Walk & Talk mit Ida
Download on the App Store

Walk & Talk mit Ida episodes

  • Neid. Warum bin ich neidisch?

    Hallo und herzlich willkommen bei Walk & Talk mit Ida, heute wieder aus dem Westerwald. Ich freue mich, dass du dabei bist, denn es geht weiter mit unserem Thema Neid. Dieser manchmal etwas unschönen Emotion, von der wir gestern schon festgestellt haben, dass sie in der Altsteinzeit eine ja durchaus wichtige Eigenschaft hatte – nämlich dafür zu sorgen, dass die Gruppen untereinander und innerhalb der Gruppe möglichst gleichgewichtig, gleichwertig blieben. Dass da nicht einer sich herausnehmen konnte, besser zu sein, ohne dass die anderen darauf reagiert haben. Wenn du Lust hast, hör dir doch die Folge von gestern nochmal an, falls du sie noch nicht gehört hast.

    Und heute machen wir weiter mit der psychologischen Perspektive zum Thema Neid. Denn die psychologische Forschung hat da natürlich auch einiges rausgefunden. Und gerade diese Perspektive erhellt einiges von dem, was wir eben an negativen Gedanken haben. Sie erhellt uns im wörtlichsten Sinne, denn wir lassen jetzt mal unser Licht darauf scheinen.
    Die bahnbrechende Studie: Neid = Schmerz
    Also seit 2009 gibt es einige total wichtige Forschungen zu dem Thema, unter anderem aus Japan. Bei der man an Studenten herausgefunden hat, wenn man sie untersucht hat, dass Neid nur dann anspringt, wenn die Person, die da anscheinend besser ist als man selber, einem ähnlich ist (Takahashi et al., 2009). Und das ist, finde ich, eine ganz interessante Sache.
    Das heißt, wenn jemand ein super guter Radfahrer ist, mich Radfahren aber nicht interessiert, als, sagen wir mal, Wettkampfsport, dann bin ich auf den auch nicht neidisch. Denn das, was der hat, will ich gar nicht haben. Das begehre ich nicht. Während wenn jemand das, was ich tatsächlich begehre – jemand, der mir ähnlich ist oder ähnlich in dem, was er eben besitzt oder vermeint zu besitzen – dann bin ich auf ihn tatsächlich neidisch.
    Und dieser Neid, der eben auf Ähnlichkeit dessen beruht, der wird im Gehirn auch tatsächlich wie körperlicher Schmerz verarbeitet (Takahashi et al., 2009). Das haben die in der gleichen Studie untersucht. Die haben die Leute ja in einen Scanner gesteckt – das sind immer so diese schönsten Studien, finde ich, wo man ganz genau reingucken kann in den Kopf. Und da haben sie erstmal rausgefunden, wann sie diesen Neid genau auslösen können.
    Aber sie haben eben auch rausgefunden, dass dieser Neid an genau der gleichen Stelle im Kopf verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz. Wenn also jemandem aus Neid etwas schmerzt, dann findet er das tatsächlich so. Und das ist, ja, ich finde das schon krass. Da ich ja in der Praxis viel mit körperlichen Schmerzen zu tun habe und in der Psychosomatik wir ja sowieso viel diesen Zusammenhang zwischen Psyche und empfundenen körperlichen Schmerz betrachten, ist das natürlich eine unglaublich interessante Sache. Bin ich neidisch auf jemanden, dann kann ich das erfahren wie körperlicher Schmerz.
    Schadenfreude: Die dunkle Seite des Neids
    So, was gibt es noch Interessantes, was die herausgefunden haben? Das heißt, das Scheitern eines Beneideten – jetzt drehen wir das Ganze mal um, das haben sie nämlich auch untersucht, die Schadenfreude – die sorgt jetzt dafür, dass ich eine positive Belohnung kriege (Takahashi et al., 2009).
    Das System bei uns im Kopf ist echt klug. Auf der einen Seite, wenn ich neidisch bin: negativ, Schmerz wie körperlicher Schmerz. Auf der anderen Seite, wenn explizit demjenigen etwas passiert, auf den ich neidisch bin, dann empfinde ich eine Schadenfreude und bekomme auch echt eine Belohnung – eine Dopaminbelohnung im Gehirn.
    Also da ist echt was los! Belohnung wie wenn ich selber Glück bekomme. Also wenn mir selber was ganz Tolles passiert und es mir selber besser geht, dann werde ich ja auch mit Dopamin in vielerlei Hinsicht belohnt. Nicht nur, aber kurz zusammengefasst: Ich kriege dann Dopamin im Kopf. Und bei Schadenfreude passiert also genau das Gleiche. Und zusätzlich geht auch häufig noch ein Bereich an, in dem es um "das ist unfair" geht. Also das, was man mit "unfair" bei uns im Kopf als Ort gefunden hat, das geht bei Neid auch häufig noch an.
    Also wir finden etwas unfair, wir kriegen körperliche Schmerzen oder etwas wie körperliche Schmerzen, wenn wir Neid empfinden. Und wenn diese Person, auf die wir Neid empfinden, die uns also in irgendeiner Form ähnlich ist, bei der wir das begehren, was derjenige auch tatsächlich hat – dann empfinden wir auch Schadenfreude, wenn ihm etwas Schlechtes passiert. Aber auch nur bei ihm. Bei jemandem, bei dem es uns egal ist, da erfahren wir im Allgemeinen auch keine Schadenfreude, was ich jetzt auch interessant finde – eben zum Thema Schadenfreude. Die ist also direkt an Neid gekoppelt. Ohne Neid auch keine Schadenfreude.
    Oxytocin: Das Kuschelhormon mit dunkler Seite
    Das nächste, was untersucht wurde, ist – vielleicht kennst du das vielleicht auch aus einer anderen Folge von mir – das Hormon Oxytocin, das ja häufig als Kuschelhormon bekannt ist. Und in Bezug auf Neid hat man das untersucht und hat also festgestellt, dass Oxytocin nicht nur positive Gruppengefühle unterstützt, sondern auch die negativen (Shamay-Tsoory et al., 2009).
    So was wie Neid, Schadenfreude – alles, was in dem Bereich unterwegs ist, wird durch Oxytocin verstärkt. Das heißt, umso mehr wir uns wohlfühlen in unserer Gruppe, umso mehr wir kuscheln mit unserer Gruppe, umso mehr unser Oxytocin steigt, umso mehr Neid erfahren wir auch. Also umso empfindlicher sind wir, ob das soziale Gleichgewicht gestört ist.
    Wir wollen ja – Altsteinzeit – alle sind gleich, alle sind gleich gut, alle haben gleich viel. Eigentlich besitzen wir ja im Großteil gar nichts. Aber von dem gar nichts, also von dem, was an Essen und an Möglichkeiten rankommt, das wollen wir möglichst gleichwertig verteilt haben.
    Also wenn ich viel Kuschelhormone habe, wenn mir meine Gruppe wichtig ist, dann habe ich auch mehr Neid. Wenn du dich also mal erwischt, dass du neidisch bist – ja, vielleicht geht es dir eigentlich mit deiner Familie gerade besonders gut oder mit deinem Partner. Denn Oxytocin verstärkt das Gefühl von Neid genauso wie von Schadenfreude, aber auch von anderen, ja, häufig als negativ empfundenen Dingen, wie zum Beispiel unserer Angst vor Fremdem. Wir wollen ja unsere Gruppe zusammenhalten und uns abgrenzen gegenüber anderen. Das verstärkt eben das Oxytocin auch.
    Also etwas ganz Tolles: Es macht uns empathischer innerhalb der Familie oder der Gruppe, es macht uns sozialer, es macht uns vertrauensvoller. Wir vertrauen unseren engsten Familienangehörigen unglaublich viel, wenn wir viel Oxytocin haben. Aber wir vertrauen jemandem anderen außerhalb weniger. Wir sind eben auch neidischer und schadenfroher. Hat alles seine Vor- und Nachteile, was?
    Testosteron: Wettbewerb und Neid
    So, was kann man noch Schönes feststellen? Neid ist auch durch Testosteron bedingt. Und tatsächlich haben sie sowohl bei Frauen als auch bei Männern das untersucht (Cobey & Buunk, 2013). Und auch in Bezug auf den Eisprung bei Frauen – das kann man ja ein bisschen besser untersuchen, weil wir ja diese schönen Wellen haben in unseren Hormonen. Also wenn wir in der Menstruation sind, wir Frauen, dann sind wir relativ niedrig in den Werten und vom Testosteron-Level. Und wenn wir gerade bei unserem Eisprung sind, da sind wir besonders hoch.
    Und jetzt gibt es was anderes Interessantes: dass dieses Testosteron eben unseren Wettbewerb mit anderen, insbesondere Frauen, erhöht. Und wir dann natürlich auch neidischer sind. Das heißt, wenn du nächstes Mal unglaublich neidisch sein solltest, dann schau mal, ob du vielleicht gerade deinen Eisprung hast. Dann ist die Chance, dass du dich mit anderen Frauen vergleichst, nämlich deutlich höher.
    Und dementsprechend vergleichen wir, gucken uns die anderen genauer an. Wir gucken, ob sie uns ähnlich sind, ob sie das haben, was wir wollen. Also ist auch deine Chance auf Neid und Ähnliches etwas höher.
    Männer gucken übrigens immer mehr auf den Status als auf die körperlichen Merkmale von sich selber (Cobey & Buunk, 2013). Aber auch die können natürlich neidisch sein. Und auch hier hängt das mit Testosteron zusammen. Umso höher das Testosteron, umso eher gucke ich auf den sozialen Wettbewerb, meine Statusmerkmale, umso eher bin ich neidisch. Ist auch mal eine Erkenntnis. Testosteron hat genau wie viele andere Hormone auch seine Nachteile. Es macht potenziell neidisch.
    Chronischer Neid = Chronischer Stress
    Was passiert dann mit Neid, wenn wir das ganz oft haben? Also angenommen, wir haben viel Testosteron – egal ob als Frauen oder als Männer – oder wir haben viel Oxytocin, wir fühlen uns ganz glücklich in der Familie, wir haben aber auch viel Neid. Dann kann das für chronischen Stress sorgen (Dickerson & Kemeny, 2004).
    Ja, ein angenehmes Familienleben, soziale Netzwerke sorgen auch wieder dafür, dass es weniger wird. Aber insgesamt – da muss man sagen, dass Neid, vor allem dann, wenn es die wirklich negative Form von Neid… Gestern haben wir darüber gesprochen, es gibt eine positive und eine negative Form. Bei der einen bin ich eher angestachelt, selber besser zu werden und das auch zu erreichen, was der andere hat. Und beim anderen bin ich einfach nur destruktiv, fühle mich ihm unterlegen, fühle mich unangenehm. Wir kommen auch gleich nochmal genauer darauf.
    Aber mir ist der Unterschied hier jetzt schon mal wichtig, denn die negative Form – dieses "ich fühle mich nicht gut genug, ich glaube, dass ich nie so gut werden kann" – dieses Selbstbild sorgt für Stress. Und Stress haben wir hier im Podcast ja auch schon öfter mal besprochen, unter anderem am Donnerstag.
    Passiert eben, dass unser Körper mehr Cortisol ausscheidet, auch längerfristig. Und wir haben ganz, ganz viele negative Auswirkungen. Also ich mache hier bestimmt auch nochmal eine Folge spezifisch zum Thema Cortisol und was das macht, dieser chronische Stress mit uns Menschen. Aber es ist unglaublich schädigend.
    Es schränkt unsere kognitiven Fähigkeiten ein, das Immunsystem wird schlechter, wir werden metabolisch schlechter – das heißt, wir setzen eher Fett an – und, und, und, und, und, und. Also da passiert ganz, ganz viel in uns Menschen, wenn wir damit, ja, mit diesem chronischen Stress… Wir haben auch höheren Blutdruck, wir haben ein höheres Risiko für Arteriosklerose.
    Also Neid – häufig auftretender Neid, der zu länger anhaltendem Stress führt… Wenn ich also in einer Gruppe bin und konstant damit beschäftigt bin zu gucken: "Ja, was haben denn die anderen? Ich fühle mich niedriger…" Man hat das unter anderem an Pavianen untersucht, die einen niedrigeren sozialen Rang hatten. Also die hatten wirklich durchgehend Stress und damit auch eben die dazugehörigen Folgen. Aber scheint nicht nur bei Pavianen, sondern auch bei uns Menschen so zu funktionieren.
    Die 50.000-Euro-Frage: Relativer Reichtum
    Aber warum haben wir das jetzt? Da muss ja irgendwas dahinter hängen. Und das hat man sogar schon 1998 untersucht an der Harvard School of Public Health (Solnick & Hemenway, 1998). Und zwar – und die Sachen finde ich irrsinnig spannend – man hat geguckt:
    Wenn jemand die Möglichkeit hat, 50.000 Euro Jahresgehalt zu bekommen, alle anderen oder fast alle anderen haben aber nur 25.000 – er verdient doppelt so viel wie die anderen. Oder andere Alternative: Er bekommt 100.000 Jahresgehalt, alle anderen kriegen aber 200.000 – er hat also nur die Hälfte.
    Und jetzt kommt wirklich… Ich konnte es mir nicht vorstellen, aber vielleicht gehöre ich nicht klassisch zu dieser Gruppe. Aber 52 oder – ich weiß es nicht mehr genau – irgendwas in den 50ern, ein paar – 50 Prozent der Leute haben sich tatsächlich für 50.000 Euro entschieden statt 100.000, solange alle anderen deutlich weniger haben.
    Also dieser Unterschied im Gehalt war ihnen wichtiger. Es war eine fiktive Situation, aber auch in dieser fiktiven Situation: Dieser Unterschied, dass sie deutlich mehr haben als die anderen Menschen, war ihnen wichtiger als objektiv doppelt so viel Geld zu haben. Krass, oder?
    Wir Menschen sind schon speziell. Aber das sagt eben auch ganz viel über uns Menschen und das Thema Neid aus. Wenn wir die Idee haben, dass wir halb so viel haben wie die anderen, dann können wir damit nicht umgehen. Diese empfundene Ungerechtigkeit, diese Unfairness, die wollen wir nicht. Dass wir dann auch so unfair sind, sozusagen dafür zu wählen, lieber doppelt so viel zu haben wie die anderen – wäre interessant, wie es wäre, wenn man gesagt hätte, wenn alle gleich viel hätten.
    So ein ähnliches Experiment hat man noch gemacht. Da hat man zumindest gemerkt, dass die Leute dann weniger Stress haben, wenn sie auch diese Wahlmöglichkeit haben. Und ja, man hat das mehrfach wiederholt, dieses Experiment, und tatsächlich immer wieder gleiche oder sogar noch heftigere Reaktionen bei den Menschen bekommen. Bis hin dazu, dass man ein Echtgeld-Experiment gemacht hat, und die Leute waren sogar noch bereit, Geld dafür zu bezahlen, wenn das dafür sorgt, dass den anderen Geld weggenommen wird.
    Da steige ich aus, aber das ist dann… Ja. Und das erklärt halt auch, warum selbst Millionäre noch auf Milliardäre neidisch sein können. Das muss man sich mal überlegen. Also ich bin schon Millionär, ich habe schon viel mehr, ich habe objektiv unglaublich viel Geld, aber ich kann trotzdem noch neidisch sein auf Milliardäre, weil ich mich gegenüber ihnen arm fühle. Es ist immer die Relation. Es geht immer darum, wie stehe ich relativ zu den anderen. Bei denen es mich interessiert.
    Ja, was auch dazu führt, dass zum Beispiel sich die Mittelschicht in reichen Ländern oft unglücklicher fühlt als die Oberschicht in armen Ländern, wenn beide tatsächlich eine ähnliche Kaufkraft haben.
    Der Selbstwert ist entscheidend
    Ja, und da kommen wir schon so ein bisschen an das Ende und gehen nochmal auf diesen Mechanismus ein mit dem Selbstwert. Und gestern haben wir schon darüber gesprochen, aber ich finde das so einen wichtigen Aspekt. Denn die Sache mit dem Neid, wie er sich auswirkt, hat tatsächlich essenziell mit meinem eigenen Selbstwertgefühl zu tun (Smith et al., 1999).
    Bei jemandem mit einem positiven Selbstwertgefühl, wenn der sozusagen nach oben schaut – nach dem, der mehr hat von etwas, was er gerne hätte, als er selber – dann sieht er das eher als eine Information und als eine Motivation, um sich selber mehr anzustrengen oder auf eben positive Weise diesen Ausgleich zu schaffen.
    Während jemand mit schlechtem Selbstwertgefühl – häufig auch der Idee "ich schaffe ja gar nichts, ich bin nicht gut genug, ich bin nichts wert" – das als Konkurrenz sieht, was der andere hat. Der guckt also in Angst nach oben, der vergleicht sich auf negative Weise. Und durch diesen negativen Vergleich sieht er das als Bedrohung und geht hier auch tatsächlich in eine ganz, ganz negative Haltung.
    Also wenn wir jetzt hier gehört haben: Jemand bezahlt sogar Geld dafür, dass dem anderen etwas weggenommen wird – Hauptsache, dem anderen wird was weggenommen – das ist eine unglaublich negative Haltung, ein negativer Zug. Und da hat man eben tatsächlich festgestellt, dass das etwas mit unserem eigenen Selbstwert zu tun hat (Smith et al., 1999).
    Und Selbstwert wird ja noch ganz, ganz häufig Thema hier sein. Und ich hoffe, dass ich dich auch inspirieren kann, ja, deinen eigenen Selbstwert zu stärken. Und dann ist das Thema Neid auch plötzlich gar nicht mehr so ein großes Thema.
    Ausblick auf morgen
    Damit wären wir auch bei der Einleitung zu dem Thema morgen, denn morgen geht es um eine philosophische Perspektive auf das Thema Neid. Damit schließen wir unsere kleine Serie über Neid ab. Morgen am Sonntag mit dem philosophischen Spaziergang. Und da schauen wir uns mal eine philosophische Richtung an, die einen positiven Blick, einen Gegenblick sozusagen auf Neid aufmacht und eine Möglichkeit anbietet, mit Neid umzugehen.
    Schlussfrage
    So, dieser Podcast ist definitiv lang geworden. Ich hoffe, du bist mitdabeigeblieben und hast tatsächlich durchgehalten bis jetzt. Und ja, da wir gerade über die Frage gesprochen haben: "Wie ist denn eigentlich mein Selbstwert? Wie fühle ich mich denn gegenüber anderen? Fühle ich mich den anderen unterlegen? Fühle ich mich den anderen überlegen? Oder mache ich meinen Selbstwert vielleicht an dem ab, was für mich und, ja, was für mich selber gut ist, was sich für mich gut anfühlt – und gar nicht unbedingt im Vergleich zu anderen?"
    Und da darfst du dir mal überlegen: Woran merkst du, ja, wie du eigentlich deinen Selbstwert feststellst? Guck doch mal durch deine Gedanken durch und schau mal, wie du in die Welt hinausblickst, wie du zu anderen Menschen blickst und welche Gedanken dir dabei durch den Kopf gehen.
    Abschied
    Und damit, nach diesem geradezu Marathon-Längen-Podcast von 18 Minuten, verabschiede ich mich von dir. Ich wünsche dir einen wunderschönen weiteren Spaziergang. Ich laufe jetzt hier weiter über diese Wiese, die übrigens komplett von Wildschweinen durchfegt wurde, mal wieder. Die haben wir hier viel im Westerwald, und die machen immer sehr, sehr lustige Spuren – als ob hier echt, ich weiß nicht, eine riesige Herde durchgerast ist.
    Ja, und damit – ich freue mich, morgen wieder mit dir spazieren zu gehen. Tschüss!

