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Kanzler Spahn


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Stefan und Mick besprechen die Nachrichtenwochen
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00:00:00 KI und alte Männer

Zum Auftakt laufen mehrere Clips: Roland Emmerich kündigt einen komplett KI-produzierten Film für 30 bis 40 Millionen statt 300 Millionen an und bezeichnet Skepsis gegenüber KI als „feindliche Haltung", ein älterer Handwerker erklärt, Frauen sollten keine 40-Kilo-Mörtelsäcke schleppen, weil sie „noch ein Kind gebären" sollten, woraufhin im Clip eine Malermeisterin aus Göttingen widerspricht. Stefan und Mick stellen fest, dass sie noch nie so viele absurde Männerauftritte im Fernsehen gesehen hätten, und Mick zweifelt, ob Emmerichs Kostenversprechen einzuhalten sei, da in Hollywood ein hoher Filmpreis längst Marketingargument an sich sei. Stefan fügt hinzu, er würde mit dieser Wette nicht zu Polymarket gehen, weil am Ende ohnehin „alle Roland Emmerich" seien.

00:03:42 Soziologie und Quatsch

Stefan erzählt, er habe jahrelang vermieden, Leuten von seinem Studium zu erzählen, und Soziologie meist als „fast wie Zoologie, nur ohne Tiere" abgetan, was er inzwischen für zutreffend halte, wenn er die Abendnachrichten schaut. Er kündigt an, deshalb mitten in einen Clip einzusteigen, in dem es um den Koalitionsstreit gehe.

00:05:56 Der Sozialsystem-Streit

Die Tagesthemen greifen eine Aussage von Arbeitsministerin Bärbel Bas auf, die in der Regierungsbefragung gesagt hatte: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein." Im Beitrag wird diese Aussage als faktisch falsch eingeordnet, und als Belege für die Empörung „im Land" werden Stimmen von Focus Online, Bild und Julian Reichelt (Nius) eingespielt, der von „Mist, einer Lüge" und Zynismus spricht. Stefan argumentiert, gemeint sei offensichtlich, dass niemand wegen der Sozialsysteme einwandere, und nennt es Humbug, Reichelt, Bild und Focus als Stimme „des Landes" zu inszenieren, statt sie zu ignorieren. Mick spricht von einer „kollektiven Psychose", in der man glaube, zu wenig miteinander zu reden, und kritisiert, dass die Tagesthemen einen aus dem Kontext gerissenen Satz aufgreifen, weil sie auf Twitter den vermeintlichen blinden Fleck sähen, und so Nius erstmals als rechenschaftsfähiges Medium behandelten. Stefan ergänzt, mit dieser Logik müsse sich auch die SPD-Spitze zunehmend an Nius andienen, ähnlich wie die CDU sich der AfD annähere, während die ARD damit selbst überflüssig werde.

00:15:20 Fakten gegen Empörung

Stefan stellt der Empörungsdebatte Zahlen entgegen: Die Rentenkasse profitiere von Migranten, da jeder im Schnitt rund 7000 Euro pro Jahr in die Sozialsysteme einzahle, und die migrantische Bevölkerung sei im Schnitt 9,4 Jahre jünger als die deutsche, bei Menschen mit Migrationshintergrund sogar elf Jahre. Er verweist auf den anstehenden Renteneintritt des geburtenstarken Jahrgangs 1964 mit 1,1 Millionen Menschen im Jahr 2029 und darauf, dass mehr als die Hälfte aller Neuanstellungen in Deutschland auf Ausländer entfalle. Mick ergänzt, der einzige Bevölkerungsnettozuwachs in ganz Europa stamme noch aus dieser Form von Einwanderung, und vergleicht die Debatte mit der früheren Diskussion über „Totalverweigerer" beim Bürgergeld: Man rede über eine Gruppe von wenigen Tausend, während eine demografische Schieflage Millionen betreffe. In einem weiteren eingespielten Clip verteidigt Bas ihre Aussage mit dem Hinweis auf den Fachkräftemangel und darauf, dass die Unternehmen jeden bräuchten, der im Land sei und arbeiten könne; Stefan und Mick zitieren zudem eine Reportage von Sarah Tacke über übergewichtige, depressive Bürgergeldempfänger als Beispiel für die parallel laufende Stigmatisierungsdebatte.

