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Geschichte beginnt selten mit großen Worten.
Sie beginnt dort, wo Menschen leben, streiten, entscheiden. In Routinen. In Konflikten. In kleinen Gesten.
Erinnerungskultur entscheidet mit darüber, wer sich zugehörig fühlt – und wer nicht.
Für Prof. Dr. Malte Thießen, Direktor des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster, ist Geschichte deshalb nicht ausschließlich ein Blick zurück. Sie ist Gegenwart. Sie wirkt im Alltag, oft leise, manchmal unbequem, fast immer unterschätzt.
Er versteht Geschichte als Haltung: als Möglichkeit, Gegenwart differenziert zu betrachten und Ambivalenzen auszuhalten.
Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster erforscht Geschichte dort, wo sie wirkt: im Alltag, in Arbeitswelten, in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen. Regionalgeschichte dient hier als Brennglas für größere Zusammenhänge. Diese Folge des Kunstpodcasts Die Leichtigkeit der Kunst ist Teil der Reihe Genau! Westfalen! im Jubiläumsjahr 1250 Jahre Westfalen. Und sie ist ihr Abschluss. Kein lautes Finale, sondern eine Einladung, Geschichte als Beziehung zu begreifen – zwischen Menschen, Zeiten, Orten und Erwartungen.
Wie prägt Geschichte unser Selbstverständnis?
Wie wirkt Erinnerung in gesellschaftlichen Debatten weiter?
Im Gespräch wird schnell klar: Geschichte ist für Prof. Dr. Malte Thießen keine Ansammlung von Daten. Sie ist eine Haltung. Eine Art, auf Gegenwart zu schauen, ohne vorschnell zu urteilen.
Geschichte hilft, Komplexität auszuhalten. Sie schützt vor einfachen Erklärungen. Sie öffnet Räume für Ambivalenzen. Und sie erinnert daran, dass gesellschaftliche Fragen selten neu sind – wohl aber ihre Kontexte.
Geschichte zeigt sich dort, wo Gesellschaft über sich selbst spricht. Oft indirekt. Oft beiläufig. Genau deshalb lohnt es sich, ihr zuzuhören.
Pandemie, Digitalisierung und gesellschaftliche Polarisierung haben den Umgang mit Geschichte verändert.
Vergleiche werden schneller gezogen, Gewissheiten lauter formuliert. Erinnerungskultur ist kein starres Gebilde. Sie verändert sich. Auch an denselben Orten. Auch bei denselben Ereignissen.
Prof. Dr. Malte Thießen beschreibt Erinnerungskultur als einen Prozess gesellschaftlicher Selbstverständigung. Es geht darum, sichtbar zu machen, wer erinnert, was erinnert wird und was lange ausgeblendet blieb.
Erinnerung sagt immer etwas über Gegenwart. Über Machtverhältnisse. Über Zugehörigkeit. Über das, was als erzählenswert gilt – und was nicht.
Gerade Regionalgeschichte zeigt, wie eng Erinnerung an Lebenswelten gebunden ist: an Arbeit, Migration, Familie, Nachbarschaft. Erinnerung ist persönlich und politisch zugleich.
Diese Folge lädt dazu ein, genauer hinzusehen: Geschichte als Orientierung, nicht als Anleitung.
Ein zentrales Thema dieser Folge ist die Impf- und Seuchengeschichte. Nicht als medizinische Chronik, sondern als gesellschaftlicher Spiegel.
In historischen Quellen begegnen Ängste, Hoffnungen und Konflikte. Sehr konkret. Es geht um Vertrauen. Um Verantwortung. Um Schutz. Um das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft.
Diese Fragen tauchen immer wieder auf. Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass sich Geschichte wiederholt – aber sie zeigt Muster. Sie macht sichtbar, wie Gesellschaften auf Krisen reagieren. Und wo Spannungen entstehen.
Der Blick in die Geschichte hilft hier nicht, einfache Antworten zu liefern. Er hilft, genauer hinzusehen.
