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Ein schwangeres Mädchen, das frierend auf einer Steintreppe sitzt.
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Eine 18-Jährige, die nicht am vereinbarten Treffpunkt erscheint.
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Eine junge Frau geht einen Weg entlang. Dieser Weg führt durch eine sehr gepflegte Wohnanlage.
Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V.
SektenInfo Berlin
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Elke sitzt im Unterricht. Es ist ein großer Raum. 18 Schüler sitzen an ihren Tischen. Der Ausbilder steht vorne und erzählt etwas über die Funktionsweise eines Konverters. Er schreibt mit weißer Kreide Fachbegriffe an die Tafel. Elke dreht sich um und sieht gelangweilt aus dem Fenster. Sie ist 16 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Elektrotechnikerin. Eigentlich wollte Elke Krankenschwester werden. Das war ihr großer Traum. Aber das wurde ihr nicht erlaubt. Ihr wurde dieser Ausbildungsplatz hier zugeteilt. Elektrotechnik interessiert Elke nicht so brennend. Und so stellt sich die 16-Jährige seufzend auf einen langen und eintönigen Unterrichtstag ein.
Da, plötzlich, fliegt die Türe zum Klassenzimmer auf. Drei Männer betreten mit entschlossenem Schritt den Raum. Alle Schüler erstarren. Sie wissen ganz genau: Das kann nichts Gutes bedeuten! Auch Elke fährt zusammen. Die Männer stellen sich in einer Reihe neben der Türe auf. Sie mustern die Schüler. Schlagartig richten sich alle Schüler auf und sitzen kerzengerade auf ihren Plätzen. Es herrscht Totenstille. Dann ruft einer der Männer einen Namen. Niemand rührt sich. Der Mann ruft den Namen noch einmal. Niemand reagiert. Erst beim dritten Mal versteht Elke. Der Mann an der Türe hat ihren Namen gerufen. Zögernd steht sie auf und hebt die Hand. Der Mann sieht sie böse an. „Mitkommen“, schreit er. Elke kann spüren, wie ihr Herz rast. Ohne zu wissen, was gleich passieren wird, geht sie zur Türe. Ihr kommt es vor, als brauche sie Stunden für die wenigen Meter quer durch den Raum. Die Männer schieben das Mädchen grob aus dem Klassenzimmer. Draußen im Flur zieht einer der Männer ein Paar Handschellen aus seiner Tasche. Elke ist wie betäubt. Ihr wird schwindelig. Sie bekommt nur verschwommen mit, wie die schweren Handschellen an ihrem Handgelenk zuschnappen. Unsanft wird sie den Flur entlang gezerrt. Elke hat nur einen einzigen Gedanken: Mama! Wo ist ihre Mutter? Das muss ein Versehen sein! Wo ist ihre Mama? Denn die wüsste, was nun zu tun ist!
Was Elke nicht weiß: Ihre Mutter ist schon auf dem Weg zu ihr. Aber was Elke auch nicht weiß: dieses Mal wird ihre mutige Mama nichts ausrichten können. Dieses Mal gewinnt das System.
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Die Männer in der Wohnung arbeiten ruhig und konzentriert. Einige sortieren Fotos. Andere gehen mit suchendem Blick durch die Räume. Sie schauen unter Tische und Stühle, aufmerksam und bedächtig. Ohne zu wissen, was sie genau suchen, sehen sie in allen Schränken nach. Vorsichtig und sehr genau.
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Es ist Freitag, der 29. Juli 2022. In Hamburg ist es 11 Uhr morgens. Ein lauer Sommertag, 20 Grad, etwas bewölkt. Jenny kommt gerade von der Arbeit. Sie freut sich. Denn das war ihr letzter Arbeitstag vor ihrem lang ersehnten Urlaub. Gerade hat sie im Büro noch ihre Zeiterfassung abgegeben. Zwei Wochen Urlaub liegen nun vor Jenny und ihrem 8-jährigen Sohn. Die junge Frau kann es gar nicht fassen! Mit ihrem Sohn hat sie schon viele Pläne geschmiedet, denn zwei Wochen können ganz schnell an einem vorbeiziehen. Und deswegen sind die beiden entschlossen, einen tollen Sommer zu verbringen. Das Programm sieht einiges vor: einen Besuch im Freibad, eine kleine Tretbootfahrt am See und natürlich den großen Eisbecher, den Jenny ihrem Jungen versprochen hat. Aber am meisten freuen sich beide auf ihre geplante Reise nach Hessen, in einen kleinen Ort in der Nähe von Marburg. Dort lebt Jennys Schwester Samira mit ihrem Sohn Lukas. Die Vorfreude ist groß. Allerdings stehen heute noch einige Erledigungen auf dem Plan.