00:21:49 Bilanz der GroKo

Stefan und Mick ziehen Bilanz nach einem Jahr Friedrich Merz und kommentieren einen Heute-Journal-Bericht zur SPD-Pressekonferenz in der Reichstagskuppel. Stefan zerlegt Matthias Miersch wegen dessen Auftritt und Formulierungen wie „wir wollen einen Ausblick tun", Mick beschreibt die Verlegenheitsauftritte der SPD-Spitze. Beide bemängeln, dass die SPD trotz Umfragetief um 12 Prozent keine eigenen inhaltlichen Akzente setzt, etwa Vermögensteuer oder Verteidigung des Acht-Stunden-Tags, und stattdessen den Konflikt mit dem Koalitionspartner scheut. Im Clip wird die GroKo als von „Zoff und Zank" geprägt beschrieben, was Stefan zurückweist: Streit sei der Sinn von Politik, sonst hätte man gleich Merz, Dobrindt und Spahn wählen können. Mick verweist auf Bärbel Bas als Beispiel für eine Politikerin, die mit klarer Ansage mediale Wirkung erzielt habe.

00:29:15 Vier Erfolge, viel Spott

Anhand eines ARD-Berichts zum einjährigen Bestehen des Koalitionsvertrags „Verantwortung für Deutschland" gehen Stefan und Mick die vier Erfolgsmeldungen durch, die ein CSU-Landesgruppenchef im Clip aufzählt: Migrationswende geliefert, Bürgergeld abgeschafft, neuer Wehrdienst eingeführt, Heizungsgesetz vom Kopf auf die Füße gestellt. Stefan rechnet die Bürgergeld-Einsparung auf 80 Cent pro Bürger und Jahr herunter, bezeichnet den Wehrdienst als bloße Personalrekrutierung statt Wehrpflicht und verweist beim Heizungsgesetz auf die geopolitische Abhängigkeit von Trump, dem iranischen Regime und chinesischen Erneuerbare-Anbietern. Eingespielt wird auch Katherina Reiche, die das von ihr so genannte Gebäudemodernisierungsgesetz als Investitions- und Planungssicherheit sowie Technologieoffenheit präsentiert und damit Habecks 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien rückgängig macht, sowie Friedrich Merz mit dem Bild, Deutschland sei kein Schnellboot, sondern ein großes, schweres Schiff. Mick ordnet ein, die Erwartungen an Merz seien von Beginn an im Keller gewesen, der Name „Koalition aus Verantwortung" signalisiere bereits Management statt Gestaltung, und der hin- und herschwimmende Migrationskurs (Merz' Forderung, 80 Prozent der Syrerinnen und Syrer zurückzuführen, gefolgt von der Verkündung, das Migrationsproblem sei gelöst) zeige die Widersprüche. Beide diagnostizieren, dass die Regierung sich von Bild und Nius Erwartungen aufdrängen lasse, an denen sie zwangsläufig scheitere, und ziehen einen Vergleich zum Brexit-Versprechen von 350 Millionen Pfund pro Woche für den NHS. Mick schlussfolgert, eine andere Diskursverschiebung etwa zur Vermögensteuer wäre möglich, wenn die Tagesthemen sie analog zur Bürgergeld-Debatte über Wochen bespielten.

00:45:49 Spahn und die Macht

Stefan rahmt Jens Spahn als Hauptfigur einer ARD-Doku zum ersten Jahr Merz und liest dessen Rückblick auf den gescheiterten ersten Kanzlerwahlgang („mein erster Impuls war schade") als bewusst kalkulierte Positionierung gegen Merz. Mick ordnet die Berichterstattung darüber ein und beobachtet eine Parallelität, in der Journalisten wie Robin Alexander einerseits gegen die Regierung schössen, andererseits dem Merz-Projekt aus Mangel an Alternativen Erfolg wünschten. Beide diagnostizieren ein strukturelles Ende des „Kanzlerwahlautomaten": Weder Scholz noch Merz erzeugten noch Adenauer-, Kohl- oder Merkel-artigen personellen Auftrieb, SPD und CDU stünden auf der „Restrampe". Stefan benennt die staatspolitische Verantwortungs-Erzählung, Merz jede Chance einzuräumen, weil danach nur die AfD komme, als genau jenen Modus der Alternativlosigkeit, der die 27-Prozent-AfD weiter wachsen lasse.

