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Ach herrje. Wie konnte das nur passieren? Aurora Nia Noxx hat ihren BH vergessen. „Und die Nippelpads auch“, sagt die Frau mit den Katzenaugen verführerisch lächelnd und zieht die perfekt geschwungenen Augenbrauen empor. In ihrem transparenten Spitzen-Kleid mit knappem Jäckchen darüber nimmt sie auf einem Barhocker Platz.
Früher arbeitete die studierte Marketing-Managerin bei einer Krankenkasse, heute ist sie eine der bekanntesten Dominas Deutschlands. Beim Live-Podcast im „KultKieztürchen“ an der Friedrichstraße gab sie den Gästen tiefe Einblicke in eine Welt voller Demütigungen, Schmerzen und Lust – faszinierend und schockierend zugleich. An ihrer Seite: Einer ihrer Sklaven.
Domina berichtet von krassen Wünschen, Fetischen und Tabus
Die Redaktion empfiehlt: Dieser Podcast ist für Hörer unter 18 Jahren nicht geeignet!
Schwer atmend nimmt Uli die letzten Stufen und drückt der vor der Tür wartenden, ausgemergelten Frau die ausrangierte Stereoanlage in den Arm. Sie schenkt ihm ein zahnloses Strahlen. „Du bist echt der Beste.“ Uli winkt ab. „Kein Ding. Gerne doch“, sagt er. Nachdem Uli im Knast saß, lebte er viele Jahre lang auf der Straße. Der eigene Verfall. Die Blicke und Beschimpfungen der anderen. Uli weiß, wie es ist, ganz unten und auf die Gaben anderer angewiesen zu sein.
Manche halten ihn für einen Satanisten. Für andere ist er ein Knacki. Vielleicht auch nur ein Kleinkrimineller. Mit Sicherheit aber einer, der nicht lange fackelt. Marco Apfler (48) kennt sie – die Vorurteile. Klar, auf Fremde wirkt er mitunter bedrohlich mit dem von Tattoos übersäten Körper, den rot gespritzten Augäpfeln und von Horror-Motiven gezeichneten Gesicht. Dass er so aussieht, war harte Arbeit. Für seine Tätowierer. „Ich bin eine Heulsuse. Schmerzen kann ich nicht ertragen“, sagt Marco lachend. Der Tätowierer und „Lehmitz“-Geschäftsführer gibt tiefe Einblicke in seine Welt.
Zwei Burger für Engelchen. Schatzi bekommt eine Pommes. Und Herzilein? Die nimmt heute mal eine vegane Bratwurst. Wie die Stammgäste wirklich heißen, wissen die Chefinnen nicht. Es spielt auch keine Rolle. Auch wo sie herkommen, wie sie aussehen, was sie beruflich machen, ist ohne Bedeutung. Bei Sabine (62) und Schwiegertochter Katrin Clorius (41) sind alle gleich. Die Frauen sind die „Tresenfront“ der „Kleinen Pause“ an der Wohlwillstraße. Mit Herz, klarer Kante und so manch deftigem Spruch schmeißen sie den seit 38 Jahren bestehenden Kult-Imbiss.
Mit getönter Sonnenbrille und Lederjacke, die Haare nach oben frisiert, sitzt er da. Einen halben Liter Apfelschorle im Bierglas vor sich. Alkohol ist tabu. Seit 25 Jahren hat er keinen Tropfen mehr getrunken. Der Mann, der mit Weltstars auf der Bühne stand, gemeinsam mit anderen Musikern den Grundstein für die „Hamburger Szene“ mit Otto Waalkes und Udo Lindenberg legte und in dessen Läden so viele internationale Stars feierten, dass es ihm unmöglich ist, sich an jeden Einzelnen zu erinnern.