Als Jenny gerade den Autoschlüssel aus ihrer Tasche zieht, um die Türe ihres Wagens aufzusperren, klingelt ihr Handy. Jenny erkennt die Nummer auf dem Display. Es ist die Nummer ihres kleinen Neffen. Jenny nimmt den Anruf entgegen. „Hallo Lukas“, sagt sie. Aber niemand antwortet ihr. „Lukas?“, fragt Jenny noch einmal nach, „kannst du mich hören?“
Es ist der 29. Juli 2022. Es ist Jennys erster Urlaubstag. Aber in diesen Ferien wird Jenny nicht wie geplant mit ihrem Sohn nach Hessen fahren. Und auch an die Tretboot-Tour und an das Freibad ist nicht mehr zu denken. Denn an diesem Tag beginnt die Suche nach Jennys Schwester Samira. Eine Suche, die die ein Geheimnis ans Licht bringt. Und die dennoch nicht die ganze Wahrheit aufdeckt.
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Johannas Blick fällt auf ihre kleine Armbanduhr: Es ist 6 Uhr morgens. Draußen ist es noch dunkel. Durch das kleine Fenster versucht das Mädchen etwas zu erkennen. Aber sie sieht nur viele, viele blinkende Lichter. Die 5-Jährige lässt sich wieder in ihren Sitz zurückfallen. Johanna muss gähnen. Sie hat Mühe, die Augen offen zu halten. Gerade als ihr Kopf nach vorne sackt und sie kurz davor ist, einzuschlafen, weckt sie eine laute Durchsage: „Ready for Take Off“. Mit einem Piepen gehen die Lichter in der Kabine aus. Nur die Notbeleuchtung und einige Leselampen sind noch an.
Die kleine Johanna sitzt in der ersten Sitzreihe einer Maschine der Lufthansa. Das Mädchen ist ganz allein! Niemand begleitet sie. Unsicher schaut Johanna zur Stewardess, die sich ihr gegenüber hinsetzt und anschnallt. Die Stewardess erwidert Johannas Blick und lächelt aufmunternd. „Ich habe Kekse für dich“, flüstert sie Johanna augenzwinkernd zu. „Wenn wir oben sind, bringe ich sie dir!“ Johanna lächelt. Dann blickt sie wieder aus dem Fenster. Die Maschine wird immer schneller und schneller, und hebt schließlich schwerfällig ab.
Johanna merkt, dass ihr Tränen über die Wangen laufen. Sie ärgert sich. Denn sie wollte nicht weinen! Sie wollte ganz stark sein! Aber sie weiß, dass sie jetzt ihre Heimat verlässt - und all die Menschen, die sie liebt. Und zu denen sie gehört. Eine unbeschreibliche Sehnsucht erfasst Johanna.
Johanna schwört sich, zurückzukommen! Zurückzukommen in dieses Land! Zurück zu den Menschen, die sie liebt! Das kleine Mädchen meint es ernst. Sehr ernst! Jeder soll es wissen. Deshalb beugt sie sich vor zur Stewardess und sagt leise: „Ich schwöre, dass ich zurückkomme. Und ich verspreche, dass ich sie alle wiederfinden werde!“
Was die kleine Johanna nicht ahnt: Zur gleichen Zeit, um 6 Uhr morgens, als die Maschine der Lufthansa gerade abhebt, steht etwa 100 km entfernt ein Mann in seiner Küche und trinkt in aller Ruhe einen Schluck Kaffee. Johanna und dieser Mann sind sich noch nie begegnet. Sie haben noch nie voneinander gehört. Sie haben nicht einmal die leiseste Ahnung, dass es den anderen gibt. Und dennoch verbindet Johanna etwas mit diesem Mann. Ein Geheimnis, von dem zu diesem Zeitpunkt noch niemand etwas weiß.
Johanna strahlt, als die Stewardess ihr 3 Kekse zusteckt. Und der Mann aus der Küche steigt in sein Auto, um zur Arbeit zu fahren. Es ist der 28. November 1965, 6:15 Uhr. Und es ist der Beginn von Johannas Geschichte.