00:51:45 Vermögen, SPD und Krisen

Stefan spielt einen Heute-Journal-Clip, in dem Lars Klingbeil neben der Einkommenssteuerreform eine höhere Vermögensteuer ins Gespräch bringt und Spitzenverdiener zu mehr Solidarität aufruft; Stefan kontert mit dem Hinweis auf Frankfurter Bekannte, die täglich 100.000 Euro Rendite einstrichen, und kritisiert, dass die SPD die eigentliche Vermögensfrage gar nicht mehr aufwerfe, sondern nur höhere Arbeitseinkommen meine. Mick hält die Vermögensteuer in dieser Koalition für chancenlos und schlägt – wie schon in vorherigen Folgen angesprochen – eine zweite, von der Klingbeil-Spitze gelöste SPD aus Basis und Gewerkschaften vor, die sich als Antiposition für die Zeit nach der Koalition aufstelle. Stefan ergänzt aus eigener Quelle, in Bundestagsfraktion, Ländern und Kommunen „leiden alle unter Lars", teils mehr als unter Merz. Im Tagesthemen-Clip wird Spahn am Jahrestag des Koalitionsvertrags mit 86 Prozent zum Fraktionschef wiedergewählt; Stefan deutet Tag und Ergebnis als bewusste Inszenierung gegen Merz, an dem nun „kein Weg mehr vorbei" führe, während Mick Merz als Gefangenen seiner eigenen Fraktion mit 11 Prozent Beliebtheit beschreibt, dessen Reformherbst und Frühlingsreformen ausgeblieben seien. Die Krisenlage – ausbleibende US-Wende nach den Midterms, fortlaufender Iran-Krieg, Ukraine-Krieg, Xis möglicher Taiwan-Kalkül nach Trumps Besuch – verschärfe diesen Befund; Stefan fürchtet eher drei weitere Iran-Kriege als deren Ende. Ein weiterer Clip zeigt Spahn und SPD-Fraktionschef Miersch, die im Zeitungsinterview ihre Beziehung und gemeinsame Erfolge bei Wehrdienst, europäischer Asylpolitik und Bürgergeldreform betonen; Stefan vergleicht dies mit „Chuck-Schumer-Vibe" und verweist darauf, dass die gemeinsame europäische Asylpolitik unter einem SPD-Kanzler in der Ampel angelegt worden sei. Mick fasst zusammen, dass beide Parteien – CDU bei 24, SPD bei 12 Prozent – politisch im Kern leer seien und im gleichen Modus wie vor 20 Jahren glaubten, ihre Erfolge nur besser vermitteln zu müssen.

01:04:23 CDU und Realität

Stefan und Mick ordnen einen Clip aus einer ARD-Doku ein, in dem Alexander Dobrindt die Schuldenbremse als „tiefe Verwundung" der Unionsfraktion beschreibt. Stefan kontrastiert das mit dem Umstand, dass die Koalition mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen gestartet ist.

01:05:29 Sondervermögen vor Ort

Ein Reportage-Clip zeigt Woltersdorf in Brandenburg, das rund 3,166 Millionen Euro aus dem Sondervermögen erhält und damit unter anderem Brückenpfeiler und barrierefreie Straßenbahnhaltestellen finanzieren will; die Kommunalpolitik zeigt sich erfreut. Mick schlägt vor, in größerem Umfang Helikoptergeld an die Kommunen auszuschütten, damit diese vor Ort sichtbare Maßnahmen wie Brücken oder Fahrradwege umsetzen können. Er verbindet das mit dem späteren Beispiel, wonach 82 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt dem Staat nicht mehr vertrauten.