Das Gespräch mit Prof. Dr. Malte Thießen führt durch Erinnerungskultur, Pandemiegeschichte, Digitalisierung und regionale Identität. Westfalen dient dabei als Ausgangspunkt – die Fragen reichen darüber hinaus.
Die Corona-Pandemie hat viele gesellschaftliche Debatten verdichtet. Auch den Umgang mit Geschichte.
Malte Thießen spricht darüber, wie schnell in Krisenzeiten nach historischen Vergleichen gesucht wird – und warum das problematisch sein kann. Geschichte liefert keine Blaupausen. Sie sensibilisiert.
Sie erinnert daran, dass Entscheidungen häufig unter Unsicherheit getroffen werden. Dass gesellschaftliche Aushandlungsprozesse konflikthaft sind. Und dass moralische Gewissheiten selten eindeutig sind.
Auch Digitalisierung erscheint in dieser Folge nicht als plötzlicher Umbruch. Sondern als langer Weg.
Papier. Lochkarten. Rechenzentren. Daten, die per Fahrrad transportiert wurden. Diese Bilder machen deutlich: Digitalisierung ist kein abstraktes Phänomen. Sie ist eingebettet in Arbeitswelten, Infrastrukturen und Machtfragen.
Wer bekommt Anschluss?
Wer bleibt außen vor?
Welche Wertigkeiten entstehen neu?
Geschichte hilft, diese Prozesse einzuordnen – jenseits von Technikbegeisterung oder Kulturpessimismus.
Westfalen spielt in der Folge Erinnerungskultur und Identität eine besondere Rolle. Nicht als Folklore. Sondern als gesellschaftliches Brennglas.
Ruhrgebiet, Münsterland, Sauerland, Ostwestfalen, Lippe: unterschiedliche Lebenswelten liegen dicht beieinander. Urbane und ländliche Räume. Industriegeschichte und Gegenwart. Migration und Verwurzelung.
Prof. Dr. Malte Thießen nennt Westfalen eine „Wundertüte“. Vielfalt in Verdichtung. Regionalgeschichte erzählt hier Welt im Kleinen. Sie macht sichtbar, wie globale Entwicklungen lokal unterschiedlich gelebt werden – ein Prozess, der oft als Glokalisierung beschrieben wird.
Zugehörigkeit entsteht pragmatisch. Manchmal zeigt sie sich in kleinen Gesten. In Sprache. Im berühmten „Moin-Faktor“.
Was bedeutet es, dazuzugehören? Wer entscheidet darüber? Und wie wandelbar ist Identität?
Diese Fragen ziehen sich durch das Gespräch. Zugehörigkeit erscheint nicht als starres Konzept, sondern als etwas Alltägliches. Als Beziehung. Als Aushandlung.
Regionalgeschichte bietet dafür einen besonderen Zugang: nah genug, um berührbar zu sein, und weit genug, um gesellschaftliche Linien sichtbar zu machen.
Die Folge „Erinnerungskultur und Identität“ versteht Geschichte nicht als Anleitung und nicht als Sockel. Sie versteht Geschichte als Orientierung.
Als Möglichkeit, Gegenwart einzuordnen, ohne sie festzulegen. Als Einladung, zuzuhören. Und als Chance, Fragen offen zu halten.
Die Folge „Erinnerungskultur und Identität“ ist Teil der Reihe „Genau! Westfalen“ und der Zusammenarbeit LWL x Die Leichtigkeit der Kunst. Sie bildet den Abschluss der Serie und lädt dazu ein, Geschichte als Beziehung zu begreifen – zwischen Menschen, Zeiten, Orten und Erwartungen.
Erinnerungskultur · Identität · Geschichte und Gegenwart · Pandemie · Digitalisierung · Regionalgeschichte · Zugehörigkeit · Glokalisierung
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster
1250 Jahre Westfalen
LWL-Kulturstiftung
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.
