Bald ist Weihnachten. Und dann die Zeit zwischen den Jahren. Zeit für dicke Bücher!
Ich bin Katharina Borchardt, Literaturredakteurin bei SWR Kultur, und ich empfehle das vielleicht dickste Buch des Jahres: „Das Lied von Storch und Dromedar“ von der Groninger Autorin Anjet Daanje. 976 dichtbedruckte Seiten – genau das Richtige für entspanntes Binge-Reading über die Feiertage!
Der Roman erzählt vom Nachleben einer gewissen Eliza May Drayden. Sie ist der englischen Autorin Emily Brontë nachgebildet. In elf Großkapiteln erzählt Daanje von Menschen, die in irgendeiner Beziehung zu Eliza stehen.
Außerdem enthält der Roman Briefauszüge und Biographiefragmente zu den fiktiven Draydens. Ein postmodernes Mosaik im Gewand eines üppigen historischen Romans. Wer war Eliza May Drayden wirklich?
Anjet Daanje hebelt in diesem Mammutwerk mal eben die Zeit aus, zerlegt die Prinzipien von Chronologie und Kausalität und wendet Quantenphysik auf Erzähllogik an. Ein Roman wie ein Treppengemälde von MC Escher, der übrigens aus Leeuwarden kam, nicht weit von Groningen entfernt. Wie bei Escher kippt auch bei Daanje oft die Perspektive.
Dieses Erzählabenteuer sollte man unbedingt miterleben. Dafür aber braucht man ganz profan: Zeit. Ein paar Wochen bestimmt. Zumal man den Roman am Ende gleich nochmal von vorne lesen will! Warum nicht an den Feiertagen damit beginnen?