    LITERATURVERZEICHNIS

    Cobey, K. D., & Buunk, A. P. (2013). Desiring the beautiful, seeking the fertile: Examining the relationship between sexual and fertility-related jealousy. Evolution and Human Behavior, 34(4), 277-283.
    Dickerson, S. S., & Kemeny, M. E. (2004). Acute stressors and cortisol responses: A theoretical integration and synthesis of laboratory research. Psychological Bulletin, 130(3), 355-391.
    Shamay-Tsoory, S. G., Fischer, M., Dvash, J., Harari, H., Perach-Bloom, N., & Levkovitz, Y. (2009). Intranasal administration of oxytocin increases envy and schadenfreude (gloating). Biological Psychiatry, 66(9), 864-870.
    Smith, R. H., Parrott, W. G., Diener, E. F., Hoyle, R. H., & Kim, S. H. (1999). Dispositional envy. Personality and Social Psychology Bulletin, 25(8), 1007-1020.
    Solnick, S. J., & Hemenway, D. (1998). Is more always better? A survey on positional concerns. Journal of Economic Behavior & Organization, 37(3), 373-383.
    Takahashi, H., Kato, M., Matsuura, M., Mobbs, D., Suhara, T., & Okubo, Y. (2009). When your gain is my pain and your pain is my gain: Neural correlates of envy and schadenfreude. Science, 323(5916), 937-939.

    DISCLAIMER

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    20 min
  • Neid. Warum brauchen wir den?

    Hallo und herzlich willkommen zu unserem gemeinsamen Spaziergang im Westerwald bei Walk & Talk mit Ida. Es ist ein wunderschöner, leichter Abend, und wir haben ein weniger leichtes Thema heute Abend gemeinsam. Das wird uns auch die nächsten beiden Tage noch begleiten. Und das Thema ist die menschliche Emotion Neid.

    Ich versuche mich ja immer nicht vor Themen zu drücken, die vielleicht ein bisschen unangenehm sein können. Und genau deshalb kommen bei mir regelmäßig mal Themen vorbei, die vielleicht etwas schwerere Kost sind. Aber ich versuche trotzdem, sie dir zu erklären, denn auch wenn wir uns gesellschaftlich immer freuen, wenn Themen wie Freude und Glück angesprochen werden, so haben wir Menschen eben auch ganz viele andere Emotionen. Das ist Wut, das ist Trauer, aber das ist eben auch so was wie Neid, Eifersucht und Ekel.
    Und ich finde, da ich die Welt ja aus der Perspektive der Altsteinzeit sehe – das hast du bestimmt bei mir jetzt schon öfter mal mitbekommen – bin ich der Meinung, dass jede Emotion, die wir als Menschen haben, einen Zweck hat, einen Sinn und Zweck. Nur dass wir ihn in unserer modernen Gesellschaft vielleicht nicht mehr sehen oder eher die negative Seite nach oben kommt, statt den positiven Effekt zu haben.
    Deshalb möchte ich als Erstes mal mit ein paar kleinen Sachen über Neid aufräumen. Ich werde dir heute etwas darüber erzählen, warum Neid in unserer heutigen Gesellschaft so kritisch sein kann, womit das befeuert wird. Ich rede darüber, was tatsächlich der Sinn und Zweck des Neides war, warum wir Menschen ihn entwickelt haben, indem wir uns mal die Altsteinzeit anschauen, die tatsächlich in Bezug darauf sehr anders war. Und ich kann dir schon versprechen: Dieser Neid hatte tatsächlich einen Sinn, einen Zweck in der Altsteinzeit.
    Was ist Neid eigentlich?
    Ja, dann erst einmal aufräumen mit dem Neid. Der Neid ist keine Wut oder Trauer. Der Neid ist auch keine Eifersucht. Eifersucht ist ja, wenn ich Angst habe, etwas zu verlieren – meinen Partner, mein Haus, mein Auto, was auch immer – an jemand anderen. Neid dagegen ist, wenn jemand anders etwas hat und es mich schmerzlich berührt, dass ich es nicht habe.
    Wir werden uns ja morgen noch mit der psychologischen Perspektive und der neurologischen und neuroimmunologischen Perspektive beschäftigen. Also, was passiert denn da in unserem Körper, wenn Neid aufkommt, und was verstehen wir denn in der Psychologie darüber? Und Sonntag schauen wir uns nochmal die philosophische Perspektive auf Neid an. Was haben denn mit diesem etwas schwierigen Thema, dieser Todsünde im Christentum, die Philosophen in den letzten Jahrhunderten nachgedacht?
    Neid in der modernen Welt
    Neid ist in unserer heutigen Zeit ja etwas, was so eine ganz komische Sache ist. Denn durch die sozialen Medien, durch Fernsehen – und ich will die nicht verteufeln, bitte versteh mich nicht falsch – ich sehe die sozialen Medien relativ nüchtern. Sie zeigen eben ein Bild, das die Menschen von sich kreieren. Aber sie kreieren halt häufig ein Bild, das mit besonders großer Schönheit, mit besonders großem Reichtum, mit besonders großem Können – je nachdem auf welchem Netzwerk man ist.
    Auf Instagram ist es eher die Happy Family, und auf LinkedIn ist es der besonders tolle Lebenslauf. Aber jeder versucht in diesen sozialen Netzwerken, aber auch im Fernsehen, möglichst gut dazustehen. Denn man möchte ja gerne gut angesehen werden, besser sein, sich besser fühlen. Das ist auch eine menschliche Eigenschaft. Wir wollen uns ja auch entwickeln. Wir wollen vielleicht irgendwo hin. Fake it until you make it – das ist halt relativ häufig.
    Aber was provoziert das denn dann bei den anderen? Das provoziert Neid, und ganz häufig die negative Form von Neid. Und damit komme ich auf einen ganz wichtigen Punkt, was Neid betrifft und was uns Menschen betrifft. Und später werden wir das in der Altsteinzeit nochmal zurücksehen.
    Die zwei Gesichter des Neids
    Neid gibt es in zwei, ich sag mal, Ausführungen. Einmal in der positiven Ausführung: Ich sehe etwas, was jemand anders hat, und es ist nicht so sehr ein Schmerz, sondern ein Ansporn. Hey, cool, der hat das, der macht das, der ist da drin besser als ich. Aber ich sehe das als Ansporn, um selber besser zu werden, um mich zu verbessern, um mehr Energie da reinzustecken, wenn mir das echt gefällt. Vielleicht übertreibe ich es dabei auch, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte von uns Menschen. Aber jetzt geht es erstmal darum, dass das Sehen von jemandem, der irgendetwas besser kann als ich, mehr hat als ich und so weiter – vor allem dann, wenn es etwas ist, was man auch lernen kann oder auch verdienen kann – das kann etwas sehr Positives sein.
    Dagegen gibt es die negative Form von Neid, und das ist dann, wenn es weh tut. Und ich tauche schon ein bisschen in die Psychologie ab, da das jetzt etwas ist, was aus der Therapie mehr kommt und nicht aus der klassischen psychologischen Untersuchung. Das heißt, in der Therapie merken wir ja häufig, dass die Menschen negative Glaubenssätze haben, negative Gedanken haben: Ich bin nicht gut genug, ich bin nicht schön genug, ich bin nicht reich genug, ich bin nicht imposant genug, was auch immer. Kann auch mal sein: Ich bin falsch, der andere scheint richtig zu sein, und so weiter.
    Also wenn ich selber einen negativen Glaubenssatz habe oder einen traumatisierten Teil, wie wir in der Psychologie auch sagen können – also wenn dieser Teil oder Anteil sich getriggert fühlt mit diesem Glaubenssatz – dann kommen potenziell negative Gedanken hoch. Ich fühle mich dann schlecht, weil ich sehe, was der andere hat und ich nicht habe.
    Die Wurzel des Problems
    Ich fand es jetzt wichtig, das ein bisschen zu erklären, und ich hoffe, es kommt raus, dass das gar nicht unbedingt an der reinen Tatsache liegt, dass der andere jetzt gerade sein teures Auto zeigt. Wenn ich nicht das Gefühl hätte in mir – ich bin nicht wert genug, wenn ich so ein Auto nicht habe – dann würde mich das entweder nicht jucken oder positiv anstacheln: Hey cool, das Auto gefällt mir, ich will jetzt was auch immer machen, damit ich das Auto auch kriege.
    Das heißt, das Problem bei Neid sind unsere eigenen Gedanken, das Nicht-gut-genug-Sein. Und das ist etwas, was ja in unserer Gesellschaft sehr, sehr viel vorkommt und natürlich extrem viel getriggert wird durch die sozialen Netzwerke, durch die Menschen, die sich häufig auch viel besser darstellen. Warum sie das tun, ist natürlich wieder eine andere Geschichte, hat jetzt – na ja, vielleicht teilweise mit Neid zu tun, weil sie wieder andere sehen, auf die sie neidisch sind, und dann so tun, als ob sie das auch wären. Aber das hat natürlich auch andere Gründe, die übrigens wieder sehr viel in dem „Ich fühle mich nicht gut genug" liegen.
    Das Schöne an der Stelle ist ja jetzt, dass wir aus Therapiesicht wissen, dass die Menschen da sehr gut dran arbeiten können an ihrem Gefühl, dass sie nicht gut genug sind. Das dauert lange, das ist schwierig, bei manchen funktioniert es gar nicht, aber bei vielen Menschen, die sich mit Therapie beschäftigen, die selber zum Therapeuten gehen, die schaffen es mit ihren Glaubenssätzen Stück für Stück voranzukommen und sind dann auch weniger neidisch. Und das ist so der große Unterschied zwischen der negativen und der positiven Konnotation von Neid. Und ja, warum das auch eben in unserer Gesellschaft heute so viel vorkommt – weil wir eben so vieles sehen, was wir beneiden können.
    Zurück in die Vergangenheit
    Und damit gehen wir jetzt mal Stück für Stück zurück in die Vergangenheit. Natürlich gab es immer Neid, das ist eine ganz grundsätzliche Eigenschaft von uns Menschen. Aber wie gesagt, deshalb muss es ja auch einen Grund geben, dass wir die haben.
    Umso weniger andere Menschen wir um uns herum sehen, die irgendetwas haben können, was wir nicht haben, umso weniger wird unser Neid getriggert. Das heißt, umso gleichberechtigter, umso gleichförmiger unsere Gesellschaft ist, umso kleiner ist die Chance, dass dieses Gefühl getriggert wird: Ich bin nicht so gut wie der, ich bin nicht gut genug.
    Und das war früher natürlich, bevor es soziale Netzwerke gab, bevor es Fernsehen gab, bevor wir in Städten gelebt haben – du siehst schon, ich gehe immer weiter zurück – durchaus mehr. Aber – und wenn wir uns überlegen, dass es in der Bibel schon als Todsünde bezeichnet wurde, ich glaube die siebte, dann muss es auch damals schon ein Problem gewesen sein. Und tatsächlich, sobald wir in einer Gesellschaft leben, in der einer mehr hat als der andere, vielleicht auch mehr Chancen hat, vielleicht durch Erbe schon mehr bekommen hat, dann ist natürlich ein Unterschied zwischen den Menschen.
    Und nochmals: Für den Neid ist nicht der Unterschied das Problem – siehe positive, negative Sachen von Neid – sondern die Frage, wie wir als Menschen damit umgehen, welche Glaubenssätze wir haben, was bei uns getriggert wird, ob bei uns Schmerz getriggert wird.
    Okay, aber getriggert wird es durch den Unterschied zwischen uns Menschen. Der ist hübscher, der hat die bessere Frau, der hat das hübschere Auto, der hat den besseren Job, der ist erfolgreicher als ich, und so weiter.
    Die altsteinzeitliche Perspektive
    Okay, gehen wir noch weiter zurück. Denn irgendwo muss es ja herkommen, irgendwann mal muss es ja einen Sinn gehabt haben. Und dabei landen wir tatsächlich in der Altsteinzeit. Die altsteinzeitliche Gesellschaft war sehr anders als unsere heutige. Vielleicht hast du in der einen oder anderen Folge von Walk & Talk mit Ida schon davon gehört.
    In der Altsteinzeit war eine grundlegende Gleichberechtigung. Jeder Mensch war gleich viel wert, aber nicht nur das. Wir haben innerhalb der Gruppen und auch unter den Gruppen immer miteinander geteilt. Nicht getauscht – geteilt. Und das ist ein ganz wichtiger Unterschied. Unsere heutige Gesellschaft beruht zum Großteil auf Besitzung, auf Tausch. Ich kann etwas besitzen – das erinnert mich wieder an die Folge mit dem Sitzen am Mittwoch. Ich kann also auf etwas sitzen, auf meinem Eigentum, und ich kann etwas davon mit dir tauschen. Und wenn wir herausfinden, was der Wert für uns ist, dann können wir das auch untereinander tauschen. Dann habe ich einen anderen Besitz, aber ich habe immer noch Besitz.
    In der Altsteinzeit kannte man das nicht. Selbst so was wie Perlen, ja, die waren dann an den Kleidungen der Menschen festgemacht, aber der klassische Besitz, wie wir den heute kennen, den gab es nicht. Wenn man sich um Nahrung gekümmert hat, dann hat man sich gemeinsam um Nahrung gekümmert. Diejenigen, die Sammeln waren, haben das, was sie mit Sammeln gefunden haben, geteilt, mit allen geteilt. Diejenigen, die gejagt haben, die haben ihre Beute mit allen geteilt. Es gab nicht, dass der beste Jäger mehr hatte, seine Kinder mehr überlebt haben, wie das später der Fall war. Alles wurde geteilt.
    Demut als Gegengift
    Und jetzt kommen wir auf was ganz, ganz Wichtiges, nämlich das Gegenteil des Neides: Das ist die Demut. Wenn ich demütig bin, dann wird beim anderen auch kein Neid getriggert.
    Man weiß aus Untersuchungen – ethnologische, von heute noch lebenden Jäger-Sammler-Gruppen aus Afrika – dass gerade die besten Jäger die demütigsten sein mussten, um sich in die Gruppe einzuordnen, um nicht über die Gruppe hinaus zu stehen. Jetzt kann man sagen: Demut finde ich irgendwie auch doof. Okay, aber so funktionierten tatsächlich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit über Jahrtausende, über Jahrhunderttausende in der Altsteinzeit die menschlichen Gemeinschaften.
    Die menschlichen Gemeinschaften haben funktioniert, weil alle gleichberechtigt waren und alle miteinander geteilt haben und alles fair und gerecht in der ganzen Gruppe gegangen und verteilt wurde. Egal wie gut du gejagt hast, egal wie gut du gesammelt hast, alles wurde fair und gerecht innerhalb der Gruppe verteilt. Du warst nicht besser, nur weil du ein guter Jäger warst, oder du warst nicht besser, nur weil du ein guter Heiler warst. Alle waren gleichberechtigt.
    Der ursprüngliche Sinn des Neids
    Und jetzt kommt der Neid: In dem Moment, dass jemand sich nicht an diese Regel gehalten hat, sich herausgestellt hat – „Ich bin der große Jäger, ich bin der tolle Kerl" – da kam Neid auf bei den anderen. Und dann konnten zwei Sachen passieren. Entweder positive Entwicklung: Alle wurden auf das Niveau gehoben, schnell und einfach. Derjenige war nicht mehr besser, hat sich hoffentlich auch nicht mehr so verhalten. Oder – er hat einfach weiter rumgeprallt, und dann haben tatsächlich Jäger-Sammler-Gesellschaften, wahrscheinlich in der Altsteinzeit, man weiß es von ethnologischen Untersuchungen heute noch, so reagiert, dass sie denjenigen verspottet haben. Und wenn er nicht – also wenn er weitergemacht hat, also wenn er sich nicht dann demütig gezeigt hat und mit der Gruppe gemeinsam gemacht hat, dann wurde er meistens ausgeschlossen.
    Ja. Neid, das negative Gefühl, wenn jemand sich als etwas Besseres darstellt – also mein negatives Gefühl gegenüber jemandem, der anscheinend etwas Besseres hat – hatte also irgendwie einen Sinn. Nicht unbedingt in der negativen Konnotation, wie das heute ist, aber die grundlegende Emotion von Neid – also nicht wollen, dass jemand irgendwie heraussticht, dann darauf reagieren, dass etwas in uns getriggert wird. Jetzt gehe ich mal davon aus, dass die Leute in der Altsteinzeit nicht so viele negative Glaubenssätze hatten. Also es war nicht unbedingt, dass Schmerzen getriggert wurden, aber da wurde was getriggert. Ja, das war nicht der Sinn der Sache, dass irgendjemand sich als besser herausgestellt hat.
    Und da denke ich – das ist übrigens meine Vermutung – liegt der Ursprung dessen, dass wir diese Emotion Neid haben. Eigentlich was Gutes, um unsere Gesellschaft gleichberechtigt zu halten, die sich in dem Moment, dass wir so etwas wie Besitz hatten, Tausch hatten, Handel hatten, plötzlich mit der Kumula– kumu– ach Gottchen, das Wort kriege ich nicht zusammen – das Kumulieren des Reichtums – plötzlich in etwas unglaublich Negatives verwandelt hat. Auch in etwas, was Schmerzen bereitet hat. Denn ich konnte ja vielleicht gar nicht so gut werden wie der König da. Ich habe ja gar keine Chance. Der ist der König, und ich bin es nicht. Der kriegt die tolle Prinzessin, und ich kriege sie nicht. Ja. Da habe ich keine Chance, den auszulachen und wegzuschicken. War halt dann eine andere Zeit.
    Abschluss
    Und ich glaube, gerade deshalb, dass Neid eigentlich eine – nennen wir es mal – neutrale Emotion war. Also nicht besonders schlecht, nicht besonders gut, aber dass sie ihren Sinn hatte.
    Damit verabschiede ich mich und frage dich als Frage des Tages: Woran erkennst du bei dir selber, dass du neidisch bist?
    Na dann, freue ich mich auf unseren Spaziergang morgen, bei dem wir uns mal die psychologische Komponente – also nicht die therapeutische, aber die psychologische, die neurologische – anschauen: Wie funktioniert das denn mit Neid im Kopf, was passiert da, und welche Auswirkungen hat Neid auch auf uns, wenn wir wie in der heutigen Gesellschaft Neid immer wieder erleben, erfahren, und das Ganze getriggert wird.
    Ja, mach's gut! Tschüss!

