Über 90 % der KI-Piloten liefern keinen messbaren Mehrwert. Warum das an Prozessen und Daten liegt, nicht an der KI. Dazu EU-AI-Act, KI-Phishing und unser 4-Felder-Framework.
Über 90 % der KI-Piloten liefern keinen messbaren Mehrwert. In dieser Folge des Stammformats sitze ich mit Tim Wiegels zusammen, und wir sind uns bei der zentralen These schnell einig: 2026 entscheidet nicht das beste KI-Modell über Gewinner und Verlierer, sondern der, der seine Daten und Inhalte wirklich gut aufbereitet hat. Tims Vortragstitel bei Beyond the Dashboard fasst es zusammen: Deine KI ist nicht so gut wie deine Daten. Und bei den meisten ist sie das nicht.
Wir sortieren das über ein Framework mit zwei Achsen. Auf der einen Daten- und Content-Verfügbarkeit, auf der anderen Prozess- und Workflow-Verständnis. Gewinner haben beides hoch und einen P&L-messbaren Impact, weil sie am Ende weniger Zeit für dasselbe Ergebnis brauchen. Die große Masse hat beides niedrig, und genau da kommen die über 90 % her. Dazwischen zwei typische Fallen: viel Content ohne Prozessverständnis, also große Data-Lakes, die nicht mit der Fachabteilung reden. Und viel Prozessverständnis ohne eigene Daten, also ChatGPT oder Copilot auf fremdem Wissen, mit dem du nur so gut bist wie der Wettbewerb, der gestern gestartet ist.
Tim dreht die übliche Diagnose um: Das eigentliche Silo sitzt nicht in den Daten, sondern in den Köpfen. Zu viele Teams, die ihre eigenen Prozesse nicht sauber verstehen. KI macht diese Silos nur sichtbar, erfunden hat sie das Problem nicht.
Wir landen beide bei derselben Empfehlung. Klein anfangen, auf guten Daten testen, eine Fehlerkultur zulassen, statt drei Jahre auf das perfekte Datenmodell zu warten. Der ehrlichste erste Use Case ist oft ein sauber gebauter Helpdesk-Chatbot, nach innen oder nach außen.
Außerdem in den News der Woche:
Der Agent-Ready-Data-Layer. Warum fast jede Datenbank einer sein kann, sobald das Gold-Silber-Bronze-Prinzip sitzt, und warum die großen Plattformen bei Real-Time-Anfragen an ihre Grenzen kommen.
Der EU-AI-Act mit Stichtag 2. August und den ersten Pflichten. Warum Governance und Erklärbarkeit hier keine Compliance-Bremse sind, sondern die Eintrittskarte, um KI überhaupt sauber zu nutzen. Und warum es für den AI-Act dieselbe Dienstleistung geben müsste, die es beim Datenschutz mit dem externen DPO längst gibt.
KI-Phishing, das laut der besprochenen Meldung stark zunimmt, und die Frage, wie verwundbar E-Mail-Agenten im eigenen Postfach eigentlich sind.
Zum Schluss noch unsere laufende Wette zum Cost-Overrun und ein kurzer Blick auf Anthropics Net Revenue Retention.
Tim & Jonas, Stammformat, Folge 334. Neue Folgen jeden Freitag.