vor allem das Vertrauen gehört, seinem Wort zu glauben, wie es uns im Evangelium begegnet. Sein Wort ist Wahrheit, auch wenn es nicht immer gleich einleuchtet, vielleicht sogar einmal dunkel erscheint. Es trügt nicht, und führt uns nicht in die Irre. Jesus will uns durch sein Wort leiten in unserem Denken, in unserem Urteilen und in unseren Entscheidungen. Dieses Wort will sich auch mit unseren Problemen verbinden, mit denen wir gerade nicht zurechtkommen. Allerdings: Was Jesus von denen erwartet, die ihm folgen, ist nicht immer leicht und ohne Risiko. Und manchmal ist der von ihm bestimmte Weg nicht leichtfüßig zu schaffen.
Das hat sich auch gezeigt, als Jesus einmal mit seinen Jüngern unterwegs war. Jesus hatte harte Wahrheiten verkündigt, die nicht leicht zu verstehen waren. Darüber ärgerten sich nicht nur seine Gegner, sondern auch wohlgesonnene Menschen, waren wie vor den Kopf gestoßen und wandten sich frustriert ab. Da fragte er die Jünger in seinem Team, ob sie auch weggehen wollen. Es lag sehr nahe, den eigenen Gefühlen zu folgen und enttäuscht zu gehen.
Doch dazu kam es nicht, weil einer, entgegen dem negativen Trend, das entscheidende Signal gegeben hat: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes (Joh 6, 68.69).“
Das hat Petrus gesagt, ganz echt und aus tiefer innerer Überzeugung heraus. Er hat sich nicht von den zweifelnden, den empörten und enttäuschten Stimmen mitziehen lassen, sondern hat trotz allem auf Jesus und auf sein Wort gesetzt und dies auch bezeugt.
Ich habe immer wieder selbst erlebt und auch beobachtet: wenn ich mich aufrichtig auf Jesu Wort und Zusage verlasse, erlebe ich, dass sein Wort auch durch schwere Zeiten trägt. Jesus kann auch Menschen in Bewegung bringen, die helfen.
Sein Wort verheißt, dass er letztlich alles zu einem guten Ende bringen wird: meine ungelösten Fragen, was mir zu schaffen macht, auch das Ungewisse, das mich bedrückt. Schließlich hat er denen, die zu ihm gehören, ganz fest versprochen: „Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen (Joh 10,28).“
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