    LITERATURVERZEICHNIS

    Wissenschaftliche Quellen (APA-7)
    Evolutionäre Psychologie des Neids:
    Buss, D. M. (2013). The evolution of envy. In R. H. Smith (Ed.), The psychology of envy (pp. 26-43). Oxford University Press.
    Hill, S. E., & Buss, D. M. (2008). The evolutionary psychology of envy. In R. H. Smith (Ed.), Envy: Theory and research (pp. 60-70). Oxford University Press.
    Benigner vs. maligner Neid:
    Van de Ven, N., Zeelenberg, M., & Pieters, R. (2009). Leveling up and leveling down: The experiences of benign and malicious envy. Emotion, 9(3), 419-429. https://doi.org/10.1037/a0015669
    Van de Ven, N., Zeelenberg, M., & Pieters, R. (2011). Why envy outperforms admiration. Personality and Social Psychology Bulletin, 37(6), 784-795. https://doi.org/10.1177/0146167211400421
    Gesellschaftliche und anthropologische Perspektiven:
    Schoeck, H. (1966). Envy: A theory of social behaviour. Harcourt, Brace & World.
    Smith, R. H. (2008). Envy: Theory and research. Oxford University Press.
    Altsteinzeitliche Sozialstrukturen:
    Boehm, C. (1999). Hierarchy in the forest: The evolution of egalitarian behavior. Harvard University Press.
    Boehm, C. (2012). Ancestral hierarchy and conflict. Science, 336(6083), 844-847. https://doi.org/10.1126/science.1219961
    Wiessner, P. W. (2002). Hunting, healing, and hxaro exchange: A long-term perspective on !Kung (Ju/'hoansi) large-game hunting. Evolution and Human Behavior, 23(6), 407-436.
    Social Media und Neid:
    Krasnova, H., Wenninger, H., Widjaja, T., & Buxmann, P. (2013). Envy on Facebook: A hidden threat to users' life satisfaction? International Conference on Information Systems. https://aisel.aisnet.org/icis2013/proceedings/BreakthroughIdeas/1
    Tandoc, E. C., Jr., Ferrucci, P., & Duffy, M. (2015). Facebook use, envy, and depression among college students: Is facebooking depressing? Computers in Human Behavior, 43, 139-146. https://doi.org/10.1016/j.chb.2014.10.053
    Historische und theologische Perspektiven:
    Thomas von Aquin. (1265-1274/2006). Summa Theologiae (Vol. II-II, Q. 36). Cambridge University Press.

    DISCLAIMER

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    18 min
  • Langsam. Werde ich damit schneller?

    Langsam. Werde ich damit schneller?

    Hallo und herzlich willkommen wieder bei unserem Spaziergang im Westerwald. Heute laufen wir besonders langsam. Schön, dass du mit dabei bist bei unserem langsam Laufen und der Frage: Langsam. Werde ich dann schneller?

    Es gibt ja ganz viele Sprichwörter aus den verschiedensten Kulturen und Zeiten, wie zum Beispiel das lateinische "Festina lente" oder "Eile langsam", oder Leute, die sagen "More haste, less speed" im Englischen. Und so gibt es ganz, ganz viele – ja, verschiedene – "Eile mit Weile" im Deutschen. Also ganz, ganz viele Sprichwörter. Und irgendwie scheinen die ja auch einen Sinn zu haben.
    Ich selber muss sagen, ich kenne das Problem mit dem Eilen und dem, dass es dann am Ende doppelt so lange dauert.
    Wie ist es denn bei dir? Wenn du denkst, dich besonders beeilen zu müssen, wenn du besonders einen Stress hast – ist das Resultat am Ende dann wirklich schneller? Oder ist es eher langsamer, weil du was dreimal machen musst, weil du was vergessen hast in der ganzen Eile?
    Also bei mir ist es deutlich das Letztere.
    Und ich weiß selber, wie unglaublich schwer es mir fällt, dann doch tatsächlich langsam zu machen. Ich bin so ein Mensch – ich bin immer eher so aktiv und am Rumspringen und Machen und Tun. Und gerade dieses "Eile mit Weile" ist etwas, was ich erst in den letzten Jahren ein bisschen gelernt habe. Schmerzlich gelernt habe. Denn tatsächlich, wenn wir uns beeilen, steigt ja unser Stresslevel. Also man atmet schneller, man hat Gedanken im Kopf, man ist – alles Mögliche rotieren. Das sorgt dafür, dass das System denkt, da muss ein Feind sein, und einfach mal unser altertümliches Stresssystem anschmeißt.
    Natürlich ist das jetzt in dem Moment total unpraktisch. Das versteht aber der Körper nicht.
    Der Körper ist ja noch aus Altsteinzeit, und wir leben in der Neuzeit – also noch weiter. Und in der Altsteinzeit, wenn ich Stress hatte… Dann war da echt was los. Also, wenn Stress – ist interessant, dass beide Wörter das gleiche sogar sind – also Stress haben und Stressreaktion. Das heißt, ich hatte Stress, ich hatte anscheinend ein Problem.
    Da hinten ist vielleicht ein Vulkan ausgebrochen, und ich musste schnell fliehen. In dem Moment war wahrscheinlich mein Stresssystem, das sagt "Laufe besonders schnell, ich gebe dir ganz viel Energie, und du kannst flüchten", ziemlich gut.
    Wenn da gerade eine Giftschlange ist oder ein Tiger, ist das System auch gut. Wenn ich aber auf der Arbeit irgendeinen Task – die blöde Präsi – bis abends noch fertig haben muss, dann ist das was anderes als ein Vulkanausbruch oder eine Schlange oder ein Tiger.
    Aber unser System, unser sogenanntes autonomes Nervensystem, unterscheidet dazwischen nicht.
    Der versteht nicht: Stress A ist lebensbedrohlich – Vulkanausbruch oder Tiger. Ich mache alle Reserven frei, ich lasse den rennen. Oder Situation 2: Die Präsi muss schnell fertig sein. Hoher Druck, hohe Gefahr, Chef wird sonst sauer. Und dann schaltet das System eben in diesen Stressmodus um.
    Der Stressmodus bedeutet aber: Ich habe ganz viel Energie, ich bin aber auf Flucht oder auf Kampf programmiert – oder im krassesten Fall darauf, mich zu erstarren. Das hilft nicht bei der Präsi oder bei ähnlichen Dingen, die ich machen muss, wo ich eigentlich meinen Kopf brauche, wo ich meine Kognition brauche, wo ich mich konzentrieren muss, wo ich vielleicht auch kreativ sein muss, wo ich mal um die Ecke denken muss, damit die Präsi auch echt gut wird.
    Das sind alles Dinge, die wir im Stressmodus nicht mehr gut können.
    Das heißt, die ganze Konzentration, die ganze Kreativität, die ganze daraus resultierende Produktivität ist futsch. Wir machen ganz viel, ganz schnell. Das ist ja, was unser Stresssystem dann will, was angesprungen ist – das will uns ja retten. Aber durch die fehlende Konzentration machen wir potenziell auch ganz viele Fehler.
    Dann – du kannst es dir schon vorstellen – sobald ich merke, dass ich einen Fehler gemacht habe, was vergessen habe oder sonst was, weil ich so schnell gemacht habe, steigt mein Stresslevel noch weiter, ich habe noch weniger Möglichkeit, mich zu konzentrieren, und das Ganze wird immer schlimmer.
    Da waren die schon ganz schön klug, die das alles gemerkt haben. Ist ja auch ein natürlicher Prozess im Menschen mit dem Stresssystem.
    Und deshalb sagt man also sehr zu Recht: Eile mit Weile. Denn wenn ich es schaffe, trotz der Bedrohung mein System zu beruhigen und zu sagen "Hey, da ist keine echte Bedrohung. Da ist zwar eine Deadline, aber wenn ich jetzt ganz entspannt bleibe, wenn ich was Schönes mache, vielleicht zwischendurch nochmal mit einem Kollegen quatsche", meinem System wirklich sage "Es ist alles okay" – dann kann ich danach auch kreativ sein, kann ich produktiv sein, kann ich konzentriert sein, und habe ich tatsächlich auch die Präsi zur Deadline fertig, und wahrscheinlich in der Qualität, in der ich sie haben will.
    Vielleicht erinnerst du dich an die Übung vom Montag – diese kleine Atemübung. Die kann genau dabei helfen, dein System wieder zurückzubringen in einen entspannteren Zustand, wo dein Nervensystem… Das übrigens ein autonomes Nervensystem ist. Autonom, nicht so ganz automatisch. Den Begriff kennst du vielleicht. Autonom heißt selbstständig, vielleicht, ganz gut übersetzt auf Deutsch.
    Also dein autonomes Nervensystem – das kannst du gar nicht so ganz bewusst steuern. Aber es gibt Möglichkeiten, es in eine Richtung zu bewegen. Und diese Atemübung ist schon eines davon.
    So etwas wie Mindfulness – vielleicht hast du das schon mal gehört. Also ganz bewusstes Wahrnehmen des Augenblickes und so weiter. All diese Dinge helfen diesem autonomen Nervensystem, um sich wieder zu beruhigen und um wieder in ein klares Fahrwasser zu kommen, der Entspannung, und damit auch der Konzentration, der Kreativität, der Produktivität und so weiter.
    Was übrigens nicht hilft, sind Beruhigungspillen – also diese chemischen kleinen Cocktail-Dinger. Die machen uns nämlich eher stumpf. Da ist dann auch nicht mehr viel mit Denken. Also lieber die eigene Birne, die richtige Birne, verwenden. Und manchmal hilft es ein bisschen frische Luft, tatsächlich. Bisschen bewegen, bisschen Spaziergang – all solche Sachen.
    Hier, Spaziergang in der Natur, im Westerwald, mit mir. Ja, solche Dinge, die bringen dein System häufig ein bisschen runter.
    Und dann kannst du mit Weile eilen und am Ende ein gutes Resultat haben.
    Und damit gehe ich jetzt entspannt weiter und frage dich: Woran merkst du, gerade in stressigen Situationen, dass du trotzdem entspannt bist? Oder auch: Woran erkennst du, dass du nicht mehr entspannt bist?
    Denn wenn du den Zustand des entspannt, während eigentlich stressig, nicht kennst – noch nicht kennst – dann ist das alles okay. Aber vielleicht erkennst du dann zumindest den Zustand, in dem du merkst: Okay, jetzt ist mein Stresssystem angesprungen. Vielleicht geht dein Puls hoch, vielleicht wird deine Atmung schneller, vielleicht werden deine Gedanken hektischer.
    Und dann hast du nämlich eine Chance, in dem Moment einzugreifen.
    Das heißt, auch wenn du jetzt noch nicht sagen kannst, woran du erkennst, dass du entspannt bist trotz dem Stress um dich herum, dann kannst du vielleicht für dich selber beantworten: Woran du merkst, dass du gestresst bist. Und dann eingreifen. Mal ausprobieren. Mal gucken, was passiert – zum Beispiel mit der Atemübung vom Montag.
    Und damit verabschiede ich mich von dir, wünsche dir einen wundervollen, entspannten, ruhigen Tag. Eile mit Weile. Und leb wohl.

