ADHS-Pillen bei Gesunden? Der Placebo-Effekt ist stärker als die Droge!
Viele Studenten und High-Performer greifen zu ADHS-Medikamenten wie Adderall, um ihre kognitive Leistung zu steigern. Doch bringt das wirklich etwas, wenn man gar kein ADHS hat? Eine faszinierende Studie der University of Alabama zeigt: Der Effekt ist größtenteils Einbildung!
Die Studie (Cropsey et al., 2017): Die Forscher nutzten ein sogenanntes "Balanced Placebo Design" mit 32 gesunden Studenten (ohne ADHS). Das Besondere: Es gab vier Szenarien. Man bekam entweder das Medikament (Adderall) oder ein Placebo, wurde aber manchmal richtig informiert und manchmal angelogen ("Hier ist deine Pille", obwohl es Zucker war, und umgekehrt).
Die Tests: Die Teilnehmer mussten eine ganze Reihe an kognitiven Tests absolvieren, darunter:
- Gedächtnis: Wörter merken (CVLT-II) und Zahlenreihen (Digit Span).
- Aufmerksamkeit: Der "Connors Continuous Performance Task" (CPT) – hier muss man dauerhaft konzentriert bleiben und auf bestimmte Signale reagieren.
- Wortgewandtheit: Schnell Wörter zu bestimmten Buchstaben finden (COWAT).
- Exekutive Funktionen: Multitasking und Planung (Trails A/B, Stroop Test).
Die Ergebnisse:
Keine Super-Intelligenz: Das Medikament verbesserte die Leistung in 29 von 31 Tests überhaupt nicht. Es gab nur minimale Verbesserungen bei sehr einfachen Aufgaben (wie dem Merken der ersten Wörter einer Liste).
- Der Glaube versetzt Berge: Wer glaubte, das Medikament bekommen zu haben (egal ob es stimmte oder nicht), zeigte bessere Leistungen im Langzeitgedächtnis und bei der Aufmerksamkeit als diejenigen, die glaubten, ein Placebo zu haben.
- Subjektive Täuschung: Wer glaubte, auf Droge zu sein, bewertete seine eigene Leistung viel besser – unabhängig von den tatsächlichen Ergebnissen.
Fazit: Für gesunde Menschen bringen diese Medikamente kaum einen objektiven Vorteil für komplexe Aufgaben. Der "Boost", den viele spüren, ist oft nur der Placebo-Effekt – die bloße Erwartung, dass man jetzt leistungsfähiger ist.
Quellen:
Buergler, S., Sezer, D., Bagge, N., Kirsch, I., Locher, C., Carvalho, C., and Gaab, J. (2023). Imaginary pills and open-label placebos can reduce test anxiety by means of placebo mechanisms. Scientific Reports, 13(1), 2624.
Cropsey, K. L., et al. (2017). "Mixed-amphetamine salts expectancies among college students: Is stimulant induced cognitive enhancement a placebo effect?" Drug and Alcohol Dependence.
Esposito, M., Cocimano, G., Ministrieri, F., Rosi, G. L., Di Nunno, N., Messina, G., ... and Salerno, M. (2021). Smart drugs and neuroenhancement: what do we know?. Frontiers in Bioscience-Landmark, 26(8), 347-359.
Whitehurst, L. N., Morehouse, A., and Mednick, S. C. (2024). Can stimulants make you smarter, despite stealing your sleep?. Trends in Cognitive Sciences, 28(8), 702-713.
Winkler, A., and Hermann, C. (2019). Placebo-and nocebo-effects in cognitive neuroenhancement: when expectation shapes perception. Frontiers in Psychiatry, 10, 498.
Bücher und Podcasts von Dipl. Psych. Eskil Burck:
Buch: Angst - Was hilft wirklich gegen Angst und Panikattacken?
(https://psychologie-lernen.de/buecher/angst-was-hilft-wirklich-das-buch/)
Die Macht der Situation - Das Buch:
http://psychologie-lernen.de/die-macht-der-situation-wovon-sich-menschen-im-alltag-manipulieren-lassen-eskil-burck/?preview=true
Das manipulierte Gehirn - Das Buch:
http://psychologie-lernen.de/das-manipulierte-gehirn-psychologie-der-unbewussten-beeinflussung-eskil-burck/
Audio-Podcast: Angst – Was hilft wirklich?
https://podcasts.apple.com/de/podcast/angst-was-hilft-wirklich-gegen-angst-und-panikattacken/id1450856027