Raus aus der Perfektionismus-Falle!
Wie gut ist gut genug?
Viele Angehörige psychisch erkrankter Menschen kennen den inneren Drang: Ich muss mehr tun. Ich muss es richten. Ich bin nicht gut genug. In dieser Folge stelle ich das Konzept des „Good Enough Parent“ des britischen Psychoanalytikers Donald W. Winnicott vor – und zeige, warum es für Angehörige ebenso befreiend wie handlungsleitend sein kann.
Donald W. Winnicott (1896–1971) beobachtete, dass Kinder keine perfekte Mutter brauchen – sondern eine „ausreichend gute“. Kleine, altersgerechte Enttäuschungen sind nicht schädlich, sondern notwendig: Sie geben Kindern den Raum, eigene Ressourcen zu entwickeln, Frustration zu tolerieren und Autonomie aufzubauen. Zu viel Perfektion hingegen verhindert Wachstum.
Was bedeutet das für Angehörige?
Die Dynamik, die Winnicott beschrieb, ist universell: Zwischen Fürsorge und Autonomie, zwischen Präsenz und Loslassen. Für Angehörige psychisch erkrankter Menschen bedeutet „gut genug“ konkret:
• In akuten Krisen darf und soll mehr Unterstützung da sein – aber als Phase, nicht als Dauerzustand.
• Nicht jede Not sofort aufzulösen schafft Raum für eigene Bewältigungsstrategien der erkrankten Person.
• Die eigene Stabilität ist keine Selbstsucht – sie ist die Voraussetzung für nachhaltige Fürsorge.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Das Konzept der „High Expressed Emotion“ (Vaughn & Leff, 1976; Butzlaff & Hooley, 1998) zeigt empirisch: Überfürsorge, Kontrolle und emotionale Überinvolviertheit von Angehörigen erhöhen das Rückfallrisiko bei psychischen Erkrankungen. Weniger kann tatsächlich mehr sein.
Wenn du noch mehr über mich und meine Arbeit erfahren möchtest, findest du mich im Internet unter:
https://www.praxisfahnemann.de
Wenn du dir Begleitung wünscht oder einen Themenvorschlag für diesen Podcast machen möchtest, dann schreib mir einfach eine E-Mail. Hier erreichst du mich:
[email protected]
Ich freue mich, von dir zu lesen und beantworte jede Mail persönlich.
**Meine Online-Angebote findest du hier: **
https://www.praxisfahnemann.de/angehoerigestaerken/
Deine Teilnahme an der Angehörigengruppe kannst du hier buchen:
Hier geht's zum Einzelticket
• Winnicott, D. W. (1960). The theory of the parent-infant relationship. International Journal of Psychoanalysis, 41, 585–595.
• Winnicott, D. W. (1965). The Maturational Processes and the Facilitating Environment. London: Hogarth Press.
• Vaughn, C. E., & Leff, J. P. (1976). The influence of family and social factors on the course of psychiatric illness. British Journal of Psychiatry, 129, 125–137.
• Butzlaff, R. L., & Hooley, J. M. (1998). Expressed emotion and psychiatric relapse. Archives of General Psychiatry, 55(6), 547–552.
• Fonagy, P., & Target, M. (1997). Attachment and reflective function. Development and Psychopathology, 9(4), 679–700.