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"Zucker ist mittlerweile unser deutlich kleinstes Geschäftssegment. Wir reduzieren unser Engagement in Bereichen, wo wir wenig bis gar keine Profitabilität haben und reinvestieren das in unsere Wachstumsfelder", so Agrana-CEO Stephan Büttner. Ein strategischer Wachstumsbereich ist Food & Beverage Solutions. Bei AGRANA wird die Rechnung wieder süßer: Das Halbjahres-EBIT hat sich mehr als verdoppelt, im Zucker ist das zweite Quartal wieder positiv. Aber Dürre drückt auf die Rübenernte, Food & Beverage verdient weniger und die Verschuldung steigt. Das Nahrungsmittel- und Industriegüterunternehmen AGRANA steigerte das Ergebnis im ersten Halbjahr 2026|27 deutlich. Bei einem stabilen Konzernumsatz von 1.700,2 Mio. Euro stieg das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) von 28,0 Mio. auf 63,5 Mio. Maßgeblich dafür waren die EBIT-Verbesserungen in den Segmenten ACS-Stärke auf 17,2 Mio. (Vorjahr: 3,1 Mio. ) und ACS-Zucker auf -2,0 Mio. (Vorjahr: -36,3 Mio. ). "Wir arbeiten permanent an einer Reduktion unserer Verschuldung."
Aus organischen Reststoffen werden Proteine, Fette und Dünger - und REPLOID will daraus ein internationales Kreislaufgeschäft bauen. CEO und Gründer Philip Pauer erklärt, warum sich der Fokus von Landwirten hin zur Lebensmittelindustrie verschiebt: Dort fallen große Reststoffmengen an, Entscheidungen fallen schneller und Aufträge werden teils mit 40 bis 50 % angezahlt. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz nur leicht auf 10,6 Mio. Euro, das EBIT sank auf 3,9 Mio. Euro und der Periodenüberschuss auf 1,8 Mio. Euro. Gleichzeitig steht ein Auftragsbestand von 108 Mio. Euro zu Buche. Das Wachstum kostet jedoch Kapital: mehr Personal, Internationalisierung und Zukäufe lassen Kosten, Working Capital und Schulden steigen. Pauer setzt auf vertikale Integration, weitere M&A-Schritte und neue Märkte. Für Anleger wichtig: Der Aktiensplit 1:15 soll die Handelbarkeit verbessern; der Streubesitz soll von rund 15 auf über 25 % steigen.
Alois Wögerbauer sieht die Märkte robuster als viele Schlagzeilen vermuten lassen. "Die Unternehmen kommen gut klar mit dem Ölpreis", sagt der Geschäftsführer von 3 Banken-Generali. Entscheidend sei nicht, ob Öl 85, 95 oder 102 Dollar kostet. Eine neue Eskalation muss allerdings ausbleiben. Auch steigende Zinsen bedeuten für ihn nicht automatisch fallende Aktienkurse. "Wir haben global betrachtet ein sehr gutes Aktienjahr." Der Weltindex liegt rund 14 bis 15 % im Plus. Das entspricht ziemlich genau dem Gewinnwachstum der Unternehmen. Deshalb sind Aktien heute nicht teurer als zum Jahresbeginn. Bei Anleihen verändert sich seine Einschätzung deutlich. Gemischte Portfolios erreichen hier momentan rund 5,4 bis 5,5 % Rendite. "Wir wechseln von der Risikoperspektive auf die Chancen-Perspektive." Auch KI bleibt für Wögerbauer ein zentraler Produktivitätstreiber. Für eine Jahresendrallye müssten sich vor allem die US-Renditen beruhigen. Doch Druck verspürt er nicht: "Brauchen tun wir die Jahresendrallye nicht."