01:07:50 Politische Ratlosigkeit der Koalition

In einem Clip beschreibt SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf das Gefühl, vom Koalitionspartner im Stich gelassen zu werden, ohne konkrete Schritte zu benennen. Mick diagnostiziert, dass es der Koalition nicht gelinge, eine politische Wende herbeizuführen oder ein Gefühl von Sicherheit und staatlicher Handlungsfähigkeit zu vermitteln. Auch Erfolge wie die Bürgergeld-Debatte fühlten sich am Ende für niemanden besser an.

01:11:05 Spahn gegen den Stillstand

Im Doku-Clip zeigt sich Jens Spahn genervt vom „Rumgesitze und Gerede" im Politikbetrieb und davon, dass nichts entschieden werde. Stefan fragt, wie ein Journalist es zulassen könne, Spahn in Regierungsverantwortung als Wutbürger auftreten zu lassen. Mick ordnet Spahns Auftritte als bewusste Status-Inszenierung ein: als „kleiner Trump" innerhalb der CDU positioniere er sich gegen Friedrich Merz und sammle Aufmerksamkeit für die Zeit nach Merz. In einem weiteren Clip räumt Spahn ein, man hätte ein besseres Erwartungsmanagement betreiben müssen.

01:15:32 Pflege als Minenfeld

Ein Clip kündigt für Mitte Mai den Gesetzentwurf zur Pflegeversicherungsreform an, ein Thema mit politischem und sozialem Sprengstoff. Stefan rechnet vor, dass stationäre Pflege ab rund 4.000 Euro monatlich koste und eine Vollversicherung etwa 80 Prozent des Einkommens beanspruchen würde – einen Raum für populäre Entscheidungen sieht er hier nicht. Mick ergänzt, dass die demografischen Probleme nun durchschlagen, der politische Modus aber unverändert auf kleinteilige Reformen mit ein paar Euro Mehrkosten und Leistungskürzungen hinauslaufe.

01:18:40 Entlastung scheitert im Bundesrat

Stefan und Mick besprechen die im Bundesrat gescheiterte Entlastungsprämie: Unternehmen sollten freiwillig bis zu 1000 Euro steuerfrei an Beschäftigte auszahlen können. In einem Clip aus der Länderkammer wird die rhetorische Frage gestellt, ob die Prämie zwar gut gemeint, aber auch gut gemacht sei. Laut Bericht stimmte kein unionsgeführtes Land zu und nur vier der sieben SPD-geführten Länder, was als Steilvorlage für die Opposition gewertet wird. Mick erklärt das Scheitern damit, dass die Länder das Steueraufkommen tragen müssten und die Bundesregierung die Finanzierung nicht geregelt habe. Lars Klingbeil verweist in einem Clip auf die Belastungen durch den Iran-Krieg und hält seine Hand ausgestreckt, während der scheidende Ministerpräsident Alexander Schweitzer aus Rheinland-Pfalz den Tag nicht als Blamage, aber als wenig erfolgreich für die Bundesregierung einordnet.

01:27:30 Korte über die Koalition

Eingespielt wird ein Interview mit Karl-Rudolf Korte: Auf die Frage nach Wetten auf ein vorzeitiges Koalitionsende verweist er auf die Zwölfstimmenmehrheit, die zwar deutlich, aber mühsam sei; eine Mehrheit mit der AfD würde die CDU zerreißen. Korte beschreibt zudem das Auslaufen der Kanzlerdemokratie, weil das Kraftzentrum des Kanzleramts in der gewohnten Form nicht mehr existiere und Prozesse zwischen den Häusern nicht funktionierten. Stefan greift den Befund auf, dass das Kraftzentrum nicht mehr im Kanzleramt liege. Mick ordnet ein, dass sich strukturell etwas in den Parteien verschoben habe, unter anderem als Folge der Merkel-Jahre und der Abwendung von der Mitte.