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Erschöpft fällt Sara auf die große, alte Wohnzimmercouch. Draußen sind 30 Grad. Die Sonne brennt. An der Decke klappert der Ventilator. Klack, klack, klack. Mit jeder Umdrehung macht er mehr Geräusche als kühlenden Wind. Sara ist heiß.
Sie greift zur Fernbedienung des Fernsehers und drückt den roten Power-Knopf. Aber nichts passiert. Der Bildschirm bleibt schwarz. Immer wieder drückt sie auf die Fernbedienung, ohne dass der Fernseher eine Regung zeigt. Genervt verdreht die 16-Jährige die Augen. „Sind die Batterien leer?“, denkt sie und drückt immer heftiger auf die Tasten. Nichts passiert. „Oh Man, echt jetzt?“ Genervt steht Sara auf und macht einen großen Schritt Richtung Fernseher. Wieder drückt sie auf den Power-Knopf, aber nichts geschieht.
Mit einem tiefen, gereizten Ausatmer lässt Sara Fernbedienung und Schultern nach unten sacken und dreht sich um zum Stubenschrank. „Okay, wenn wir Batterien haben, dann doch wohl hier.“ Sie öffnet auf Verdacht die unterste Schublade des braunen Schranks, dessen Inhalt sie vorher nie interessiert hat, und sieht ein wildes Durcheinander vor sich. Untersetzer, eine Lupe, Postkarten, Stifte, Schlüsselanhänger, eine Schere usw. Irgendwo in dieser Krims-Krams-Schublade könnten doch auch Batterien sein, oder? Sara beginnt zu wühlen in dem wilden Sammelsurium, bei dem kein Teil zu dem anderen passt.
“Man, wo sind die denn?”, fragt sich Sara, jetzt laut und hörbar genervt. Immer tiefer wühlt sie sich in die große Schublade, bis sie, ganz unten, auf dem Boden, etwas Großes, Flaches ertastet. Sie zieht es heraus und hält plötzlich eine Mappe, eine grüne Mappe in den Händen. Die hatte sie zuvor nie gesehen. „Was ist das denn?“, fragt sich Sara. „Warum liegt der nicht bei den anderen Akten von Papa?“ Der Ordner ist unbeschriftet und sehr leicht. Es scheinen nur wenige Papiere darin zu sein. Sara öffnet die Mappe neugierig. Tatsächlich sind nur sieben oder acht Blätter darin abgelegt. Der Teenager erkennt, dass die Papiere auf einer anderen Sprache geschrieben sind: auf Deutsch. Und dass ist ungewöhnlich. Sara lebt in Marokko!
Das junge Mädchen versteht kein Deutsch, aber sie hat in der Schule das lateinische Alphabet gelernt. Dass das Dokument aus Deutschland stammt, ist darum eine Vermutung, die stimmt. Die Batterien sind nun vergessen. Sara hält den Atem an. Sie weiß: dieses deutsche Dokument könnte die Antwort auf eine Frage sein, die sie schon ihr ganzes Leben quält. Eine Frage, die Sara sehr schmerzt. Eine Frage, die sie sich immer wieder stellt, ohne eine Antwort zu bekommen. Sind diese Blätter in dem grünen Ordner der Schlüssel für alles?
Was Sara nicht ahnt. Dieses Dokument wird Jahre später eine Suche möglich machen, auf die ich mich begeben werde, um Sara endlich Antworten zu liefern.
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Jeff läuft durch die Gemüseabteilung. Wie jeden Samstag erledigt er seine Einkäufe auch heute in dem Walmart- Supermarkt, der nur wenige Minuten von seinem Haus in Fort Worth entfernt liegt. In seiner linken Hand hält er seine Einkaufsliste, mit seiner rechten Hand schiebt er lustlos den Einkaufswagen vor sich her. Er fühlt sich antriebslos. Am liebsten wäre er auf der Couch geblieben. Doch der Kühlschrank ist kaum gefüllt. Dieser Einkauf ist heute dringend nötig! Trotzdem ist er abwesend. Und so läuft Jeff aus der Gemüseabteilung heraus, ohne den Blumenkohl in den Wagen gelegt zu haben.
Im nächsten Gang starrt Jeff auf die verschiedenen Brotsorten, die sich dort stapeln. Es dauert fast eine Minute, bis er nach dem Toast greift, den er auch sonst immer nimmt. Er fühlt sich energielos. Jeff ist Anfang 40, ein großer, untersetzter Mann. Man sieht ihm an, dass ihm die letzten Jahre seine Kraft geraubt haben. Dieses Auf und Ab zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen Vertrauen und Schmerz. Jeff versinkt direkt vor dem Brotregal wieder in Gedanken. Er wollte nie aufgeben. Doch vielleicht ist es nun doch an der Zeit, den Kampf hinter sich zu lassen. Sich zu fügen. Wie wird es sich anfühlen, nicht mehr nach ihr zu suchen?