    LITERATURVERZEICHNIS

    Brown, K. W., & Ryan, R. M. (2003). The benefits of being present: Mindfulness and its role in psychological well-being. Journal of Personality and Social Psychology, 84(4), 822–848.
    Diamond, D. M., Campbell, A. M., Park, C. R., Halonen, J., & Zoladz, P. R. (2007). The temporal dynamics model of emotional memory processing: A synthesis on the neurobiological basis of stress-induced amnesia, flashbulb and traumatic memories, and the Yerkes-Dodson law. Neural Plasticity, 2007, 60803.
    Divine, M. (2013). The way of the SEAL: Think like an elite warrior to lead and succeed. Reader's Digest Association.
    Gerritsen, R. J. S., & Band, G. P. H. (2018). Breath of life: The respiratory vagal stimulation model of contemplative activity. Frontiers in Human Neuroscience, 12, 397.
    Kabat-Zinn, J. (1990). Full catastrophe living: Using the wisdom of your body and mind to face stress, pain, and illness. Delacorte Press.
    Maslach, C., & Leiter, M. P. (2016). Understanding the burnout experience: Recent research and its implications for psychiatry. World Psychiatry, 15(2), 103–111.
    McEwen, B. S. (2007). Physiology and neurobiology of stress and adaptation: Central role of the brain. Physiological Reviews, 87(3), 873–904.
    Porges, S. W. (2011). The polyvagal theory: Neurophysiological foundations of emotions, attachment, communication, and self-regulation. W. W. Norton & Company.
    Yerkes, R. M., & Dodson, J. D. (1908). The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of Comparative Neurology and Psychology, 18(5), 459–482.

    DISCLAIMER

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    10 min
  • Sitzen. Geht das auch ohne Rückenschmerzen?

    Sitzen. Geht das auch ohne Rückenschmerzen?

    Die Gänse sind wieder da – wie wunderschön! Es wird wieder Frühling, ganz eindeutig.

    Ja, herzlich willkommen bei Walk and Talk mit Ida hier im Westerwald. Ich freue mich, dass du dabei bist und mit mir spazieren gehst – heute mit netter Begleitung von zwei Schwärmen Gänse.
    Ja, das Thema, über das wir uns heute unterhalten, ist sozusagen das Gegenteil von dem, was wir jetzt machen. Wir laufen ja gerade – und das Thema heute ist Sitzen.
    Vielleicht kennst du das selber: Du sitzt am Schreibtisch oder an einem anderen Tisch, häufig ja am Schreibtisch im Büro. Nach zwei Stunden, vielleicht nach vier, nach sechs, nach acht Stunden tut dir dein Rücken weh, dein Kopf weh – nicht nur vom Stress. Und du fragst dich, wann du endlich mal einen Stuhl findest, der für dich besser funktioniert. Vielleicht hast du auch schon fünf verschiedene Stühle durch, und irgendwie kann keiner so richtig gut.
    Das ist nicht so ganz ein Wunder, wenn man die Welt aus einer Jäger-und-Sammler-, einer altsteinzeitlichen Perspektive betrachtet. Und jetzt sage ich ganz sofort: Nein, Sitzen ist nicht das neue Rauchen. Ist es nämlich tatsächlich nicht.
    Die Altsteinzeit-Wahrheit
    Denn die Altsteinzeit-Leute, die haben auch neun bis zehn Stunden am Tag gemütlich gefaulenzt. Naja, nicht jeden Tag, aber mehr als genug Tage. Denn viele Arbeiten wurden im Sitzen durchgeführt. Wenn man ein Steinmesser schlagen will, dann macht man das wahrscheinlich nicht im Stehen. Und ganz viele andere Sachen – wenn man genäht hat oder Felle bearbeitet hat, ganz, ganz viele Sachen. Oder man hat einfach gemütlich am Feuer gesessen.
    Also, man geht in der Forschung davon aus, dass die Altsteinzeitleute zwar einige Stunden am Tag gelaufen sind – das ist die andere Wahrheit – aber sie tatsächlich auch viele Stunden am Tag gesessen haben.
    Also am Sitzen – vielleicht auch an deinem Bürostuhl – liegt das Ganze gar nicht. Oder vielleicht doch? Das gucken wir uns jetzt zusammen mal an.
    Der Unterschied: WIE wir sitzen
    Unsere Vorfahren haben tatsächlich gesessen, aber nicht auf Stühlen. Und ich glaube, das ist der ganz große Unterschied.
    Also ich persönlich zum Beispiel sitze zu Hause auf einem Tisch. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch. Das ist ein kleiner Beistelltisch, schön stabil und massiv. Und wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, dann sitze ich immer auf diesem Beistelltisch. Denn der ist so schön flach und hart. Und ich habe gemerkt, dass das für mich die beste Alternative ist zum auf dem Boden sitzen – einfach deshalb, weil Laptop und Schreibtisch auf dem Boden, das ist irgendwie alles so unpraktisch. Das heißt, ich habe mir den Boden ein bisschen nach oben geholt.
    Jetzt ist das nicht unbedingt die ideale Lösung für jeden. Aber genau wie beim Schlafen – da müssen wir auch irgendwann nochmal drüber reden – beim Schlafen wollen ja ganz viele Leute immer weicher, weicher, weicher, weicher. Obwohl wir in der Altsteinzeit ja auch nicht auf so ganz weichen Betten geschlafen haben. Und da wir Menschen uns ja sehr an die Altsteinzeit angepasst haben in all diesen paar hunderttausend Jahren, ist es jetzt nicht so verwunderlich, dass uns das, was wir in der Altsteinzeit getan haben, gut tut.
    Wie haben die Leute damals gesessen?
    Meistens auf dem Boden oder irgendwelchen anderen niedrigen Sachen. Vielleicht haben sie auf Felsen gesessen. Sie haben aber häufig auch einfach in der Hocke gesessen – also das, was man vielleicht aus asiatischen Ländern kennt. Man kann wunderbar als Mensch in die Hocke gehen und auch durchaus mehrere Stunden sitzen, ohne dass es einem große Probleme macht.
    Und wenn man das Ganze gut und aktiv und richtig macht – ja, ich weiß, wir Westeuropäer sind da meistens nicht so gut drin, deshalb würde ich es dir jetzt auch nicht empfehlen – aber wenn man das gut und richtig und aktiv macht, dann ist es auch echt gut für den Rücken, und dann bleibt der auch schön gerade.
    Man kann natürlich auf dem Boden sitzen, man kann auf einem niedrigen Hocker sitzen oder ähnliches. Also das sind tatsächlich alles Haltungen, die man gemacht hat. Dabei bleibt im Normalfall der Rücken von selber aktiv gerade.
    Was heißt "aktiv gerade"?
    So blöder Physiotherapeuten-Ausdruck: Aktiv und gerade – ja, was heißt das denn jetzt?
    Wir haben Muskeln in unserem Rücken, die uns aufrichten. Und je nachdem, wie unsere Füße und unsere Beine und damit auch unser Becken und diese ganze Muskulatur im unteren Körperbereich aktiviert ist, aktiviert das den Rücken.
    Das bedeutet: Wenn wir unsere Beine runterhängen und baumeln lassen und auch ansonsten so ein bisschen vielleicht auf einem zu großen Stuhl sitzen, vielleicht sogar noch die Knie nach innen drehen, Füße nach außen – dann sorgt das dafür, dass wir viel eher mit dem Rücken zusammensacken und es viel mehr Kraft kostet, um gerade und aktiv gerade zu sitzen.
    Ich erkläre dir gleich noch, wie man das ändern kann – auch auf einem normalen Schreibtischstuhl. Denn tatsächlich, es liegt nicht am reinen Sitzen. Es gibt da einige Geheimnisse, wie man das besser machen kann.
    Drei wichtige Faktoren
    Und wie gesagt:

    Die Art und Weise, wie man auf dem Stuhl sitzt – ist einer davon.

    Die Frage, ob man überhaupt auf einem Stuhl sitzt – ist die nächste.
    Und die dritte hat mit Abwechslung zu tun.

    Fangen wir doch mal mit der Abwechslung an.

    Faktor 1: Abwechslung
    Also, wenn ich sechs Stunden mehr oder weniger am Stück sitze und vielleicht einmal zwischendurch zum Kopierer laufe, dann ist das ganz schön langes Sitzen. Meine Apple Watch hätte mich da schon lange gestraft, dass ich aufstehen muss. Und da hat sie auch sehr recht.
    Umso häufiger man zwischendurch aufsteht – und ich verstehe natürlich, wenn man gerade mitten im Meeting sitzt, ist das manchmal ein bisschen komisch: "Oh Leute, ich muss jetzt übrigens mal kurz aufstehen!" Ja, es gibt ja immer mal wieder andere Tricks, vielleicht muss man irgendwas am Beamer reparieren oder so, vielleicht findet man einen Trick. Aber ich kann auch verstehen, dass es im Meeting selber schwierig ist.
    Aber trotzdem zwischendurch – also vielleicht ist das Meeting ja nur eine halbe Stunde, und dann einmal aufstehen, bevor man ins nächste geht.
    Dieses immer mal wieder Aufstehen, das ist unglaublich wichtig. Das bringt den Kreislauf ein bisschen in Bewegung, da werden die Beine mal wieder bewegt. Das sorgt dafür, dass die Lymphe und das venöse Blut in den Beinen ein bisschen rumgepumpt wird. Und das ist einfach unglaublich wichtig. Und das hilft eben dem System, dass man danach wieder besser sitzen kann.
    Faktor 2: Unorthodox denken
    Versuch mal unorthodox zu denken. Also der klassische Schreibtischstuhl, bei dem die Füße vielleicht gar nicht so ganz gut auf den Boden können oder der hin- oder hergekippt und sonst was ist, ist nicht immer unbedingt die beste Wahl.
    Versuch doch mal, was passiert, wenn du zum Beispiel tatsächlich einfach auf einer geraden, harten Oberfläche sitzt – wie so was wie ein Beistelltisch. Da hast du auch noch die Möglichkeit, dass du dich im Schneidersitz mal draufsetzen kannst oder mal ein Bein auf der Seite anziehen kannst oder irgendwie ein bisschen flexibler sitzt.
    Denn das ist tatsächlich das Nächste: Immer in der gleichen Haltung sitzen – und das geht gar nicht unbedingt nur ums Aufstehen, sondern wirklich dieses immer in der gleichen Haltung Sitzen auf so einem semi-weichen Stuhl – das kann durchaus problematisch sein.
    Faktor 3: Die Art und Weise des Sitzens
    Naja, jetzt sind wir da wieder, und das ist schon so ein kleiner Übergang von dem, was ich gerade gesagt habe. Also: Wie sitze ich denn?
    Wir sind ja alle gewohnt zu sitzen. Aber wir sind gewohnt, auf klassischen Stühlen zu sitzen und schön brav die Beine vorne nebeneinander gerade und die Füße mehr oder weniger auf dem Boden stehen zu haben.
    Das erste Wichtige ist zum aktiven Sitzen, dass du die Füße auf jeden Fall in gutem Bodenkontakt hast. Das ist A und O. Wenn die Füße keinen Bodenkontakt haben, dann hat der Rücken weniger aktive Haltung.
    Das Nächste ist, dass du deine Knie eher nach außen machst. Also wie so das "Manspreading" halt, wenn man das so schön sagt – der Typ in der U-Bahn, der seine Beine so richtig breit auseinander macht. Oder man kann sich vorstellen wie so ein Cowboy auf dem Pferd, wo das Pferd so dazwischen ist. Also die Knie müssen auseinander – und das hilft.
    Dann nochmal: Idee von Manspreading oder Cowboy auf dem Pferd. Beim Pferd geht es ja unten auch wieder so ein bisschen zusammen – das Pferd ist ja rund, der Bauch ist unten also wieder ein bisschen enger. Das heißt, die Füße sind da wieder ein bisschen enger zusammen als die Knie.
    Und jetzt brauchst du nicht auf dem Pferd zu sitzen, um tatsächlich halbwegs gut sitzen zu können. Sondern du brauchst nur tatsächlich beim Sitzen die Knie ein bisschen weiter nach außen zu machen als die Füße – und die Füße dabei trotzdem schön stabil auf dem Boden zu haben.
    Das ist die bestmögliche Rückenaktivierung beim Standard-Sitzen, sage ich mal.
    Ansonsten, wenn du ein bisschen akrobatisch veranlagt bist, ist der halbe Lotus fantastisch. Dabei machst du einen Schneidersitz, und statt das eine Bein drunter zu legen, legst du es dir einfach oben auf den Oberschenkel. Wer ganz akrobatisch ist: der volle Lotus – der aktiviert natürlich noch ein bisschen besser.
    Ja, und jetzt sind wir ja schon fast wieder beim Yoga. Aber das mache ich jetzt heute nicht mit dir, sondern wir sind ja hier gemütlich am Laufen.
    Zusammenfassung
    Und die wichtige Nachricht ist: Nein, Sitzen ist nicht das neue Rauchen. Du darfst gerne sitzen, aber:

    Bewege dich dabei

    Such dir andere Oberflächen mal aus und guck mal, wie es für dich ist
    Weicher ist nicht unbedingt besser
    Diese ganzen Wackelkissen sind auch nicht unbedingt besser
    Wenn man sitzt, sollte man potenziell eher stabil sitzen, meiner Meinung nach

    Und versuch mal, wie du es schaffst, mit deinen Beinen und Knien auseinander – ein bisschen, um deinen Rücken aktiv zu haben beim Sitzen, damit du nicht ganz so einsackst.

    Vielleicht auch diese schönen Sachen: Ergonomie – also den Bildschirm auf eine gute Höhe, damit du nicht für den Bildschirm schon runtersackst. Die Tastatur nah genug dran, damit du dich nicht nach vorne streckst und den Buckel machst.
    Ja, und wenn du Lust hast, sag doch mal deinem Kollegen, er soll öfter mal ein Foto von dir machen. Kann auch recht korrigierend wirken, wenn man dann plötzlich so ein Foto sieht, auf dem man sitzt wie so ein kleiner Knilch nach vorne. Ja, das kann helfen. Oder du kannst ja auch einen Spiegel nebenan aufhängen – kann ja vielleicht auch helfen, wenn du im Homeoffice bist.
    Und ja, vielleicht – gibt aber natürlich keine Garantie – aber vielleicht hilft das ein bisschen bei deinen Rückenschmerzen oder bei deinen Kopfschmerzen. Muss aber nicht. Ist immer nur eine Möglichkeit.
    Letztes Wort: Frauen mit Röcken
    Ist das ein bisschen schwierig, da ich selber gerne Röcke trage. Naja, die müssen halt so lang sein, dass man trotzdem die Knie auseinander machen kann – ohne blöden Einblick. Ja, soviel zu dem Thema.
    Abschlussfrage
    Und damit gehe ich jetzt noch ein bisschen spazieren und frage dich: Woran merkst du, dass du angenehm sitzt?
    Also, wenn du Lust hast, setz dich doch mal oder beobachte dich die nächsten Tage und schau mal, woran du merken kannst, dass du angenehm sitzt. Ist dann irgendwas entspannter? Oder hast du das Gefühl: "Wow, ich bin angekommen"? Oder bist du plötzlich viel kreativer, nur weil du anders sitzt, und merkst: "Wow, daran merke ich, dass ich jetzt besser sitze"?
    Schau doch mal: Woran merkst du selber, dass du gerade gut sitzt? Oder woran merkst du, dass du besser sitzt?
    Damit verabschiede ich mich und wünsche dir einen schönen Tag.

