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Lenzing zieht beim Konzernumbau die Fasern straffer: Unter der Strategie "Grow Nonwovens, Reset Textiles" verabschiedet sich der Spezialfaserhersteller von margenschwachen Standardtextilien und setzt stärker auf Vliesstoffe für Hygiene, Filter und technische Anwendungen. CEO Georg Kasperkovitz und CFO Mathias Breuer erklären, wie Werksschließungen und zusätzliche Einsparungen von 120 Mio. Euro die Profitabilität heben sollen. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz auf 1,27 Mrd. Euro, das EBITDA lag bei 239,2 Mio. Euro und das EBIT bei 83,7 Mio. Euro. Der Gewinn nach Steuern hat sich auf 35,6 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Neues Eigenkapital und zusätzliche Finanzierungen sollen den Umbau absichern. Das Ziel: mehr Premium, mehr Nonwovens und weniger Modeabhängigkeit sowie mittelfristig eine EBITDA-Marge von 20 bis 25 %. Vom Holz zur Faser, von der Faser zur Marge: Lenzing spinnt den Konzernfaden neu.
AMAG Halbjahr 2026: Der Absatz steigt leicht auf 221.000 Tonnen. Der Umsatz wächst um 8 %, das EBITDA um 25 % auf gut 101 Mio. Euro. Der Gewinn liegt bei fast 41 Mio. Euro. Vor allem der höhere Aluminiumpreis treibt Umsatz und Ergebnis. "Im EBITDA wirkt er nicht ganz so stark", erklärt CFO Claudia Trampitsch. Zugleich verteuert er Rohmaterialien und bindet Kapital. Die höhere Produktion lässt Vorräte und Forderungen wachsen. Daher fällt der operative Cashflow auf rund -57 Mio. Euro. Der Free Cashflow sinkt auf -76 Mio. Euro. "Das ist ein temporärer Effekt", sagt Trampitsch. AMAG verfügt über genügend Liquidität zur Vorfinanzierung. Automobil, Luftfahrt und Wärmetauscher liefern Wachstumsimpulse. Rechenzentren, Batteriesysteme und KI-Infrastruktur schaffen zusätzliche Nachfrage. Trotz US-Zöllen erkennt AMAG bisher keinen Nachfragerückgang. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet AMAG 170 bis 190 Mio. Euro EBITDA. Marktpreise, Energiepreise, Nachfrage und Zölle bleiben wichtige Risiken. "Wir haben wirklich nur realistische Annahmen eingepreist", sagt Trampitsch.
Ein kleiner Rückgang beim Umsatz, ein großer Rückgang beim Gewinn. So die Jahresbilanz der Zumtobel Gruppe. Eine Dividende "ist den Aufwand nicht wert", so der CFO Thomas Erath. Stattdessen schielt das Unternehmen auf eine bessere operative Performance im nächsten Jahr. "Alle Märkte sind eigentlich sehr verhalten. Auch unsere Konkurrenz ist dementsprechend schlecht. Wir hatten im DACH - Bereich einen Umsatzrückgang von 3 %, in Süd- und Osteuropa minus 5 % und Nord- und Westeuropa fast 9 %. Positive Impulse hatten wir aus der Region Amerika und MEE." Überkapazitäten trüben das Geschäft. Rund 20 Mio. Euro wurden als Sondereffekte für Restrukturierung ausgegeben. Ein Licht am Ende des Tunnels wird beim Lichttechniker Zumtobel dennoch erwartet: "Wir hoffen, dass wir nun am unteren Ende des Zyklus angekommen sind."