Jeff geht weiter, er will diesen Einkauf hinter sich bringen. Doch er kommt nicht weit. Denn plötzlich steht ein junger Mann vor ihm. Jeff hat ihn noch nie zuvor gesehen. Er will ihm ausweichen. Doch der junge Mann schaut Jeff tief in die Augen und beginnt zu sprechen: „Es klingt vielleicht etwas verrückt, aber ich muss ihnen etwas sagen“. Jeff lächelt gequält. Er ist sicher, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss. Es fällt ihm schwer, freundlich zu sein, denn noch immer drehen sich seine Gedanken um die Suche nach ihr.
Doch der fremde Mann lässt sich nicht beirren. „Ich habe nach Ihnen gesucht!“ sagt er. „Nach mir?! Warum?!“ erwidert Jeff ungläubig. „Wie gesagt, ich muss ihnen etwas sagen“. Jeff antwortet nicht. Er schaut den Mann nur weiter ungläubig an. „Ok., hören sie einfach zu“, fährt der Mann fort und beginnt zu reden, und zu reden, und zu reden. Und Jeff hört ihm zu.
Als der Mann fertig ist, bricht Jeff in Tränen aus. Mitten im Supermarkt, direkt vor dem Brotregal, weint er bitterlich. Es dauert fünf Minuten, bis er sich wieder fängt. In diesem Moment fasst er einen Entschluss. Einen Entschluss, der alles veränderndern wird.
Nur acht Wochen nach diesem Treffen wird es in Jeffs Leben eine spektakuläre Wendung geben, die nicht nur ihn und seine Familie, sondern ein ganzes Land zu Tränen rührt.
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Als Nina aufwacht, ist sie immer noch todmüde, denn es ist mitten in der Nacht. Eigentlich müssten der 12-Jährigen die Augen sofort wieder zufallen. Aber Nina starrt an die Decke, auf den hellen Lichtstrahl in der Mitte des Raumes. Es ist die Straßenlaterne, die von draußen durch einen kleinen Gardinenspalt in ihr Schlafzimmer scheint. Doch dieses Licht ist es nicht, das Nina wachhält. Es ist ein ganz bestimmter Gedanke. Der Gedanke an eine Treppe. Eine steinerne Treppe, die zu einer Eingangstüre führt. Dieser Eingang ist nicht irgendeiner, sondern der Eingang, von dem das Mädchen immer und immer wieder träumt - auch heute, genau darum ist Nina wach.
Sie weiß ganz genau, wo sich dieser Eingang und diese Treppe befinden. Es gibt sie wirklich. Es ist die Treppe des Kinderheims – ihres alten Kinderheims. Wieder und wieder träumt Nina davon. Ein altes, großes Haus mit kleinen Fenstern. An der Seite des Hauses der Eingang. Und dort, genau dort, ist diese Treppe.
Nina hat das Heim verlassen, als sie sechs Jahre alt war. Aber gedanklich ist sie noch immer sehr oft dort.
Die Treppe hat eine große Bedeutung für sie. Eine Bedeutung, die Nina sich aber nicht erklären kann. Denn dieses Bild scheint ihr nicht vollkommen zu sein. Irgendetwas fehlt hier. Aber was? Noch immer starrt Nina regungslos an die Decke. Sie sieht die Treppe vor sich. Aber sie weiß nicht wirklich etwas mit dieser Erinnerung anzufangen. Ist es vielleicht gut, dass Ninas Gedächtnis nur einen Teil dieser Erinnerung abrufen kann? Soll es vielleicht genauso sein? Was ist dort passiert? Was ist auf dieser Treppe geschehen? Nina spürt, dass es etwas sehr Wichtiges war. Aber was?
Nina beschließt das Bild zu verdrängen – wie jedes Mal. Sie hat Angst davor, was sich hinter diesem wiederkehrenden Gedanken verbirgt. Sie hat Angst, wieder verletzt zu werden.
Was Nina nicht ahnt: Diese Treppe ist Teil eines Geheimnisses. Eines Geheimnisses, das ihr Leben in den Grundfesten erschüttern und verändern wird.
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