    LITERATURVERZEICHNIS

    Lieberman, D. E. (2020). Exercised: Why something we never evolved to do is healthy and rewarding. Pantheon.

    Raichlen, D. A., Pontzer, H., Zderic, T. W., Harris, J. A., Mabulla, A. Z. P., Hamilton, M. T., & Lieberman, D. E. (2020). Sitting, squatting, and the evolutionary biology of human inactivity. Proceedings of the National Academy of Sciences, 117(13), 7115–7121. https://doi.org/10.1073/pnas.1911868117

    DISCLAIMER

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    15 min
  • Eisregen. Kann mich das resilient machen?

    Hallo und herzlich willkommen, heute wieder bei Walk & Talk mit Ida – und zwar drinnen.

    Ja, ich sitze hier drinnen in meinem Arbeitszimmer aus dem einfachen Grund, dass es tatsächlich draußen so gruselig schlechtes Wetter ist, dass ich zwar draußen war – und was ich da erlebt habe und warum das eigentlich doch ein echt cooles Erlebnis war, erzähle ich dir gleich – aber ich konnte draußen nicht aufnehmen. Deshalb bist du jetzt hier mit mir drinnen. Aber glaube mir, die Tonqualität ist um einiges besser hier drinnen als bei heftig wehendem Wind im Westerwald.
    Wie war das für mich heute Morgen?
    Ich muss sagen, ich fand es schrecklich. Ich hatte überhaupt keine Lust rauszugehen. Die Idee, dass ich da draußen bei dem Eisregen rausgehe, die war einfach nur eklig – schon allein die Idee.
    Aber ich habe den Vorteil, dass ich einen Hund habe, und Paulchen muss raus. Das heißt, ich bin doch rausgegangen. Also: dicke Schuhe an, dicke Jacke an, Schal an, Mütze an. Und ich bin mit so einem Unwohlsein aus der Tür gestapft, wie ich es sonst nur habe, wenn richtig Schnee liegt.
    Weil – das muss ich ja auch ehrlich sagen – ich finde Schnee toll, wenn ich ihn sehe. Ich finde es nicht toll, nach draußen zu gehen.
    Resilienz – das erste Missverständnis
    Aber gut, deshalb sind wir ja heute bei dem Thema Resilienz. Es ist Dienstag, es geht um Resilienz und um alles, was uns positiv nach vorne bringt – und uns erinnert:
    Nein, nicht uns härter macht.
    Ah, ich glaube, da wären wir schon gleich bei dem ersten Missverständnis über Resilienz. Nein, Resilienz macht uns nicht härter. Und nein, Resilienz macht uns auch nicht zum Bambusstab. Ich glaube, beide Bilder sind relativ falsch.
    Aber gut, was macht es uns stattdessen? Da werde ich auch nächste Woche noch ein bisschen mehr drüber sprechen, weil das Thema Resilienz ist ja echt total gehypt – und häufig anders verstanden, zumindest als ich es verstehe.
    Ich glaube, Resilienz ist die Frage: Wie gehen wir mit Dingen um?
    Wir brauchen kein Bambusstab zu sein, wir brauchen auch kein Wasser zu sein oder irgendwo zu fließen. Aber ich glaube, wenn wir wissen, wo wir hinwollen, dann finden wir einen Weg dorthin – egal, was uns auf den Weg geschmissen wird.
    Schlechtes Wetter als Resilienz-Training
    Und damit gehe ich jetzt zum Thema schlechtes Wetter. Denn tatsächlich ist das schlechte Wetter ja auch irgendwas, was mir einfach auf den Weg geschmissen wird. Oder dir, wenn du rausgehst – vielleicht nur zum Auto läufst oder tatsächlich bei mir, mit mir in meinem Therapie-Wald bist.
    Und als Therapeutin finde ich Wetter immer eines der besten Hilfsmittel in der Therapie, wegen genau dem Gedanken, den ich dir jetzt schildere.
    Ich bin ja gedanklich jetzt auch nicht nur Therapeutin, sondern Privatmensch. Und als Privatmensch – wie gesagt – hasse ich das, bei dem Wetter rauszugehen.
    Die Verwandlung
    Und das Coole ist dann immer: Wenn ich dann mal draußen bin und hier den Berg hochlaufe Richtung Wald, dann wird mir warm – also auf eine gute Weise warm. Und dann ist dieser Schnee-Eis-Graupel-Regen-Schnee – ich weiß nicht, was es heute Morgen war – mit diesem heftigen Wind eigentlich völlig egal.
    Diese Verwandlung, die finde ich so cool. Und deshalb wollte ich darüber reden, und zwar genau beim Thema Resilienz.
    Sich überwinden – und wachsen
    Weil die Sache ist ja: Ganz oft merke ich bei mir – oder merke ich bei Leuten bei mir in der Therapie oder auch früher im Business – dass Leute keine Lust haben auf was und es dann vor sich herschieben und irgendwie sich drum drücken oder was auch immer.
    Aber ganz oft, wenn man Themen angeht – und es schafft… ja, und es klingt jetzt echt doof, aber: Es schafft, sich zu überwinden. Ich weiß, dass es doof klingt, es klingt so nach typischem Therapeutenspruch, ja.
    Aber tatsächlich: Also wenn ich mal aus der Tür raus bin – und egal, wie beschissen das Wetter ist – oder wenn ich in den Bergen wandern gehe und egal, wie steil der Berg ist: Wenn man mal dran ist und ihn hochläuft, dann schafft man es auch, an den ganzen Sachen sich selbst zu messen.
    Die Wissenschaft dahinter
    Und das ist auch was, was ich total spannend finde, was eben in der Psychologie herausgefunden wurde. Du bekommst natürlich wieder die wissenschaftlichen Studien in den Show Notes. Nämlich, dass es ein Stück Wachstum außerhalb der Komfortzone ist, aber dadurch halt die Selbstwirksamkeit erhöht – und auch den Optimismus.
    Denn wenn man den Mist mal geschafft hat – also, wir haben das zum Beispiel hier jetzt gefunden in einer Studie über das Winterwandern – dann wird man selbstwirksamer. Also: Ich kann das plötzlich! Diesen Berg hoch, oder: Ich kann das, durch den Schneesturm.
    Und das ist eine total coole Sache.
    Was Kälte mit uns macht
    Und dazu kommt noch – gerade wenn es um schlechtes Wetter geht, dieses kalte, fiese Wetter da draußen – dass die Kälte selber einen total positiven Einfluss auf uns Menschen hat.
    Und zum Beispiel dafür sorgt, dass unsere Abwehrzellen – also vor allem diese natürlichen Killerzellen (ich liebe ja den Namen, habe ich glaube ich in einer anderen Folge schon mal erwähnt) – diese natürlichen Killerzellen, die steigen dann an.
    Und man hat auch einen stabilen Anstieg im Dopamin, also in der Belohnung.
    Und das merke ich übrigens auch. Wenn ich dann da draußen bin, dann fühle ich mich total gestärkt. Und trotzdem will ich morgens immer nicht raus. Aber wenn ich draußen bin, fühle ich mich total gestärkt.
    Man bekommt durch die Bewegung und die Kälte – und gerade auch den Mix von beidem – auf jeden Fall mehr Aktivierung für braunes Fett. Und über braunes Fett müssen wir irgendwann mal reden. Das ist nämlich gutes Fett. In unserer Gesellschaft denken wir ja oft: Oh, Fett ist schlimm. Aber braunes Fett ist tatsächlich sehr gut für unseren Körper.
    Parasympathikus und Entspannung
    Zusätzlich ist die Kälte auch noch aktivierend auf den Parasympathikus, in einiger Hinsicht. Also wenn wir es dann schaffen, uns bei der Kälte auch zu entspannen – wenn wir das nicht schaffen, dann aktiviert es definitiv eher den Kampf-Flucht-Modus.
    Aber dieses Schaffen, sich dem Wetter auszusetzen, aber dem Wetter auch im Sinnvollen zu trotzen, dann schaffen wir uns dabei zu entspannen. Und das ist sehr positiv.
    Ein kleiner Spaziergang im Eisregen
    Ja, was man nicht alles erzählen kann über so einen kleinen Spaziergang im Eisregen morgens. Kannst du dir das vorstellen? Ida, im Eisregen, vorm Wald.
    Aber das ist wirklich was, was ich nur empfehlen kann. Also so schrecklich ich es morgens finde – oder auch zu jeder anderen Uhrzeit, übrigens – wenn ich daran denke rauszumüssen: Aber für Resilienz gibt es fast nichts Besseres, glaube ich, als einen Spaziergang im Eisregen.
    Abschlussfrage
    Und damit verabschiede ich mich auch erst mal für heute und frage dich natürlich eine Frage zum Abschluss, wenn du möchtest, damit du noch ein wenig weiter drüber nachdenken kannst. Und das ist die Frage:
    Woran merkst du, dass es dir in der Situation, in der du bist, gut geht – obwohl du erst einen schwierigen Start hattest?
    Also bei mir ist es zum Beispiel tatsächlich, wenn ich mich wieder warm fühle. Also ich komme aus der Tür raus, es ist eklig, es ist Eisregen, kalt, windig, und ich fühle mich erst so richtig eklig. Und wenn ich dann den Berg hochlaufe bei uns und den Wald sehe, dann wird mir plötzlich von innen heraus warm.
    Und das ist ein total angenehmes Gefühl. Und das ist für mich so der Change-Punkt, wo ich merke: Ja, jetzt ist alles gut.
    Und ja, was ist das denn bei dir? Was ist dein Change-Punkt, an dem du erkennst: Vielleicht ist es eine doofe Situation, vielleicht ist es etwas Unangenehmes am Anfang – aber trotzdem, jetzt geht es mir trotzdem gut?
    Und gerade dieses "trotzdem gut gehen" ist ja das, was die Resilienz – oder was einer der Faktoren ist, die die Resilienz massiv steigern kann.
    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag und viel Spaß im Eisregen.

    Literaturverzeichnis

    Klimaresilienz & theoretische Konzepte:

    Ecopsychepedia. (n.d.). Climate resilience. Zugriff am 3. Februar 2026, von https://ecopsychepedia.org/glossary/resilience/

    Resilienz-Definitionen & interdisziplinäre Perspektiven:

    Full article: Resilience definitions, theory, and challenges: interdisciplinary perspectives. (n.d.). Zugriff am 2. Februar 2026, von https://www.tandfonline.com/doi/full/10.3402/ejpt.v5.25338

    Neurohormesis & Neurobiologie:

    Cold-Water Immersion: Neurohormesis and possible implications for neurodegenerative diseases. (2024). American Journal of Psychiatry, 181(6). https://psychiatryonline.org/doi/full/10.1176/appi.neuropsych.20240053

    Immunsystem & Kälteexposition:

    Brenner, I., Castellani, J. W., Gabaree, C., Young, A. J., Zamecnik, J., Shephard, R. J., & Shek, P. N. (1999). Immune changes in humans during cold exposure: Effects of prior heating and exercise. Journal of Applied Physiology, 87(2), 699-710. https://journals.physiology.org/doi/full/10.1152/jappl.1999.87.2.699

    Kälteakklimatisierung & Skelettmuskel:

    Cold acclimation affects immune composition in skeletal muscle of healthy lean subjects. (2015). PLOS ONE. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4552515/

    Psychologische Resilienz bei Winterwanderern:

    Personal resources of winter and summer hikers visiting the Tatra National Park. (2022). International Journal of Environmental Research and Public Health. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8997396/

    Neurobiologie des Wohlbefindens:

    Yankouskaya, A., Williamson, R., Stacey, C., Totman, J. J., & Massey, H. (2023). Short-term head-out whole-body cold-water immersion facilitates positive affect and increases interaction between large-scale brain networks. Biology, 12(2). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9953392/

    Umweltpsychologie & Winterlandschaften:

    The real benefits of walking in a winter wonderland. (n.d.). Anglia Ruskin University. https://www.aru.ac.uk/news/the-real-benefits-of-walking-in-a-winter-wonderland

    Braunes Fettgewebe & Kälte:

    The use of cold exposure to promote good health. (n.d.). 150Health. https://www.150health.com/all-articles/u9qzt46g0nc7k3pz40knrrxbr9168s

    Stress Reduction & Naturexposition:

    Ecopsychology: How immersion in nature benefits your health. (n.d.). Yale Environment 360. https://e360.yale.edu/features/ecopsychology-how-immersion-in-nature-benefits-your-health

    Nachbarschaft & psychologische Resilienz:

    Role of the neighborhood environment in psychological resilience. (2023). Utrecht University Research Portal. https://research-portal.uu.nl/files/213594296/1-s2.0-S0169204623000804-main.pdf

    Disclaimer

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    9 min
  • Durchatmen. Eine kleine Pause für dein Nervensystem.

    Durchatmen. Eine kleine Pause für dein Nervensystem.

    Willkommen zurück!

    Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Spaziergang hier im Westerwald!
    Ich freue mich, dass du dabei bist bei Walk & Talk mit Ida. Es gibt wieder eine neue Folge nach meiner Winterpause über Weihnachten und Neujahr. Das heißt, wir starten ins neue Jahr direkt – da es Montag ist – gemeinsam mit einer kleinen Übung, die ich dir vorstellen möchte. Und ich hoffe, dass ich dich dafür begeistern kann, oder zumindest interessieren.

    DIE ÜBUNG - 3-Minuten-Atempause

    Die Übung ist extra ganz kurz und heißt deshalb auch 3-Minuten-Atempause.
    Ich will dir aber auch erklären, warum die so viel tut und wofür sie so viel tut. Denn ich selber mag es gar nicht, Übungen zu machen, wenn ich eigentlich gar nicht verstehe, was die tun. Das ist immer so: Da kommt einer vorbei und sagt "Die Übung ist so toll, die musst du unbedingt machen!" Aber ganz ehrlich, meistens mache ich sie nicht, wenn ich nicht verstehe, was sie mir eigentlich bringt – und vielleicht auch, wie ich sie selber anpassen kann, wenn ich merke, dass sie gerade nicht zu mir passt.
    Und genau das möchte ich heute dir erklären für diese Übung.

    DER KONTEXT - Kennst du das?

    Denn ich denke, viele kennen das: Dass man sehr gestresst ist, von einem Meeting zum anderen, dass man nicht mal eine Mittagspause hat.
    Also ich hatte das ja jahrelang, viele Tage – nicht jeden zum Glück, aber viele, viele, viele Tage in der Woche kam ich nicht mal richtig zur Mittagspause. Und das habe ich immer sehr gemerkt.
    Also wenn dann zu viele Termine sind, zu viele Gespräche sind – selbst wenn die Termine nicht so stressig sind an sich, wenn das Thema ganz okay ist – trotzdem ist selbst die Menge der Meetings irgendwann für mich zu viel gewesen. Und ich habe gemerkt: Ich brauche eine Pause.
    Und ja, natürlich hilft es dann, sich eine Stunde Zeit zu nehmen, gemütlich mit Kollegen Mittagessen zu gehen. Aber es kommt ja eben auch häufig vor, dass das leider nicht reinpasst.
    Und da ist diese 3-Minuten-Atempause meiner Meinung nach echt Gold wert. Denn sie tut unglaublich viel für dein inneres Stresslevel – und für deine Resilienz dadurch.
    Also dadurch, dass das Stresslevel niedriger wird durch die Übung, steigt wieder deine Resilienz an. Die beiden sind ja so ein bisschen gegenseitig.