Alexandra Wittmann bündelt die neue EVN-Strategie: "Energy Orchestration bringt alle Prioritäten der Energietransformation zusammen." EVN investiert bis 2030 rund eine Milliarde Euro jährlich. Im Fokus stehen Netze, Windkraft, Photovoltaik, Batteriespeicher und Digitalisierung. Rund die Hälfte der Investitionen fließt in die Netze. Wittmann erwartet trotz höherer Verschuldung stabile Kennzahlen. Beim Return on Capital Employed (ROCE) peilt EVN mehr als 6% an. Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) liegt bei 5%. Für Projekte gilt dabei: "The more the merrier." Wachstum verspricht auch das Speichergeschäft. Batterien sollen Arbitrage, Netzentlastung und Ausgleichsleistungen ermöglichen. Neue Chancen sieht Wittmann zudem bei Rechenzentren. Ehemalige Kraftwerksstandorte bieten Strom, Netzzugang, Kühlung und Flächen. Für mögliche Betreiber ändert sich das Prinzip: "First Come - First Serve wird First Ready - First Serve." Wittmann signalisiert klar: "EVN is Ready."
Die Ergebnisse der ReGuest AG zum Halbjahr etwas unter Druck. Umsatz plus 4%, EBT fast halbiert. CEO Michael Mitterhofer ist trotzdem zufrieden mit dem Wachstumskurs: "Ich gehe davon aus, dass wir heuer ein freiwilliges Konsolidierungsergebnis publizieren können." ReGuest treibt die ComOP-Plattform weiter voran. Die Buy&Build-Strategie läuft, Zeppelin soll integriert werden. Und bei Servecloud wurde die Beteiligung deutlich reduziert. Vor allem im Bereich des Buy-and-Build haben unerwartete Kosten das Geschäft gebremst. Mit ihrem Plattformmodell möchte das Unternehmen "die richtigen Gäste im richtigen Moment ansprechen". ReGuest wird voraussichtlich bis zu rund 5 Mio. Euro frisches Kapital aufnehmen. "Wir suchen Geld für weitere Akquisitionen", so Mitterhofer.
IPO Spotlight - gemeinsam mit Trending Topics sprechen wir mit einigen der besten Expertinnen und Experten über den Weg von Unternehmen und Scale-ups an die Börse.
Ein Unternehmen, dessen Aktie man bisher nur auf der firmeneigenen Plattform kaufen kann, und ein CEO, der sich selbst als großen Börsenfan bezeichnet: Die oekostrom AG, 1999 aus der Anti-Atom-Bewegung entstanden, gehört heute rund 3.100 Aktionär:innen und legt soeben die vierte Kapitalerhöhung in zehn Jahren auf. Technisch fehlt zum Listing kaum noch etwas: Ein von der FMA gebilligter Kapitalmarktprospekt liegt vor, Ad-hoc-Reporting läuft intern als Trockenübung. Was fehlt, ist Größe, und die soll die nächste Wachstumswelle bringen.
Darüber sprechen wir heute mit Ulrich Streibl, CEO der oekostrom AG.
Die Themen:
Mehr zum Thema Börsengang und Listing an der Wiener Börse: https://www.wienerborse.at/listing/boersegang-ipo/
Assetmanager Wolfgang Matejka sieht China und die USA unter Handlungsdruck. China finanziert Wachstum über Staatskredite. Zugleich treibt das Land seine Energieversorgung voran. Günstige Industrieprodukte tragen diesen Vorteil auf globale Märkte. "Vor denen hätte ich wahrscheinlich die meiste Angst", sagt Matejka. In den USA belasten Schulden, hohe Zinsen und gewaltige KI-Investitionen. Schwächere Schuldner zahlen bereits höhere Renditen. Matejka erkennt einen "Staffellauf der Angst" am Anleihemarkt. Besonders gefährdet sieht er Banken, Private Credit und KI-nahe Branchen. Er erwartet jedoch keinen plötzlichen Einbruch. Aber zumindest den "leisen Crash" erkennt er bereits an sinkenden Bewertungen einzelner Technologiewerte. Europa überrascht dagegen mit besseren Wachstumsdaten und steigenden Auftragseingängen. Die EZB unterstützt diese Entwicklung. Zudem könnte Kapital aus den USA nach Europa fließen. "A good place to be again." Auch Europas Autobauer bleiben für Matejka interessant. Chinesische Marken locken zwar mit attraktiven Preisen und scheinbar kostenloser Ausstattung. Doch Service, Infrastruktur und Qualität werfen weiterhin Fragen auf.