01:34:48 Merz und die Machtfrage

Mick beschreibt Friedrich Merz als Gefangenen seiner eigenen Fraktion: Anders als Merkel, die unliebsame Fraktionsvorsitzende habe wegmobben können, habe Merz keine Basis in der Partei und könne Spahn nicht entfernen. Auch die ehemals lautstarken Merz-Unterstützer aus der Jungen Union seien innerhalb eines Jahres umgeschwenkt und würden notfalls eine Minderheitsregierung unter Spahn in Betracht ziehen. Stefan vermisst bei Korte die Erzählung, dass die CDU dadurch zu einer Partei unter vielen werde, die sich offen streite, und prognostiziert eine Aufspaltung in Konservative und Realos. Mick ergänzt mit dem Hinweis, dass die früher der Rechten zugeschriebene Disziplin verloren gegangen sei. Stefan stellt anschließend einen Bericht über Merz beim NRW-Unternehmertag vor, in dem Merz vor Wirtschaftsvertretern um Geduld wirbt und die Demokratie als mühsam, aber alternativlos verteidigt.

01:41:00 CDU ortet SPD-Einfluss

In einem Bericht vom CDU-Gebietsverband Nürtingen verteidigen lokale Funktionäre Merz und benennen als Ursache für sinkende Umfragewerte, dass dieser innenpolitisch von der SPD getrieben sei und einen linken Kurs fahre. Stefan blendet dazu Politbarometer-Zahlen ein: 35 Prozent finden den SPD-Einfluss zu groß, 27 Prozent zu klein, 29 Prozent genau richtig; unter CDU/CSU-Anhängern sind es 59 Prozent, unter SPD-Anhängern drei Prozent. Mick bezeichnet die Frage als Ausdenkungsfrage und spricht von Talking-Point-Pingpong im Landesverband, da der Eindruck eines SPD-Übergewichts vor allem aus oft wiederholten Erzählungen stamme.

01:45:18 AfD setzt CDU unter Druck

Eingespielt wird ein Tagesthemen-Interview von Ingo Zamperoni mit Tino Chrupalla, in dem Chrupalla Merz dafür lobt, Deutschland nicht in den Iran-Krieg hineingezogen zu haben, eine Diplomatie mit Russland einfordert und günstiges Pipeline-Gas für Industrie, Mittelstand und Handwerk verlangt; zudem verweist er auf Beliebtheitswerte, die schlechter seien als die Honeckers in der DDR. Stefan analysiert, die AfD zertrümmere die CDU mit dem Angebot „Deutschland aber normal" und übernehme das Staatsverständnis, Opposition mache ihr sichtbar Spaß. Mick ergänzt, Chrupallas Russland-Position liege auf der Linie von Katherina Reiche, lediglich ideologisch zugespitzt; die CDU bereite den Diskursrahmen selbst mit vor. Mick verweist auf Wadephuls Syrien-Reise, in deren Folge der Shitstorm nicht von der AfD, sondern von Spahn und Dobrindt mit Forderungen nach Massenabschiebungen ausgegangen sei, was die AfD wiederum mit Remigrationsforderungen aufnehme. Stefan kritisiert die ARD, weil sie sich kaum damit befasse, was die AfD eigentlich wolle, und die Frage nach zu starkem SPD-Einfluss bereits ein AfD-Talking-Point sei.

01:55:01 Sachsen-Anhalt kippt nach rechts

Stefan und Mick steigen mit der aktuellen Sonntagsfrage ein, in der die AfD bundesweit auf 27 Prozent zulegt und die Union auf 24 Prozent zurückfällt, womit ein Tagesthemen-Ausschnitt die Sendung eröffnet. Eine zweite Umfrage zeigt, dass nur 24 Prozent der Bundesregierung zutrauen, die Wirtschaft zu stärken (minus 31 Punkte), und 23 Prozent ihr soziale Sicherheit zutrauen, während der Wert beim Thema Migration nur leicht sinkt. Stefan und Mick deuten dies als Zeichen, dass die AfD nicht primär über Migration zulegt, sondern über wirtschaftliche und sozialpolitische Unzufriedenheit, und dass die schwarz-rote Koalition wie Friedrich Merz das Thema verkennt. Mick verweist auf die fehlende linke Gegenmobilisierung: SPD, Grüne und Linke verharrten in stabilen Werten und verknüpften sich nicht mit Sorgen um Wirtschaft und sozialer Sicherheit. Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt folgt eine Tagesthemen-Reportage aus Schönebeck, in der ein Fleischer die Grundstimmung als unzufrieden beschreibt und Passantinnen und Passanten teils zur Brandmauer-Kritik bis zu offenem Zuspruch zur AfD reichen. Ein Einspieler nennt die AfD in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und zitiert AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beim Familienfest am 1. Mai mit der Parole, man hole sich das Land zurück. Stefan und Mick referieren eine Infratest-dimap-Zahl, wonach 82 Prozent in Sachsen-Anhalt meinen, der Staat komme seinen Aufgaben nicht angemessen nach.