Die KI-Suppe ist äußerst heiß und nahrhaft, aber eben auch dickflüssig und trüb. Wolfgang Matejka sieht eine "gespaltene Investitionsgemengelage" sowie "ein wirklich komplexes Thema, das sich jetzt nicht mehr in einer Zyklizität befindet, sondern in einem globalen gemeinsamen Wettbewerb gegen China". Eine weitere Disruption erwartet er aus dem Bereich der Kryptos: "Die Blockchain wird über ein globales Netz, das fast jeden erreichen kann, Services anbieten, die derzeit über Bitcoin State of the Art sind. Und das wird ein paar Branchen ziemlich heftig treffen. Also Banken, Versicherungen, Anwälte etc." Als "ganz schwierig" bezeichnet Matejka das weitere Vorgehen der Fondsmanager als "Trüffelschweine": "Eigentlich kommst du dir in diesem Geschäft regelmäßig ziemlich alt vor. Es ist ein fortwährendes Bemühen, den restlichen Aktienmarkt in dieser veränderten Situation gespiegelt zu wissen. Aber der Wandel ist notwendig. Es geht nicht anders."
Emerald Horizon: Speicher heute, Energie morgen. Emerald Horizon aus Graz entwickelt Technologien für Energiespeicherung und perspektivisch auch für CO2-freie Energieerzeugung. Im Zentrum stehen zwei Begriffe: DUALstore PLUS, ein hybrider Speicher für Strom und Wärme, und ADES, eine thoriumbasierte Energiequelle mit Teilchenbeschleuniger. CEO Florian Wagner: "Unser USP entsteht in der von einer AI gesteuerten Multicontroll-Unit. Die bestehende Energie gilt es zu optimieren." Der thermische Speicher (ADES-Container) arbeitet mit Flüssigsalz und Temperaturen bis über 500 Grad, Thorium als leicht radioaktives Schwermetall nutzt bei diesem Prozess der Kernenergieerzeugung - "unterkritisch, kilometerweit weg vom Plutonium". Energy as a service: Wie verdient das Unternehmen Geld? "Der Kunde least die Energieproduktion. Wir bauen kein Riesenkraftwerk und auch keine Factory, die Module produziert. Ebenso wenig errichten wir die Infrastruktur."
Die Märkte in der ersten Jahreshälfte: robust und resilient. Alois Wögerbauer (3 Banken Generali) zeigt sich darüber gar nicht mal überrascht: "Die Märkte haben einfach nur rational gearbeitet." Die Geopolitik juckt die Börsen, anders als uns Menschen und die Medien, eben nur bedingt. "Wir sind weit von einer Weltrezession entfernt." Und von der "größten Energiekrise der Menschheit" kann auch keine Rede sein. Ähnliche Übertreibungen mit Chancen sowie Risiken begegnen uns in sämtlichen Geschichten rund um KI. "Sehr viel Zukunft ist da eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das in einer Korrektur endet, liegt bei 100 Prozent", so Wögerbauer mit einem Augenzwinkern. Bullenmärkte sterben in Euphorie - "aber ich sehe keine euphorischen Anleger." Gleichwohl geht Wögerbauer nicht davon aus, dass der Gesamtmarkt in all seiner Breite von einer Korrektur nach unten gezogen werden könnte. In einem ausgewogenen Portfolio plädiert er zum Beispiel für Pharma und Konsum.
Aktienmarktstratege Manuel Schleifer (Raiffeisen Bank International) sieht nervöse, und dennoch unbekümmerte Märkte und meint, dass die Zeit für Käufe nicht günstig sei. "Aber irgendwie ist der Markt trotzdem von Allzeithoch zu Allzeithoch geeilt." Wer bereits investiert sei, solle eher halten. "Der Markt ist ja nicht dumm. Er folgt dem üblichen Drehbuch: Er macht sich zu Beginn massiv in die Hose und beginnt das Worst-Case-Szenario einzupreisen. Erst dann, wenn sich der Nebel des Krieges ein bisschen lichtet, haben wir mehr Klarheiten." Dem KI-Geschäft attestiert er "parabolische Anstiege, die nicht unbedingt nachhaltig sind". Droht uns etwa doch ein zweiter Dotcom-Crash? "Der Vergleich hinkt, die Hyperscaler schwimmen im Cash." Trotz horrender Investitionen. "Es ist jedoch schwierig, den gesunden Optimismus von der Euphorie zu unterscheiden. Wahnsinnig sinnvoll ist es, sich emotional schon mal darauf einzustellen, dass diese Party nicht ewig weitergeht."