By Claudia LinzelGeschichte beginnt selten mit großen Worten.
Sie beginnt dort, wo Menschen leben, streiten, entscheiden. In Routinen. In Konflikten. In kleinen Gesten.
Erinnerungskultur entscheidet mit darüber, wer sich zugehörig fühlt – und wer nicht.
Für Prof. Dr. Malte Thießen, Direktor des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster, ist Geschichte deshalb nicht ausschließlich ein Blick zurück. Sie ist Gegenwart. Sie wirkt im Alltag, oft leise, manchmal unbequem, fast immer unterschätzt.
Er versteht Geschichte als Haltung: als Möglichkeit, Gegenwart differenziert zu betrachten und Ambivalenzen auszuhalten.
Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster erforscht Geschichte dort, wo sie wirkt: im Alltag, in Arbeitswelten, in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen. Regionalgeschichte dient hier als Brennglas für größere Zusammenhänge. Diese Folge des Kunstpodcasts Die Leichtigkeit der Kunst ist Teil der Reihe Genau! Westfalen! im Jubiläumsjahr 1250 Jahre Westfalen. Und sie ist ihr Abschluss. Kein lautes Finale, sondern eine Einladung, Geschichte als Beziehung zu begreifen – zwischen Menschen, Zeiten, Orten und Erwartungen.
Wie prägt Geschichte unser Selbstverständnis?
Wie wirkt Erinnerung in gesellschaftlichen Debatten weiter?
Im Gespräch wird schnell klar: Geschichte ist für Prof. Dr. Malte Thießen keine Ansammlung von Daten. Sie ist eine Haltung. Eine Art, auf Gegenwart zu schauen, ohne vorschnell zu urteilen.
Geschichte hilft, Komplexität auszuhalten. Sie schützt vor einfachen Erklärungen. Sie öffnet Räume für Ambivalenzen. Und sie erinnert daran, dass gesellschaftliche Fragen selten neu sind – wohl aber ihre Kontexte.
Geschichte zeigt sich dort, wo Gesellschaft über sich selbst spricht. Oft indirekt. Oft beiläufig. Genau deshalb lohnt es sich, ihr zuzuhören.
Pandemie, Digitalisierung und gesellschaftliche Polarisierung haben den Umgang mit Geschichte verändert.
Vergleiche werden schneller gezogen, Gewissheiten lauter formuliert. Erinnerungskultur ist kein starres Gebilde. Sie verändert sich. Auch an denselben Orten. Auch bei denselben Ereignissen.
Prof. Dr. Malte Thießen beschreibt Erinnerungskultur als einen Prozess gesellschaftlicher Selbstverständigung. Es geht darum, sichtbar zu machen, wer erinnert, was erinnert wird und was lange ausgeblendet blieb.
Erinnerung sagt immer etwas über Gegenwart. Über Machtverhältnisse. Über Zugehörigkeit. Über das, was als erzählenswert gilt – und was nicht.
Gerade Regionalgeschichte zeigt, wie eng Erinnerung an Lebenswelten gebunden ist: an Arbeit, Migration, Familie, Nachbarschaft. Erinnerung ist persönlich und politisch zugleich.
Diese Folge lädt dazu ein, genauer hinzusehen: Geschichte als Orientierung, nicht als Anleitung.
Ein zentrales Thema dieser Folge ist die Impf- und Seuchengeschichte. Nicht als medizinische Chronik, sondern als gesellschaftlicher Spiegel.
In historischen Quellen begegnen Ängste, Hoffnungen und Konflikte. Sehr konkret. Es geht um Vertrauen. Um Verantwortung. Um Schutz. Um das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft.
Diese Fragen tauchen immer wieder auf. Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass sich Geschichte wiederholt – aber sie zeigt Muster. Sie macht sichtbar, wie Gesellschaften auf Krisen reagieren. Und wo Spannungen entstehen.