02:07:40 AfD und Sachsen-Anhalt

Mick ordnet ein, dass die 82-Prozent-Unzufriedenheit nachvollziehbar sei, die ökonomischen Sorgen real seien und die AfD diesen Unmut bündele. Stefan und Mick kommen zu dem Schluss, dass Sachsen-Anhalt seine Dynamik verliere und Argumente von außen die Stimmung dort nicht mehr drehen könnten.

02:09:12 Vertrauenskrise im Staat

Ein Tagesthemen-Kommentar führt aus, dass die über Jahre geschürte Erwartung „Politik regelt schon" sich nun räche, der Staat nicht alles abfedern könne und die Bundesregierung sich in Koalitionsstreitigkeiten bei Rente, Gesundheit und Wirtschaft verheddere. Stefan ergänzt, dass der Staat zwar 500 Milliarden für Infrastruktur mobilisiere, aber keine direkten Entlastungen an die Betroffenen organisiere, und kritisiert die resignative Haltung, daraus folge zwangsläufig die AfD.

02:10:31 Merz und der Stuhlkreis

Stefan leitet zu Friedrich Merz' Terminen über, darunter der Koalitionsausschuss mit Union und SPD im Kanzleramt, den ein Einspieler als „allgemeinen Meinungsaustausch" mit einem „Hauch von Stuhlkreis" beschreibt. Stefan wundert sich, warum Spitzenleute wie Lars Klingbeil und Katherina Reiche für einen solchen Meinungsaustausch ein Format brauchen, in dem etwa Außenminister Wadephul nach dem Iran befragt werde. Mick spielt das Format spöttisch durch und schlägt vor, gemeinsam Briefe an Donald Trump zu formulieren. Stefan überleitet dann zum DGB-Bundeskongress als zweitem Termin desselben Tages.

02:15:12 Gewerkschaftlicher Protest

Beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes warnt DGB-Chefin Yasmin Fahimi vor Angriffen auf Arbeitsrechte und kritisiert die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung als „Verschiebebahnhof zulasten arbeitender Menschen". Merz wirbt in seiner 33-minütigen Rede für die Sozialreformen bei Gesundheit, Pflege und Krankenhäusern und nennt sie eine „große Chance", was unter den rund 400 Delegierten in Buhrufe und sichtbaren Unmut umschlägt. Stefan und Mick begrüßen, dass die Delegierten direkt während der Rede ausbuhen, statt auf einen späteren Redeslot zu warten, und Mick deutet dies als angemessene Reaktion statt einer reinen Demokratie-Beschwörung. Einspieler aus dem Heute-Journal zeigen Merz mit dem Satz, das alles sei „Demografie und Mathematik", was eine Delegierte als „Klatsche ins Gesicht aller Beschäftigten" und als respektlos bezeichnet. Fahimi sagt im Saal, man wolle nicht in Zeiten vor 1918 zurückgeworfen werden.

02:21:58 Auftritt beim Katholikentag

Drei Tage nach dem DGB-Auftritt diskutiert Merz beim Katholikentag mit jungen Teilnehmerinnen, die Kürzungen beim Bürgergeld, in der medizinischen Versorgung und die Debatte um eine Ausweitung des Acht-Stunden-Tags kritisieren. Auf die Frage nach Frustration junger Menschen, die als faul dargestellt würden, entgegnet Merz, in seiner Partei habe niemand gesagt, die Menschen in Deutschland seien faul, und räumt ein, er müsse seine Kommunikation verbessern. Im Anschluss greifen Stefan und Mick eine Wortmeldung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auf, die als Mitglied der Kirche kritisiert, diese agiere wie „eine weitere NGO", was beide als widersprüchliche Vermischung von Privatperson und Amt einordnen.