Die Wertschätzung, die Traditionen, das Pflegen der Kultur. Für die türkischstämmige Familie von Tayfun Bayanbas von großer Bedeutung. Eigentlich auch für den 32-Jährigen. Doch er wollte sein eigenes Ding machen. Vier Geschwister, sechs Tanten und Onkel mit jeweils drei bis vier Kindern, die wiederum auch schon Kinder hatten. Zu viele Menschen. Zu viele Meinungen. Tayfun suchte sein Glück in den USA. Gefunden hat er es schließlich dort, wo alles begann. Im „Aladin Center“ an der Reeperbahn – dem seit knapp 25 Jahren bestehenden Kiez-Kaufhaus.
Sie war die Wirtin der Hafenstraßen-Besetzer, erlebte die Zeiten der Seeleute und Luden. Der „Schöne Mischa“ und der „Schöne Klaus“ saßen bei ihr am Tresen. Mit ihren Damen, die nicht selten für Aufruhr sorgten. Und einmal auch die Wut der Wirtin zu spüren bekamen. Vor 50 Jahren landete Frauke Brauns auf dem Kiez. Eigentlich nur, um sich als Kellnerin etwas dazuzuverdienen. Doch St. Pauli ließ sie nicht mehr los. Heute ist sie 68 Jahre alt und noch immer Wirtin der „David Quelle“ – mit 118 Jahren eine der ältesten Kneipen St. Paulis.
Sie war so was wie der Dorfplatz des Kiezes. Abhängen an der „Esso“: Absoluter Kult. Nachdem die Tanke unweit des Spielbudenplatzes abgerissen wurde, suchten die Leute einen anderen Ort. Und fanden ihn. Nur sehr viel kleiner. Den Kiosk „Mittenmang“ an der Davidstraße, liebevoll die „kleine Esso“ vom Kiez genannt.
Mit 14 schleppte Jürgen, sein Cousin, „Ball Pompös“ an. Eddy erinnert sich noch, wie er die Nadel vorsichtig auf die Platte niederließ. Das Knistern. Die ersten Töne. Und dann diese Stimme. Es hatte ihn sofort voll erwischt. Seine Liebe zu Udo Lindenberg ging so weit, dass er sich den Namen des Sängers auf den Oberarm tätowieren ließ und ihn bis in die Garderobe verfolgte. „Ich arbeite für Udo Lindenberg“, prahle Eddy schon als junger Mann. Damals noch weit entfernt von der Realität. Er war Lude und stadtbekannter Schläger.
Sie nannten ihn „Magnum für Arme“ – damals in Santa Fu. Wegen seiner auffälligen Hawaiihemden und Shorts. Ein korrekter Typ, der sein Wort hielt und immer einen Weg fand, Stoff in die Zelle zu schmuggeln. Heute sitzt da ein hagerer Mann mit grauem Haar und Bart im Putzlicht des „Golden Pudel Club“. Die Augen müde. Die Stimme sanft. Ulli Koch ist 65 Jahre alt und Putzkraft. „Die gute Seele des Pudels“, sagen die Leute. Ein Kiez-Urgestein mit bewegtem Leben. Ulli saß hinter Gittern mit Konrad Kujau, dem Fälscher der „Hitler-Tagebücher“, betrank sich mit Campino und stand für „Tocotronic“ vor der Kamera. Dass er noch lebt, grenzt an ein Wunder. Dreimal wäre er fast gestorben.
Ulli berichtet von seiner Zeit im Heim und den Jungs, die er später hinter Gittern wiedertraf. Von Zigeunern, die ihn „abrichteten“, Diebestouren im feinen Zwirn und seiner Zeit im Knast. Wie er Drogen in die Zelle schmuggelte, wo er sie versteckte und warum man ihn nie erwischte. Er berichtete von Koks auf Kampnagel, dem Leben in der Hafenstraße, seiner Heroinsucht und den Zusammenbrüchen, die ihn fast das Leben gekostet hätten. Und vor allem erzählt er vom „Pudel“ und seinen Menschen. Wie er Nina Hagen traf, Wodka mit Campino trank und für „Tocotronic“ ein Musikvideo drehte.
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