Der Blick in die Geschichte hilft hier nicht, einfache Antworten zu liefern. Er hilft, genauer hinzusehen.
Das Gespräch mit Prof. Dr. Malte Thießen führt durch Erinnerungskultur, Pandemiegeschichte, Digitalisierung und regionale Identität. Westfalen dient dabei als Ausgangspunkt – die Fragen reichen darüber hinaus.
Die Corona-Pandemie hat viele gesellschaftliche Debatten verdichtet. Auch den Umgang mit Geschichte.
Malte Thießen spricht darüber, wie schnell in Krisenzeiten nach historischen Vergleichen gesucht wird – und warum das problematisch sein kann. Geschichte liefert keine Blaupausen. Sie sensibilisiert.
Sie erinnert daran, dass Entscheidungen häufig unter Unsicherheit getroffen werden. Dass gesellschaftliche Aushandlungsprozesse konflikthaft sind. Und dass moralische Gewissheiten selten eindeutig sind.
Auch Digitalisierung erscheint in dieser Folge nicht als plötzlicher Umbruch. Sondern als langer Weg.
Papier. Lochkarten. Rechenzentren. Daten, die per Fahrrad transportiert wurden. Diese Bilder machen deutlich: Digitalisierung ist kein abstraktes Phänomen. Sie ist eingebettet in Arbeitswelten, Infrastrukturen und Machtfragen.
Wer bekommt Anschluss?
Wer bleibt außen vor?
Welche Wertigkeiten entstehen neu?
Geschichte hilft, diese Prozesse einzuordnen – jenseits von Technikbegeisterung oder Kulturpessimismus.
Westfalen spielt in der Folge Erinnerungskultur und Identität eine besondere Rolle. Nicht als Folklore. Sondern als gesellschaftliches Brennglas.
Ruhrgebiet, Münsterland, Sauerland, Ostwestfalen, Lippe: unterschiedliche Lebenswelten liegen dicht beieinander. Urbane und ländliche Räume. Industriegeschichte und Gegenwart. Migration und Verwurzelung.
Prof. Dr. Malte Thießen nennt Westfalen eine „Wundertüte“. Vielfalt in Verdichtung. Regionalgeschichte erzählt hier Welt im Kleinen. Sie macht sichtbar, wie globale Entwicklungen lokal unterschiedlich gelebt werden – ein Prozess, der oft als Glokalisierung beschrieben wird.
Zugehörigkeit entsteht pragmatisch. Manchmal zeigt sie sich in kleinen Gesten. In Sprache. Im berühmten „Moin-Faktor“.
Was bedeutet es, dazuzugehören? Wer entscheidet darüber? Und wie wandelbar ist Identität?
Diese Fragen ziehen sich durch das Gespräch. Zugehörigkeit erscheint nicht als starres Konzept, sondern als etwas Alltägliches. Als Beziehung. Als Aushandlung.
Regionalgeschichte bietet dafür einen besonderen Zugang: nah genug, um berührbar zu sein, und weit genug, um gesellschaftliche Linien sichtbar zu machen.
Die Folge „Erinnerungskultur und Identität“ versteht Geschichte nicht als Anleitung und nicht als Sockel. Sie versteht Geschichte als Orientierung.
Als Möglichkeit, Gegenwart einzuordnen, ohne sie festzulegen. Als Einladung, zuzuhören. Und als Chance, Fragen offen zu halten.
Die Folge „Erinnerungskultur und Identität“ ist Teil der Reihe „Genau! Westfalen“ und der Zusammenarbeit LWL x Die Leichtigkeit der Kunst. Sie bildet den Abschluss der Serie und lädt dazu ein, Geschichte als Beziehung zu begreifen – zwischen Menschen, Zeiten, Orten und Erwartungen.
Erinnerungskultur · Identität · Geschichte und Gegenwart · Pandemie · Digitalisierung · Regionalgeschichte · Zugehörigkeit · Glokalisierung
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.

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