02:25:49 Trump, Truppen und Europa

Stefan leitet vom Iran-Komplex zum außenpolitischen Block über und kommentiert, dass beim Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan Trumps Ankündigung im Raum steht, US-Truppen aus Deutschland und Europa abzuziehen. Im Clip heißt es, der Abzug komme als Rache für die Kritik am Iran-Kurs, der europäische NATO-Pfeiler müsse schneller gestärkt werden; Kaja Kallas weicht der Frage nach Trumps Motiven aus. Stefan und Mick spotten, dass Merz dem Gipfel fernblieb, weil er parallel vor einer Schulklasse auftrat, und dass die Legende vom rhetorisch begabten Außenkanzler damit hinfällig sei. Im anschließenden Clip räumt Merz ein, dass die Tomahawk-Zusage seit Biden nicht erneuert wurde, das Problem aber gelöst werden müsse.

02:29:40 Vilseck verliert die Soldaten

Stefan fragt, woran man zuerst denke, wenn die Amis nach Hause gingen, und richtet den Blick auf Vilseck in der Oberpfalz, eines der Hauptstandorte des angekündigten US-Truppenabzugs (rund 5.000 Soldaten bundesweit aus Deutschland). Im Tagesthemen-Clip erfährt der neue Bürgermeister Thorsten Grädler live vor der Kamera von der Entscheidung, lokale Stimmen schildern, dass Handwerk, Eisdielen und das deutsch-amerikanische Volksfest stark von den GIs abhängen; der Eisverkäufer Philipp Spiropoulos sagt, ohne die Amerikaner sei „alles tot". Mick schlägt halbironisch vor, das Modell auf Sachsen-Anhalt zu übertragen und überall junge, feierwillige GIs in die Kleinstädte zu setzen, um dort wieder Dynamik zu erzeugen. Sigmar Gabriel ordnet den Abzug im Anschluss als langfristigen Trend seit Ende des Kalten Krieges ein und sieht keine sicherheitspolitische Katastrophe, was Stefan und Mick als Verharmlosung kritisieren. Gabriel rät zudem, die US-Regierung nicht mit den Vereinigten Staaten zu verwechseln, da Trump bei den Midterms im November vermutlich verlieren werde.

02:36:28 Kriegsfähigkeit und Wehrpflicht

Im Anschluss an Gabriels Bemerkung, Raketenbau sei „keine Rocket Science" und werde von deutschen Unternehmen geleistet, fragt Mick, ob die deutsche Technik vielleicht gar nicht so vertrauenswürdig sei und ob das mit ein Grund für die jahrelange Taurus-Blockade gewesen sei. Stefan spielt einen Clip mit Nico Lange ein, der vor dem Bericht über die ZDF-Frage „2029 könnte Putin die NATO herausfordern – ist die Bundeswehr dann kriegstüchtig?" eine andere Streitkräftestruktur, realitätsnahes zivil-militärisches Üben und die Wehrpflicht einfordert. Mick ordnet Lange, ähnlich wie Strack-Zimmermann, als Außenrufer ohne politische Verantwortung ein und verweist auf eine Gesellschaft, in der laut Umfragen 82 Prozent dem Staat seine Leistungen nicht mehr zutrauen und die für regelmäßigen Zivilschutz nicht zu mobilisieren sei. Pistorius bekommt im Slomka-Interview die Frage, wie er auf Rolf Mützenichs Abrüstungs-Vorschlag reagiere, und tut diese als Einzelmeinung ab; Mick zollt der SPD Respekt dafür, beide Lager noch zusammenzuhalten, weil sonst die BSW-Wählerwanderung viel größer ausgefallen wäre. In einem weiteren Clip erklärt Pistorius, eine sofortige Wehrpflicht helfe ohnehin nicht, da Kasernen, Unterkünfte und Material für 100.000 bis 150.000 Wehrpflichtige pro Jahr fehlten, während die freiwilligen Bewerberzahlen stiegen. Stefan vermutet, die Bundeswehr preise die Dauerdiskussion bewusst als Aufmerksamkeitskampagne für den freiwilligen Wehrdienst ein. Mick ergänzt, der Diskurs erzeuge auf beiden Seiten – „Russen greifen morgen an" wie „Merz greift morgen die Russen an" – Angstspiralen, treffe vor allem die politisch lobbylosen jungen Menschen und lenke von handfesten Schwächen der Regierung ab.