    WAS TUT DIESE ÜBUNG?

    Das Erste ist: Sie sorgt nicht dafür, dass man sieht, dass du die Übung machst. Das finde ich immer eine sehr schöne Sache. Denn du sitzt einfach ganz normal in deinem Stuhl oder stehst – was du möchtest – und nimmst dir die Zeit.
    3 Minuten ist übrigens ein Vorschlag. Das ist so eine Zeit, wo die Übung auch schon richtig gut wirkt. Aber selbst nach ein paar Atemzügen – und da wir Menschen ja im Schnitt etwa irgendwas zwischen 12 und 16 Atemzüge die Minute machen, geht das ganz schön schnell.
    Ich habe bei mir immer gemerkt, ich atme allgemein langsamer, aber ich habe auch bei meinen Patienten gemerkt: Diese Zahlen stimmen tatsächlich. Also viele Leute atmen recht schnell.
    Und wenn du dann ein paar Atemzüge machst – ja, das hilft schon. Dann brauchst du vielleicht gar nicht unbedingt die ganzen 3 Minuten, aber es ist trotzdem empfehlenswert.

    DIE WISSENSCHAFT - Atem und Herzfrequenz

    Also, du nimmst dir 3 Minuten Zeit. Und was passiert dann?
    Wenn du einatmest, dann gibt es da so ein System im Körper, bei dem die Atmung und die Herzfrequenz sich gegenseitig beeinflussen. Das gilt für das Einatmen – und übrigens auch für das Ausatmen – aber jeweils genau andersrum:
    Beim Einatmen:
    Hast du eine minimale, kleine Beschleunigung deines Herzschlags.
    Beim Ausatmen:
    Hast du eine Verlangsamung des Herzschlags.
    Das ist eine schöne Sache. Die wirkt sich nämlich nicht nur auf deinen Herzschlag direkt aus, sondern auch auf dein Nervensystem.

    SYMPATHIKUS UND PARASYMPATHIKUS

    Das heißt:
    Beim Einatmen wirst du eher in den Sympathikus – wie wir das nennen. Aber der Sympathikus sagt dir wahrscheinlich nicht viel. Also in das System, was dich eher auf Kampf und Flucht vorbereitet – ein kleines, kleines bisschen mehr in die Richtung geschubst.
    Und auf der anderen Seite: Wenn du ausatmest, wird dein System ein kleines bisschen mehr Richtung Parasympathikus – das ist dann der andere. Das ist das System, was dich Richtung Entspannung und Stressverminderung bringt.
    Also:

    Bei der Einatmung, wenn du da den Akzent drauf legst, dann steigt dein Stress ein ganz, ganz, ganz kleines bisschen mehr an.

    Und wenn du deinen Akzent auf die Ausatmung legst – wie du das machst, zeige ich dir übrigens gleich – also wenn du deinen Akzent auf die Ausatmung legst, dann wirst du ein ganz kleines bisschen Richtung Entspannung geschubst.

    Und wenn du dir jetzt überlegst, dass du in so einer Minute natürlich relativ viele Atemzüge machst – also auch in 3 Minuten – dann sind diese "kleinen bisschen", die dich Richtung Entspannung schubsen, insgesamt schon einiges.

    SO GEHT DIE ÜBUNG

    Das heißt, es geht einfach nur ums Atmen, ums Einatmen und Ausatmen – das machst du ja sowieso.
    Der kleine Unterschied ist jetzt, dass du versuchst, sowieso schon vielleicht für dein Tun, etwas langsamer einzuatmen. Man kann da zum Beispiel bis 4 zählen.
    Also:
    EINATMEN bis 4
    1 – 2 – 3 – 4
    Und dann kommt jetzt der Clou:
    AUSATMEN bis 6 (oder sogar bis 8, wenn du es schaffst)
    Also du zählst im Kopf langsam bis 6 oder bis 8, während du ausatmest.
    Fang mal mit 6 an, würde ich sagen, wenn du diese Art von Übungen noch nicht gewohnt bist. Und steigere dich dann vielleicht Richtung 8.

    SO KLINGT ES

    Das heißt:
    Einatmen: 1 – 2 – 3 – 4
    Und dann Ausatmen: 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6
    Das kommt dir jetzt vielleicht schon unglaublich langsam vor. Und ja, es ist wahrscheinlich auch um einiges langsamer, als du normal atmest, wenn du nicht darauf achtest.
    Aber genau das ist ja der Trick: Du atmest einfach weiter, und dein Körper kommt mehr in den Ruhemodus. Aber auch nicht so, dass du gleich einschläfst – im Normalfall.

    DIE UMKEHR-VARIANTE - Wenn du müde bist

    Das Ganze funktioniert übrigens tatsächlich auch andersrum.
    Wenn du also unglaublich müde bist und dich nochmal wach kriegen musst, dann kannst du das andersrum machen. Dann erhöhst du dein Stresslevel – also du atmest länger, aber insgesamt auch schneller. Also das Ganze geht dann viel schneller, und du legst den Akzent wirklich von der Länge eher auf die Einatmung. Und atmest dann tatsächlich schnell aus, durch den Mund vielleicht sogar.
    Und damit steigt dein Stresslevel ein bisschen an, und du wirst wahrscheinlich etwas munterer.
    Das heißt nicht unbedingt, dass du dich besser konzentrieren kannst, je nachdem, was du machen musst. Denn durch Stress wird die Konzentration ja nicht unbedingt befördert.
    Aber nichtsdestotrotz: Es wirkt eben auch andersrum, und das ist ja das Schöne bei unseren körperlichen Sachen. Man kann sie häufig in beide Richtungen verwenden.

    NASE ODER MUND?

    Aber da wir ja vor allem darüber sprechen, dass Leute in unserem Büroalltag – und wahrscheinlich auch du – zu viel Stress haben, würde ich die langsame Variante empfehlen, mit der Ausatmung.
    Jetzt kommt noch die Frage: Nase oder Mund?
    Generell ist es so, dass die Atmung durch die Nase sehr viele Vorteile für uns Menschen hat. Und deshalb ist sie insgesamt empfehlenswert.
    Und gerade wenn du deinen Stresslevel runterbringen willst, ist die Nasenatmung häufig besser. Das geht ja auch häufig etwas langsamer von selber.
    Und wenn du deinen Stresslevel höher bringen wolltest – weshalb auch immer – dann wäre die Mundatmung vielleicht etwas empfehlenswerter.

    WICHTIGE HINWEISE

    Wichtig ist: Bitte nicht so schnell atmen, dass du jetzt anfängst zu hyperventilieren. Das sorgt dann eher dafür, dass du vom Stuhl fällst. Das wollen wir jetzt auch nicht, oder? Also solltest du es für die Stresssteigerungsvariante verwenden.
    Gleiches könnte ich übrigens auch sagen für die Entspannungsvariante: Bitte schnell genug atmen, damit du noch genug Sauerstoff bekommst. Aber ich glaube, der Teil ist dir jetzt sowieso klar.

    ZUSAMMENFASSUNG

    Ja, das ist ein kleiner Ausflug zum Atmen – und was der Atem so alles mit uns tut, und was er mit dem Herzschlag zu tun hat, und was er mit unserem autonomen Nervensystem zu tun hat. Also dem Parasympathikus – dem Entspannungsteil – und dem Sympathikus – dem Stressteil.
    Ich hoffe, ich konnte dich ein bisschen inspirieren, das zu versuchen. Und vor allem, weil es echt kurz ist und weil es auch keiner sehen braucht. Also notfalls kannst du das auch während des Meetings machen – solange du dabei dich noch ein bisschen darauf konzentrierst, was um dich herum passiert.

    FRAGE DES TAGES

    Und die Frage des Tages, die ja am Ende bei meinem Podcast immer kommt – die dich hoffentlich inspiriert, darüber nachzudenken – ist:
    Was hast du denn bis jetzt getan, um dich in stressigen Situationen – vor allem auf der Arbeit, zwischen Meetings, wenn man hin und her hetzt – kurz ein bisschen zu entspannen?
    Vielleicht hast du ja eine ganz interessante Technik und hast Lust, mir davon zu erzählen oder mir zu schreiben. Ich freue mich immer über schöne, interessante, vor allem auch schnelle und einfache Techniken, um dir – und ganz vielen anderen Menschen – damit weiterzuhelfen.
    Ich wünsche dir noch einen wundervollen Tag!

    Wissenschaftliche Grundlagen dieser Episode:

    Balban, M. Y., Neri, E., Kogon, M. M., Weed, L., Nouriani, B., Jo, B., … & Huberman, A. D. (2023). Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine, 4(1), 100895. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36630953/

    Harnessing non-invasive vagal neuromodulation: HRV biofeedback and SSP for cardiovascular and autonomic regulation (Review). (2025). Medical International, 5(1), 236. Spandidos Publications. https://www.spandidos-publications.com/10.3892/mi.2025.236

    Jerath, R., Edry, J. W., Barnes, V. A., & Jerath, V. (2006). Physiology of long pranayamic breathing: Neural respiratory elements may provide a mechanism that explains how slow deep breathing shifts the autonomic nervous system. Medical Hypotheses, 67(3), 566–571. https://doi.org/10.1016/j.mehy.2006.02.042

    Marchant, N. J. (2025). Comparing the effects of square, 4-7-8, and 6 breaths-per-minute breathing conditions on heart rate variability, CO2 levels, and mood. BYU Scholars Archive. https://scholarsarchive.byu.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=11705&context=etd

    Porges, S. W. (2011). The polyvagal theory: Neurophysiological foundations of emotions, attachment, communication, and self-regulation. W. W. Norton & Company.

    Proposed physiological mechanisms of pranayama: A discussion. (2024). PMC - PubMed Central. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10837615/

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    11 min
  • Spielen. Hilft Spielen mir besser zu denken?

    Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass du wieder mit dabei bist bei Walk & Talk mit Ida auf unserem Spaziergang. Beim letzten Mal habe ich dir ja davon erzählt, dass es einige Strukturen in unserem Gehirn gibt, die unser Leben lang weiter wachsen und neue Zellen bilden sozusagen. Und dass es überhaupt nicht normal ist, dass wir zumindest in den Bereichen im Gehirn an Zellen insgesamt verlieren, sondern wir bilden da echt immer wieder neue.

    Und das finde ich so faszinierend, wenn es um das Thema Resilienz geht, was ja im Büroalltag unglaublich wichtig ist. Wenn es um allgemein unser Wohlbefinden geht, um Verhindern von Degeneration im Kopf. Und ich habe dir ja letztes Mal schon davon erzählt, dass dieser Hippocampus, in dem diese Neubildung am meisten stattfindet, sich bei Bewegung, hier so wie wir jetzt hier draußen, Bewegung zum Beispiel in der Natur. Und es gibt noch einige andere Dinge, die unglaublich viel helfen.

    Und eines davon, denke ich, macht unglaublich viel Spaß, mir zumindest, und das ist das Spielen. Das darf auch gerne draußen sein, zum Beispiel mit dem Hund oder mit den Kindern, aber auch drinnen. Also egal wo du spielst. Ja, auch als Erwachsene, und genau das meine ich, auch als Erwachsene dürfen wir spielen.

    Und da möchte ich dir über ein paar Experimente erzählen, die man wohlgemerkt mit Mäusen gemacht hat, weil man das etwas besser kontrollieren kann. Aber tatsächlich hat man die auch teilweise mit Menschengenen ausgestattet, die dafür sorgen, dass man zum Beispiel Alzheimer bekommt und ähnliches. Also Neurodegeneration, dass es schlechter wird im Kopf.

    Und wenn man diese Mäuse statt in einen Standard-Käfig in einen Abenteuerspielplatz-Käfig steckt, wo sie andere Artgenossen haben und wo sie unterwegs sind in einem großen, großen Gebiet, wo sie ganz viel zum Spielen haben, dann merkt man, dass auf diesem Abenteuerspielplatz, in dem Spiel auch mit den anderen Mäusen, diese vorprogrammierten Schrumpfungen des Gehirns nicht auftreten.

    Denen ging es sogar besser als Mäusen, die diese Schrumpfungsgene nicht hatten, die aber in einem Standardkäfig ohne großes Spielzeug, ohne irgendwas gesessen haben. Ja, das finde ich persönlich unglaublich spannend, denn wir Menschen sperren uns ja auch immer gerne in Standardkäfige ein, meistens Büro genannt, und haben dort eher negativen Stress.

    Und tatsächlich ist negativer Stress, also Stress, mit dem wir nicht positiv umgehen können, bei dem wir uns nicht bewegen können, dem wir nicht gut einordnen können, dem wir nicht in den Griff kriegen, auch etwas Negatives. Da werde ich bestimmt auch nochmal drüber reden. Aber wenn man sich so die klassische Bürolandschaft, und da will ich gar nicht über die Cubicles in den USA reden, die es ja bei uns in den Großraumbüros teilweise auch gibt, aber auch die Einzelbüros wie gesagt, die kleine Mäusekäfige. Ja also die Experimente zumindest an Mäusen in ähnlichen Situationen zeigen, dass wenn wir in einer langweiligen, in einer stressigen Umgebung sind, unsere Degeneration verstärkt wird.

    Während in einer natürlichen, in einer Spielumgebung, in der man Abenteuer erleben kann, am liebsten mit anderen zusammen, dass sich da diese Verschlechterung nicht einstellt und ganz im Gegenteil, dass der Kopf sozusagen besser wird, dass sich mehr neue Neuronen in diesem Hippocampus bilden und insgesamt die Mäuse gesünder und länger leben.

    Ja, ich weiß, wir sind keine Mäuse und Mäuse sind also nicht alles, was man in Mäuseexperimenten findet, muss man direkt glauben. Aber man hat das natürlich auch sich bei Menschen angeguckt, wie sich Spiel und Möglichkeiten zu spielen und generell die Lust, sich spielerisch zu verhalten und zu bewegen, auf Menschen hat. Insbesondere für Kinder. Man hat untersucht, wenn Kinder Pausen haben und frei spielen können, dabei ist es tatsächlich sogar ein Unterschied, ob sie frei spielen oder ob sie nach Regeln spielen müssen, wie jetzt so ein kompetitiver Sport, dass dieses freie Spiel tatsächlich die meist förderliche Wirkung hat. Und das finde ich einfach total schön.

    Denn ich bin selber total gerne draußen. Für mich ist der Wald immer so eine Art Abenteuerspielplatz, wo man über Baumstämme balancieren kann. Und am liebsten mache ich das tatsächlich auch mit Menschen zusammen, wo man Pilze suchen kann, neue Dinge finden kann und alle möglichen Abenteuer hat. Pauli findet das ja auch immer sehr schön und abenteuerlich hier. Er guckt gerade irgendeinem Vogel nach.

    Ja, wenn du möchtest, dass dein Hirn sich positiv entwickelt, dann würde ich sagen, ja, deine Resilienz, deine Entwicklung förderst du auch übrigens im höheren Alter noch. Also bitte nicht denken, ich bin kein Kind mehr, das gilt nicht für mich. Nein, auch wenn du schon, wie ich, 40 bist, 41 genauer gesagt.

    Ja, Pauli komm mit, wir gehen wieder in die andere Richtung. Ja, du willst zu dem Vogel da, aber das haben wir jetzt nicht. Der Vogel will, glaube ich, nicht mit dir spielen, auch wenn du mit ihm spielen willst. Ja, Pauli kommt wieder mit unter Protest. Also auch wenn du schon über 40 bist, selbst wenn du über 60 oder über 80 bist und jetzt hier mit mir spazieren bist, da ist keine Altersgrenze daran zu spielen.