Öl über 100 Dollar, US-Renditen bei 5 % und Nervosität bei KI-Aktien: Manuel Schleifer, Senior Equity Market Strategist bei Raiffeisen Research, bleibt gelassen. Entscheidend sei beim Öl weniger die magische 100-Dollar-Marke als Dauer und Geschwindigkeit des Anstiegs. Europas Industrie sei verwundbar, aber deutlich besser auf Energieschocks vorbereitet als 2022. Auch eine Rendite von 5 % bei US-Staatsanleihen ist für Schleifer kein automatisches Verkaufssignal: Historisch lasse sich daraus kein verlässlicher Zusammenhang mit schwachen Aktienmärkten ableiten. Beim ATX sieht er gerade wegen der steilen Zinskurve Rückenwind für den stark gewichteten Finanzsektor. Den jüngsten KI-Rücksetzer wertet Schleifer nicht als Trendbruch, sondern als mögliche Einstiegschance. Besonders spannend wird für ihn der Herbst: Vor den US-Midterms könne die Volatilität steigen, danach spreche die Börsenhistorie häufig für Rückenwind.
Biogena hat den Börsengang im Segment direct market plus vollzogen. Die Kapitalerhöhung bringt etwa 25 Mio. Euro. Rund 2.500 neue Aktionäre kamen hinzu. "Wir haben jetzt schon einen Streubesitz von etwa 18 %", sagt Gründer und CEO Albert Schmidbauer. Die Familienmehrheit soll dauerhaft bestehen bleiben. Biogena vereint Mikronährstoffe, Diagnostik, Biohacking und Wissensvermittlung. Rund eine Million Kunden nutzen Angebote in über 70 Ländern. Der Umsatz liegt aktuell bei etwa 125 Mio. Euro. Bis 2030 sollen es 500 Mio. Euro werden. Die nötige Produktionskapazität steht schon bereit. "Wir müssen dazu keinen einzigen Euro investieren!" Wachstum versprechen Apotheken, E-Commerce und die Expansion in Deutschland. Der Apothekenvertrieb startet im Oktober. Neue Biogena-Plazas entstehen in München und Frankfurt. Den Direct Market Plus nennt Schmidbauer eine "gute Einstiegsstation". Er betont: "Wir haben selbstverständlich mehr vor." Die Verschmelzung mit der Biogena Group Invest ist vorbereitet. Sie soll innerhalb weniger Monate erfolgen.
"Aktien sind alternativlos", so Fritz Mostböck, Head of Group Research der Erste Group. Das Umfeld sei zwar fragil: Geopolitische Krisen, ein hoher Ölpreis und steigende Inflationsraten belasten, während steigende Renditen bei US-Staatsanleihen mit fallenden Anleihekursen einhergehen. Aktien böten dagegen langfristig Inflationsschutz, weil Unternehmen höhere Preise weitergeben können. Zentral- und Osteuropa bleibt für Mostböck der Wachstumsmotor der EU. Nach seiner Faustregel erzielt die Region mehr als doppelt so hohe Wachstumsraten. Davon profitiert auch Wien: Mit einem 2026er-KGV von 12, einem 2027er-KGV von 11, einem erwarteten Gewinnwachstum von 10 beziehungsweise 15 % und rund 4 % Dividendenrendite hält er den Markt trotz der Rallye für attraktiv. Das geplante Zukunftsdepot für Kinder und Jugendliche sieht er als richtigen ersten Schritt: Eine langfristige Kapitalmarktanlage könne über 40 bis 45 Jahre mehrere Börsencrashs verkraften und die staatlich dominierte Altersvorsorge sinnvoll ergänzen.
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