02:50:02 Die neue Drohnenfront

Stefan beschreibt die Lage in der Ukraine, in der nichts mehr mit Panzern und Leopard zu tun habe, sondern fast ausschließlich mit Drohnen, weshalb die Todeszone hinter der Front immer weiter wachse, während die Frontlinie selbst statisch bleibe. Ein Clip aus Isjum zeigt Schutznetze über Straßen und das Zentrum der Stadt, Soldaten begleiten den Leichnam eines Kameraden, eine Anwohnerin sagt, die Netze bedeuteten, dass die Front näherrücke. Mick zieht die Parallele zum Iran-Krieg, der ohne Soldaten am Boden geführt werde, und Stefan verweist auf Palantir-Datenanalyse und auf Eric Schmidts Bumblebee-Drohnen (Perennial Autonomy / Swift Beat), die per optischem Lock-on Fahrzeugen autonom folgen. Ein zweiter Clip berichtet von der deutsch-finnisch-ukrainischen Drohnenkooperation und von ukrainischen Garagenfirmen wie „General Cherry" (Saporischschja) mit über 300 3D-Druckern, deren Produkte zum Exportschlager würden. Mick ordnet das als Übergang in eine Realität ein, in der jeder staatliche und nicht-staatliche Akteur für wenige tausend Euro tödliche Drohnen in Playstation-Größe produzieren könne und es keine klaren Frontverläufe oder geschützten Zivilzonen mehr gebe.

02:57:47 Taurus, Tomahawks und Lücken

Über Thomas Wiegold steigt Stefan in die umgedrehte Marschflugkörper-Debatte ein: Die Ukraine verfüge inzwischen über eigene reichweitenstarke Waffen, während die Europäer feststellten, solche Systeme selbst nicht entwickelt zu haben. Mick spitzt zu, die NATO kaufe seit 60 Jahren Systeme zur Schließung angeblicher Abschreckungslücken, mit denen aber nie ein echter Krieg geführt worden sei, und die Ukraine sei nun das Schlachtfeld, auf dem sich diese Technik als oft untauglich erweise. Im Clip erklärt Wiegold, die USA verkauften Tomahawks an Verbündete, aber nicht die Systeme zur Missionsplanung – exakt das Argument, mit dem damals die Taurus-Lieferung an die Ukraine blockiert wurde. Stefan zieht das Fazit, dass über Taurus niemand mehr diskutiere, weil teure Einzelschuss-Waffen mit aufwändiger Missionsplanung in der neuen Drohnenrealität an Bedeutung verlören. Pistorius ergänzt in einem weiteren Ausschnitt, die europäische ELSA-Initiative (European Long-Range Strike Approach) mit Briten und Franzosen werde erst Mitte des nächsten Jahrzehnts liefern, weshalb die Fähigkeitslücke ohne Tomahawks noch länger bestehen bleibe.

03:05:36 Xi, Trump und Rosen

Stefan deutet Trumps China-Besuch als rein zeremoniellen Akt: Xi halte Trump für blöd, sitze es aber höflich aus und nutze einzelne Chancen für Ansagen. Im Clip warnt Xi öffentlich, Spannungen um Taiwan könnten die Beziehungen in eine „äußerst gefährliche Lage" bringen, ein früherer US-Außenminister nennt Xi kälter und rücksichtsloser als jeden anderen, mit dem er je verhandelt habe. Der Schluss-Clip dreht sich um die Rosensamen, die Xi Trump versprochen hat, nachdem dieser die Rosen im Pekinger Regierungsgarten überschwänglich gelobt hatte – Stefan und Mick weisen darauf hin, dass Trumps eigener Rose Garden inzwischen betoniert und das Weiße Haus eine Baustelle sei. Zum Abschied kündigen Stefan und Mick an, wegen des Tempos der Merz-Regierung womöglich auf häufigere Folgen umzustellen, und verabschieden sich mit „bis nächste Woche" und „bis dann".

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Alias PodcastBy Stefan Schulz


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