    Wie gesagt, ob das mit dem Hund ist, ob das mit Kindern ist, ob das einfach miteinander ist, ob das Abenteuer sind, die du alleine erlebst, möglichst in natürlicher Umgebung. Das hilft definitiv. Und ja, mit Artgenossen ist auf jeden Fall förderlich. Das wäre mein Tipp, mein heutiger Tipp, meine Inspiration und ja, meine Anregung für deine eigene Hirngesundheit, für deine mentale Stärke, für deine Resilienz, wenn du möchtest. Und meine Frage des Tages ist dann natürlich, woran erkennst du für dich, dass du gerade spielst? Denn wir Erwachsenen haben das ja manchmal sogar verlernt oder denken, ach das ist doch gar kein Spiel. Und gibt es irgendwas, woran du merkst, hey, das ist jetzt gerade ein Spiel für mich, da habe ich Lust drauf, ja, es macht Spaß.

    Spiele können ja auch jede Art von sozialer Interaktion sein, wenn das eine spaßige Art ist, und es ist ja gar nicht so festgesteckt, was ein Spiel ist. Also woran erkennst du für dich, dass du gerade spielst und damit massiv dein Gehirn förderst? Ich gehe hier noch weiter spazieren und fördere damit auch mein Gehirn mit der Bewegung an der frischen Luft und in der Natur.

    Und ich wünsche dir noch einen wunderschönen Tag. Mach's gut!

    Literatur:

    Nehls, M. (2022). Das erschöpfte Gehirn: Der Ursprung unserer mentalen Energie – und warum sie schwindet - Willenskraft, Kreativität und Fokus zurückgewinnen. Heyne Verlag.

    Chen, S. Z., Wu, X., Yang, T., Huang, J. G., Huang, S. X., & Wang, Q. (2007). Brain-derived neurotrophic factor (BDNF) is required for the enhancement of hippocampal neurogenesis following environmental enrichment. Brain Research, 1145, 114–122. https://doi.org/10.1016/j.brainres.2007.03.011

    Liu, C., Solis, S. L., Jensen, H., Hopkins, E. J., Neale, D., Zosh, J. M., Hirsh-Pasek, K., & Whitebread, D. (2017). Neuroscience and learning through play: a review of the evidence. The LEGO Foundation, DK. (ISBN: 978-87-999589-2-4)

    Schloesser, R. J., Lehmann, M., Martinowich, K., Manji, H. K., & Herkenham, M. (2010). Environmental enrichment requires adult neurogenesis to facilitate the recovery from psychosocial stress. Molecular Psychiatry, 15(12), 1152–1163. https://doi.org/10.1038/mp.2010.34

    Siviy, S. M. (2016). A Brain Motivated to Play: Insights into the Neurobiology of Playfulness. Behaviour, 153(6-7), 819–844. https://doi.org/10.1163/1568539X-00003349

    West, G. L., Konishi, K., Diarra, M., Benady-Chorney, J., Drisdelle, B. L., Dahmani, L., Sodums, D. J., Lepore, F., Jolicoeur, P., & Bohbot, V. D. (2018). Impact of video games on plasticity of the hippocampus. Molecular Psychiatry, 23(7), 1566–1574. https://doi.org/10.1038/mp.2017.155

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    8 min
  • Denkvermögen. Kann ich mehr Hirn bekommen?

    Denkvermögen. Kann ich mehr Hirn bekommen?

    Hallo und herzlich willkommen bei Walk & Talk mit Ida. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute in einer Vollmondnacht im Wald. Es ist hier fast gefühlt taghell. Zumindest so hell, dass ich überhaupt kein Problem habe, hier spazieren zu gehen und mal nicht die ganze Zeit mich frage, wie viele Wölfe es eigentlich hier in dem Wald gibt.

    Es ist wirklich total hell. Echt schön. Es gibt hier übrigens wirklich Wölfe. Sehr cool. Wir haben auch ganz viele Wildschweine hier. Für deinen Spaziergang hier mit mir - das ist ein nettes Fleckchen Erde, wo es viele Tiere gibt. Vielleicht hören wir ja nachher noch eine Eule. Mal gucken.

    Gut, aber unser Thema heute ist: Ich möchte mehr Hirn. Genau, das ist das Thema. Gibt es eine Möglichkeit für mehr Hirn? Ich habe mir das häufig, wenn ich im Büro gearbeitet habe, gedacht, und dann wurde es so 15 Uhr, 16 Uhr, und spätestens um die Uhrzeit hat sich mein Hirn irgendwann verabschiedet, und es ging nur noch so sehr, sehr, sehr simple Tätigkeiten und ohne Nachdenken und schon vor allem ohne Kreativität. Und das ist ja eigentlich ein total - zumindest für mich - nerviger und unangenehmer Zustand, und ich würde fast mal tippen, dass du den auch kennst. Und falls nicht, dann kannst du dich sehr, sehr, sehr glücklich fühlen.

    Was kann man denn machen, um mehr Hirn zu kriegen in der Situation? Dazu gibt es eine kleine Erklärung rundherum, nämlich dass es tatsächlich eine Struktur gibt in unserem Kopf, die heißt Hippocampus. Das hat was mit Seepferdchen - ich glaube, weil es so ein bisschen aussieht wie ein Seepferdchen, diese Struktur. Das hat ein bisschen damit zu tun, und diese Struktur ist so eine Art, wie dein Arbeitsspeicher am Computer, so ungefähr. Nicht ganz, aber so ganz grob.

    Das heißt, du hast dein vorderes Hirnteil direkt hinter deiner Stirn, und da gehst du dann aktiv nachdenken, und dafür brauchst du halt immer wieder Arbeitsspeicher. Und das ist dein Hippocampus, und der sorgt auch dafür, dass die Sachen nachher länger gespeichert werden oder nicht und so weiter. Das ist wirklich so dein Arbeitsspeicher. Wenn der irgendwann sozusagen durch ist, dann hat dein Vorderhirn auch nicht mehr so viel Möglichkeit zum Denken. Und dann setzt dieser Zustand ein, von dem wir gerade gesprochen hatten.

    Das Geile ist nur eben, dass dieser Hippocampus sich anpasst. Und jetzt kommt der Clou für mich natürlich als Altsteinzeit-Fan. Ich habe das Buch geöffnet, in dem es eben um dieses ausgelaugte Hirn geht, und gleich auf einer der ersten Seiten sagt der Autor: Ja, wir haben uns halt so viele Tausende Jahre an die Altsteinzeit angepasst, dass das, was wir damals gemacht haben, genau richtig dafür ist, dass unser Hirn besser funktioniert.

    Hm, dachte ich mir, das Buch gefällt mir. Und deshalb bringe ich dir das Thema auch sofort mit, obwohl ich heute Morgen erst angefangen habe zu lesen. Aber auch deshalb, weil in anderen Büchern, zum Beispiel dem Resilienzbuch - und wir haben schon darüber gesprochen, jeder würde gerne resilienter sein, oder zumindest wird das immer behauptet - auch da wird eben über den Hippocampus und die Möglichkeiten gesprochen, den Hippocampus zu verbessern, dass sich die Nervenzellen dort aktiv wieder teilen, dass man mehr Zellen dort bekommt und damit eben einen größeren Arbeitsspeicher oder einen größeren Hirn-Akku, wie der Autor von heute Morgen das nennt. Und ich finde das mega spannend.

    Ich bin ja generell jemand, der viel spazieren geht, wie du merkst, und tatsächlich ist eine der effektivsten Maßnahmen, um seinen Hippocampus zu verbessern, die Zellteilung im Hippocampus anzuregen: spazieren gehen. Hey, wer hätte das gedacht? Das heißt, das, was du jetzt gerade hier mit mir machst, wenn du tatsächlich spazieren gehst und nicht im Auto sitzt, dann ist das extrem gut für die allgemeine Verbesserung deines Gehirns, zumindest wenn man verschiedenen Autoren und Studien hier glauben kann. Du bekommst die Bücher natürlich wieder verlinkt von mir.

    Das finde ich total schön. Bewegung allgemein, aber eben auch spazieren gehen, auch einfach aktiv draußen sein. Und da rede ich noch gar nicht über die ganzen positiven Effekte, die Wald auf einen hat, sondern einfach überhaupt draußen sein, egal ob du im Fitnessstudio aufs Laufband gehst, ob du durch die Stadt läufst, ob du durch den Wald läufst, ob du in den Fluren auf der Firma rumläufst. Genau, egal was du da machst, es muss auch nicht Laufen sein, es kann auch Fahrradfahren sein, im Grunde fast egal, denke ich mal, welchen Sport wir da machen.

    Das Wichtige ist eben, zumindest für diesen Aspekt, die Bewegung. In der Altsteinzeit hatten wir sehr viel Bewegung als Menschen, waren viel draußen, sind viel gelaufen. Und das ist etwas, was eben die Verbesserung des Hippocampus, damit unseres Arbeitsspeichers, damit unseres Vermögens, gut nachzudenken, kreativ auch zu sein, auch logische Aufgaben zu lösen - das ist gar nicht auf das eine oder andere beschränkt - um das zu verbessern.

    Damit hoffe ich, dich inspirieren zu können, mehr rauszugehen, dich mehr zu bewegen, damit dann im Endeffekt, wenn alles gut geht und die Forschung recht haben sollte, du tatsächlich dir leichter tust, gerade dann, wenn es gegen Nachmittag, gegen Abend geht, um noch gut nachzudenken, damit die letzte Präsi am Tag auch dann noch steht.

    Wenn ich dich damit inspiriert habe, dann wäre die Frage des Tages: Woran merkst du, dass das ein Tag ist, an dem es dir vom Kopf her, von der Konzentration her, von den Gedanken her besser geht? Vielleicht gibt es irgendwas, das merkst du schon morgens, oder spätestens, wenn du dann gegen Nachmittag kommst. Was ist so das, woran du persönlich merkst: Ja, jetzt habe ich mal ein bisschen mehr Hirn heute?

    Es gibt übrigens noch mehr Methoden, genau wie die Resilienz - die sind sich übrigens recht ähnlich. Diese psychische Resilienz, diese mit Situationen besser umgehen können, und hier dieses allgemeine Denkvermögen - die haben sehr ähnliche Faktoren, die sie verbessern. Das heißt, wenn du am einen arbeitest, arbeitest du häufig auch gleich am anderen.

    Und daher wirst du jetzt immer wieder von mir nicht nur Sachen bekommen über das Thema, warum Menschen sich in Meetings so verhalten, wie sie tun, und das so kontraproduktiv sein kann, sondern auch immer wieder hier Themen zur Resilienz und Steigerung von Hirnleistung.

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, und ich freue mich, wieder mit dir spazieren zu gehen. Mach's gut! Bis bald.

    Literatur:

    Nehls, M. (2022). Das erschöpfte Gehirn: Der Ursprung unserer mentalen Energie – und warum sie schwindet - Willenskraft, Kreativität und Fokus zurückgewinnen. Heyne Verlag.

    Kast, B. (2023). Kompass für die Seele: Das Fazit neuester Studien zu Resilienz und innerer Stärke – Ernährung, Bewegung, Meditation u.v.a.: 10 wissenschaftlich erwiesene Wege, um Körper und Geist gesund zu halten. C. Bertelsmann Verlag.

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    8 min
  • Resilienz. Kaltes Duschen - muss das sein?

    Spaziergang 58: Resilienz. Kaltes Duschen - muss das sein?

    Und herzlich willkommen bei Walk & Talk mit Ida. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute ist es mal ein etwas leichteres Thema, nachdem wir in den letzten Malen so viel über Psychologie unterhalten haben und über Brainspotting und was du so alles machen kannst damit. Jetzt mal ein ganz simples Thema, was aber trotzdem deinen Alltag, auch deine Zeit im Büro betrifft. Und zwar geht es um ein Kapitel aus dem Buch von Bas Kast, Der Kompass der Seele, in dem er untersucht, was man so alles tun kann, um resilienter zu werden. Und Resilienz ist ja so ein klassisches Schlagwort im Business mittlerweile. Will ich hier trotzdem aufgreifen, weil es ja in vielerlei Hinsicht das aussagt, was in meinem Podcast auch darum geht, in meinen Gesprächen hier mit dir, meinen Spaziergängen. Denn wenn wir es schaffen, mit uns selbst ins Gleichgewicht zu kommen, körperlich und seelisch, und darüber rede ich ja ganz viel, wenn wir Empathie haben können gegenüber unseren Mitmenschen und uns selber, dann werden wir resilienter. Und da freut sich doch der Chef, oder? Wenn wir unglaublich resilient sind und jeden Druck aushalten. Naja, oder uns eben entscheiden, ihn nicht mehr auszuhalten. Aber gut, das ist nochmal ein anderes Kapitel.

    Jetzt geht es tatsächlich um das Thema Resilienz und um eine ganz, ja, tatsächlich simple Sache, seine Resilienz zu erhöhen, gleich morgens früh, nämlich die kalte Dusche. Ich habe das tatsächlich mal einige Wochen gemacht und sogar im Winter und es hat mir unglaublich gut getan. Und der einzige Grund, dass ich damit aufgehört hatte, war, weil ich dann doch irgendwann erkältet wurde und mit Erkältung zusammen wollte ich dann doch nicht morgens kalt duschen. Und irgendwie habe ich mich nicht wieder so richtig reingefunden. Das war letztes Jahr, also insofern habe ich dieses Jahr wieder eine Chance.

    Es gibt aber noch die schönere Variante, zumindest für die, die Wärme mögen, und das ist die Sauna. Tatsächlich ist es so, dass Sauna dem Körper durch diese starke Einwirkung der Hitze viel helfen kann. Im Grunde setzt der Körper Stresshormone frei in dem Moment, dass wir Hitzestress haben, oder eben Kältestress. Was auch noch geht, ist übrigens Fasten, also wenn du deinen Körper unter Hungerstress setzt, gerade auch so intermittierendes Fasten, also mal einen Tag nichts essen oder auch mal zwei oder tatsächlich nur einmal am Tag essen. Es hat noch andere Effekte, da werde ich bestimmt noch mal drüber reden, weil es auch sehr verjüngende Effekte hat und das Thema Verjüngung hat ja viel mit Fitness zu tun, wieder viel mit Resilienz. Also es hat sehr, sehr tolle Effekte, aber es hat eben auch diesen Stresseffekt.

    Und in dem Moment ist Stress tatsächlich was Gutes, weil gezielter kurzfristiger Stress… Bitte nicht diesen Ideen hier aus dem Buch folgen, wenn du selber schon Richtung Burnout unterwegs bist, wenn du vielleicht extreme Stresssituationen sowieso gerade hast. Dafür ist das nicht. Resilienz-Aufbau ist ja immer was, dann wenn man sich recht fit fühlt, sage ich mal, also wenn es einem an sich ganz okay geht, wenn man sagt, hey, ich will jetzt meine allgemeine Resilienz verbessern. Genau, also das nehme ich da nochmal als Beipackzettel mit. Bitte da aufpassen.

    Das heißt, du erhöhst ganz gezielt in einem Zustand, in dem es dir an sich ganz gut geht, deinen Stress kurzfristig und auf eine Art und Weise, wie der Körper das dann auch verarbeiten kann, weil es ja auch was ganz Natürliches ist. Also einen Hitzestress, aber auch einen Kältestress, einen Hungerstress ist etwas, was unser Körper gewohnt ist, im Gegenteil zu einem… Wo ich habe übrigens eine andere Leine heute dabei, die hörst du bestimmt im Hintergrund von Pauli hier rum rennt. Also dieser körperliche kurze Stress ist, an den der Körper gewöhnt ist, der Mensch gewohnt ist, im Gegenteil zu diesem Dauerstress von Druck, den der Chef ausübt, ja, oder Kollegen oder was auch immer.

    Und doch kann eine gezielte kleine Stresserhöhung, die dann ja auch wieder Stressabbau danach zur Folge hat, also wenn man aus der Sauna rauskommt, ist man danach ja auch entspannt, also der Stress wird nicht nur aufgebaut bei der Hitze, sondern auch wieder abgebaut. Merkt man, also zumindest ich auch, wenn ich duschen gehen, morgens kalt, in der Zeit, in der ich es getan habe, dass ich danach krass erfrischt und eigentlich total auch entspannt bin. Also unter der Dusche stehen in der Kälte ist widerwärtig, finde ich, aber wenn ich rauskomme, dann ist es echt ein tolles Gefühl. Ja, und es gibt ja auch Leute, die berichten, wenn sie eine Zeit nichts gegessen haben, also wirklich mal nur einmal am Tag zum Beispiel essen und dann kann das wirklich auch im Körper durchaus positive Gefühle machen. Ja, da gibt es alles Mögliche.