26 % Performance beim ATX TR in diesem Jahr - das ist beeindruckend. "Zentral- und Osteuropa scheinen wieder im Blickpunkt der Investoren zu sein." Von dieser Wachstumsregion profitiert auch die Wiener Börse. Im Osten erkennt Fritz Mostböck von der Erste Group Bank AG auch dank des Aufholpotenzials klare Vorteile gegenüber der westlicheren EU-Region, die sich weniger auf Fördermittel verlassen kann und vom Nahost-Konflikt und den damit einhergehenden Sondereffekten stärker betroffen ist. Weithin machtlos ist die EZB, "aber sie wird kurzfristig auf die Inflation reagieren können müssen". Die Weltwirtschaft wird nach Ansicht von Mostböck eher moderat wachsen, auch in Teilbereichen: Ein "brüllendes Wachstum" erwartet Mostböck weder für die USA noch für Europa. Für den ATX nennt er Bewertung, Dividendenrendite und Gewinnwachstum als weiterhin attraktiv.
Walter Oblin blickt auf 20 Jahre Österreichische Post an der Börse zurück und zieht eine positive Bilanz. "Der Börsengang war der Katalysator für eine tiefgreifende Transformation des Unternehmens." Aus einem staatlich geprägten Betrieb entstand ein wirtschaftlich orientierter Konzern mit klarem Fokus auf Kunden, Wachstum und Investoren. "20 Jahre Post an der Börse ist eine Erfolgsgeschichte." Die Aktie entwickelte sich stark, dazu kamen hohe Dividendenausschüttungen. "Wir sind ganz klar positioniert als stabiler, defensiver Dividendenwert." Als größte Herausforderung nennt Oblin die Pandemie. Damals half er selbst im Logistikzentrum mit. Ein echter "Workout" - denn viele Kunden bestellten Hanteln und Fitnessgeräte für das Training zuhause. "Wir haben 20 Jahre ohne Profit Warning hinter uns." Als Stärken nennt Oblin Marke, Zustellnetz und Filialstruktur. "Wir sind näher als niemand in diesem Land an den Menschen dran." Mit Bank99 und Yellow erweitert die Post ihr Geschäftsmodell. Für die Zukunft fordert er moderne Rahmenbedingungen und mehr unternehmerische Freiheit in Europa.
Der Börsengang von Andritz war kein Spaziergang, sondern ein Kraftakt: Erst platzte die Dotcom-Blase - dann wurde der erste Anlauf im Herbst 2000 abgebrochen. CEO Dr. Joachim Schönbeck: "Es war schon auf Kante genäht. Einen kleinen Maschinenbauer aus Graz wollte damals nicht jeder auf der Agenda haben!" Doch Andritz blieb dran und startete im Juni 2001 den zweiten Anlauf. Mit Erfolg. Und genau dieser Schritt wurde zum Startschuss einer neuen Andritz-Ära. Mit dem Kapital aus dem Börsengang finanzierte der Konzern den zweiten Teil der Ahlstrom-Akquisition und baute aus dem früheren Lizenzmaschinenbauer einen globalen Technologiekonzern. Seit dem IPO hat Andritz den Umsatz verachtfacht, die Belegschaft auf rund 30.000 Mitarbeitende versiebenfacht und das Ergebnis versechzehnfacht. Für Aktionäre summiert sich der Total Shareholder Return laut Schönbeck auf über 6.000 %. Heute liefert Andritz Technologien für das nächste Kapitel: Wasserkraft, Biomasse, grüner Wasserstoff, Elektrobleche und Batterietechnik. Kurz: Aus Börsenkater wurde Industrie-Kraftstoff.
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