    Kurz zusammengefasst heißt das, dich bewusst kleinen Stressen auszusetzen, die für den Körper eine gewohnte Art von Stress sind, können helfen, auch in anderen Situationen entspannter umzugehen, also die bauen die allgemeine Resilienz auf und können dann auch in Situationen… Zum Beispiel den Druck vom Chef, den Druck vom Projekt, die nervige Zeit, dass ein Kollege es halt gerade mal selber schwer hat und dir damit schwer auf die Nerven geht und so weiter und so fort. Also diese Dinge können dann auch dadurch leichter werden, können besser verkraftbar werden, oder du kannst einfach so viel entspannter in die Situation reingehen, dass sie dich einfach schon deshalb weniger stressen.

    Ja, also das Buch, und das ist auch eine ganz große Empfehlung von mir, das Buch ist klasse von Bas Kast, Kompass für die Seele. Es gibt noch ganz viele andere tolle Inspirationen, was man so machen kann, um die Resilienz zu erhöhen. Das werde ich jetzt auch ab und an mal hier mit einstreuen.

    Ja, dann würde ich sagen, die Frage an dich heute ist: Wo merkst du selber und vor allem, woran merkst du, dass dir, obwohl etwas gerade stressig war, es gut getan hat? Das gibt es ja noch an anderen Stellen als nur Sauna, kalte Dusche und Fasten. Also das kann ja auch ein total stressiger Mittag mit der Familie sein, in der man aber total zusammengestanden hat und hat es dann geschafft und es ist vorbei. Und keine Ahnung, ich weiß noch, die Geburt meiner Kinder war auch unglaublich stressig, aber am Ende unglaublich schön. Und solche Geschichten. Also es gibt ja ganz, ganz viele Dinge im Leben, bei denen so was passieren kann. Und ja, wenn du möchtest, überleg dir doch mal, wann so ein Moment für dich war und woran in deinem Kopf, in deinem Körper, in deinen Emotionen du dann gemerkt hast, dass es eigentlich ein total geiler Moment war. Mindestens mal im Nachhinein.

    Ja, damit verabschiede ich mich. Hätte noch ein kleines Add-on für heute, weil ich ja versprochen habe, mir mal anzugucken, wie das so läuft mit der Frequenz meiner Podcasts. Und ich merke, also zwei die Woche schaffe ich auf jeden Fall, drei kriege ich auch eigentlich hin. Die sieben schaffe ich gerade einfach nicht mehr, weil ich super viele Weiterbildungen habe. Und ich habe jetzt auch die letzten vier Tage gedacht, vielleicht schaffte ich zwischendurch einen, ich war einfach total müde, als ich zu Hause war. Ich komme erst um acht nach Hause und dann bin ich einfach platt von dem Tag Weiterbildung.

    Genau, also deshalb sage ich dir auch immer, wenn ich Weiterbildung habe, dass du weißt, dass da wahrscheinlich keine Podcasts kommen. Dazwischen freue ich mich wieder mit dir zusammen hier spazieren zu gehen. Und also so auf mindestens zwei die Woche kannst du dich einlassen, drei schaffe ich wie gesagt auch öfter mal. Und ja, mal sehen, vielleicht werden die Zeiten irgendwann wieder weniger stressig und dann schaffe ich auch mehr, weil ich gehe unglaublich gerne hier mit dir spazieren.

    Soweit zu dem kleinen Add-on, zu dem kleinen Review und ich mache weiter mit meinen Spaziergängen mit dir und bis morgen. Ciao!

    Literatur:

    Kast, B. (2023). Kompass für die Seele: Das Fazit neuester Studien zu Resilienz und innerer Stärke – Ernährung, Bewegung, Meditation u.v.a.: 10 wissenschaftlich erwiesene Wege, um Körper und Geist gesund zu halten. C. Bertelsmann Verlag.

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    9 min
  • Wohlfühlpunkt. Wo liegt dein Wohlfühlpunkt?

    Spaziergang 57: Wohlfühlpunkt. Wo liegt dein Wohlfühlpunkt?

    Hallo und herzlich willkommen bei Walk & Talk mit Ida. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute sind wir wieder, wie im Herbst und Winter so oft, bei mir im Arbeitszimmer. Aber ich werde auch wieder schauen, einige Folgen draußen aufzunehmen. Die nächsten vier Tage bin ich auf Weiterbildung. Wenn es klappt, dass ich da Folgen aufnehme, dann sind sie wahrscheinlich auch hier abends im Arbeitszimmer.

    Ja, wie gesagt, schön, dass du mit dabei bist. Und heute habe ich nochmal eine Übung für dich, denn ja, dieses Brainspotting, das fasziniert mich wirklich. Und ich suche ja auch für meine psychosomatische Physiotherapie immer wieder Übungen, die wirklich von Grund auf positiv sind und dir helfen, deine eigene Kraft zu finden.

    Und ich glaube, dass das im Businessleben einfach was unglaublich Wichtiges ist. Und ja, ich weiß nicht, ob das im Meeting auffällt oder nicht. Je nachdem, wo du gleich hingucken wirst, kann es sein, dass es auffällt. Oder im besten Falle auch gar nicht so sehr, und dann kannst du diesen wunderbaren Resource-Spot auch im Meeting verwenden und in allen anderen Situationen, zumindest wenn du alleine im Büro bist.

    Ja, worum geht es? Es geht eben wieder um Brainspotting. Da habe ich dir ja schon vor zwei Folgen mehr darüber erzählt. Deshalb halte ich es jetzt hier heute kurz. Du bekommst von mir noch einen kleinen Disclaimer, und dann starten wir direkt in die Übung. Die Übung sollst du, wäre jetzt der erste Teil vom Disclaimer, direkt nur machen, wenn das, was ich dir erzähle, dich inspiriert, wenn du glaubst, dass es zu dir passt.

    Alles, was ich hier in dem Podcast mache, hat ja sowieso den Zweck, dich zu inspirieren. Wenn die Übung dir zusagt, dann probiere sie mal aus, wenn du möchtest. Genau, die Übung sollte angenehm sein. Diese Übung sollte dir positive Gefühle schenken, Kraft schenken, Ruhe schenken, vielleicht auch Entspannung. Es kommt so ein bisschen darauf an, was du dir da eigentlich selber auch wünschst. Sollte irgendwas irgendwann mal unangenehm sein, dann bitte stopp das. Das ist nichts in der Übung. Alle Sachen, die immer eher so ein bisschen herausfordernd sind, solltest du immer nur mit einem Therapeuten dabei machen.

    Ja, dann noch die kleine Anmerkung: nicht im Auto. Das habe ich ja letztes Mal schon gesagt. Diese Art von Übung mache niemals im Auto, bitte auch nicht an der Ampel, viel zu gefährlich meiner Meinung nach. Also insofern nicht machen.

    Gut, also der Resource-Spot oder auf Deutsch Ressourcen-Punkt. Das hat jetzt einen ganz einfachen Start. Du kannst stehen, du kannst sitzen, was auch immer für dich angenehm ist. Du könntest sogar spazieren dabei, wenn du später ungefähr diesen Winkel der Augen einhältst und aufpasst, dass du nicht irgendwo drüberfällst. Der sicherste Weg ist zu sitzen, also mach es dir bequem, und du darfst erstmal in deinen Körper rein spüren, wenn du möchtest, und mal einen Platz in deinem Körper finden, an dem du dich wohlfühlst.

    Also ganz viele Menschen haben ja irgendwo in ihrem Körper leider Schmerzen oder Unwohlsein oder irgendwas Unangenehmes. Aber die wollen wir jetzt heute mal komplett außer Acht lassen. Also nicht die Leute, sondern die Stellen im Körper. Und du darfst mal eine Stelle suchen, die für dich angenehm ist. Wo fühlt es sich für dich gut an? Das darf auch deine Fingerkuppe oder deine Fußzehe sein, deine Nasenspitze oder irgendwas anderes. Also leb dich da aus, such in deinem Körper nach einem Ort, der angenehm ist. Vielleicht die Bereiche, wo du gerade auf dem Stuhl sitzt, wo du also ein bisschen Druck dran hast und trotzdem merkst, hey, da spüre ich auch wirklich was, und das ist angenehm.

    Lass dir da genug Zeit. Du kannst meine Aufzeichnung ja immer wieder hören und dann weitermachen, wenn es für dich passt und du diesen Punkt gefunden hast. Jetzt ist das Ganze ja immer noch Brainspotting. Wir machen also was mit den Augen und vor allem mit den Augenmuskeln. Falls dich das mit dem Zusammenhang von den Augenmuskeln und dem Gehirn, den Emotionen mehr interessiert, sag Bescheid, dann mache ich da auch gerne mal eine Folge drüber. Aber das geht natürlich dann schon etwas weiter in die Therapie hinein, in den therapeutischen Hintergrund. Deshalb lasse ich, wie das und wieso das wirkt, jetzt erstmal einfach weg.

    Genau, also du darfst mit offenen Augen nach vorne schauen, etwa tatsächlich auf Augenhöhe. Also nicht nach unten gucken, nicht nach oben gucken, sondern wirklich so schön nach vorne, sozusagen in dein Gesichtsfeld. Und dann fängst du mal auf der ganz rechten Seite an. Und wie letztes Mal sollst du auch nicht deinen Kopf drehen, sondern wirklich die Augen bewegen, bis du ganz auf der rechten Seite bist. Du darfst auch links starten übrigens. Ich starte irgendwie immer auf der rechten Seite.

    Also fangen wir mal an, die Augen nach rechts bewegen und dich da mal einfühlen. Wie fühlt sich das an? Denk an deinen Punkt, der sich angenehm anfühlt, und guck mal, wo die Augen mit dem Punkt korrespondieren. Dann mach mal in der Mitte weiter. Schau mal einfach geradeaus und guck mal, ob da dieser Punkt und die Augen mehr zusammenpassen. Oder nach links, mal ganz nach links außen, und schau mal, ob das mehr zu diesem angenehmen Gefühl in deinem Körper passt. Dann darfst dir überlegen, ob es mehr rechts, mehr Mitte oder mehr links war.

    Und wenn du schon mal dir überlegt hast, in welche Richtung du eher schauen solltest, dann fängst du mal an und gehst von dort ein wenig – zum Beispiel angenommen, das war links – dann gehst du mit den Augen ein bisschen langsam Richtung Mitte und guckst mal, wo ungefähr auf dieser Bahn zwischen links ganz außen und Mitte das am meisten reagiert. Und dann kannst du auch noch, wenn du da den reaktivsten Punkt gefunden hast, nochmal nach oben und unten gehen, so lange, bis du wirklich die Stellung, diese Augenstellung gefunden hast, die am meisten dieses Wohlgefühl, das du im Körper hast, verstärkt anwesend macht.

    Und den Punkt darfst du dir jetzt mal merken und weiter anschauen und mal gucken, was da passiert. Da kann alles Mögliche passieren. Am besten du stoppst meinen Podcast, unseren Spaziergang kurz und schaust da mal drauf. Sollte etwas unangenehm werden, ist jetzt nichts in der Übung, dann bitte einmal Augen schließen, wieder aufmachen und woanders hinschauen. Das ist tatsächlich nicht der Sinn der Sache. Sollte sich das angenehm anfühlen, dann darfst du da gerne weiter hinschauen, im Grunde fast so lange du möchtest. Naja, spätestens so nach vielleicht 20 Minuten, würde ich sagen, würde die Wohlfühl-Session fertig sein. Es tut den Augen ja sehr gut, sich viel zu bewegen. Zu lange auf einen Punkt starren ist ja generell nicht unbedingt förderlich. Aber hey, der Resource-Spot ist so ein netter Punkt, den darfst du natürlich ein bisschen genießen. Dann einfach kurz die Augen schließen, rumgucken, und dann ist das auch alles wieder in Ordnung.

    Du darfst dir diesen Punkt auch merken, also nicht unbedingt nur den Punkt, auf den du geschaut oder gestarrt hast, sondern diesen Winkel, in dem deine Augen gestanden haben. Am besten mit einem geraden Kopf und dann gucken, wo die Augen waren. Und das kannst du nämlich dann auch zu anderen Zeiten an anderen Orten wiederholen, wenn du ungefähr weißt, okay, ich muss so halb nach links, ein bisschen nach oben zum Beispiel, wenn da dein Punkt ist, an dem du dich besonders wohlfühlst, der ganz tolle positive Gefühle in dir auslöst, dann würde ich mir einfach diesen Winkel merken.

    Ja, das war es auch schon zum Thema Resource-Spot. Den darfst du, wie gesagt, überall anwenden, außer im Auto oder draußen, wenn du irgendwelche Maschinen führst oder Ähnliches. Ja, bitte, bitte, bitte sicher bleiben. Und wie gesagt, begrenzt die Zeit so vielleicht auf maximal 20 Minuten, auch wenn es schön ist, dort hinzugucken.

    Genau. Ja, das kann einem helfen, wenn man gerade in einer stressigen Situation ist, wenn du gerade die fiese E-Mail vom Chef gelesen hast und dir denkst, oh Mist, ich muss jetzt mal unbedingt irgendwie runterkommen, ich muss mal ärgerlos werden, dann kann das helfen, sich erstmal überhaupt mal ruhig hinzusetzen, zu sagen, okay, ich gehe jetzt an meine Kraft im positiven Sinne, an meine Ressourcen, und gucke mal da an diesen Punkt, in diese Richtung, und kann dann auch mich wieder verbinden mit dem Gefühl, was ich hatte, mit diesem Körperbereich, der angenehm ist, und kann dann erstmal ein bisschen runterfahren.

    Die, bei denen der Punkt direkt vor ihnen ist, haben da natürlich den Vorteil, dass es im Meeting oder an anderer Stelle nicht so auffällt. Wenn man so ganz schräg irgendwo in die Ecke hochguckt, dann fällt das vielleicht eher auf. Aber nichtsdestotrotz, ganz viele Leute starren ganz oft auf irgendwelche Punkte. Vielleicht fällt dir das in nächster Zeit mal auf, wenn du darauf achtest. Also mach dir keine Gedanken, wenn du auch einfach mal auf deinen Lieblingspunkt starrst, damit es dir besser geht.

    Ja, damit verabschiede ich mich. Ich werde schauen, dass ich in den nächsten Tagen wieder coole Ideen euch mitbringe, dass ich dich da weiter bereichern kann. Aber ich habe, wie gesagt, wieder Osteopathie-Weiterbildung und muss gucken, ob das in Köln klappt oder dann später zu Hause. Aber ich freue mich, wieder mit dir zu laufen, und würde sagen: Bis bald!

    Literatur:

    Grand, D. (2015). Brainspotting: Wie Sie Probleme, Traumata und emotionale Belastungen gezielt auflösen (A. Pott, Übers.). VAK Verlags GmbH.

    Grand, D. (2013). Brainspotting: The revolutionary new therapy for rapid and effective change. Sounds True.

    Disclaimer:

    Dieser Podcast ist ein virtueller Spaziergang und dient ausschließlich der Information und Inspiration. Die Inhalte stellen keine Psychotherapie, kein Coaching und keine professionelle Beratung dar und ersetzen diese auch nicht. Alle hier formulierten Aussagen sind wissenschaftlich recherchiert. Die entsprechenden Referenzen und Quellen findest du im Anhang der Show Notes zu dieser Folge. Ich übernehme keine Verantwortung für die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen oder deren Anwendung. Die Inhalte dieses Podcasts sind nicht als Anleitung zu verstehen, etwas Bestimmtes zu tun, sondern dienen rein der Inspiration und Anregung zum Nachdenken. Bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachkräfte oder Beratungsstellen.

    11 min

About Walk & Talk mit Ida

From the publisher's feed

Walk & Talk mit Ida